Kö-Bogen

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Lage der Kö-Bogen-Neubauten (rot) in einer stark vereinfachten Ansicht des Stadtgefüges. Die Lage des 2013 abgerissenen Tausendfüßlers ist gelb zu erkennen.
Kö-Bogen von Osten

Der Kö-Bogen ist eine städtebauliche Maßnahme in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Benannt ist das Projekt nach dem Viertelkreis-Bogen, den die dort am Rande des Hofgartens und des Teichs an der Landskrone einst verlaufende Hofgartenstraße in Richtung der Königsallee, der , beschrieb. Die Baumaßnahme ist in verschiedene Bauabschnitte und Bauphasen gegliedert. Im ersten Bauabschnitt wurde der Jan-Wellem-Platz, der nach Fertigstellung der Wehrhahn-Linie nicht mehr als Straßenbahnknotenpunkt benötigt wird, nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind mit einem Gebäudekomplex aus Einzelhandels-, Büro- und Gastronomienutzungen[1] bebaut, der selbst den Namen Kö-Bogen trägt. Zudem wird die Hofgartenstraße weitestgehend durch einen Tunnel ersetzt. Im zweiten Bauabschnitt wurde die Hochstraße Tausendfüßler abgerissen und wird ebenfalls durch einen Tunnel ersetzt.

Weiterhin sollte die Bebauung in der Umgebung teilweise durch Neubauten ersetzt und die städtebauliche Struktur neu geordnet werden. Dies betraf besonders den Bereich südlich des Schauspielhauses vom Gustaf-Gründgens-Platz bis zur Schadowstraße. Entsprechend der ersten Planungen sollten hier vier neue Gebäudekomplexe errichtet werden.[2] Entlang des ehemaligen Verlaufs des Tausendfüßlers soll eine Fußgängerpromenade angelegt werden. Das Projekt war umstritten und hat eine kontroverse Diskussion in Düsseldorf ausgelöst, die in einem Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes gipfelte, welches am nötigen Quorum scheiterte. Am 17. August 2009 wurde der symbolische erste Spatenstich gesetzt.[3] Das Ende der Baumaßnahmen für die zwei Gebäude verzögerte sich, wie unter nachfolgend in „Abschnitt 2.1“ angeführt, durch einen Brand im westlichen Gebäude Ende September 2013 für diesen Bauteil.

Nach der weitgehenden Beendigung des ersten Bauabschnitts mit der Fertigstellung der beiden Libeskind-Bauten Ende 2013 erfolgte die Inbetriebnahme des zweiten Teiles für die U-Bahn der Wehrhahn-Linie bis Anfang 2016. Danach waren als weitere Phase die umfangreichen Arbeiten für die neue Strukturierung des Bereiches zwischen Schauspielhaus und Schadowstraße noch durchzuführen, die mit „Kö-Bogen II“ bezeichnet werden und deren Ausführung Anfang 2017 begann.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hofgarten zu Düsseldorf, Planzeichnung des Düsseldorfer Stadtgärtners Heinrich Hillebrecht, 1895 – auf der rechten Seite des Plans: Darstellung der historischen Hofgartenstraße und der freiraumgestalterischen Raumfolge zwischen Hofgarten, Landskrone, Corneliusplatz und Königsallee
Postkartenmotiv um 1900: historische Bebauung an der Landskrone und der Hofgartenstraße, rechts das Trinkaus-Palais, an dessen Stelle nach dem Zweiten Weltkrieg der Jan-Wellem-Platz angelegt wurde und danach die Gebäude des Kö-Bogens entstanden
Jan-Wellem-Platz vor Beginn der Baumaßnahmen, 2008

Vor den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg war das Gebiet des heutigen Jan-Wellem-Platzes fast vollständig bebaut. Auf der Ecke Hofgartenstraße/Königsallee stand das Trinkaus-Palais, das am 23. April 1944 durch einen Luftangriff schwer beschädigt und danach abgerissen wurde. Nach dem Krieg entschied man sich gegen einen Wiederaufbau und errichtete stattdessen auf der frei gewordenen Fläche einen großen Straßenbahn- und Busknotenpunkt. Fast alle Straßenbahnlinien verkehrten in der Nachkriegszeit über diese Haltestelle. Nach Fertigstellung des Innenstadttunnels der Düsseldorfer Stadtbahn wurden aufgrund des verringerten Bedarfs bereits einige Straßenbahngleise rückgebaut. Durch die vorgesehene U-Bahn für die Wehrhahn-Linie würden nach deren Fertigstellung auf dem Jan-Wellem-Platz keine oberirdische Straßenbahnen mehr verkehren. Lediglich neben dem Platz gäbe es nach der damaligen Planung noch oberirdische Straßenbahngleise, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Dadurch stellt sich die Frage der Nachnutzung der frei gewordenen Flächen.

Das Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven stellte 2005 einen Entwurf vor, der zwei halbkreisförmige Gebäude mit Glasfassaden auf dem Platz vorsah. Die Bank HSBC Trinkaus wollte als Investor auftreten und die Gebäude nach der Fertigstellung für ihre Büros nutzen. In Absprache mit der Stadt wollte die Bank einen Fassadenwettbewerb veranstalten, um eine hochwertige Lösung zu finden.[5] An dem Wettbewerb beteiligten sich neben Ingenhoven noch vier weitere Architekturbüros. Die Entwürfe wurden in einem Pavillon ausgestellt, in dem die Bürger für den von ihnen favorisierten Entwurf stimmen konnten.[6] Im August 2007 entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass städtische Grundstücke im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung verkauft werden müssen.[7]

Zunächst bewarben sich zehn Investoren- und Architektengruppen, von denen fünf ausgewählt wurden. Am 13. April 2008 fand ein Bürgerbegehren statt, das zum Ziel hatte, den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes an einen Investor zu verhindern. Die Mehrheit der teilnehmenden Bürger stimmte mit „Ja“. Da die Wahlbeteiligung lediglich bei 16,8 Prozent lag, wurde allerdings das Quorum nicht erreicht.[8] Mitte Oktober 2008 zogen sich mehrere Bewerber aus dem Ausschreibungsverfahren zurück: Die Bank HSBC Trinkaus zog ihre Bewerbung zurück, ebenso Hochtief und Züblin. Es verblieben die „Bouwfonds MAB Development“ aus Frankfurt und „die developer“ aus Düsseldorf. Von den verbliebenen zwei Bewerbern gab am 15. Januar 2009 nur noch das Büro „die developer“ um den Architekten Daniel Libeskind einen Vorschlag ab.

Die neuen Entwürfe weichen stark vom ursprünglichen Konzept, welches Ingenhoven entworfen hatte, ab.[9] Am 5. Februar 2009 beschloss der Rat der Stadt Düsseldorf die Umsetzung des geplanten Bauvorhabens.[10]

Die Stadt Düsseldorf griff die Kritik an dem engen räumlichen Rahmen des bisherigen Verfahrens auf und schrieb einen Wettbewerb für den Umgebungsbereich des Kö-Bogens aus. Ein Gemeinschaftsentwurf der Molestina Architekten und FSWLA gewann diesen Wettbewerb Anfang 2009.

Nach Abriss des Tausendfüßlers 2013 wurde erneut die Ausführung der Flächen östlich von den zwei neuen Bauten diskutiert. Diese führten ab 2014/5 zu einer völlig neuen Planung, die im Abschnitt „Projekt Kö-Bogen II“ näher beschrieben wird.

Baumaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Kirschblüte am Kö-Bogen. 2014
Tausendfüßler, öffentliche Begehung kurz vor dem Abriss, 2013
Schauspielhaus und Gustaf-Gründgens-Platz, davor das geplante Baufeld 4, 2013

Erster Bauabschnitt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Bauabschnitt sah vor, dass der Jan-Wellem-Platz mit zwei Gebäuden nach Entwürfen des Architekten Daniel Libeskind bebaut wurde. Sie bestehen aus fünf oberirdischen Geschossen und haben eine Höhe von etwa 26 Metern. Die Fassaden der Bauwerke nach Süden und Osten sind konkav und konvex geschwungen. Die Seite im Westen folgt der Fluchtlinie der Königsallee. Zum Hofgarten im Norden beschreibt die Fassade den Bogen der früheren Hofgartenstraße. Ab dem dritten Geschoss verbindet eine Brücke die beiden Gebäude. Die Fassade ist aus dem Naturstein Travertin und Glas zusammengesetzt. Nach Süden und Osten weist die Fassade eine horizontal betonte Gliederung auf; teilweise sind den Fensterflächen dort waagerechte Lamellen vorgesetzt. Zu Hofgarten und Königsallee hin springt die Fassade, die dort vertikal gegliedert ist, durch sogenannte cuts (engl. für Einschnitte) an bestimmten Stellen zurück; hier werden in die Fassade integrierte Bepflanzungen vorgenommen. Über alle Fassaden laufen diagonale Linien, an denen ein Wechsel zwischen Fensterflächen und Natursteinverkleidung stattfindet.

Die Gebäude sollen für Einzelhandel, Büros und Gastronomie genutzt werden. Um Platz für die Bauarbeiten zu schaffen, wurden zunächst noch verbleibende Bushaltestellen des Jan-Wellem-Platzes auf die Heinrich-Heine-Allee und die Berliner Allee verlegt. Grundlage für die Gebäude des ersten Bauabschnitts bildet eine Tunnelanlage, die vom Norden südlich der Jägerhofstraße dem Verlauf der Hofgartenstraße nach Westen entspricht und in der Elberfelder Straße wieder auftaucht. Eine zweite Tunnelröhre verbindet die Berliner Allee südlich der Schadowstraße mit der Hofgartenstraße südlich der Jägerhofstraße. Die Tiefgaragen des Schauspielhauses und des Thyssen-Hauses werden unterirdisch angebunden.

Der erste Bauabschnitt sollte planmäßig am 17. Oktober 2013 eröffnet werden, der Nord-West-Tunnel zwischen Jägerhofstraße und Elberfelder Straße ist schon seit dem 7. Januar 2013 geöffnet.[11] Als erste Mieter und Marken sind vorgesehen: Breuninger, Sansibar, Hallhuber, Laurèl, Joop!, Windsor, Strenesse, Unique, Porsche Design, Faber-Castell, Rockberries, Poccino, Apple.[12][13]

Ein Brand in einem Bekleidungsgeschäft des westlichen Gebäudes richtete in der Nacht zum 27. September 2013 – nur wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung – einen Schaden über zwei Stockwerke an.[14] Nach ersten Ermittlungen, bei denen im Gebäude „mehrere Brandorte“, aber keine Hinweise auf einen technischen Defekt oder eine fahrlässige Brandursache gefunden wurden, gehen die eingeschalteten Sachverständigen von einer Brandstiftung aus. Wegen eines in der Nähe des Brandes gefundenen Flyers mit politischem Inhalt wurde der Staatsschutz eingeschaltet.[15] Am 17. Oktober 2013 wurde der östliche Gebäudeteil mit dem Breuninger-Kaufhaus eröffnet.[16]

Zweiter Bauabschnitt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im zweiten Bauabschnitt, offiziell der „Kö-Bogen 2. BA“, wurde die Hochstraße Tausendfüßler im Frühjahr 2013 abgerissen. Eine Tunnelanlage mit vier Ein- und Ausgangsröhren ersetzt die Hochstraße. Die Erste dieser Tunnelverbindungen wurde im Februar 2015 für den Verkehr freigegeben.[17] Die Fertigstellung der weiteren Abschnitte des Tunnels sollte ursprünglich bis Ende des Jahres 2015 abgeschlossen werden verzögerte sich aber bis Ende 2016.[18] Zwar wurde der letzte der vier Tunnelabschnitte, die Verbindung der Hofgartenstraße mit der Berliner Allee, bereits am 10. Nov. 2015 auch für den Verkehr freigegeben, jedoch führten Restarbeiten zu ständigen Unterbrechungen. Von den 274 Betriebstagen seit dem 10. Nov. wurden Bereiche des Tunnels an 87 Tagen für den Verkehr gesperrt. Genervte Benutzer des Tunnels schlugen deshalb vor den 2. Bauabschnitt mit dem Zusatz „Sperrung“ zu versehen.[19] In einer Notiz der Stadt Düsseldorf wurde Mitte Oktober 2016 mitgeteilt, dass ab 17. Okt. die abschließenden Tests für Entrauchung, die Justierung der Beleuchtung, der Lüfter und der Meßsysteme erfolgt. Nach der Sperrung der Tunnel für diese Einstellarbeiten soll ab Ende Oktober 2016 der Verkehr weitgehend störungsfrei verlaufen. Die feierliche Eröffnung der „Wehrhahn-Linie“ erfolgte am 22. Februar 2016.[20][21]

