Käthe Loewenthal

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Käthe Loewenthal - Weg durch den Wald

Käthe Frida Rosa Loewenthal (* 27. März 1878 in Berlin; † 26. April 1942 im Durchgangslager Izbica) war eine deutsche Malerin der Moderne und Opfer des Holocaust.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käthe Loewenthal: Berner Voralpenlandschaft, 1910
Käthe Loewenthal: Dünenheide vor Vitte (Hiddensee), 1930
Vitte/Hiddensee Stolperstein: Käthe Loewenthal

Käthe Loewenthal wurde als älteste von fünf Töchtern des Augenarztes und Hygienikers Wilhelm Loewenthal und seiner Frau Clara in Berlin geboren. Die Familie lebte in Genf, Lausanne, Paris, Belgrano (Argentinien) und Berlin, wo der Vater an den jeweiligen Universitäten arbeitete. 1890 übersiedelte die Familie nach Bern. Käthe, die aus einer jüdischen Familie stammte, freundete sich mit einer protestantischen Pfarrersfamilie an. Sie lebte bei dieser Familie, ließ sich taufen und konfirmieren. Während dieser Zeit lernte sie die Werke des Berner Malers Ferdinand Hodler kennen.

Nach ihrer Rückkehr 1892 nach Berlin besuchte sie dort die Höhere Schule bis zum Abschluss 1895. Schon während der Schulzeit zeigte sich ihr künstlerisches Talent. Von 1895 bis 1897 studierte sie bei Ferdinand Hodler. Sie unternahm mehrere Auslandsreisen. In Paris lernte Käthe Loewenthal den Maler Leo von König kennen. Sie folgte ihm nach Berlin und studierte in der von ihm gegründeten privaten Malschule. im September 1890 nahm sie Unterricht in der von Hans Müller-Brauel nach dem Muster von Worpswede gegründeten, vor allem von Frauen besuchten Malschule Zeven bei dem Heidemaler Wilhelm Feldmann. 1902 fuhr sie mit ihrer Schwester Susanne, die ebenfalls Malerin wurde, nach Italien. Es begann die Freundschaft mit der Malerin Erna (Raabe) Freiin von Holzhausen (1882–1938).

Um 1904/1905 arbeitete sie als freischaffende Künstlerin in München, wurde außerordentliches Mitglied im Münchner Künstlerinnenverein und unternahm Reisen ins Berner Oberland. Das Berner Oberland wird das hauptsächliche Motiv ihrer frühen Landschaftsbilder. 1909 zog sie nach Tübingen, dann nach Stuttgart, wo sie Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein wurde.

1910 nahm sie ein akademisches Studium an der Königlich Württembergischen Kunstschule in Stuttgart auf, und zwar in der von Adolf Hölzel geleiteten „Damenmalklasse“. Neben Porträts entstanden Landschaftsbilder, die den Schwarzwald, die Schwäbische Alb, das Neckartal und den Taunus zum Gegenstand haben. Nach Studienabschluss 1914 bezog sie eine Atelierwohnung des Württembergischen Malerinnenvereins.

1912 hatte ihre Schwester Susanne eine Fischerhaushälfte in Vitte auf Hiddensee erworben. Käthe Loewenthal besuchte Hiddensee bis 1935 regelmäßig im Sommer und malte eine Vielzahl von Bildern, die das Meer, die Küste und die Landschaft von Hiddensee zum Gegenstand haben. Sie gehörte auch zum Kreis um Henni Lehmann und zum Hiddensoer Künstlerinnenbund, der bereits 1933 aufgelöst wurde.

Von 1914 bis 1934 arbeitete sie als freie Malerin und verdiente ihren Lebensunterhalt u. a. mit dem Malen von Porträts. Sie war mit ihren Arbeiten auf verschiedenen Ausstellungen vertreten, u. a. auf der Stuttgarter Sezession und im Münchner Glaspalast.

In der Zeit des Nationalsozialismus erhielt Käthe Loewenthal ab 1934 als Jüdin Malverbot. Sie konnte an keinen Ausstellungen mehr teilnehmen und keine Bilder verkaufen. Ihr städtisches Atelier wurde gekündigt und sie selbst aus dem Württembergischen Malerinnenverein ausgeschlossen. Damit wurde ihre Existenz als freiberufliche Malerin abrupt beendet. Zwischen 1935 und 1941 unternahm sie noch Reisen in die Schweiz nach Grindelwald im Berner Oberland. Das Leben wurde für sie immer schwieriger, heimlich wurde sie von einigen Menschen unterstützt, u. a. von der Stuttgarter Künstlerfamilie Dondorf und ihrer ehemaligen Putzfrau Marie Nothdurft.

1941 wurde ihre Wohnung in Stuttgart gekündigt und sie musste in eine sogenannte Judenwohnung umziehen. Im Februar 1942 wurde Käthe Loewenthal in ein Sammellager, das ehemalige jüdische Altersheim in Weißenstein im Landkreis Göppingen, umgesiedelt. Von dort wurde sie in das besetzte Polen aufgrund rassischer Zuordnung deportiert und im Durchgangslager Izbica bei Lublin ermordet. Ihre Schwester Agnes Schaefer (geb. 1882 in Berlin) beendete ihr Leben in den Bergen Griechenlands. Ihre Schwester Susanne Ritscher (1886–1975) überlebte als einzige der Familie den Holocaust.

An sie erinnern Stolpersteine in Vitte und Stuttgart. Ein Seniorenwohnstift in Fürth trägt ihren Namen. Das Verborgene Museum in Berlin widmete der Künstlerin 1993 eine Ausstellung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Künstlerinnen der Moderne – Magda Langenstraß-Uhlig und ihre Zeit. Jutta Götzmann (Hg.), Anna Havemann (Hg.), Potsdam-Museum (Hg.), 2015.
  • “Ein Rucksack voller Farben” – Künstlerinnen und die Freiluftmalerei. Museum Moderner Kunst – Wörlen Passau; Gabler, Josephine. ISBN 978-3-928844-64-2.
  • Käthe Loewenthal 1877–1942. Ölbilder, Pastelle, Zeichnungen. 7. Oktober–5. Dezember 1993, Das verborgene Museum, Dokumentation der Kunst von Frauen e. V., Berlin-Charlottenburg. Das verborgene Museum, Berlin 1993.
  • Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Zur Geschichte des Württembergischen Malerinnen-Vereins und des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart Bd. 81). Klett-Cotta, Stuttgart 1999, Bd. 1 S. 172–191; Bd. 2 S. 104–105.
  • Ruth Negendanck: Hiddensee. Die besondere Insel für Künstler. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2005, ISBN 978-3-88132-288-1, S. 87ff.
  • Grete Grewolls: Loewenthal, Käthe. In: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Das Personenlexikon. Hinstorff, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01405-1.
  • Angela Rapp: Der Hiddensoer Künstlerinnenbund – Malweiber sind wir nicht. Berlin 2012, ISBN 978-3-00038-345-8.
  • Marion Magas: Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten. Eigenverlag, 2008, ISBN 978-3-00-023779-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]