Königheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Königheim
Königheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Königheim hervorgehoben
49.6177777777789.5955555555556223Koordinaten: 49° 37′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Main-Tauber-Kreis
Höhe: 223 m ü. NHN
Fläche: 61,23 km²
Einwohner: 3041 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97953
Vorwahlen: 09341 und 09340Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: TBB, MGH
Gemeindeschlüssel: 08 1 28 061
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 2
97953 Königheim
Webpräsenz: www.koenigheim.de
Bürgermeister: Ewald Wolpert (parteilos)
Lage der Gemeinde Königheim im Main-Tauber-Kreis
Ahorn Assamstadt Bad Mergentheim Boxberg Creglingen Freudenberg Großrinderfeld Grünsfeld Igersheim Igersheim Königheim Külsheim Lauda-Königshofen Niederstetten Tauberbischofsheim Weikersheim Werbach Wertheim WittighausenKarte
Über dieses Bild
Blick auf Königheim

Königheim ist eine Gemeinde in Tauberfranken, gelegen im Main-Tauber-Kreis im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt ca. 6 km westlich von Tauberbischofsheim im Einzugsgebiet des ca. 18 km langen Brehmbachs.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Königheim gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Brehmen, Gissigheim und Pülfringen. Zur ehemaligen Gemeinde Brehmen gehört das Dorf Brehmen. Zur ehemaligen Gemeinde Gissigheim gehören das Dorf Gissigheim, der Weiler Esselbrunn (Hof) und die Häuser Kettenmühle, Öl- und Sägmühle und Untere Mühle. Zur Gemeinde Königheim in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 gehören das Dorf Königheim und der Weiler Weikerstetten sowie die abgegangene Ortschaft Langenfeld (?). Zur ehemaligen Gemeinde Pülfringen gehören das Dorf Pülfringen und die Weiler Hoffeld und Birkenfeld.[3]

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

In Königheim gibt es vier Naturschutzgebiete:[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichte der Gemeinde Königheim[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Königheim wurde 1149 erstmals urkundlich erwähnt. 1422 erhielt die Gemeinde das Marktrecht.

Neuzeit[Bearbeiten]

Bis 1585 gehörte Königheim zum Hochstift Würzburg, das es in diesem Jahr an Kurmainz übertrug. Im Rahmen der Säkularisation aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses fiel der Ort zunächst 1803 an das Fürstentum Leiningen und dann durch die Rheinbundakte 1806 an das Großherzogtum Baden. Dort gehörte Königheim zunächst zum Bezirksamt Tauberbischofsheim, aus dem 1938 der gleichnamige Landkreis entstand. Als dieser 1973 aufgelöst wurde, fiel Königheim an den neugebildeten Tauberkreis, der ein Jahr später in Main-Tauber-Kreis umbenannt wurde.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge der Jüdischen Gemeinde von SA-Männern geschändet; die Kultgegenstände wurden auf dem Sternplatz öffentlich verbrannt. Eine Gedenktafel am Postgebäude in der Münzgasse 2 erinnert an dieses Geschehen.[5]

Am 21. Juni 1984 wurde Königheim nach schweren Regenfällen, die die Brehmbach zum Überlaufen brachten, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Regen setzte gegen Nachmittag ein; bereits eine halbe Stunde später lief das Rückhaltebecken Gissigheim mit etwa 54 m³/s über. Das Hochwasser erreichte gegen 17 Uhr mit einem Durchfluss von etwa 100 bis 120 m³/s seinen Höchststand; daraufhin wurde vom Landratsamt Katastrophenalarm ausgelöst. Im Einsatz waren Bundeswehr, DLRG, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk. Die Überschwemmung verursachte Schäden in Höhe von rund 39 Mio. Euro; es gab neun Verletzte, 30 zerstörte und 130 beschädigte Gebäude sowie 80 beschädigte Fahrzeuge. 55 Stück Großvieh sowie 700 Schweine verendeten.

