Königsberg (Biebertal)

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Königsberg
Gemeinde Biebertal
Koordinaten: 50° 38′ 40″ N, 8° 32′ 10″ O
Höhe: 376 (293–403) m ü. NHN
Fläche: 1,27 km²[1]
Einwohner: 900[2]
Bevölkerungsdichte: 711 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 35444
Vorwahl: 06446
Königsberg - links der Mitte Burg und Kirche, rechts der Dünsberg
Königsberg - links der Mitte Burg und Kirche, rechts der Dünsberg

Königsberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Biebertal im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königsberg liegt im Gleiberger Land. Es ist der höchstgelegene Ortsteil der Gemeinde. Nahe bei Königsberg entspringen zwei rechte Nebenflüsse der Lahn, der Bieber-Quellfluss Strupbach im Norden und der unmittelbare Zufluss Schwalbenbach im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf den Grundmauern der ehem. Burg errichtete „Schloss“ und rechts davon die Ev. Kirche prägen das Ortsbild

Königsberg wurde erstmals 1260 urkundlich erwähnt und hatte ab 1500 Stadtrechte. Zum Amt Königsberg gehörten die Orte Bischoffen, Frankenbach, Naunheim, Waldgirmes, Niederweidbach, Oberweidbach, Roßbach und Wilsbach.

Auf Burg Königsberg residierte das Grafengeschlecht von Solms-Königsberg. Die Evangelische Kirche Königsberg wurde im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört. Der dann errichtete Neubau aus dem Jahr 1654 wurde erst 1961 wieder völlig renoviert, eine weitere Renovierung erfolgte 1994. Bei dieser Gelegenheit wurden die ursprünglichen Farben der Kirche wieder hergestellt.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die selbstständige Gemeinde Königsberg (Landkreis Wetzlar) am 1. Dezember 1970 mit weiteren Gemeinden zur neuen Gemeinde Biebertal zusammen.[3]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Königsberg unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Kunegisberch, de (1260) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Neudruck, Nr. 164, S. 126]
  • Koningisberg (1301)
  • Kungesperg

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Königsberg unterstand im Überblick:[1][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Königsberg das „Amt Königsberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Stadtgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Königsberg zuständig war.

Nach der Abtretung des nordwestlichen Teil des Landkreis Gießen und mit ihm Königsberg an Preußen, infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde Königsberg vom Stadtgericht Gießen abgetrennt.[8] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach und die Zulegung Königsberg zu diesem Gericht. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[10] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[11] Mit dem Wechsel Königsberg 1932 in den Kreis Wetzlar, wechselt es auch in den Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Am 1. August 1979 wechselt Königsberg mit der Gemeinde Biebertal zum Bereich des Amtsgerichts Gießen. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 26 Haushaltungen
• 1629: 40 Haushaltungen
• 1742: 73 Haushaltungen
Königsberg: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1970
Jahr  Einwohner
1791
  
458
1834
  
452
1840
  
468
1846
  
493
1852
  
457
1858
  
557
1864
  
534
1871
  
510
1875
  
488
1885
  
517
1895
  
502
1905
  
506
1910
  
510
1925
  
581
1939
  
490
1946
  
675
1950
  
635
1956
  
611
1961
  
667
1967
  
714
1970
  
711
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[5]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 510 evangelische, ein katholischer, 6 andere Christen
• 1961: 512 evangelische (= 76,76 %), 93 katholische (= 13,94 %) Einwohner

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt die Landesstraße 3474. Den öffentlichen Personennahverkehr betreibt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Königsberg, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Biebertal, abgerufen im September 2015.
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 282
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 202, 272 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  8. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  11. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Königsberg (Biebertal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien