Truchsessischer Krieg

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Gebhard von Waldburg-Trauchburg, dessen Wechsel zum Protestantismus den Krieg auslöste

Der Truchsessische Krieg war ein von 1583 bis 1588 primär zwischen kurkölnischen und bayerischen Truppen ausgetragener Konflikt. Er wird auch als Kölner Krieg, Kölnischer Krieg oder als Truchsesssche Wirren bezeichnet. Der Krieg vereitelte den Versuch, das Erzbistum Köln in ein erbliches, protestantisches Herzogtum zu verwandeln.

Anlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlass des Krieges war der Konfessionswechsel des Kölner Erzbischofes und Kurfürsten Gebhard Truchsess von Waldburg, der Kurköln in ein weltliches Fürstentum verwandeln wollte. Er proklamierte die Gleichberechtigung der Konfessionen, stellte den Domherren das Bekenntnis frei und wurde daraufhin der Verletzung des Geistlichen Vorbehalts (einer Regelung des Augsburger Religionsfriedens) bezichtigt. Nach seiner Heirat mit der evangelischen Gräfin Agnes von Mansfeld wurde Gebhard am 2. Februar 1583 als Erzbischof abgesetzt und am 1. April 1583 von Papst Gregor XIII. exkommuniziert.

Agnes von Mansfeld-Eisleben auf einem Porträt

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freundschaft von Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg zum Moerser Grafen Adolf von Neuenahr (aus der Linie Neuenahr-Alpen, der seine 16 Jahre ältere Tante Anna Walburga von Neuenahr, Witwe aus der Linie Neuenahr-Moers geheiratet hatte[1]), war für die Entwicklung, die zum Truchsessischen Kriege führte, von besonderer Bedeutung.[2] Die ersten Kontakte des Grafen Adolf zum Gebhard Truchsess waren zustande gekommen, als die Moerser Grafen Hermann und Adolf zusammen mit den Wetterauer Grafen im Kölner Domkapitel im Jahre 1577 die Wahl des Truchsess Gebhard zum Erzbischof von Köln (und damit zum Kurfürsten) unterstützten.[3] Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine engere Beziehung. Die Neuenahr-Moerser Grafen waren engagierte Anhänger der Reformation und Gegner der Katholischen Lehre.[4]

Als Gebhard Truchsess sich 1579 ernsthaft in die Gräfin und evangelische Stiftsdame Agnes von Mansfeld-Eisleben verliebte, war Graf Adolf derjenige, der dem Liebespaar sein Moerser Schloss für heimliche Treffen zur Verfügung stellte. Graf Adolf förderte diese Beziehung. Ein Konkubinat kam für die Gräfin nicht in Frage, auch setzten deren Brüder den Erzbischof unter Druck, die Beziehung durch Heirat zu legalisieren. Dieser aber hatte die Priesterweihe empfangen und stand somit unter dem Zwang des Zölibates.[5] Gebhard Truchsess war allerdings zunächst bereit, auf sein erzbischöfliches Amt und die damit verbundenen Pfründe zu verzichten. Diesen Schritt war auch schon sein Vorgänger Salentin von Isenburg gegangen, der ebenfalls nach Amtsniederlegung geheiratet hatte – allerdings war Salentin nie zum Priester geweiht worden.

Graf Adolf und die Wetterauer Grafen – an ihrer Spitze Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg – drängten den Truchsess aber, die reformierte Konfession anzunehmen, die Gräfin zu heiraten und das Erzbistum in eine weltliche Herrschaft zu überführen.[6] Reichsrechtlich gesehen musste ein solcher Schritt Konsequenzen nach sich ziehen, denn nach §18 des Augsburger Religionsfriedens hatten bei Religionswechsel (Stichwort: geistlicher Vorbehalt) die betreffenden geistlichen Fürsten ihr Amt und ihr Territorium zu verlassen. Dem Domkapital wäre es dann erlaubt, ersatzweise eine Person der alten Religion zu wählen.[7]

Sollte der Truchsess sein Vorhaben umsetzen, würde er gegen geltendes Recht verstoßen. Religionspolitisch wäre dieser Fall besonders brisant, weil des Erzbistum Köln die tragende Säule für den Katholizismus im Nordwesten des Reiches darstellte, mit Auswirkungen auf die westfälischen Bistümer Münster und Paderborn sowie das Stift Essen. Auch die Machtverhältnisse im Reich könnten sich bei einem evangelisch gewordenen Kurköln für zukünftige Kaiserwahlen umkehren – ja, ein evangelisch gesinnter Kaiser wäre damit denkbar geworden.[8]

Der von den befreundeten Grafen unterstützte Plan des Truchsess konnte nur erfolgreich sein, wenn er im Reich genügend Unterstützer fände, u.a. bei den lutherischen Reichsfürsten von Sachsen, Hessen, Brandenburg und der Pfalz. Trotz Geheimverhandlungen im Sommer 1582 blieb die Zustimmung dieser Fürsten aber aus – der Truchsess sah sich nicht als Lutheraner, sondern als Calvinist.[9]