Königheim im Sommer 2005

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1. Januar 1972: Gissigheim, Brehmen
  • 31. Dezember 1973: Pülfringen

Königheims Ortsteile und ihre Geschichte[Bearbeiten]

Brehmen[Bearbeiten]

Brehmen wurde erstmals 1239 urkundlich erwähnt. Es gehörte zunächst zu Boxberg. Über die Herren von Rosenberg und die Grafen von Hatzfeld kam der Ort 1730 zur Grafschaft Löwenstein-Wertheim, der es bis 1806 zugehörte. Die Bestimmungen der Rheinbundakte führten dann zur Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden.

Gissigheim[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung fand Gissigheim 1013 in einer Urkunde des Klosters Amorbach. Eine Keltenschanze im Grenzbereich der Ortsteile Brehmen und Gissigheim weist jedoch auf eine Besiedelung bereits in vorchristlicher Zeit hin. Nach verschiedenen anderen Grundherren gehörte der Ort im 18. Jahrhundert den Reichsfreiherren von Bettendorff, bevor er 1806 an das Großherzogtum Baden fiel.

Pülfringen[Bearbeiten]

Bereits 788 wurde Pülfringen im Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt.[6] Es ist damit der älteste der heutigen Teilorte. Ab etwa 1050 unterstand es dem Ortsadel der Ritter von Bilversheim bzw. Pülfringen,[7] über die es an das Hochstift Würzburg kam. Eine bemerkenswerte Karriere für dieses Ministerialengeschlecht gelang Heinrich I. von Bilversheim durch die Wahl zum Bischof von Bamberg (1242–1257). Von 1287 bis 1597 unterstand Pülfringen den Grafen von Wertheim und fiel danach an Würzburg zurück. Im Rahmen der Säkularisation kam der Ort 1803 an das Fürstentum Leiningen und schließlich 1806 an das Großherzogtum Baden.

Weikerstetten[Bearbeiten]

Die Ortschaft Weikerstetten, an der B 27 gelegen, hat etwa 50 Einwohner, von denen ein Großteil Landwirtschaft betreibt. In der Ortsmitte befindet sich eine kleine Kapelle, in der regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Gesamt
1995 3466
2000 3362
2005 3290
2008 3219
2010 3179

Religionen[Bearbeiten]

Christentum[Bearbeiten]

Die Einwohner des Ortsteils Königheim sind überwiegend, die der Ortsteile Gissigheim und Pülfringen fast ausschließlich römisch-katholisch, während die Brehmer überwiegend evangelisch sind.

Judentum[Bearbeiten]

Jüdische Gemeinde Gissigheim[Bearbeiten]

In Gissigheim bestand eine jüdische Gemeinde vom 16./17. Jahrhundert bis 1894. 1612 wurden erstmals Juden aus Gissigheim genannt, die den Markt in Tauberbischofsheim besuchten.[8]

Die jüdische Gemeinde Gissigheim besaß eine Synagoge, eine Schule, ein rituelles Bad und den jüdischen Friedhof Gissigheim. Im 19. Jahrhundert wurde ein eigener Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdischen Familien Gissigheims lebten überwiegend vom Handel mit Landesprodukten und Waren aller Art, einige von ihnen waren als Metzger tätig. Im Ersten Weltkrieg starben zwei Gissigheimer Juden. Die Zahl der jüdischen Einwohner Gissigheims entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1825 (98 jüdische Einwohner), 1865 (120 Personen), 1875 (36), 1900 (noch vier), 1927 wurde die letzte jüdische Bürgerin Gissigheims auf dem jüdischen Friedhof Gissigheim bestattet. Nach 1850 begann eine starke Auswanderung der Gissigheimer Juden nach Nordamerika, teilweise kam es auch zu einer Abwanderung in andere Städte.[8]

Von den jüdischen Personen, die in Gissigheim geborenen wurden oder längere Zeit im Ort wohnten, kamen in der Zeit des Nationalsozialismus die folgenden Personen nachweislich ums Leben:[9][10][8] Karoline David geb. Spiegel (1859), Julie Mayer geb. Spiegel (1867), Helene Oppenheimer geb. Stern (1878), Jette Rothstein geb. Stern (1872), Heinrich Schleedorn (1864), Sigmund Stern (1879).

Jüdische Gemeinde Königheim[Bearbeiten]
Pläne der ehemaligen Synagoge Königheim (Außenansicht)

Die jüdische Gemeinde Königheim bestand ab dem Mittelalter. 1298 wurden die Königheimer Juden bei einer Judenverfolgung ermordet. Ab 1422 gab es wieder Juden im Ort. 1496 wurden vier jüdische Personen in Königheim genannt, 1647 wurden wieder mehrere Juden in Königheim genannt.[11]

Die jüdische Gemeinde Königheim besaß eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und den jüdischen Friedhof Königheim. Im Ersten Weltkrieg starben vier Königheimer Juden, die dort bestattet wurden. Die letzte Bestattung auf dem jüdischen Friedhof Königheim fand 1935 statt. Ein eigener Religionslehrer war angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet in der jüdischen Gemeinde Königheim tätig war. Seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Bezirksrabbinat Wertheim.[11]

Die Zahl der jüdischen Einwohner Königheims entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert wie folgt: 1825 (67 jüdische Einwohner), 1833 (69), 1838 (84), 1841 (105), 1864 (104), 1871 (112), 1875 (121), 1880 (109), 1885 (102), 1890 (94), 1895 (80), 1900 (81), 1905 (77), 1910 (71), 1933 (37), 1939 (noch 13), diese wurden 1940 in das Haus von Moses Sommer (Kapellengasse 1) zwangseinquartiert. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten jüdischen Einwohner aus Königheim ins KZ Gurs deportiert.[11]

Ab 1933 verließen mehrere jüdische Einwohner den Ort oder wanderten aus, da sie im Nationalsozialismus unter verstärkten Repressalien, zunehmender Entrechtung und einem wirtschaftlichen Boykott ihrer Geschäfte litten. Bis nach 1933 bekannte ehemalige jüdische Geschäfte Königheims waren: Viehhandlung Hermann und Leo Bauer (Spitzsteiggasse 2), Stoffhandel und Gemischtwaren Meta und Jakob Bauer (Hartmannsgasse 1), Getreide- und Landesproduktenhandlung Semmy Block (Hauptstraße 6), Kurz- und Wollwaren Babette Groß (Langgasse 3, abgebrochen), Stoffhandlung, Konfektion und Grünkernaufkauf Josef Groß (Hauptstraße 25), Glas- und Porzellanwaren Hermann Heinemann (Neugasse 2, teilweise abgebrochen), Viehhandlung Benno Sommer (Faktoreigasse 3), Viehhandlung Bernhard Sommer (Plangasse 1, abgebrochen), Metzgerei und Viehhandlung Bernhard und Philipp Sommer (Hauptstraße 39), Viehhandlung Moses Sommer (Kapellengasse 1, abgebrochen, Torbogen und Wirtschaftsgebäude erhalten), Steingut- und Tonwarengeschäft Nanette Sommer (Neugasse 3), Textil- und Schuhgeschäft Sigmund Stern (Hardheimer Straße 8).[11]

Während ein Teil der jüdischen Bürger Königheims in der Anfangszeit der Nazi-Diktatur Deutschland noch verlassen konnte, starben die anderen in den Konzentrationslagern, in die sie danach verbracht wurden. Von den jüdischen Personen, die in Königheim geborenen wurden oder längere Zeit im Ort wohnten, kamen in der Zeit des Nationalsozialismus die folgenden Personen nachweislich ums Leben:[9][10][11] Julius Bauer (1870), Gerda Blein geb. Gross (1914), Amalie Goldschmidt geb. Marx (1865), Emil Groß (1885), Regine Hirschberger geb. Stern (1886), Sigmund Marx (1868), Johanna Rosenfelder geb. Bauer (1876), Sara Rosenfelder (1876), Lina Schulmann geb. Fredrich (1880), Babette Selig (1868), Albert Sommer (1920), Bernhard Sommer (1887), Hugo Sommer (1920), Moses Sommer (1886), Regina Sommer (1895), Leo Stern (1907), Julie Tannenbaum (1907), Erna Weil geb. Stern (1890), Ida Würzburger geb. Sommer (1889).

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bis 1806 standen an der Spitze der Gemeinde Königheim jeweils ein Rats- und ein gemeiner Bürgermeister (im 15. Jahrhundert auch als Heimburgen bezeichnet) sowie ein Schultheiß. Im Großherzogtum Baden führten die Gemeindeoberhäupter zunächst den Titel Vogt und ab 1831 Bürgermeister.

  • 1420: Heinz Treu / Hans Beuschel, erste urkundlich bezeugte Heimburgen
  • 1329: Heinrich Bock, erster urkundlich bezeugter Schultheiß
  • 1551–1567: Hanns Meder, Schultheiß
  • 1810–1818: Anton Scherer
  • 1819–1830: Franz Nikolaus Weirich,
  • 1830–1832: (Jos. Anton?) Faulhaber
  • 1832–1835: Georg Anton Ebert
  • 1835–1836: Zugelder
  • 1836–1846: Franz Anton Geier
  • 1846–1848: Michel Joseph Metzger
  • 1848–1849: Philipp Jakob Bechtold
  • 1849–1852: Franz Anton Geier
  • 1852–1861: Johann Adam Zimmermann
  • 1861–1876: Eduard Väth
  • 1876–1895: Josef Anton Zimmermann
  • 1896–1914: Josef Seitz
  • 1914–1921: Anton Heß
  • 1921–1921: Julius Bertold
  • 1921–1923: Andreas Glock
  • 1923–1933: Josef Kappler
  • 1933–1945: Burkard Josef Bartholme
  • 1945–1948: Karl Josef Trabold
  • 1948–1972: Josef Honikel
  • 1972–1992: Josef Steffan
  • Seit 1992: Ewald Wolpert

Bürgermeister Ewald Wolpert wurde am 21. September 2008 für eine dritte Amtszeit gewählt.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Königheim hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,2 % (2009: 66,3 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Bürgerliste 66,7 % 12 Sitze 2009: 60,6 %, 11 Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands-CDU 33,3 % 6 Sitze 2009: 39,4 %, 7 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Königheim zeigt eine goldene Kanne auf rotem Grund, die auf „Kannenheim“ als früheren Namen Königheims zurückgeht. Das Wappen des Ortsteils Gissigheim zeigt einen silbernen Ring auf rotem Grund.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1971 verbindet Königheim eine Gemeindepartnerschaft mit den Gemeinden Scheifling und Sankt Lorenzen in der Steiermark.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Martin Königheim[Bearbeiten]

Barockkirche St. Martin

In der Ortsmitte von Königheim steht die Barockkirche St. Martin, die nach Plänen des Ingenieurhauptmanns und Architekten Michael Anton Müller, eines Schülers von Balthasar Neumann, zwischen 1752 und 1756 erbaut wurde. Müller verwendete hierzu die Pläne Neumanns für die Kirche St. Paulin in Trier, was an der Gestaltung der Fassade wie auch im Aufbau des Altarraumes, insbesondere beim Ciborium über dem Hochaltar sichtbar wird. Die Kirche wurde in neuester Zeit sorgfältig renoviert. An der Kirche steht eine steinerne Ölberggruppe aus der Werkstatt von Tilman Riemenschneider. Vom Würzburger Bildhauer Daniel Kohler und dem Kunstschreiner Josef Steinbüchler stammen der Baldachin-Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel. Die Stuckarbeiten besorgte Johann Michael Winneberger aus Mergentheim. 1756 wurde die Kirche in Chor und Langhaus von dem Tiepolo-Schüler Georg Anton Urlaub ausgemalt. Das monumentale zentrale Deckengemälde ist an Tiepolos „Anbetung der Könige“ angelehnt. Dieses Bild wird von neun kleineren Gemälden umgeben. Diese versuchen die Gottheit des Jesuskindes in biblischen Szenen zu verdeutlichen. Daneben beherbergt die Kirche einen Kreuzweg in Hinterglasmalerei, ein großes Holzkreuz mit Corpus aus der Zeit um 1480 und eine sitzende Schmerzensmutter.[12]

Die Pfarrkirche St. Martin gehört zur Seelsorgeeinheit Königheim, die dem Dekanat Tauberbischofsheim des Erzbistums Freiburg zugeordnet ist.[13][14]

Bettendorfsches Schloss[Bearbeiten]

BW

Das Bettendorfsche Schloss ist ein im 16. Jahrhundert in Gissigheim erbautes Barockschloss.[15] Es diente als ehemaliger Wohnsitz der Freiherren von Bettendorf. In den Jahren 1726 bis 1727 wurde das Schloss vom Tiroler Baumeister Christian Schneller ausgebaut. 1736 kam ein unterer Querflügel hinzu. 1806 zog die Familie von Bettendorf nach Würzburg.[16]

Franz Ludwig von Bettendorf, großherzoglich badischer Rittmeister, verkaufte am 7. April 1841 das Schloss samt seinen Besitzungen an den badischen Staat.[15][12] 1844 kaufte die Gemeinde Gissigheim das Schloss. 1846 wurde das Rathaus des damals noch selbständigen Ortes im ersten Stock des Schlosses eingerichtet, unterhalb wurde das Schloss als Grund- und Volksschule genutzt.[15][16] Das Wappen der Freiherren von Bettendorf, ein silberner Ring auf rotem Grund, ziert den zweistöckigen Bau mit dem Portal in der Mitte noch heute. Dieses Wappen wird heute als Gissigheimer Ortswappen verwendet.[16]

In den 1970er Jahren wurde der Schlosskeller als Veranstaltungsraum ausgebaut. Im Schlossspeicher richtete Pfarrer Franz Gehrig in den 1980er Jahren ein Heimatmuseum ein. 2010 endete die Tradition der Schule im Schloss durch die Zusammenlegung der Grundschule Gissigheim mit der Grund- und Hauptschule in Königheim.[16]

Schutzengelkapelle[Bearbeiten]

Mit der Schutzengelkapelle steht eine barocke Kapelle in Gissigheim. Die Kapelle wurde im Jahre 1712 durch das Gissigheimer Adelsgeschlecht von Bettendorf als herrschaftliche Gruft erbaut.[17][12] Der Sohn des Erbauers widmete die Kapelle aus Dankbarkeit für seine Befreiung aus türkischer Gefangenschaft den heiligen Schutzengeln. Das Wappen der Bettendorfs ist heute noch auf dem barocken Altar zu sehen. Ein großes Weihnachtsbild in der Kapelle stammt aus der alten Pfarrkirche. Es wurde 1683 von Johann Paul Codomann gemalt.[12]

Bildstöcke und Steinkreuze[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung finden sich viele Steinkreuze und Bildstöcke, viele davon aus dem Barock.

Friedhöfe[Bearbeiten]

Der Friedhof von Gissigheim ist von einer Mauer aus der Barockzeit umfasst. In Gissigheim sowie in Königheim befindet sich jeweils ein jüdischer Friedhof.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Königheim ist ein Weinbauort mit ca. 100 Hektar Rebfläche.

Verkehr[Bearbeiten]

Seit 1914 war Königheim durch eine Bahnstrecke nach Tauberbischofsheim an das überregionale Schienennetz angebunden. Die Strecke wurde 1968 stillgelegt. Ein geplanter Anschluss von Königheim bis zur Bahnstrecke Walldürn–Hardheim wurde nie fertiggestellt.[18]

Bildung[Bearbeiten]

Mit der Kirchbergschule im Hauptort verfügt Königheim über eine Grund- und Hauptschule. Es gibt einen gemeindlichen und drei römisch-katholische Kindergärten.

Energie[Bearbeiten]

  • Windpark Pülfringen mit 7 Windkraftanlagen vom Typ AN Bonus 1,3 MW / 62 mit 80 m Nabenhöhe, 62 m Rotordurchmesser und 1,3 MW-Leistung (Inbetriebnahme: 2002) [19]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Wilhelm Weigand (* 1862 in Gissigheim; † 1949), Dichter und Schriftsteller (verliehen 1932 durch die damals noch selbstständige Gemeinde Gissigheim).
  • Franz Gehrig (* 1915; † 2012 in Königheim), katholischer Priester und Heimatforscher (verliehen 1985).