Projekt Kö-Bogen II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der städtebauliche Siegerentwurf von Molestina Architekten und FSWLA aus dem Jahr 2009 sah nach Fertigstellung der U-Bahntunnel und der Inbetriebnahme der Wehrhahn-Linie vor, dass die Gebäude der sogenannten Tuchtinsel abgerissen werden und durch ein kleines Hochhaus im Süden und ein Gebäude mit in der Umgebung üblicher Traufhöhe im Norden ersetzt werden.[22] Weiter sollte die Bebauung südlich des Gustaf-Gründgens-Platzes abgerissen und der Platz vor dem Schauspielhaus umgestaltet werden. Ein weiteres Gebäude war vor der Industrie- und Handelskammer geplant. Als Nutzung für die Neubauten waren Wohnungen, Einzelhandel und Büros vorgesehen. Herzstück des Entwurfs war eine 400 Meter lange Fußgängerpromenade von Norden nach Süden, deren Ränder mit Platanen bepflanzt werden und deren Verlauf die Trasse des ehemaligen Tausendfüßlers nachzeichnet. Diese Planung wurde durch einen Bebauungsplan bereits rechtskräftig.

Nach Abriss des Tausendfüßlers führte die seit 2013 freie Sicht auf Schauspielhaus und Dreischeibenhaus zu einer neuen Debatte über den Bebauungsplan. Nach Meinung der FDP sollte das geplante Baufeld 4 (südlich Dreischeibenhaus) beschnitten werden.[23] Der damalige Oberbürgermeister Elbers erwägte einen völligen oder partiellen Verzicht auf die Bebauung dieses Teilbereichs.[24] Nach Teileröffnung der Libeskindgebäude (Haus Hofgarten) im Herbst 2013 wurde vom Ausschuss für Immobilienwirtschaft innerhalb der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf sowie Grundstückseigner der weitere Bauabschnitt hinsichtlich Nutzung und Vermarktung analysiert und über alternative Lagen der Baufelder am Gustaf-Gründgens-Platz nachgedacht.[25] Die Rheinische Post hatte zusätzlich in einer Interviewreihe Architekten wie Prof. Nathalie de Vries (MVRDV/Rotterdam, Kunstakademie Düsseldorf) und Kaufleute zu Wort kommen lassen.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hatte daraufhin die Architekten Molestina und Fenner, Christoph Ingenhoven und Snøhetta mit neuen Entwürfen für das Baufeld 4 beauftragt. Auf Eigeninitiative wurde von Architekt Caspar Schmitz-Morkramer mit Kollegen die Idee einer Markthalle entwickelt und in der Form einer Computergrafik vorgestellt. Die Düsseldorfer FDP zählte nach einer Mitgliederdebatte zu den Befürwortern der Markthalle, sofern dafür eine „filigrane Architektur“ (Marie-Agnes Strack-Zimmermann) gefunden werden kann. Die Düsseldorfer Jonges dagegen legten ihren Schwerpunkt darauf, dass das Baufeld 4 mit Rücksicht auf das Dreischeibenhaus von Gebäuden freigehalten wird.[26] Sowohl die beauftragten wie auch der selbstinitiierten Entwurf des Architekturbüros HHP wurden März 2014 im Henkelsaal öffentlich präsentiert und konnten im Infopavillon auf der Königsallee besichtigt werden.[27]

Nach internen Diskussionen wurde der Entwurf von Büro Ingenhoven von Ratsmehrheit und Teilen der Opposition favorisiert.[28] Nach diesem Entwurf wird ein begrünter Gebäudeblock mit zum Gustaf-Gründgens-Platz abfallender und abgestufter Gebäudewand auf der Nordwestseite des neuen Gebäudeblockes an der Schadowstraße errichtet.[29] Nordwestlich und oberhalb dem begrünten Gebäudeblock soll ein neues Dreieckgebäude, die Markthalle, liegen. Diese erhält auch ein zum Gustaf-Gründgens-Platz abfallendes begrüntes Dach.[30] Durch die abfallenden Dächer der zwei neuen Gebäude bleibt der freie Blick von Südwesten auf das Schauspielhaus weitgehend erhalten. Kennzeichnend sind eine großzügige Fassadenbegrünung mit Buchenhecken und geneigten Gebäudekanten, die den Raum optisch erweitern und viel Sonnenlicht zuließen. Die Idee einer Markthalle hatte Ingenhoven nach eigenem Bekunden aufgegriffen. Das Dach des „Foodmarket“ würde fließend in den Gustaf-Gründgens-Platz übergehen und könnte nach dem Vorbild des New Yorker Lincoln-Center als Sitzgelegenheit bei Festivals dienen.[31] Noch im Frühjahr 2014 wollten Planungsausschuss und Rat eine Entscheidung fällen, die jedoch wegen weiterer offener Punkte und Fragen wie fehlender gültiger Vertrag mit einem Investor, nicht ausreichend vorliegende visuelle Ansichten für die begrünten Bauten und Einsprüche zum Denkmalsschutz, weiter aufgeschoben werden musste.

Nach Klärung der offenen Punkte und des Umfanges der Bebauung für das gesamte Gelände südlich vom Schauspielhaus wurde ein Vertrag zwischen der Stadt mit einer Investorengruppe 2015 abgeschlossen. Der Vertrag umfasste entgegen der ersten Absicht nun den Verkauf des gesamten Gustaf-Gründgens-Platzes mit dem städtischen Eigentum bis zur Schadowstraße für € 70 Millionen. Der zur Ausführung kommende Vorschlag vom Büro Ingenhoven wird auch „Ingenhoven-Tal“ genannt, da die beiden neuen Gebäude talartig zum Gustaf-Gründgens-Platz abfallen. Als Baubeginn für den Kö-Bogen II war zu diesem Zeitpunkt Anfang 2016 vorgesehen.[32] Aber noch Mitte 2016 war offen ob und wann mit dem Projekt Kö-Bogen II begonnen werden konnte. Ende 2016 waren die noch offenen Punkte geklärt und der Stadtrat genehmigte am 17. November das städtebauliche Projekt. Der offizielle Beginn für die Ausführung begann am 1. Juni 2017 mit einer Baggeraktion durch den Düsseldorfer Oberbürgermeister.[33][34][35]

Freiraumkonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am Kö-Bogen gelegene Landskrone, ein Gewässer und Parkbereich des Hofgartens, wurde verlängert und endet wieder in Sichtachse zum Corneliusplatz und zum Kö-Graben. Auf den der Landskrone zugewandten Terrassen am Libeskindbau, den Hofgartenterrassen, sind Kirschbäume gepflanzt worden.[36] Eine neue Brücke verbindet den Park an der Landskrone mit dem Kö-Bogen und dem Schadowplatz. Auf der Fläche der ehemaligen Hochstraße Tausendfüßler ist eine Platanenpromenade vorgesehen, ergänzt mit Trompetenbäumen. Die in diesem Konzept auch vorgesehene Begrünung des Gleisbetts der Straßenbahnlinie 701 entfällt nun, da inzwischen auch dieser Streckenbereich in einem Tunnel verläuft.[37] Die jetzt im südlichen Bereich des Gustaf-Gründgen-Platzes vorgesehene Bauausführung führt zu einen fließenden Übergang von den Gebäuden zum Platz.

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Untersuchungen eines auf Einzelhandel spezialisierten Makler- und Beratungsunternehmens sollen sich mit dem Kö-Bogen die Laufwege der Einzelhandelskunden im Düsseldorfer Zentrum so verschieben, dass die Kundenfrequenz in der Schadowstraße, am Schadowplatz und im nordöstlichen Teil der Königsallee deutlich zunimmt. Am Schadowplatz wurde die Miete eines Ladenlokals um rund 300 Prozent erhöht.[38] Bereits kurz nach der Teileröffnung des Kö-Bogens im Oktober 2013 sprachen Immobiliensachverständige von einem erheblichen wettbewerbsbedingten Bau- und Investitionsimpuls, den der Neubau in seinem Umfeld dauerhaft auslöse.[39]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Entwurf für den Kö-Bogen vom Architekturbüro Ingenhoven wurde zuerst auf der Immobilienmesse MIPIM 2003 in Cannes einem internationalen Publikum vorgestellt. Weitgehend unverändert ist der Entwurf dann durch die Gremien der Stadt beschlossen worden. Angesichts dieses Vorgehens warfen Kritiker der Stadt eine mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit und die Unterlassung eines von ihnen als nötig erachteten Architekturwettbewerbs vor.

Mit dem Verkauf des städtischen Grundstücks an einen Investor soll ein Teil der Baukosten für die Tunnel refinanziert werden. Zahlreiche Bürger protestierten durch Unterschriften und Leserbriefe gegen die geplante Bebauung, die sie als zu massiv kritisierten und bei der sie zahlreiche Fragen der Verkehrsplanung als nicht geklärt ansahen. Der Stadtrat hatte zuvor den Verkauf entschieden, ebenso die Bebauung durch einen Bebauungsplan. Die Gegner strengten ein Bürgerbegehren an, das sich gegen den Verkauf des Grundstückes richten sollte, da für ein direkt gegen einen Bebauungsplan gerichtetes Bürgerbegehren in Nordrhein-Westfalen keine Rechtsgrundlage besteht. Die Abstimmung am 13. April 2008 sollte die Frage beantworten, ob das Grundstück in städtischem Besitz verbleiben sollte. Das Bürgerbegehren scheiterte an zu geringer Wahlbeteiligung.[40]

Nach dem gescheiterten Bürgerbegehren hatte ein Forum Kö-Bogen sieben nordrhein-westfälische Architekturhochschulen eingeladen, mit ihren Studenten alternative Bebauungskonzepte für den Kö-Bogen zu entwickeln. Die ersten zwölf Vorschläge, die von Studenten der RWTH Aachen, der Universität Dortmund und der Universität Siegen erarbeitet worden waren, wurden in einer Ausstellung der Architektenkammer Düsseldorf am 7. August 2008 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

In einem Pro & Contra zur Eröffnung 2013 bezeichnet Alexander Fils (Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung, CDU) den Kö-Bogen I als eine „eigenständige Ikone“; er habe eine neue, expressive Formensprache und schaffe es, eine kleinteilige und elegante Wirkung zu erzeugen. Architekturprofessor Wolfgang Döring dagegen vermisst „Sorgfalt und Einfühlungsvermögen“; Düsseldorf habe keinen Bilbao-Effekt nötig, die Fassadendetails seien einfach ausgebildet, was wohl der Wirtschaftlichkeit geschuldet sei.[41]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. März 2014 wurde der Kö-Bogen I auf der Immobilienmesse MIPIM in Cannes in der Kategorie best urban regeneration project (bestes Stadterneuerungsprojekt) mit dem 2014 MIPIM Award ausgezeichnet.[42][43]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landeshauptstadt Düsseldorf Der Oberbürgermeister: Kö-Bogen – Variantenprüfung Verkehr. Düsseldorf 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kö-Bogen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Kö-Bogen: Nutzung
  2. In: Express Online vom 8. November 2013. OB Elbers Traum.
  3. RP Online: Kö-Bogen-Start mit Libeskind
  4. In: Online „Themen-Blog Immoblien vom 14. Juli 2016 mit Update Dezember 2016“. Neugestaltung der Innenstadt
  5. RP Online: Kö-Bogen soll Bankhaus werden
  6. RP Online: Kö-Bogen: Info-Zelt vor Ferien
  7. RP Online: Erwin: „Kö-Bogen ist im Zeitplan“
  8. RP Online: Jan-Wellem-Platz kann verkauft werden
  9. Der Westen: Weltstar veredelt den Kö-Bogen
  10. Property Magazin
  11. Freie Fahrt durch den ersten Nord-West Kö-Bogen-Tunnel
  12. Die Developer: Offizielle Eröffnung des Jahrhundertprojekts am 17. Oktober 2013
  13. RP Online: Kö-Bogen wird am 17. Oktober eröffnet, 24. August 2013.
  14. 1000 Grad Hitze bei Großbrand am Kö-Bogen, Artikel vom 27. September 2013 im Portal rp-online.de, abgerufen am 27. September 2013.
  15. Anja Streichan, Christine Wolff: Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Artikel vom 30. September 2013 im Portal rp-online.de, abgerufen am 30. September 2013.
  16. In: RP Online vom 17. Oktober 2013. Breuninger eröffnet
  17. Freigabe der neuen Tunnelröhren
  18. RP Online v. 21. Jan. 2015. In: Tunnelbau für Kö-Bogen voll im Zeitplan.
  19. Kö-Bogen oder "das lange Warten"
  20. In: Online Express vom 17. Dezember 2016. Kö-Bogen-Tunnel-fertig
  21. In: Online Express vom 22. Februar 2016. Eröffnung Wehrhahn-Linie
  22. duesseldorf.de
  23. rp-online.de
  24. rp-online.de
  25. rp-online.de: Experten kritisieren Pläne für die City, 4. November 2013.
  26. rp-online.de: Chancen für Markthalle steigen, 16. Januar 2014.
  27. duesseldorf.de: Mehr als 400 Besucher bei der Präsentation der Pläne im Henkel-Saal/Ausstellung im Kö-Bogen-Pavillon, 7. März 2014.
  28. Rheinische Post, Digitale E-Paper-Ausgabe vom 26. März 2014.
  29. In: RP-online vom 21. Oktober. 2014. Ingenhoven-Tal
  30. In: Düsseldorf-Community.de, Online-Bericht vom 7. März 2014. Ingenhoven-Tal
  31. Wortvortrag von Christoph Ingenhoven bei der öffentlichen Präsentation, 6. März 2014.
  32. In: RP Online vom 10. Dezember 2015. Grundstücksverkauf/Zeitplan
  33. In: Westdeutsche Zeitung Onlineausgabe vom 12. Mai 2016. Kö-Bogen II kann noch kippen
  34. In: Online „Themen-Blog Immoblien“ vom 14. Juli 2016 mit Update Dezember 2016. Neugestaltung der Innenstadt
  35. In: Express Onlineausgabe vom 1. Juni 2017. Kö-Bogen II hat begonnen
  36. Alternativen zur Gestaltung der Hofgartenterrassen. Webseite vom 13. April 2011 im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 26. Juli 2014.
  37. Landeshauptstadt Düsseldorf: Konkretisierung Freiraumkonzept Kö-Bogen, Vorlage Nr. 61/41/2014, 26. März 2014.
  38. Thorsten Breitkopf: Kö-Bogen verändert den Einzelhandel. Artikel vom 21. September 2013, abgerufen am 21. September 2013.
  39. Hans Onkelbach: Kö-Bogen löst Bau-Boom in der City aus. Artikel vom 26. Oktober 2013 im Portal rp-online.de, abgerufen am 26. Oktober 2013.
  40. WZ: Abstimmung: Der Kö-Bogen kann kommen, Ergebnispräsentation der Stadt Düsseldorf
  41. wz-newsline.de: Eröffnung am Schadowplatz: Pro und Contra zum Projekt Kö-Bogen, 15. Oktober 2013.
  42. Kö-Bogen ist weltbestes urbanes Stadterneuerungsprojekt. 13. März 2014 im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 14. März 2014.
  43. 2014 MIPIM AWARDS, Website im Portal mipim.com, abgerufen am 14. März 2014.

Koordinaten: 51° 13′ 37″ N, 6° 46′ 52″ O