Königliches Kollegiatkapitel der Hl. Peter und Paul auf dem Vyšehrad

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Koordinaten: 50° 3′ 51,7″ N, 14° 25′ 4,8″ O

Stiftskirche St. Peter und Paul von Süden

Das Königliche Kollegiatkapitel des Hl. Peter und Paul auf dem Vyšehrad in Prag (Tschechien) wurde durch den Fürsten und böhmischen König Vratislav II. in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegründet. Um den Einfluss seines Bruders, des Prager Bischofs Jaromír-Gebehard, zu begrenzen, erwirkte er beim Heiligen Stuhl die Exemtion des Stifts, sodass das Kapitel bis 1763 nicht dem Prager Bischof, sondern dem Papst in Rom unterstellt war. Den Kanonikern des Kollegiatkapitels wurde zudem das Tragen der Mitra und von Pontifikalschuhen zugestanden.[1]

Die großzügige Ausstattung des Stifts mit Gütern wurde später erweitert. Insbesondere Vratislavs Sohn Soběslav I. ließ die Stiftskirche reich ausstatten und erhöhte die Anzahl der Kanoniker auf 17, wodurch das Kapitel das bedeutendste Böhmens wurde. Die Kanoniker und Pröpste waren häufig Ratgeber und Kanzler der böhmischen Herzöge. Zu ihnen gehörte im 14. Jahrhundert der Propst und spätere Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt.[1]

Tympanon am Hauptportal der Stiftskirche
Fresko, historische Darstellung der Stiftskirche

Die Stiftskirche wurde 1079 im romanischen Stil einer fünfschiffigen Basilika erbaut und nach einem Brand im Jahr 1249 wieder aufgebaut. Im 14. Jahrhundert wurde sie unter Karl IV. gotisch mit drei Schiffen und Seitenkapellen umgestaltet. 1420 wurde sie durch die Hussiten erneut zerstört. Nachdem die Hussitenkriege durch die Iglauer Kompaktaten beendet waren, lebte auch das Stift wieder auf, jedoch ohne seine vormalige Stellung wieder zu erreichen.[1]

In den 1720er Jahren wurde sie nach Vorlagen von Giovanni Santini und unter der Bauleitung von Franz Maximilian Kaňka im Barockstil umgebaut. 1885 begann Josef Mocker mit der Umgestaltung im neugotischen Stil und schließlich erhielt es ab 1902 nach Entwürfen von František Mikeš hohe pseudogotische Türme. Das Relief am Hauptportal von 1901 stammt von Štěpán Zálešák, der das letzte Gericht als Motiv benutzte. Das Innere des Domes erhielt ornamentale und figurale Wandgemälde des Malerehepaars František und Maria Urban aus dem Jahr 1902. An der linken Wand befindet sich eine nach 1420 gemalte gotische Ansicht auf Vyšehrad. Im Presbyterium befinden sich Fresken des Wiener Malers Karl Jobst, die das Leben der Patrone Petrus und Paulus darstellen. Die Bleiglasfenster entwarf František Sequens. Den Hauptaltar zieren von Josef Mocker entworfene und 1884 bis 1889 von Josef Hrubeš geschnitzte Darstellungen der Dompatrone sowie der Slawenapostel Kyril und Method. Ein weiterer Altar böhmischer Patrone von Jan Kastner vom Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich in der linken Kapelle. In einem weiteren Altar einer der Kapellen auf der rechten Seite befindet sich ein wertvolles Bild der Jungfrau Maria, ein gotisches Gemälde aus der Sammlung der Kaiser Karl IV. und Rudolf II. In der ersten Kapelle rechts befindet sich ein romanischer Sarkophag aus dem 12. Jahrhundert, vermutlich ein Sarg eines Familienmitglieds der Přemysliden.

2003 erhielt die Kirche durch Papst Johannes Paul II. den Titel einer Basilica minor verliehen.[2]

Die ursprüngliche romanische Krypta, erbaut als Friedhofskirche, diente als Begräbnisstätte des ersten böhmischen Königs und seiner Nachkommen. Sie wurde bei den bisherigen archäologischen Untersuchungen noch nicht gefunden.

Nach dem Ende der kommunistischen Kirchenverfolgung lebte das Kapitel erneut auf und besteht seither aus einem Propst, sieben Kanonikern und drei Ehrenkanonikern.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Jaroslav Kadlec: Vyšehrad. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000, Sp. 912–914.
  2. Bazilika sv. Petra a Pavla auf gcatholic.org