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Lorenz Kap(p)ler (* 1765 in Königheim), Pädagogikprofessor an den Universitäten Ingolstadt und Landshut.
  • Carl Höfer (* 1819 in Brehmen; † 1849), führender Mitkämpfer von Friedrich Hecker in der badischen Revolution 1848/49. Hingerichtet am 16. August 1849.
  • Gottfried Bauer (* in Gissigheim; † 1849), badischer Revolutionär, am 4. Oktober 1849 in Rastatt erschossen.
  • Albert Schmitt SJ (* 1871 in Gissigheim; † 1948), Theologieprofessor in Innsbruck.
  • Johannes Künzig (* 1897 in Pülfringen), Volkskundler und Begründer des Johannes-Künzig-Instituts für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Gehrig, Helmut Kappler: Königheim – Alter Marktflecken und Weinort. Eigenverlag der Gemeinde Königheim, (1985).
  • Franz Gehrig: Gissigheim im Badischen Frankenland. Eigenverlag der Gemeinde Gissigheim, 1969.
  • Königheim und Filiale Dienstadt Geschichte und kirchliche Bauten. Rita-Verlag und Druckerei, Würzburg (1938).
  • Franz Gehrig, Otto Haberkorn: 1200 Jahre Pülfringen 788–1988. Eigenverlag der Gemeinde Königheim, (1988)
  • Doris Bauch: Der Architekt Michael Anton Müller (1689–1722) und die Pfarrkirche in Königheim. Magisterarbeit in Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg (1994).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Main-Tauber-Kreis: Main-Tauber-Kreis: Städte und Gemeinden. Online auf www.main-tauber-kreis.de, abgerufen am 25. Oktober 2014
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 351–354.
  4. Reinhard Wolf, Ulrike Kreh (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Thorbecke, Ostfildern 2007.
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, S. 52, ISBN 3-89331-208-0.
  6. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2894 2. Juni 788 - Reg. 2035. In: Heidelberger historische Bestände - digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 258, abgerufen am 4. April 2015.
  7. Geschichte von Pülfringen auf www.koenigheim.de.
  8. a b c Alemannia Judaica: Gissigheim (Stadt Königheim, Main-Tauber-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal / Synagoge. Online auf www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 27. Mai 2015.
  9. a b Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem.
  10. a b Angaben aus "Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945".
  11. a b c d e Alemannia Judaica: Königheim (Main-Tauber-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal / Synagoge. Online auf www.alemannia-judaica.de. Abgerufen am 27. Mai 2015.
  12. a b c d Gemeinde Königheim: Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Königheim. Online auf www.koenigheim.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  13. Dekanat Tauberbischofsheim: Pastoralkonzeption des Dekanats Tauberbischofsheim. (PDF, 1,3 MB). Beschlussfassung vom 21. Juli 2011. Online auf www.kath-dekanat-tbb.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  14. Dekanat Tauberbischofsheim: Seelsorgeeinheiten des Dekanats Tauberbischofsheim. Online auf www.kath-dekanat-tbb.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  15. a b c Taubertal.de: Bettendorf’sches Schloss in Gissigheim. Online auf www.taubertal.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  16. a b c d Fränkische Nachrichten: Bettendorfsches Schloss erstrahlt in neuem Glanz. 2. November 2011. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  17. Fränkische Nachrichten: Schutzengelkapelle ist wieder ein Schmuckstück. 16. Juni 2012. Online auf www.fnweb.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
  18. Uwe Büttner: 100 Jahre Bahnstrecke Tauberbischofsheim – Königheim: Blick zurück zum „Brehmbachtalblitz“. Fränkische Nachrichten Verlags-GmbH, 4. Januar 2014, abgerufen am 19. Oktober 2014 (deutsch).
  19. Windpark Pülfringen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Königheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien