Rath/Heumar

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Wappen von Köln
Rath/Heumar
Stadtteil 808 von Köln
Lage von Rath/Heumar im Stadtbezirk Köln-Kalk
Koordinaten 50° 55′ 17″ N, 7° 4′ 54″ OKoordinaten: 50° 55′ 17″ N, 7° 4′ 54″ O
Fläche 12,91 km²
Einwohner 11.771 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte 912 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1914 (Rath)
1. Jan. 1975 (Heumar)
Postleitzahl 51107
Vorwahl 0221
Stadtbezirk Kalk (8)
Verkehrsanbindung
Autobahn A3
Stadtbahnlinie 9
Buslinie 154 423
Quelle: Kölner Stadtteilinformationen – Zahlen 2015

Rath/Heumar ist ein rechtsrheinischer Stadtteil von Köln im Stadtbezirk Kalk.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortseingangsschild von Rath/Heumar

Rath/Heumar liegt an der östlichen Stadtgrenze und grenzt im Osten an den Waldrand des Naherholungsbereiches Königsforst vor den Höhen des Bergischen Landes. Im Osten befinden sich Bergisch Gladbach und Rösrath, im Süden der Ortsteil Eil, im Westen Gremberghoven und Ostheim, im Nordwesten Neubrück und im Norden Brück. Aufgrund der Lage ist Rath/Heumar eine bevorzugte Wohngegend mit mehreren Siedlungen von Einfamilienhäusern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in vorgeschichtlicher Zeit war der Ort bewohnt, wie ein Faustkeilfund aus der Steinzeit und Grabhügelfelder aus der Hallstattzeit östlich des Mauspfades belegen. Seit dem Mittelalter gehörten Heumar und Rath zum Amt Porz im Herzogtum Berg. Mit der Errichtung des Großherzogtums Berg (1806) und der Neugliederung der Verwaltung nach französischem Vorbild (1808) kamen Rath und Heumar an die Mairie Heumar im Kanton Mülheim im Arrondissement Mülheim im Département Rhein. Seit 1815 waren Rath und Heumar ein Teil des Königreichs Preußen. Rath kam mit Kalk 1910 an die Stadt Köln. Heumar hingegen bildete ein eigenes Amt, das 1929 zusammen mit dem Amt Wahn zum neuen Amt Porz vereinigt wurde und seit 1932 zum Rheinisch-Bergischen Kreis gehörte. Der Doppelort Rath/Heumar besteht als offizieller Stadtteil erst seit der Gebietsreform NRW im Jahre 1975, als mit der Eingemeindung der Stadt Porz der Porzer Stadtteil Heumar (noch erkennbar an der Bezeichnung des stillgelegten Bahnhofs Porz-Heumar) mit dem zu Kalk gehörenden Rath zusammengelegt wurde.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang des Mauspfads und beim Bau der Bundesautobahn 3 hat man bei Ausgrabungen hallstattzeitliche Rennöfen gefunden, in denen Raseneisenstein verhüttet worden ist.[1] Am östlichen Rand von Köln-Rath/Heumar wurde im Königsforst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Bergbau auf Blei- und Zinkerz sowie auf Eisenerz betrieben. Zu erwähnen sind die Bergwerke Grube Copernicus, Grube Königsforst und Grube Quirin.[2]

Bebauung und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Schlösser, im Süden Haus Röttgen und im Norden Haus Rath, rahmen mit weiten Grünflächen und Waldungen die Orte. Mehr als tausend Jahre lebten die Menschen hier von Ackerbau, Viehzucht und Forstwirtschaft. Neben den beiden Rittergütern prägten weitere große Höfe, um die sich Häuser gruppierten, das Ortsbild. Die Rather Burg, die im 19. Jahrhundert durch einen Brand zerstört wurde, war eine Wasserburg, von einem Graben umgeben. Lediglich Reste des Grabens und die Kapelle sind von der Lützerather Straße aus zu sehen. Siedlungen entstanden am Durchhäuser Hof, der schon um 1.000 n.Chr. beurkundet ist und zu dem ein Dutzend lehnsabhängige Höfe gehörten. Weitere am Felderhof (heute Wikingerstraße), am Maarhäuser Hof, auch gegenüber von Haus Rath und dem Strundener Hof an der Lützerathstraße in die Rösrather Straße und am Marcellenhof an der Einmündung Lützerathstraße in die Rösrather Straße. Zwei ehemalige Rheinrinnen der Niederterrasse – Rheinisch: Maar oder Fock – gaben die Ortsstruktur vor, sie bestimmten den Verlauf der Straßen und die Lage der Häusergruppen. Daher zeugt noch der Name Fockerweg. Noch bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts kam es durch diese Altarme des Rheins gelegentlich zu Überschwemmungen. Die Rather flohen dann auf den so genannten Flohberg, einen Hügel an der Rösrather Straße zwischen Rath und Ostheim. Erst seit der Eindeichung von Flehbach und Strunder Bach im Königsforst gibt es in Rath/Heumar keine Überschwemmungen mehr.

Der Maarhäuser-Hof in Heumar

Das Zentrum des Ortes lag an der Einmündung der Eiler in die Rösrather Straße, wo sich einstmals die beiden Altarme begegneten, wo die Grenzlinie beider Orte verläuft. Die agrarische Wirtschaftsform bedingte die Gewerbestruktur des Ortes: Schmiede, Sattler, Stellmacher, Schuhmacher und Schneider kamen in der Regel ins Haus. Nach Ausbau der Eisenbahnlinie siedelten sich vermehrt Gewerbebetriebe an. Der größte Arbeitgeber wurde 1912 die Fabrik Gelochte Bleche (später 'Meyers Fabrik') in der Porzer Straße mit eigenem Gleisanschluss. Da man meist noch Selbstversorger war, fanden nur wenige Krämer mit Kolonialwaren ihr Auskommen.

Schloss Röttgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schloss Röttgen

Prägend für den Ortsteil Heumar ist das über zwei Quadratkilometer große Gelände von Schloss Röttgen. Im Mittelalter als Rittersitz erbaut, wurde dort 1866 ein neues, bis heute bestehendes Herrenhaus errichtet. Auf diesem Gelände, das von einer acht Kilometer langen Mauer (Mülhens' Mauer) umgeben ist, gründete Peter Mülhens 1924 das Gestüt Röttgen, das seitdem zu den bedeutenden Vollblutgestüten Deutschlands zählt.

Verkehr und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme der Royal Air Force, 1945

Die verkehrstechnische Erschließung begann mit dem Ausbau der Rösrather Straße im Jahre 1857. Die Autobahn nach Süden zerschneidet seit 1936 den Ort, im Westen liegt das Heumarer Dreieck. Seit 1904 fährt die Stadtbahn-Linie 9 (ehemals Linie K) der Kölner Verkehrs-Betriebe bis zur Endhaltestelle Königsforst. Als Folge des Ausflugverkehrs entstanden am Mauspfad u.a. Cafés, Restaurants und ein Hotel. 1910 wurde die Eisenbahnlinie von Kalk nach Overath gebaut, Heumar erhielt einen Bahnhof, der aufgrund mangelnder Nutzung geschlossen wurde. Der letzte planmäßige Personenzug hielt hier am 1. Juni 1991.

Einkaufsstraße in Rath/Heumar früher

Nach 1900 stieg die Einwohnerzahl sprunghaft an, u.a. wegen der Industrialisierung im rechtsrheinischen. Die wirtschaftliche Orientierung änderte sich. Siedlungen entstanden wie die seit 1920 gebaute Siedlung Königsforst (auch als "Göttersiedlung" bekannt - aufgrund der nach germanischen Gottheiten benannten Straßen). Auf gleicher Höhe befindet sich auch die "Schmitzebud". Dieser 1898 erbaute Imbiss ist zentraler Treffpunkt der Radsportbegeisterten und wurde 2008/2009 in einer Rettungsaktion, an der u.a. auch Radsportprofi Rolf Wolfshohl teilnahm, vor dem Abriss bewahrt und wiedereröffnet. Die Rösrather Straße wird zunehmend zum Zentrum von Handel, Gewerbe und Gastronomie. Das Wahrzeichen Rath-Heumars ist der "Alte Turm", der Rest der kleinen romanischen Kirche von 1147, die an der Ortsgrenze auf einer Anhöhe im Winkel beider Maare steht. Daher der Name Heumar (mundartl. Hömer), die Höhe am Maar.

Die Barockkapelle des Hauses Rath an der Lützerathstraße aus dem Jahre 1741 ist das älteste Bauwerk Raths. Der Name Rath (mundartl. Rod) lässt sich von Rodung ableiten. Seit Jahrhunderten ist Rath/Heumar als Wallfahrtsort berühmt und weitbekannt. Besonders zum Patronatsfest im September zogen aus der nahen und weiten Umgebung Prozessionen zum hl. Cornelius. Die Pilger riefen den Heiligen um Fürbitte bei Fallsucht (Epilepsie) und Nervenleiden an. Die größte und meistbesuchte Kirmes im Umland war in Rath/Heumar. Im Zentrum standen Buden und Karussells, auf die Besucher warteten dort 4 Säle und 9 Wirtschaften.

Da es sich ursprünglich um zwei verschiedene Orte handelte, gibt es zwei katholische Pfarreien. Die Pfarrkirche St.Cornelius in Heumar wurde 1833/34 erbaut. 1880/81, sowie 1887 wurde sie erweitert. Von der alten Corneliuskirche zeugt noch der romanische Turm. Die Pfarrkirche "Zum Göttlichen Erlöser" in Rath wurde von Fritz Schaller 1953/55 erbaut.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Bendel, Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Geschichte und Beschreibung, Sagen und Erzählungen. Köln-Mülheim 1925

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes. Band 3: Die Gruben in der Paffrather Kalkmulde. Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg, Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-932326-49-0, S. 32f. (Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg e.V. 49).
  2. Herbert Stahl, (Herausgeber): Das Erbe des Erzes, Band 5, Neue Nachrichten und Geschichten zum Erzrevier Bensberg, Bergisch Gladbach 2014, ISBN 978-3-00-044826-3, S. 17 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Köln-Rath/Heumar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien