Königsberg (Biebertal)

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Königsberg
Gemeinde Biebertal
Koordinaten: 50° 38′ 40″ N, 8° 32′ 10″ O
Höhe: 376 (293–403) m ü. NHN
Fläche: 1,27 km²[1]
Einwohner: 900[2]
Bevölkerungsdichte: 711 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 35444
Vorwahl: 06446
Königsberg – links der Mitte Burg und Kirche, rechts der Dünsberg

Königsberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Biebertal im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königsberg liegt im Gleiberger Land. Auf einem Diabasfelsen erbaut, ist es der höchstgelegene Ortsteil der Gemeinde. Nahe bei Königsberg entspringen zwei rechte Nebenflüsse der Lahn, der Bieber-Quellfluss Strupbach im Norden und der unmittelbare Zufluss Schwalbenbach im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf den Grundmauern der ehem. Burg errichtete „Schloss“ und rechts davon die evangelische Kirche prägen das Ortsbild

Laut mündlicher Überlieferung ist Königsberg sehr alt. Demnach soll der fränkische König Childerich hier bereits um das Jahr 450 eine Grenzfestung gegen die Alemannen erbaut haben, doch ist dies durch nichts belegt. Bei Zufallsgrabungen auf der alten Mark, einem Bereich des Schlossbergs, wurden in den 1930er Jahren unter schweren Schieferplatten Tonscherben gefunden, deren Form auf Urnenreste hindeuteten, so dass dort alte Gräber vermutet werden, die vielleicht schon auf die Zeit der Urnenfelderkultur zurückgehen könnten.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Königsberg erfolgte im Jahr 1257, als sich Graf Reimbold von Solms nach seiner Residenz von Cunigesberg nennt, doch schon vorher hat das Gebiet um Königsberg eine wichtige Rolle in der Frühgeschichte des Hauses Solms gespielt. So war die Königsberger Gemarkung Teil der 788 erstmals erwähnten Mark Bensburg, die seit dem Frühmittelalter Allod des Hauses Solms war. In der gleichnamigen ausgegangenen Hofsiedlung Bensburg in einem Talgrund unterhalb Königsbergs wird ein Stammsitz des Hauses Solms vermutet. Im 13. Jahrhundert war Königsberg dann Sitz der Linie Solms-Königsberg, die auf der vermutlich um 1240 errichteten Burg Königsberg residierte.

Anhaltende Differenzen mit den verwandten Linien Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms führten dazu, dass die Grafen von Solms-Königsberg sich den Landgrafen von Hessen annäherten, während die mit Hessen verfeindeten Grafen von Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms in unmittelbarer Nähe von Königsberg eine neue Burg namens Hohensolms als Gegengewicht zu der unter hessischen Einfluss geratenen Burg Königsberg errichteten. 1350 verkaufte Graf Philipp von Solms-Königsberg die Herrschaft Königsberg dann ganz an Landgraf Heinrich II. von Hessen. Da Philipps Land aufgrund der solmsischen Hausgesetze jedoch gemeinsames Eigentum aller Solmser Linien war, führte dieser Verkauf zu neuen Konflikten zwischen Hessen einerseits sowie Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms andererseits. Es kam zum Kampf. Der Landgraf siegte und die Solmser mussten den Landgrafen 1351 als Ganerben ihrer Grafschaft anerkennen.

Amt Königsberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Jahrhunderten war das Gebiet ein von Hessen und Solms gemeinsam verwalteter Amtsbezirk, ein sogenanntes Kondominat, dessen zentrale Orte auf hessischer Seite Burg und Tal Königsberg und auf solmsischer Seite Burg und Tal Hohensolms waren. Königsberg war seitdem der Sitz hessischer Burgmänner und Beamter (Amtmänner, Rentmeister, Förster etc.), welche von den Landgrafen zur Verwaltung des Landes eingesetzt wurden. Der erste Amtmann ist 1368 mit Volpert Hose nachweisbar. Im Burgbereich waren zeitweise die Familien von Buseck, genannt Mönch, begütert. Neben der Kirche waren mehrere Hofstätten, die u. a. im Besitz der Familien von Riedesel und von Bellersheim waren.

