Longerich (Köln)

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Wappen von Köln
Longerich
Stadtteil 506 von Köln
Lage des Stadtteils Longerich im Stadtbezirk Köln-Nippes
Koordinaten 50° 59′ 42″ N, 6° 55′ 14″ OKoordinaten: 50° 59′ 42″ N, 6° 55′ 14″ O
Fläche 6,143 km²
Einwohner 13.607 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte 2215 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1888
Postleitzahlen 50737, 50739
Vorwahl 0221
Stadtbezirk Nippes (5)
Verkehrsanbindung
Autobahn A57 A1
Bundesstraße B9
Eisenbahnlinien S 6 S 11
Stadtbahnlinie 15
Buslinien 121 125 127 139
Quelle: Kölner Stadtteilinformationen – Zahlen 2015

Longerich ist ein linksrheinischer Stadtteil von Köln im Stadtbezirk Nippes.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Longerich grenzt im Osten an den Stadtteil Niehl, im Süden an Weidenpesch und Bilderstöckchen, im Westen an Ossendorf und im Norden an Lindweiler, Heimersdorf und Seeberg. Der Stadtteil besteht aus mehreren Veedeln, wie man in Köln die Stadtviertel nennt. Dabei handelt es sich um das alte Dorf Longerich, das spätestens im Frühmittelalter existierte, ferner die alte und die neue Gartenstadt und die sogenannte Ungarnsiedlung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Longericher sagen mundartlich zu Longerich „Lunke“. Entsprechend heißt es im Karneval „Lunke Alaaf“. Das Wort leitet sich von Lunrike/Lunreke ab und ist eine Abkürzung zu -iacum, was ein Hinweis auf die römische Zeit ist. Da Longerich an der westlichsten der drei römischen Straßenverbindungen von Köln nach Neuss lag, ist eine Besiedlung schon zur Römerzeit nicht ausgeschlossen. Allerdings wurde diese Straße in der Römerzeit überwiegend dann benutzt, wenn die beiden näher am Rhein gelegenen Straßen wegen Hochwasser nicht passierbar waren.

Über die Zeit im Mittelalter weiß man wenig. Kurz nach 900 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung, die erste Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1080; möglicherweise gab es aber bereits im 9. Jahrhundert eine eigene Kirche. Ein Nachfolgebau aus dem Jahr 1797, der den Turm der Vorgängerkirche verwendete, wurde 1913 abgerissen, nachdem bereits 1900 der Neubau auf einem benachbarten Grundstück fertiggestellt wurde. Longerich gehörte bis 1794 zum Dingstuhl Griesberg im kurkölnischen Amte Hülchrath. 1794 begann die französische und 1815 die preußische Zeit in Longerich. Während der Zugehörigkeit zum Französischen Staat gehörten große Teile des heutigen Stadtbezirks Nippes zur Mairie de Longerich, aus der 1815 die Bürgermeisterei Longerich entstand. 1886 wurden die Ortschaften Nippes, Mauenheim und Riehl von der Gemeinde Longerich abgetrennt. Am 1. April 1888 fand die Eingemeindung der Bürgermeisterei Longerich nach Köln statt.

Nach der Umsiedlung der alten Kirche auf das Nachbargelände entstand auf dem alten Kirchplatz in Erinnerung an die Gefallenen der Kriege des letzten Jahrhunderts eine Parkanlage (Kriegerplatz), die von einem Kriegerdenkmal dominiert wird. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt Longerich große Schäden. Nach 1956 wuchs Longerich durch den Bau der Neuen Gartenstadt auf das Mehrfache seiner bisherigen Größe.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1812–1826: Engelbert Denhoven
  • 1826–1833: Franz Karl Denhoven
  • 1833–1837: Friedrich Frenger (kommissarisch)
  • 1837–1858: Theodor Rosell
  • 1858–1888: Wilhelm Eich

Longericher Viertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt-Longerich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Dionysius Longerich

Viele Jahrhunderte lang war Longerich ein Bauerndorf nordwestlich von Köln. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Köln-Neuss-Krefeld 1855 bekam Longerich einen Bahnhof, der zunächst einige hundert Meter nördlich des Ortes errichtet wurde. Erst 1934 wurde der Bahnhof am Rand des Ortes neu gebaut. Heute halten dort nur noch die Züge der S-Bahn-Linie S 11. Die Grundschule in Alt-Longerich wurde 1832 vom damaligen Bürgermeister Franz Carl Denhoven gegründet. Die 1899 in neugotischem Stil neu errichtete katholische Pfarrkirche St. Dionysius (Architekt: Vincenz Statz) liegt mitten im historischen Ortskern.