Als der Moerser Graf im Juni 1582 in seiner Erbvogtei bei Köln reformierte Prediger auftreten ließ – die allerdings durch Kanonenschüsse vertrieben wurden - erhielt er Unterstützung für den Truchsess durch die Grafen Arnold von Bentheim, Hermann-Adolf zu Solm, und Wirich von Daun-Falkenstein, hinzu kamen die Wetterauer Grafen; die Truchsessische Allianz fühlte sich stark genug, ihr Vorhaben umzusetzen.[10]

So trat am 19. November 1582 der Truchsess offen zur reformierten Konfession über und stellte seinen Untertanen das Bekenntnis frei. Am 22. Februar 1583 heiratete er in Bonn die Gräfin Mansfeld.[11] Daraufhin exkommunizierte der Papst den Truchsess als Erzbischof und Kaiser Rudolf II. enthob ihn seines Amtes als Kurfürst. Das Domkapitel wählte im Mai 1583 Ernst von Wittelsbach, Bruder des Herzoges von Bayern, zum neuen Erzbischof. Da Gebhard Truchsess seine Absetzung nicht anerkannte, kam es zum sogenannten „Truchsessischen Krieg“.[12]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landkarte des Kurfürstentums Köln (auch Kurköln genannt). Die Staatsgrenzen und die Flüsse entsprechen dem derzeitigen Verlauf.

Im Rheinland kam es in der Folgezeit zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern Gebhards auf der einen Seite (Graf Adolf von Moers, die Wetterauer Grafen, kurpfälzische Truppen, zeitweise auch die Oranischen Niederlande), sowie auf der gegnerischen Seite bayerischen und spanischen Truppen – insbesondere aus den spanisch regierten Teilen der Niederlande. Diese waren formell vom Kölner Domkapitel zu Hilfe gerufen worden, nachdem dieses am 23. Mai 1583 Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln und Nachfolger Gebhards gewählt hatte. Zu den Militärs, auf die sich Ernst beim Kampf um das reichspolitisch bedeutende Kurfürstentum und Erzstift Köln stützte, zählte u.a. Robert von Lynden, sowie Truppen des Chorbischofes Friedrich von Sachsen-Lauenburg und des vormaligen Kölner Erzbischofes Salentin von Isenburg, seit seiner Amtsniederlegung als Erzbischof weltlicher Graf der Grenzauer Linie des Hauses Isenburg.[13]

Schlacht von Hüls (1583) Zeichnung des Künstlers Franz Hogenberg aus dem 16. Jahrhundert
Zerstörung der Godesburg während des Truchsessischen Krieges

Im Rahmen der Kampfhandlungen wurden eine ganze Reihe von Städten belagert und geplündert, so Deutz, das vollständig zerstört wurde, Rheinberg und Linz im Jahr 1583. Mit Hilfe seines Freundes Adolf von Neuenahr und Moers, wurde am 19. November 1583 in der Schlacht bei Hüls die kleine Herrlichkeit Hüls eingenommen.

Nach der Eroberung der Godesburg in Godesberg am 7. Dezemberjul./ 17. Dezember 1583greg. durch bayerisch-spanische Truppen floh Gebhard zunächst in das kurkölnische Westfalen, wo er im kurfürstlichen Schloss zu Werl residierte und in der dortigen Pfarrkirche in einem Bildersturm die Altäre und Kunstschätze zerstörte und plünderte. Hermann von Hatzfeld, Droste zu Balve, war zu dieser Zeit ein erbitterter Gegenspieler von Erzbischof Gebhard. 1583 und 1584 fanden in Uerdingen Plünderungen und Brandschatzungen statt, während die Besatzungen ständig wechselten. 1585 eroberte der auf der Seite Gebhards kämpfende Moerser Graf Adolf die Stadt Neuss und zerstörte eine Reihe kleinerer Burgen und befestigter Höfe im Neusser Umland. Zu nennen sind hier die Burg der Herren von Wevelinghoven (im heutigen „Zubend“, 1587 zerstört), die Burg Hülchrath (durch spanische Truppen 1583 erobert), und die Burg Bedburg (1585 erobert). Die beiden letzteren waren die größten Befestigungsanlagen, die während der Kampfhandlungen teilweise zerstört wurden. Nach Niederlagen in Westfalen und dem Verlust von Recklinghausen, ebenfalls 1585, musste Gebhard in die Niederlande fliehen. Durch Verbündete wie den Grafen c und Moers, der 1586 das kurkölnische Kloster Kamp zerstörte, oder Martin Schenk von Nideggen, der in der Schlacht bei Werl siegte, sowie insbesondere mit Hilfe niederländischer Truppen, die unter anderem am 23. Dezember 1587 Bonn eroberten, setzte Gebhard den Krieg fort. Durch eine lange Belagerung verlor er 1588 die Stadt Bonn. Er musste 1588 den Kampf jedoch endgültig aufgeben, nachdem die Niederlande ihre Unterstützung seiner Sache beendet hatten. Dies war vorangetrieben worden, weil sich der Niederländische Verbündete Wilhelm I. von Oranien mit dem bisherigen Unterstützer des Truchsesses Johann Casimir aus der Kurpfalz überworfen und letzterer seine siebentausend Mann Truppe wegen fehlender Geldmittel abgezogen hatte.[14]