Zum Kondominat Königsberg/Hohensolms gehörten neben den beiden Tälern Königsberg und Hohensolms die unter der Leibeigenschaft stehenden Amtsortschaften Ahrdt, Altenkirchen, Altenstädten, Bellersdorf, Bermoll, Bischoffen, Blasbach, Erda, Frankenbach, Mudersbach. Naunheim, Niederweidbach, Oberlemp, Oberweidbach, Roßbach, Waldgirmes und Wilsbach.

1629 wurde das bisher gemeinschaftlich verwaltete Amt Königsberg/Hohensolms dann zwischen Solms und Hessen aufgeteilt. Das nunmehr rein hessische Amt Königsberg umfasste seitdem nur noch die Orte Bischoffen, Frankenbach, Hermannstein, Königsberg, Naunheim, Niederweidbach, Oberweidbach, Roßbach, Waldgirmes und Wilsbach.

1821 erfolgte die Auflösung des Amtes Königsberg. Nach der Auflösung hatte eine Oberförsterei ihren Sitz auf dem Schloss. Als diese einige Jahre später nach Heuchelheim verlegt wurde, war kein weltlicher Beamter mehr im Ort. Dem politischen Bedeutungsverlust im 19. Jahrhundert folgte ein wirtschaftlicher Niedergang, der zu großer Armut führte.  

Nach dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 kam Königsberg an Preußen und wurde dem Kreis Biedenkopf zugeteilt. Dieser Zustand, der für die Bevölkerung wegen der weiten Entfernung zur Kreisstadt sehr unbefriedigend war, änderte sich erst 1932, als Königsberg zum Kreis Wetzlar kam. Gleichzeitig wurden Teile von Bieber und Hof Haina, die bis dahin zu Königsberg gehört hatten, nach Rodheim eingemeindet. 1970 wurde Königsberg dann Teil der Großgemeinde Biebertal. Es gehört heute zum Kreis Gießen.

Tal und Stadt Königsberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich im Anschluss an die Burg war die Siedlung entstanden, die in den älteren Urkunden zumeist als Tal bezeichnet wird. Schon der Burgfrieden von 1353 bezog sich auf das Schloss und das Tal. Eine offizielle Verleihung der Stadtrechte ist nicht bekannt, doch bildete das Tal zunehmend einen städtischen Charakter heraus, so dass Königsberg etwa ab 1500 als Stadt angesehen wurde. Dies beinhaltete auch ein eigenes Gericht. 1569 bestand es aus acht Schöffen und einem Schultheißen. Seine Zuständigkeit erstreckte sich auf einfache Vergehen. Angehende Bürger mussten dem Landgrafen vor dem Gericht einen Bürgereid schwören und das Ortsbürgergeld entrichten. Letztlich jedoch erlangte Königsberg, das weder Münz- noch Marktrecht besaß, nie die ihm vermutlich zugedachte Rolle eines städtischen Zentrums, sondern hatte für die ihm zugeordneten Amtsortschaften nur in politischer Hinsicht eine zentrale Bedeutung. Die Stadtrechte bestanden offiziell noch bis 1929.  

Das frühneuzeitliche Königsberg war von einer wehrhaften Mauer mit Türmen und zwei Toren umgeben. Der heute noch bestehende, rund zehn Meter hohe Altemarksturm sicherte das nordwestliche Tor im Obertal. Verschwunden ist hingegen der Bollwer-Turm (von Bollwerk), der einst das frühere Untertor im Untertal schützte und 1957 abgebrochen wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Königsberg im Juni 1647 im Rahmen des Hessenkrieges von niederhessischen Truppen unter dem Kommando von Kaspar Kornelius Mortaigne de Potelles vom Altengraben aus mit Geschützen beschossen, erobert und zerstört. Dem Angriff, der in erster Linie der mittelalterlichen Burg gegolten hatte, fielen auch die Kirche, die Stadtmauer und ein großer Teil der Häuser zum Opfer. Der anschließende Wiederaufbau fand wohl vorrangig unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit statt. So bestand die aus Kalksandsteinen errichtete neue Schlossanlage, die fortan in erster Linie Verwaltungsfunktionen genügen musste, neben einem großen Amtshaus vor allem aus Scheunen, Schweineställen, einem Fruchtspeicher, Hof und Gärten sowie verschiedenen vom Vorgängerbau übriggebliebenen Mauer- und Turmresten.

Im Siebenjährigen Krieg hatte Königsberg wiederholt unter Einquartierungen, Plünderungen, Fouragelieferungen sowie einer allgemeinen Teuerung zu leiden. Ebenso in den Koalitionskriegen. Vermutlich 1796 rückten Franzosen unter dem Kommando von General François-Joseph Lefebvre von Altenkirchen heran. Der damalige Pfarrer und Inspektor Bähr entbot alle Angehörigen der Inspektion zu einem Bittgottesdienst nach Königsberg und ließ die Leute Ein feste Burg ist unser Gott singen. Alles blieb auf, um sich nötigenfalls zur Wehr zu setzen. Als Lefebvre ins Dorf ritt und fragte, warum die Leute noch wach seien, gebrauchte man einen Vorwand und er zog weiter. Als er später die Wahrheit erfuhr, wollte er Königsberg anzünden, was nur auf fußfällliges Bitten eines Bürgers namens Siebmann in Wetzlar unterblieb.

Im Ersten Weltkrieg hatte der Ort 16, im Zweiten Weltkrieg 25 Tote und Vermisste zu beklagen. 1944 stürzte beim heutigen Wochenendgebiet ein britischer Bomber ab, wobei bis auf einen Flieger die gesamte Besatzung ums Leben kam.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der früheren Stadt Königsberg in Hessen, 1724

Schon früh besaß Königsberg ein eigenes Wappen. Erstmals belegt ist es im Jahr 1577, als Landgraf Wilhelm IV. es zusammen mit den Wappen der übrigen hessischen Städte im Triumph- und Wappensaal seines Schlosses in Rotenburg an der Fulda anbringen ließ. Leider existiert der entsprechende Teil des Rotenburger Schlosses nicht mehr. Der erste bildliche Nachweis des Wappens stammt aus dem Hessischen Wappenbuch von Wilhelm Wessel aus dem Jahr 1621. Das Wappen zeigt einen goldenen Dreiberg mit goldener Krone auf blauem Grund. Während die Krone wohl auf den Namensbestandteil Königs und der Dreiberg auf die topographischen Verhältnisse vor Ort verweisen, greifen die Farben Blau und Gelb (= Gold) vermutlich die Farben des Hauses Solms auf, aus deren Besitz die Herrschaft Königsberg stammte.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahrhundertelang wurde Königsberg vom Bergbau geprägt. Erzabbau im Bereich des Dünsbergs ist bereits für die vorgeschichtliche Zeit nachgewiesen.

Der älteste Hinweis auf einen neuzeitlichen Eisenerzabbau in Königsberg findet sich in einem Dokument von 1519, in dem eine von Hans Plock aus Königsberg errichtete Eisenkaut erwähnt wird, deren Standort zwischen Hessen und Solms strittig war.

Ab 1664 ist belegt, dass Eisenerz aus Königsberg auf dem Eisenhüttenwerk bei Biedenkopf (ab 1771 Ludwigshütte genannt) verschmolzen wurde.

Aus diesen Anfängen entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten eine hocheffiziente und produktive Montan-Infrastruktur, die bis in die 1960er Jahre Bestand hatte und qualitativ hochwertigste Erze lieferte.

Am längsten war die südwestlich des Ortes gelegene Grube Königsberger Gemarkung in Betrieb. Nach einer vorübergehenden Stilllegung 1893 wurde die Erzförderung 1918 wieder aufgenommen und bis zur endgültigen Schließung im April 1949 fortgeführt. Eine 4,2 km lange Seilbahn beförderte die Erze von der Grube Königsberger Gemarkung zu einer Verladestelle im Kehlbachtal, wo sie in die Wagen der Biebertalbahn umgeladen wurden. Von den einst sehr umfangreichen Anlagen der Grube ist heute bis auf das alte Steigerhaus am südwestlichen Ortsrand nichts mehr erhalten.

