Käte Stresemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Käte Stresemann, geborene Kleefeld (* 15. Juli 1883 in Berlin-Lankwitz;[1]23. Juli 1970 in New York City), war die Ehefrau des deutschen Politikers Gustav Stresemann (1878–1929).

Gustav, Käte und Wolfgang Stresemann im Hotel Métropol in Genf 1927

Leben[Bearbeiten]

Käte Kleefeld stammte aus einer assimilierten jüdischen Unternehmerfamilie. Beide Eltern waren konvertiert und ließen ihre Kinder Kurt, Käte, Elsa-Maria und Eva evangelisch taufen. Die Familie war kurz vor Kätes Geburt im Dezember 1882 von Kassel nach Berlin umgesiedelt. Ihr Vater Adolf (auch Arthur,[2] ursprünglich Aaron) Kleefeld betrieb gemeinsam mit seinem älteren Bruder Hermann ein Baumwollgeschäft und engagierte sich später im Braunkohlebergbau. Nach seinem frühen Tod blieb die Mutter, Tochter des Pferdehändlers Julius Heinemann, mit den Kindern auf sich gestellt. Während Kurt ein Studium der Rechtswissenschaften aufnahm, wurden die drei außergewöhnlich gutaussehenden Töchter in Berliner Gesellschaftskreisen umschwärmt.[3]

Käte Kleefeld heiratete am 20. Oktober 1903 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin Gustav Stresemann, einen Bundesbruder ihres Bruders Kurt aus der Leipziger Reformburschenschaft Suevia. Stresemann arbeitete damals als Geschäftsführer für den Verband deutscher Schokoladenfabrikanten. Aus der Ehe gingen die Söhne Wolfgang (1904–1998) und (Hans-)Joachim (1908–1999)[4] hervor.

Kätes Schwestern heirateten Offiziere: Elsa Maria den Urenkel eines bekannten preußischen Generals, Hans Karl von Winterfeldt; Eva den Sohn des nationalliberalen Chefredakteurs August Heinrich Braß, Friedrich Braß, der 1914 im Ersten Weltkrieg fiel. In zweiter Ehe heiratete sie 1919 Kurt Sorge, den einzigen Sohn des gleichnamigen Krupp-Direktors Kurt Sorge.

Kätes jüdische Abstammung sollte ihren Ehemann politisch in eine heikle Lage bringen: Einerseits wusste er im Kontakt mit dem Central-Verein Kätes jüdische Familiengeschichte vorteilhaft zu unterstreichen. Andererseits betonte er 1919 gegenüber dem DNVP-Vorsitzenden Oskar Hergt, dass seine Frau keine Jüdin war.[5] Die DNVP attackierte die DVP gerade auch mit dem antisemitischen Vorwurf, ihr Vorsitzender Stresemann sei „jüdisch versippt“. Stresemanns Rivale vom rechten Parteiflügel Paul Moldenhauer zeigte sich in seinen Erinnerungen überzeugt, die Mehrheit der DVP habe rassisch und antisemitisch gedacht und habe an Stresemanns Ehe Anstoß genommen.[6] Die Bindung an Käte ist für Gustav Stresemann ein Argument unter vielen gewesen, ein engeres Bündnis mit der DNVP vehement abzulehnen.[7]

Käte Stresemann verstand es zu repräsentieren. Als ihr Ehemann 1923 das Außenministerium übernahm, wurde ihre Wohnung in der Tauentzienstraße 12a ein Treffpunkt für Diplomaten und Berlins bessere Gesellschaft. Ihr Talent als gewandte Gastgeberin fand lobende Anerkennung, zum Beispiel im Time Magazine anlässlich des 25. Internationalen Reklamekongresses[8] in Berlin: Sie sei „keine Hausfrau, sondern eine junge, elegante, weltoffene, englischsprechende Jüdin, mit der Fähigkeit zur Konversation auf dem gesellschaftlichen Parkett, im Salon gleichermaßen wie im Nachtclub.“[9]

Sie war Trägerin des Rot-Kreuz-Ordens und des Königlich Bulgarischen Hausordens.[10]

Im Herbst 1939 emigrierte Käte Stresemann zusammen mit Wolfgang zu ihrem Sohn Joachim in die Vereinigten Staaten.

Grabstein Käte Stresemann auf dem Waldfriedhof Dahlem, Hüttenweg 47, 14195 Berlin–Zehlendorf

Trivia[Bearbeiten]

In dem deutschen Spielfilm Stresemann von 1956 wurde sie von Susanne von Almassy dargestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • John P. Birkelund: Gustav Stresemann. Patriot und Staatsmann. Eine Biografie. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Martin Ruf. Europa-Verlag, Hamburg 2003.
  • Wolfgang Stresemann: Zeiten und Klänge. Ein Leben zwischen Musik und Politik. Ullstein, Berlin 1997.
  • Jonathan Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s greatest Statesman. Oxford University Press, Oxford u.a. 2002, ISBN 0-19-821949-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Käte Stresemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Stresemann: Zeiten und Klänge. Ullstein, Berlin 1997, S. 10 (online).
  2. DNB: Kleefeld, Adolf (idn=1082046078).
  3. Kurt Koszyk: Gustav Stresemann: Der kaisertreue Demokrat. Eine Biographie. Büchergilde Gutenberg, Köln 1989, S. 81 f.
  4. Paid Notice: Deaths STRESEMANN, JOACHIM. In: The New York Times. 5. Oktober 1999, abgerufen am 17. September 2015.
  5. Jonathan Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s greatest Statesman. Oxford u.a. 2002, S. 137.
  6. Jonathan Wright: Gustav Stresemann, S. 138.
  7. Jonathan Wright: Gustav Stresemann, S. 142 f.
  8. Werbung 1929, chroniknet, abgerufen am 17. September 2015.
  9. „no hausfrau, but a young, elegant, cosmopolite, English speaking Jewess, a woman equipped with the conversation of the polite world, equal to parlor or nightclub.“ In: Time Magazine. 19. August 1929 (online).
  10. Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Band 2, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931, S. 1870 f.