Graf Adolf von Moers hatte bereits 1586 seine Grafschaft verlassen müssen, die durch katholisch-spanische Truppen eingenommen worden war.[15] Er flüchtete in die Niederlande, wurde Statthalter der Gelderlande; am 18. Oktober 1589 kam er bei einem Unfall mit Pulverfässern in Arnheim ums Leben.[16]

letzte Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebhard siedelte nach der Aufgabe mit seiner Gräfin nach Straßburg über und wurde evangelischer Domdechant am Hof von Herzog Friedrich I. von Württemberg. Er starb 1601 in Straßburg und wurde im Straßburger Münster beigesetzt. In seinem Testament bestimmte Gebhard den Herzog Friedrich für die geleisteten Wohltaten zu seinem Erben und betraute ihn mit der Versorgung und dem Schutz seiner Witwe. Agnes lebte bis zu ihrem Tode 1637 unter dem Schutz der Württemberger Herzöge in Württemberg. Begraben wurde sie in Sulzbach.[17]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sieg der katholischen Partei verhinderte einen eventuellen Zusammenbruch des Katholizismus im Nordwesten des Reiches. Besonders die Bistümer Münster, Paderborn, Osnabrück und Minden, welche alle inmitten von protestantischen Territorien lagen, wurden gestärkt. Weiterhin wurde die habsburgisch-wittelsbacher Position im Reich erheblich aufgewertet, da der neue Erzbischof Ernst von Bayern ein Sohn Herzog Albrechts V. und Bruder Wilhelms des Frommen war.

Der Krieg stellte einen bedeutsamen Schritt zur Lösung konfessioneller Streitigkeiten durch Waffengewalt dar. Ähnliche Konflikte waren vorher seit dem Augsburger Religionsfrieden weitgehend friedlich gelöst worden. Außerdem setzte mit der Einbeziehung von spanischen, niederländisch-spanischen und niederländischen Truppen eine Internationalisierung des deutschen Konfessionenproblems ein, welche dann im Dreißigjährigen Krieg ihren Höhepunkt fand.

Als langfristige Folge des Krieges ging das Erzbistum Köln und damit auch eine Stimme im Kurkolleg in Sekundogenitur an das Haus Wittelsbach, was für das bayerische Herrschergeschlecht einen enormen Machtgewinn im Reich bedeutete. Kurköln blieb bis in das Jahr 1761 in Wittelsbacher Hand.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otto Ottsen: Die Geschichte der Stadt Moers Verlag: Steiger, Moers, 1950, S. 285, ISBN 3-921564-06-9
  2. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 219, ISBN 978-3-7887-2592-1
  3. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 220, ISBN 978-3-7887-2592-1
  4. Karl Hirschberg: Historische Reise durch die Grafschaft Moers Verlag: Steiger, Moers, 1975, S. 63
  5. Karl Hirschberg: Historische Reise durch die Grafschaft Moers Verlag: Steiger, Moers, 1975, S. 64
  6. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 221, ISBN 978-3-7887-2592-1
  7. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 221, ISBN 978-3-7887-2592-1
  8. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 221, ISBN 978-3-7887-2592-1
  9. Karl Hirschberg: Historische Reise durch die Grafschaft Moers Verlag: Steiger, Moers, 1975, S. 68
  10. Karl Hirschberg: Historische Reise durch die Grafschaft Moers Verlag: Steiger, Moers, 1975, S. 63
  11. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 222, ISBN 978-3-7887-2592-1
  12. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 222, ISBN 978-3-7887-2592-1
  13. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 222 ff, ISBN 978-3-7887-2592-1
  14. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 223, ISBN 978-3-7887-2592-1
  15. Joachim Daebel: Die Reformation in der Grafschaft Moers 1527-1581 Verlag: Neukirchener Verlagsgesellschaft mbh, Neukirchen-Vluyn, 2011, S. 221-224
  16. Karl Hirschberg: Historische Reise durch die Grafschaft Moers Verlag: Steiger, Moers, 1975, S. 72
  17. Heidemarie Wünsch: Agnes von Mansfeld, Zugriff am 7. Januar 2015.
  18. Peter Claus Hartmann: Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute. 3. Auflage. Pustet, Regensburg 2012, S. 225.