Anfang der 1950er Jahre wurde dann östlich des Ortes eine bereits 1948 entdeckte Lagerstätte durch die Schachtanlage der Grube Königsberg aufgeschlossen, die bis 1963 in Betrieb war. Die von 1953–1957 in Klinkerbauweise errichteten Betriebsgebäude sind bis auf das Fördergerüst erhalten, dienten später zeitweise als Tierklinik und werden derzeit zu Wohnraum umgebaut.

Neben der alles dominierenden Eisenförderung gab es in Königsberg weitere Bergbauzweige. So bestand am Bleidenberg schon im 18. Jahrhundert ein Kupferbergwerk. Am Eberstein wurde, ebenfalls schon im 18. Jahrhundert, Kalk gebrannt. Auf der Karte des Großherzogtums Hessen aus der Zeit von 1823–1850 ist zudem auch ein Kalkofen inmitten des heutigen Ortes, etwa im Einmündungsbereich der Schloßstraße in die Bergstraße, eingezeichnet. Am Altweiher gab es spätestens seit dem 19. Jahrhundert eine kleine Dachschiefergrube (Schieferkaut), die Anfang 1949 geschlossen wurde. Ebenfalls auf das 19. Jahrhundert zurück geht der Phosphorittagebau auf der Moritzburg.

Dementsprechend fanden viele Einwohner des Ortes im Bergbau eine Beschäftigung. Daneben war die Landwirtschaft das zweite Standbein der meisten Familien, sodass die Männer zumeist Bauer und Bergmann zugleich waren.

Frühere Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem Frauen und Mädchen verdienten sich zudem eine Zeitlang ein Zubrot mit Arbeiten in der Zigarrenfabrik der Heuchelheimer Firma Rinn & Cloos, die zwischen 1907 und 1974 eine Niederlassung in Königsberg betrieb. Das Fabrikgebäude wurde nach der Stillegung 1975 von der Gemeinde Biebertal erworben und zu einer Mehrzweckhalle umgebaut.

Zur früheren Infrastruktur des Ortes gehörte auch ein Brauhaus beim Klingeler Weiher. Es wurde als so wichtig angesehen, dass es nach seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg mit als erstes wieder aufgebaut wurde und bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb blieb.

Zu den ältesten Gebäuden Königsbergs zählt das Pfarrhaus, das nach der Zerstörung von 1647 wieder aufgebaut wurde und später auch als Backhaus und Rathaus gedient hat. Neben dem alten Rathaus liegt die Weet, ein Löschwasserbassin, an dem die Freiwillige Feuerwehr heute alljährlich ihr traditionelles Pfingstspritzen veranstaltet. Es erinnert daran, dass am Pfingstdienstag früher die 18-Jährigen neu in die Pflichtfeuerwehr aufgenommen und die länger dienenden oder frisch verheirateten Männer aus der Wehr entlassen wurden.

Das Rathaus hat zeitweise auch als Schulraum gedient, vermutlich dann, wenn das eigentliche Schulhaus in der heutigen Schloßstraße 37 für die Schülerzahl zu klein war. Ein neues Schulhaus wurde 1914 im Hofgarten eröffnet. Das zeittypische Gebäude erhielt 1962/63 unter dem damaligen Hauptlehrer Wilhelm Zimmermann noch einen Anbau nach Nordosten. 1966 wurde die Schule dann geschlossen. Seit 1986 beherbergt das einstige Schulhaus den Kindergarten.

1932 wurde im Ort auch eine kleine Turnhalle fertiggestellt, die 1977 wieder abgerissen wurde.

Der Friedhof lag früher um die Kirche. Im 17. Jahrhundert wurde er an den Rand des Ortes, beim heutigen Kindergarten, verlegt. Nach einer Erweiterung im Jahre 1862 wurde er 1919 geschlossen und im selben Jahr der heutige Friedhof eingeweiht.

Höfe und Mühlen außerhalb der Ortslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bubenrod

Forst- und landwirtschaftlicher Hof südlich von Königsberg mit Stallungen und Pferdeweiden. Der von Wäldern umgebene Hof geht auf das Mittelalter zurück. Das Gut muss einst wehrhaften Charakter gehabt haben. So werden in einer Beschreibung von 1845 noch das Vorhandensein von Mauerresten sowie eines Turms erwähnt. Jahreszahlen am Hauptgebäude weisen auf eine Bautätigkeit in den Jahren 1555 und 1638 hin. Im 16. Jahrhundert war es im Besitz Johanns v. Buseck, genannt Mönch. Danach kam es zu vielen Eigentümerwechseln. Lange Zeit prägend war die mennonitische Familie Schwarzentraub, die ab 1798 auf dem Hof ansässig war. Hiervon zeugt auch noch der bei Bubenrod gelegene Familienfriedhof der Schwarzentraubs.

Strupbach

Östlich von Königsberg liegt in einem Talgrund unterhalb der ehemaligen Grube Königsberg der Hof Strupbach, der bereits im späten Mittelalter urkundlich erwähnt wird und im ältesten Teil noch auffallend starkes Mauerwerk aufweist. Gegründet wurde er wohl von Bubenrod aus. Im 19. Jahrhundert diente der Hof einige Jahre als Oberförsterei. Später wurden zwei Wohnungen von Steigern und ihren Familien bewohnt, die auf der Grube beschäftigt waren. Die heutige, um 1800 entstandene Hofanlage mit klassizistischem, traufseitig zum Hof gelegenem, komplett verschiefertem Wohnhaus mit Halbwalmdach und zentraler Eingangstür, die über eine kleine Freitreppe erreichbar ist, sowie die seitlich des Wohnhauses aneinandergereihten, unter einem Dach zusammengefassten, im Obergeschoss verschieferten Nebengebäude mit Gesindestuben, Pferdestall und Backhaus gehören ebenso zum Bestand, wie die gegenüber dem Wohnhaus stehende, dessen Proportionen aufgreifende Fachwerkscheune, der Laufbrunnen und die in Teilen erhaltene Hofpflasterung. Der Hof ist aus geschichtlichen Gründen als Sachgesamtheit schützenswert und in der Liste der Kulturdenkmäler Biebertals aufgeführt.

Moritzburg

Landwirtschaftliches Gehöft westlich von Königsberg. Der Ursprung der Moritzburg geht auf den Weilburger Bergbauunternehmer Heinrich Moritz zurück, der hier Land erwarb und ab 1870 einen umfangreichen Phosphorit-Bergbau betrieb. Der Tagebau befand sich beidseitig des Weges zur Moritzburg. 1885 wurde der Abbau eingestellt und Moritz verkaufte das Areal samt den Betriebsgebäuden an einen Engländer. Als sich dessen Erwartungen nicht erfüllten, verkaufte er es dem Steiger und Betriebsführer Heinrich Schmidt, der nach weiteren erfolglosen Abbau-Bemühungen mit der landwirtschaftlichen Nutzung des Geländes begann. Aus den früheren Betriebsgebäuden entstanden die Wirtschaftsgebäude des Hofes. Das Wohnhaus wurde in den 1870er Jahren gebaut. 1907 erwarb der Königsberger Landwirt Karl Schupp die Moritzburg mit 53 Morgen Land, die dann an seinen Schwiegersohn Gustav Walch überging, der von 1956–1960 auch Bürgermeister von Königsberg war.

Obermühle

Ehemalige Mühle mit stattlichem Hauptgebäude von 1747. Sie wird erstmals im Königsberger Salbuch von 1468 erwähnt. Sie war die oberste von insgesamt zwölf über einen längeren Zeitraum betriebenen Mühlen im Biebertal. Nur die sogenannte Ebersteinmühle, die nur einen Büchsenschuss entfernt stand, lag noch weiter bachaufwärts, doch hatte diese nur kurze Zeit Bestand. Die Obermühle ist das Geburtshaus des berühmten Kupferstechers Johann Georg Wille. Der Mühlenbetrieb wurde im letzten Jahrhundert eingestellt.