Alte Gartenstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alte Gartenstadt-Nord wurde 1936 gegründet. Sie bestand aus massiven Einfamilienhäusern und relativ großen Gärten zur Selbstversorgung mit Gemüse, Obst und auch Hühnern. Im Zweiten Weltkrieg wurden einige dieser Häuser von Brandbomben getroffen, jedoch wurde durch Nachbarschaftshilfe Schlimmeres verhindert, so dass es keine größeren Schäden durch den Krieg gab. 1950 bis 1952 entstand dort die Pfarrkirche Christ König (Architekt: Fritz Schaller), deren Pfarrbezirk den östlichen Bereich des Stadtteils abdeckte.

Ungarnsiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ungarnaufstand 1956 hatte eine große Flüchtlingswelle zur Folge, wobei einige Flüchtlinge auch nach Longerich gelangten. Die sogenannte Ungarnsiedlung aus mehreren Reihenhausreihen zwischen Johannes-Rings-Straße und Militärring in der Meerfeldstraße war ursprünglich reihenweise abwechselnd mit ungarischen und deutschen Bewohnern belegt, um keinen Ghettocharakter aufkommen zu lassen.

Neue Gartenstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Bernhard

Anlässlich des Katholikentags in Köln im Jahr 1956 wurde in der Neuen Gartenstadt in Longerich der Grundstein der sogenannten „Katholikentagssiedlung“ gelegt, die auf einem ursprünglich meist landwirtschaftlich genutzten Gebiet als eine Siedlung mit Einfamilienhäusern für kinderreiche katholische Familien entstand. Den offiziellen ersten Spatenstich hatte der Kölner Regierungspräsident Dr. Wilhelm Warsch am 16. Juli 1956 getan, die Einweihung der fertiggestellten Siedlung erfolgte am 12. September 1959 durch den Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings.

Innerhalb dieser Siedlung, die zeitweise die kinderreichste Siedlung Europas war, entstand 1961 die katholische Pfarrkirche St. Bernhard (Architekt: Fritz Lill) und 1963 die evangelische Immanuelkirche (Architekt: Gottfried Tucholski). Ab 2004 bildeten die beiden ehemals eigenständigen katholischen Pfarrgemeinden in der Gartenstadt eine gemeinsame Pfarrei Christ König und St. Bernhard mit zwei Kirchen. Im Frühjahr 2008 wurde die Kirche St. Bernhard nach fast zweijährigen Restaurierungsarbeiten wegen eines baufälligen Daches wiedereröffnet. Seit dem 1. Januar 2010 sind alle katholischen Kirchen in Longerich (einschließlich des Nachbarstadtteils Köln-Lindweiler) in einer gemeinsamen Pfarrei unter dem Patronat der Alt-Gemeinde St. Dionysius vereint.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilig-Geist-Krankenhaus

Nach der völligen Zerstörung des Klosters der Cellitinnen in der Kölner Kupfergasse im Jahre 1943 wurde 1959 in der Graseggerstraße ein neues Mutterhaus des Ordens erbaut. Anfängliche Pläne der Schwestern, auf ihrem Gelände ein Seniorenhaus zu errichten, wurden jedoch nicht realisiert. Alternativ entstand das im Januar 1964 fertiggestellte Heilig-Geist-Krankenhaus. Das Haus war für 330 Patienten ausgerichtet. 2007 wurde es um ein großes Ärztehaus erweitert und modernisiert. Es trägt an seiner Front als Zeichen des Ordens ein großes „C“.[1]

Es gibt in Longerich vier Kirchen (drei römisch-katholische: St. Dionysius, Christ König und St. Bernhard; eine evangelische: Immanuelkirche) und zwei Kapellen. Bei einer der beiden handelt es sich um die ehemalige Lutherkapelle, die 1933 von der evangelischen Gemeinde aus einem alten Stall zu einer Gottesdienststätte umgebaut wurde. Heute dient diese Kapelle der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde als Kirche.

Der alte Ortskern besitzt zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte auf den Hauptgeschäftsstraßen Longericher Hauptstraße und Grethenstraße, in den Bereichen der Gartenstadt sind weitere Geschäftsinseln angesiedelt. Im Norden des Stadtteils befindet sich die Lüttich-Kaserne der Bundeswehr. Hier wurde am 5. Oktober 2006 die Stammdienststelle der Bundeswehr (seit 1. Dezember 2012 Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr) in Dienst gestellt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-Bahnhof

Im öffentlichen Nahverkehr ist Longerich durch S-Bahn und Stadtbahn (Linie 15) angebunden. Buslinien verbinden Longerich von der zentralen Haltestelle Longericher Straße und dem S-Bahnhof mit anderen Stadtteilen.

Die Anbindung an das überörtliche Straßennetz erfolgt vor allem über die Anschlussstelle Köln-Longerich der Autobahn A 57. Das Autobahnkreuz Köln-Nord und somit die A 1 ist von dieser Anschlussstelle unmittelbar zu erreichen. Das nordöstliche Ende des Stadtteils wird von der B 9 tangiert.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den traditionellen Sportarten in Longerich zählt neben dem Handball, der mit dem Verein Longericher Sport Club in der 3. Handball Bundesliga vertreten ist, der Radsport. Der RRC „Günther 1921“ Köln-Longerich richtet nicht nur seit 1952 am Pfingstmontag das populäre Radrennen „Cologne Classic“ (früher: „Rund um Longerich“) in Longerich aus, sondern stellt mit Wilfried Peffgen auch einen dreifachen Weltmeister.[2]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist Longerich ein überwiegend von Einfamilienhaussiedlungen geprägter und von Grünanlagen durchzogener Stadtteil. Im alten Ortsteil mit seiner traditionsverbundenen Lebensart ist das Umfeld stark vom Vereinsleben und der Kirchengemeinde geprägt. Es bestehen zwei Karnevalsvereine, die einen großen Stadtteilumzug organisieren, ein Schützenverein, der sein jährliches Schützenfest begeht, die Freiwillige Feuerwehr Longerich, die ebenfalls einmal im Jahr ein Fest ausrichtet und ein Bürgerverein, der sich für Belange der Longericher Bürger einsetzt. Im gesamten Stadtteilgebiet existieren drei Kinderchöre, ein Jugendchor, vier Kirchenchöre, ein Männerchor, ein überregional beachteter Kammerchor, ein Blasorchester, mehrere Rock- und Pop-Bands sowie zwei Musikschulen und damit einhergehend zahlreiche Konzertveranstaltungen. Außerdem gibt es einen Square-Dance-Verein.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephanie Habeth-Allhorn: 175 Jahre Cellitinnen zur hl. Maria in der Kupfergasse, eine sozial-karitative Ordensgemeinschaft im Herzen von Köln. Bachem, Köln 2003, ISBN 3-7616-1768-2.
  • Maria Herrig: Unsere lebendige Gartenstadt Nord. Ein Rückblick auf ein (fast) vergessenes Kölner Veedel. Eigenverlag, Köln 2011, ISBN 978-3-00-034501-2 http://www.gartenstadtnord.de/

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Köln-Longerich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephanie Habeth-Allhorn: 175 Jahre Cellitinnen zur hl. Maria in der Kupfergasse, eine sozial-karitative Ordensgemeinschaft im Herzen von Köln. Bachem, Köln 2003, ISBN 3-7616-1768-2, S. 85 ff.
  2. Website des RRC „Günther“ Köln-Longerich