Lindenhöfe

Landwirtschaftlich genutzte Höfe in einem Tal nördlich von Königsberg, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind.

Wochenendgebiet

Wochenendhäuser südöstlich von Königsberg.

In der Gemarkung liegen zudem die Ortswüstungen Atzenhausen, Eberstein, Etzbach und Ehringshausen sowie die Wüstungen der abgegangenen Ebersteinmühle und der Ottermühle.

Desgleichen stehen als weithin sichtbare Landmarken der Fernmeldeturm sowie der benachbarte Aussichtsturm auf dem Dünsberg auf dem Gebiet der Gemarkung Königsberg.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierte die selbstständige Gemeinde Königsberg (Landkreis Wetzlar) am 1. Dezember 1970 freiwillig mit den Gemeinden Fellingshausen, Krumbach, Rodheim-Bieber und Vetzberg zur neuen Großgemeinde Biebertal.[3][4] Für Königsberg wurde wie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[5] Der Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Rodheim-Bieber.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Königsberg unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Cunigesberg (1257)
  • Kunegisberch, de (1260) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Neudruck, Nr. 164, S. 126]
  • Koningisberg (1301)
  • Kungesperg

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Königsberg lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6][7]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Königsberg das „Amt Königsberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Stadtgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Königsberg zuständig war.

Nach der Abtretung des nordwestlichen Teil des Landkreis Gießen und mit ihm Königsberg an Preußen, infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde Königsberg vom Stadtgericht Gießen abgetrennt.[14] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[15] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach und die Zulegung Königsberg zu diesem Gericht. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[16] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[17] Mit dem Wechsel Königsberg 1932 in den Kreis Wetzlar, wechselt es auch in den Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Am 1. August 1979 wechselt Königsberg mit der Gemeinde Biebertal zum Bereich des Amtsgerichts Gießen. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 26 Haushaltungen
• 1629: 40 Haushaltungen
• 1742: 73 Haushaltungen
• 1791: 458 Einwohner[10]
• 1800: 465 Einwohner[18]
• 1806: 371 Einwohner, 80 Häuser[12]
• 1829: 475 Einwohner, 86 Häuser
Königsberg: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
458
1800
  
465
1806
  
371
1829
  
475
1834
  
452
1840
  
468
1846
  
493
1852
  
457
1858
  
557
1864
  
534
1871
  
510
1875
  
488
1885
  
517
1895
  
502
1905
  
506
1910
  
510
1925
  
581
1939
  
490
1946
  
675
1950
  
635
1956
  
611
1961
  
667
1967
  
714
1970
  
711
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
843
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[19]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 510 evangelische, 1 katholischer, 6 andere Christen
• 1961: 512 evangelische (= 76,76 %), 93 katholische (= 13,94 %) Einwohner

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt die Landesstraße 3474. Den öffentlichen Personennahverkehr betreibt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Königsberg (Biebertal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Königsberg, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 14. Februar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Biebertal (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), abgerufen im September 2015.
  3. Zusammenschluß der Gemeinden Fellingshausen, Königsberg, Krumbach, Rodheim-Bieber und Vetzberg im Landkreis Wetzlar zu der neuen Gemeinde „Biebertal“ vom 13. November 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 48, S. 2254, Punkt 2253 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,6 MB]).
  4. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 282.
  5. Hauptsatzung der Gemeinde Biebertal. (PDF; 22 kB) S. §5, abgerufen im Februar 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkte 1&1#41; und 6b&1#41; (Online bei google books).
  10. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 202 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 8 f., 428 (Online bei google books).
  12. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 266 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  14. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10510194~SZ%3D412~doppelseitig%3D~LT%3DHess.%20Reg.Bl.%20S.%20406%E2%80%93407~PUR%3D)
  15. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  16. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D234~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20218%E2%80%93220~PUR%3D)
  17. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)
  18. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 220 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  19. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  20.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!