Königsberger Dom

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Königsberger Dom (2016)

Der Königsberger Dom (russisch Кёнигсбергский собор, wissenschaftliche Transliteration Kënigsbergskij sobor) im heutigen Kaliningrad ist ein Baudenkmal der Backsteingotik. Der Dom auf der Kneiphof-Insel war und ist wieder das bedeutendste historische Bauwerk der im Zweiten Weltkrieg zerstörten und danach eingeebneten Stadt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dom ist die ehemalige Bischofskirche des Bistums Samland, das nicht zum Ordensstaat gehörte. Mit der Gründung der Albertus-Universität (1544) wurde er zur Universitätskirche, zu deren Gemeinde alle Studenten und Professoren der Albertus-Universität gehörten.

Erst als Altstadt, Kneiphof und Löbenicht 1724 vereinigt wurden, gehörte der Dom formal zu „Königsberg“. Auf dem Gebiet der mittelalterlichen Städte ist kein anderes Gebäude aus der Ordenszeit oder späteren Epochen erhalten; denn im Zweiten Weltkrieg zerstörten bei den Luftangriffen auf Königsberg im August 1944 die Brandbomben der Royal Air Force und die Schlacht um Königsberg im April 1945 den größten Teil der Bebauung. Unter sowjetischer Herrschaft wurden die Ruinen abgetragen und zum Teil überbaut.

Das weltliche Machtzentrum war die Altstadt. Ihre Hauptkirche war die Schlosskirche.

Die Krönungsstätte der Könige Friedrich I. und Wilhelm I. war nicht der Dom, sondern die Schlosskirche im – heute nicht mehr existierenden – Schloss.

Maße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der Dom folgende Ausmaße:

  • Länge: 88,5 m.
  • Höhe des Südturms bis zur Spitze: 50,75 m.
  • Höhe des Hauptschiffes: 32,14 m.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzert zur 600-Jahrfeier (1933)

Der Vorgänger des Doms, eine kleine Kathedrale, war im Südosten der Altstadt von Königsberg zwischen 1297 und 1302 erbaut worden. Der samländische Bischof Johann Clare fand die Kirche zu klein und bestand auf dem Bau einer neuen Kathedrale.

Baugrund und Vorbereitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1327 überließ der Hochmeister des Deutschen Ordens Werner von Orseln ein Grundstück am Ostende der Pregelinsel Kneiphof für den Bau des Doms. Der Boden auf der Insel war sumpfig, und so mussten die Dombauer zuerst Hunderte von Eichenpfählen in die Erde rammen, bevor sie mit dem eigentlichen Bau anfangen konnten. Der alte Dom in der Altstadt wurde abgetragen; man verwendete die Baumaterialien für den Bau des neuen Doms auf der Insel. Eigens für den Materialtransport wurde in die Stadtmauer der Altstadt ein neues Tor, das Domtor, eingebaut und eine Brücke, die Dombrücke, erbaut. Diese Brücke wurde nach dem Ende des Dombaus wieder abgerissen, das Tor blieb jedoch weitere sechs Jahrhunderte bestehen.

Errichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Jahr 1330 (genaues Datum ist nicht bekannt) begann der Bau an der neuen Stelle, zuerst als Wehrkirche mit dicken Wänden, Wehrgang und anderen Verteidigungseinrichtungen. Der Deutsche Orden ließ aber nicht zu, dass ganz in der Nähe der Ordensburg eine Festung entstünde, und stoppte den Bau. Am 13. September 1333 unterschrieb der Bischof einen Vertrag zwischen Orden und Kirche, mit dem der Bau des Domes, jetzt nur reines Kultgebäude ohne Wehrfunktionen, fortgesetzt werden konnte. Dieses Datum betrachtet man als Baubeginn des Königsberger Domes.

Gleichzeitig mit dem Bau des Domes wurde auch eine Domschule auf der Flussinsel Kneiphof gegründet, die bereits in den frühen Baujahren Bedeutung erlangte.[1]

Nach der relativ kurzen Zeit von 50 Jahren war der Dom im Jahre 1380 weitgehend vollendet. Arbeiten an den Innenfresken dauerten noch bis zum Ende des 14. Jahrhunderts.

Erste Gestalt des Bauwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der der Heiligen Maria und dem Heiligen Adalbert geweihte Dom im Stil der Backsteingotik bestand aus dem langgestreckten rechteckigen Priester- und Ritterchor und einer durch eine Glaswand abgetrennten, dreischiffigen Laienkirche mit flacher Holzdecke und Turmvorbau.

Umbau zur Hallenkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Jahr 1440 wurde der Dom umgebaut und ist seitdem ein Hallenbau unter einem Dach. Die Kirchenschiffe sind völlig eingewölbt, das Mittelschiff mit zwölfteiligem Sterngewölbe, die Seitenschiffe mit dreikappigen Gewölben. An der Westfront erhoben sich zwei spitze Türme.

Reformation in Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Hochmeister des Deutschen Ordens folgte Luthers Rat, legte 1522 sein Amt nieder und machte aus dem Ordensstaat das weltliche Herzogtum Preußen. Am 27. September 1523 hielt Johann Briesmann die erste lutherische Predigt im Königsberger Dom.

Weitere Veränderungen bis 1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Brand im Jahre 1544 zerstörte beide Türme. Der südliche Turm wurde mit einem spitzen zwölfeckigen Dach wieder aufgebaut, über den Resten des nördlichen Turms wurde ein einfaches Giebeldach eingerichtet. Im Jahre 1640 wurden im Südturm Uhren eingebaut. Im Jahre 1695 erhielt der Dom eine Orgel.

1833 wurde der Dom restauriert, 1888 erneuerte man auch die Orgel. Bei einer weiteren Restaurierung zwischen 1901 und 1907 erhielt die Westfassade – abgesehen von den Türmen – das frühere Aussehen aus dem 14. Jahrhundert.

Die Glasmaler Rudolf und Otto Linnemann aus Frankfurt am Main schufen zwischen 1901 und 1906 elf Fenster für den Dom. Dargestellt waren: Geburt Christi, Auferstehung, Flucht nach Ägypten, der zwölfjährige Jesus im Tempel, Taufe Jesu, Bergpredigt, Jesus und die Samariter, der Sturm auf dem Meer, Jari Töchterlein, Christus am Ölberg, Kreuzigung sowie acht Fenster mit Wappen. Skizzen, Kartons und alte Fotos befinden sich im Linnemann-Archiv in Frankfurt am Main Das Fenster der Taufkapelle wurde durch die Königsberger Freimaurerlogen „Zum Todtenkopf und Phoenix“, „Zu den drei Kronen“ und „Immanuel“ gestiftet. Es enthält neben der Darstellung der Taufe Jesu auch freimaurerische Symbole.[2]

Zerstörung und Sowjetzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine (1988)
1993 am Beginn des Wiederaufbaus

Bei ihren Luftangriffen auf Königsberg im August 1944 zerstörte die Royal Air Force in zwei Nächten den gesamten historischen Kern Königsbergs. Den Angriff am 29./30. August 1944 überstand der Dom zuerst nur leicht beschädigt, brannte dann allerdings aus. In einem Interview mit der Tochter des letzten Domorganisten Herbert Wilhelmi wurde festgehalten, dass es der Feuerwehr durch einen Befehl von Gauleiter Erich Koch verboten war, Löschversuche auf dem Kneiphof zu unternehmen.[3] So wurde auch der Dom schwer in Mitleidenschaft gezogen: das Dach, die gesamte Inneneinrichtung und der im Dom gebliebene Teil (Dubletten) der Wallenrodtschen Bibliothek waren verbrannt. Die Grablege von Georg Wilhelm von Brandenburg ging verloren. An der Ostwand des Hohen Chors blieben Teile des Grabdenkmals für Herzog Albrecht erhalten. Die Reste des Grabmals der Markgräfin Elisabeth wurden ebenso wie das Epitaph der Herzogin Dorothea (Preußen) erst im Zuge früherer Restaurierungsarbeiten vernichtet. An der Südwand finden sich dagegen noch die Epitaphien von Herzogin Anna Maria von Braunschweig-Calenberg-Göttingen, der 2. Frau von Herzog Albrecht. Im Eingangsbereich liegt die Grabplatte des Hochmeisters Luther von Braunschweig, des Erbauers des Doms. Von seinem Grabmal mit einer geschnitzten Plastik des Verstorbenen sind noch Fragmente der steinernen Grabtafel mit Teilen der Inschrift im Dom erhalten. In den Museumsräumen des Turms werden zahlreiche originale Steine und Bodenfundstücke ausgestellt. Gewölbe stürzten teilweise ein, das Grundgerüst des Gebäudes blieb aber stehen.

Nach dem Kriegsende wurde der nördliche Teil Ostpreußens Teil der Sowjetunion. Für eine Restaurierung der Domruine sowie anderer historischer Gebäude hatte die Regierung weder Mittel noch Interesse. Vorkriegsbauten, die als „Symbole des preußischen Militarismus und Faschismus“ und „Schandmale der neuen sozialistischen Stadt“ galten, wurden abgerissen. Die Domruine wurde jedoch geduldet: Wegen des darunter liegenden Kant-Grabmals traute sich die neue Stadtregierung nicht, die Ruine zu sprengen. Im Jahre 1960 bekam der Dom den Status eines Kulturdenkmals, es gab jedoch lange Zeit keine Bestrebungen, den Verfall zu stoppen und die Kirche oder das Grabmal Kants zu restaurieren. In den Jahren 1976 und 1982 erfolgten Konservierungsversuche, deren Nutzen jedoch umstritten ist.

Restaurierung 1992–1998[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restauriertes Kirchenfenster der Taufkapelle
Restauriertes Wappenfenster
Neue Umgebung (2009)

Mit der Perestroika wurden Diskussionen über die Zukunft des Königsberger Doms wiederbelebt.

Seit 1992 restauriert Igor Alexandrowitsch Odinzow mit seiner Firma Katedralny Sobor (Die Kathedrale) den Dom. Die Projektleitung kooperiert eng mit dem Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege in Fulda, das große Erfahrungen bei der Restaurierung europäischer Bauten hat.

An der Finanzierung der Arbeiten sind folgende Organisationen beteiligt:

Nach Untersuchung der Ruine, Auftreiben alter Baupläne, Fotografien und Zeichnungen des Doms wurde 1993 mit Konservierungsarbeiten begonnen. 1994 begann die Restaurierung der Türme: der Nordturm wurde durch Betondecken und -gurte verstärkt; beim Anbringen des Dachgerüsts am Südturm halfen Hubschrauber der Baltischen Flotte. 1995 wurden am Turm eine funkgesteuerte Uhr und vier Glocken angebracht. Die Glocken schlagen zu jeder vollen Stunde das Eingangsmotiv von Ludwig van Beethovens Fünfter Sinfonie. 1995 und 1996 wurden das Epitaph und das Grabmal Immanuel Kants restauriert. Arbeiten am Dach liefen zwischen 1996 und 1998. Um Gewicht zu sparen, wurde Kupferblech statt Dachziegeln verwendet.

Kritiker werfen den Restauratoren des Domes vielfach unsachgemäße Arbeit vor. So wird vor allem das Einbringen von Beton in die Backsteinziegelmauern als langfristig schädlich für das Gebäude angesehen. Der erheblich dichtere Beton wird auf dem bekanntermaßen nachgiebigen Untergrund für neue Absetzungen der so ausgefüllten Mauern sorgen, die Risse zur Folge haben werden. Entsprechende schlechte Erfahrungen liegen aus Restaurierungen in Deutschland vor. Der Bau des Domes auf dem sumpfigen Grund war insofern ein Kunstwerk, als dass man damals die Mauern langsam und gleichmäßig so aufbauen musste, dass sich das werdende Gebäude gleichmäßig setzen konnte, ohne zu zerreißen.

1998 wurden im Nordturm zwei weitere Glocken eingehängt. Im Oktober 1998 wurde der Dom wiedereröffnet.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dom wurde als kulturell-religiöses Zentrum restauriert. In dem weitgehend wiederhergestellten Dom befinden sich eine evangelische und eine orthodoxe Kapelle, Taufkapelle, Dommuseum, Kantmuseum, Stadtmuseum und Räume der Wallenrodtschen Bibliothek. Im Dom werden regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Am 7. Mai 1995 fand der erste ökumenische Gottesdienst mit Beteiligung der drei Konfessionen statt. Zudem will die Dombaufirma "Kafedralny Sobor" den Dom als (internationale) Konzertadresse bekannt machen: Seit dem Wiederaufbau wurde zahlreich klassische und religiöse Musik gespielt. Zudem wurde das MDR Sinfonieorchester eingeladen, am 23. Januar 2010 als erstes internationales Orchester im wiederaufgebauten Dom ein Konzert zu geben. Der Auftritt der deutschen Musiker gilt als weiterer Akt der Annäherung zwischen den Kaliningradern und ihren deutschen Wurzeln.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. bat im April 2009 den Ministerpräsidenten Putin um seine Unterstützung für eine Unterstellung auch des Königsberger Doms unter die Russisch-Orthodoxe Kirche. Vorher hatte die orthodoxe Diözese von Königsberg an die dortige Verwaltung den Antrag auf Inbesitznahme des Doms einschließlich Grundstück und Nebengebäuden gestellt, „um ihn seiner zweckgemäßen Nutzung zuzuführen“.[4]

Weitere Restaurierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dom ist nach fast 20- jähriger Arbeit fast wiederhergestellt. Folgende Maßnahmen wurden durchgeführt:

  • 1998 begann die langwierige Außensanierung, die mittlerweile abgeschlossen ist.
  • Ab dem Jahr 2000 wurden das Rippengewölbe und die Fenster erfolgreich erneuert.
  • 2008 wurde die Rekonstruktion der Taufkapelle von 1596 abgeschlossen.
  • Nach dreijährigen Arbeiten ist die Grabtafel von Anna und Bogusław Radziwiłł an der Nordmauer 2009 wiedererstanden. Als Statthalter des Großen Kurfürsten hatte der litauische Fürst Radziwill viel zur Anerkennung der Reformierten Gemeinde in Königsberg beigetragen (Königsberger Express, März 2009).
  • Derzeit (2014) wird die marmorne Gedenktafel für Markgraf Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach restauriert, der in der Krypta begraben wurde. Die Wiederherstellung der Epitaphen seiner beiden Ehefrauen ist bereits vollendet. Es ist geplant, dass auch die Krypta der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.[5]

Besondere Räumlichkeiten und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstengruft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstengruft (zerstört 1944/1945)

Herzog Albrecht mit seinen Verwandten, sowie Hochmeister des Deutschen Ordens, Bischöfe und andere Adelige sind unter dem Dom, in der Fürstengruft, begraben, darunter:

Altäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dom hatte mehrere Altäre. Sehenswert war seinerzeit der Hochaltar (Triptychon) mit 4 Gemälden („Sündenfall“, „Taufe des Hl. Johannes“, „Abendmahl“ und „Kreuzigung“) von Anton Möller (genannt der „Maler von Danzig“), 1563–1611; sie galten als die schönsten Bilder in diesem Gotteshaus.

Epitaphe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dom gab es viele solcher Grab-Gedenkmäler, die zum Teil mit wertvollen Gemälden ausgestattet waren, so u. a. die Epitaphien von: Herzogin Dorothea; Markgräfin Elisabeth, Herzogin Anna Maria (zweite Frau von Herzog Albrecht); Eheleute Wilhelm u. Katharina Plato (Gemälde „Jüngstes Gericht“ von Anton Möller, 1563–1611); Joachim Mörlin, Bischof vom Samland, † 23. Mai 1571; Georg von Pudewels (Gemälde „Jüngstes Gericht“ und „Familie P.“ im Sockel, 1604, von Anton Möller); Freiherr A. v. Kittlitz (Gemälde „Himmelfahrt Christi“ und „Familie v. K.“ mit zahlreichen Familienmitgliedern, 1604, von Anton Möller); Wolff von Wernsdorff (Gemälde „Allergorie des Kampfes des christlichen Tugendritters mit den Todsünden“, 1606, von Anton Möller) und von Dr. Christoph Heilsberg (Gemälde „Jüngstes Gericht“, 1600, von Anton Möller).

Treppentürmchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königsberg, Kneiphöfischer Dom, Treppentürmchen.

In der Vorhalle befand sich ein zur Seite offenes Treppentürmchen, das inzwischen verglast wieder aufgebaut wurde und heute den Aufgang zum Museum darstellt.[6] Der Baukörper entstand August Rudolf Gebser und Ernst August Hagen zufolge in der Zeit des Staatsgründers Herzogs Albrecht von Preußen.[7]

Professorengewölbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald wurde beim Dom das Collegium Albertinum gebaut, das Universitätsgebäude an der Nordostecke der Kneiphofinsel. An die Außenmauern des Kirchenschiffs war auf beiden Seiten ein arkadenförmiger Dachüberstand angebaut. Unter diesem sogenannten Professorengewölbe bestattete man die Professoren. Kant wurde an der Nordostecke bestattet und mehrfach umgebettet.[8]

Wallenrodtsche Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Wallenrodtsche Bibliothek

Johann Ernst von Wallenrodt brachte die von seinem Vater gestiftete Bibliothek 1650 im Südturm des Domes unter. 1673 wurde sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. E.T.A. Hoffmann besuchte sie oft.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel vor 1944

Bereits zur Einweihung des Doms im Jahre 1333 wird eine „sich auf den Letter befindende Orgel“ erwähnt. Eine zweite Domorgel ist in einer Broschüre aus dem Jahr 1928 genannt, die bis 1587 ihren Dienst dort tat. Ein drittes, sehr stattliches Instrument bestand von 1587 bis 1721. Den Angaben nach verfügte das Instrument über ein Oberwerk mit 16 Stimmen, ein Rückpositiv mit 18 Stimmen, ein Brustpositiv mit sieben Stimmen und ein Pedal mit 18 Stimmen. An Nebenzügen sind acht Nebenregister aufgeführt. Die von diversen Abbildungen bekannte Orgel mit ihrem prächtigen Prospekt wurde in den Jahren 1718–1721 von Johann Josua Mosengel (1663–1731) errichtet. Bei seiner demzufolge 1721 eingeweihten Orgel handelte es sich um ein großes dreimanualiges Instrument mit einem Hauptwerk mit 17 Registern, einem Oberpositiv mit 14 Registern, einem Brustpositiv mit sieben Registern und einem Pedal mit 20 Registern.

Es folgten insgesamt fünf Umbauten der Orgel. Adam Gottlob Casparini (1715–1788) setzte das Werk Mosengels ab 1742 fort. Dessen Orgelbaugeselle Johann Preuss (1722–1798) sowie Casparinis Schüler Wilhelm Braveleit (?-1795) werden ebenfalls als Orgelbauer am Dom erwähnt,[9] bis 1888 die Orgel von Max Terletzki gänzlich umgebaut wurde.

In den Jahren 1928/1929 entstand hinter dem barocken Prospekt einschließlich der Prospektpfeifen von Mosengel ein völlig neues Instrument der Firma P. Furtwängler & Hammer. Diese Orgel erhielt drei Manuale und Pedal mit insgesamt 64 Registern und pneumatischen Trakturen.[10]

Die heutigen Orgeln des Königsberger Doms wurden in den Jahren 2006 und 2008 von dem Potsdamer Orgelbauer Schuke erbaut. Beide Instrumente (insgesamt 122 Register) weisen identische Spieltische auf, wobei auf elektrischem Wege von jedem Spieltisch auch das jeweilig andere Instrument bespielt werden kann.

Chororgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 wurde die Chororgel fertiggestellt. Im Gegensatz zur Hauptorgel ist der Prospekt der Chororgel modern gestaltet. Das Instrument hat 32 Register auf zwei Manualen und Pedal.[11]

I Hauptwerk C–a3
1. Principal 8′
2. Bordun 16′
3. Bordun 8′
4. Octave 4′
5. Hohlflöte 4′
6. Nassat 22/3
7. Octave 2′
8. Cornett III
9. Scharff IV
10. Fagott 8′
11. Clairon 4′
II Schwellwerk C–a3
12. Praestant 8′
13. Portunalflöte 8′
14. Gambe 8′
15. Gedackt 8′
16. Traversflöte 8′
17. Flaut douce 8′
18. Octave 4′
19. Traversflöte 4′
20. Sesquialtera II 22/3
21. Piccolo 2′
22. Progress harm. IV
23. Dulcian 16′
24. Cromorne 8′
Pedalwerk C–g1
25. Subbaß 16′
26. Principal 8′
27. Gambe 8′
28. Gedackt 8′
29. Octave 4′
30. Rauschpfeife III
31. Fagott 16′
32. Trompete 8′

Hauptorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prospekt der Hauptorgel (2016)

2008 wurde die Hauptorgel fertiggestellt. Der Prospekt wurde weitgehend dem Barockprospekt der 1721 von Johann Josua Mosengel erbauten Domorgel nachempfunden, welcher bis zur Zerstörung 1944 erhalten war. Der Prospekt ist mit 17 stehenden Holzfiguren und 6 beweglichen Figuren verziert, die von Kaliningrader Holzschnitzern der Fa. Maxick unter der Leitung von Max Ibragimov angefertigt wurden. Im Zuge der Rekonstruktion nahm man am Prospekt folgende Veränderungen, teils in russifizierender Absicht, vor: anstatt des preußischen Adlers bekrönt das Instrument nunmehr ein Phönix, um den Wiederaufbau aus der Asche zu dokumentieren bzw. die Wiederauferstehung zu symbolisieren. Da die ehemalige Mittelfigur „David mit der Harfe“ in der russischen-orthodoxen Kirche keine Bedeutung hat, wurde sie durch eine historisierende Madonnenfigur mit Kind ersetzt. Auch das Königsberger Stadtwappen am Prospekt wurde modifiziert: als Schildhalter fungiert aktuell ein bekrönter russischer Doppeladler anstatt des ursprünglichen preußischen Adlers. Die Rückpositive, welche vor 1945 mittig auf der Empore standen, wurden an die Brüstung versetzt, welche letztere mit einem schmiedeeisernes Gitter ohne historisches Vorbild versehen wurde. Das Stahlgerüst für die Hauptorgel wurde von einer Stahlbaufirma aus Kaliningrad gebaut.[12]

Die Hauptorgel hat insgesamt 90 klingende Register (6.269 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal sowie ein Effektregister (Cymbelstern). Die drei Chamaden-Register lassen sich an jedes Manualwerk und das Pedal frei ankoppeln.[13]

I Rückpositiv C–a3
Principal 8′
Gedackt 8′
Quintadena 8′
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Hohlflöte 4′
Quinte 22/3
Octave 2′
Waldflöte 2′
Quinte 11/3
Terz 13/5
Scharff IV
Cymbel III
Vox humana 8′
Cromorne 8′
Cymbelstern

Trompeteria C–a3
Trompete (Chamade) 16′
Trompete (Chamade) 8′
Trompete (Chamade) 4′
II Hauptwerk C–a3
Principal 16′
Bordun 16′
Octave 8′
Viola di Gamba 8′
Rohrflöte 8′
Doppelgedackt 8 ′
Quinte 51/3
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Gedackt 4′
Quinte 22/3
Octave 2′
Cornett V
Mixtur V
Scharff III-IV
Trompete 16′
Trompete 8′
Trompete 4′
III Schwellwerk C–a3
Zartgedackt 16 ′
Principal 8′
Salicional 8′
Vox celestes 8′
Flötenschwebung 8′
Gedackt 8′
Octave 4′
Fugara 4′
Nachthorn 4′
Nassat 22/3
Piccolo 2′
Hohlflöte 2′
Terz 13/5
Sifflöte 1′
Mixtur IV
Bombarde 16′
Trompet harmonique 8′
Oboe 8′
Klarine 4′
Tremulant
IV Oberwerk C–a3
Gedackt 16′
Principal 8′
Hohlflöte 8′
Gedackt 8′
Flûte harmonique 8′
Fugara 8′
Schwebung 8′
Octave 4′
Traversflöte 4′
Holzflöte 4′
Nassat 22/3
Octave 2′
Gemshorn 2′
Echocornett III
Mixtur IV
Fagott 16′
Trompete 8′
Clarinette 8′
Tremulant
Pedalwerk C–g1
Untersatz 32′
Principal 16′
Violon 16′
Kontrabaß 16′
Zartbaß 16′
Quinte 102/3
Octave 8′
Gedackt 8′
Cello 8′
Nassat 51/3
Octave 4′
Bauernflöte 2′
Mixtur VI
Posaune 32′
Posaune 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silberglocke in Schloss Burg

Bekannt war die 1200 kg schwere alte Silberglocke (Schlagton: es1); benannt wegen ihres silberhellen Klanges. Sie wurde 1736 von Andreas Dorling in Königsberg gegossen und befand sich im Südturm des Doms. Seit 1951 hängt sie (mit zwei Glocken aus Breslau) vor der Gedenkstätte des Deutschen Ostens, die im Batterieturm von Schloss Burg untergebracht ist.

Die alte Stundenglocke des Doms war 100 kg schwer und wurde von Professor Carl Stange 1952 auf dem Hamburger Glockenfriedhof gefunden. Er vermittelte sie an die Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters Bursfelde an der Weser im Landkreis Göttingen, wo sie jetzt läutet. Die Glocke trägt die Inschrift D ET Joh An Do MCCCCLXX G da / Jochim GryTTE – wurde also 1470 gegossen, und zwar in Danzig.

Eine dritte der fünf Glocken des Königsberger Doms hat überlebt: eine 75 kg schwere und 1680 gegossene Glocke, die sich jetzt in St. Georg in Westerwanna bei Cuxhaven befindet. Verloren gegangen ist dagegen die 1492 gegossene große Marienglocke aus dem Nordturm, die größte seinerzeit in Ostpreußen überhaupt, sowie die kleine Goldglocke aus dem Südturm, die die Gottesdienste einläutete.

Im November 1995 konnten die neuen Glocken installiert werden. Drei der ehemals vier Glocken im Südturm sind im Original in Westdeutschland vorhanden. Es gelang jedoch, den Glockenklang dem in Musikarchiven festgehalten Klang der alten Glocken weitgehend anzugleichen.

Die Glocken 3 und 4 sind freischwingend läutbar; die zwei großen hingegen werden nur durch einen Hammer angeschlagen. Die Glocken schlagen jede Viertelstunde, zur vollen Stunde erklingen zuerst die ersten Töne von Beethovens 5. Sinfonie, danach schlägt Glocke 1 die Zahl der Stunden. Die drittgrößte Glocke wurde in Deutschland gegossen. Sie trägt im Gussrelief das alte Königsberger Siegel und das Wappen des Kneiphofs, darunter umlaufend die Inschrift: „Gegossen in Kaliningrad vorm. Königsberg A.D. 1995.“ gefolgt von den Namen der größten Spender. Die kleinste Glocke ist namenlos und trägt keine Symbole.

Nr. Name Gussjahr Gewicht (kg) Nominal
1 Alexander Newski 1995 1850 cis1
2 1995 745 fis1
3 1995 450 a1
4 Kinderglocke 1995 255 cis2

Pfarrer von der Reformation bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1523 bis 1944 war der Dom die Universitätskirche, zu deren Gemeinde alle Studenten und Professoren der Albertus-Universität gehörten. Zum Dom gehörten zwei Gemeinden mit jeweils einem Domprediger. Der letzte verbliebene Pfarrer bis zur Zerstörung 1944 war Walter Strazim (1887–1969), Dompfarrer der 2. Domgemeinde seit 1934.[14] Sein Kollege, der Domprediger der 1. Domgemeinde Ernst Bronisch-Holtze, kam am 20. Juli 1944 unter mysteriösen Umständen in Gestapohaft ums Leben, nachdem er wegen „fortlaufendem und vorsätzlichem Abhören von Feindsendern“ festgenommen worden war.[15] Bis zum Ende des Doms verblieb deshalb nur noch ein Prediger.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Voigt: Ueber die Zeit des Aufbaues der Domkirche zu Königsberg. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 7, Königsberg 1832, S. 74–78.
  • Michael Lilienthal: Historische Beschreibung Des Thums, Oder der Cathedral-Kirchen, Der Stadt Kneiphoff-Königsberg, Königsberg 1716 (Digitalisat MDZ München)
  • August Rudolf Gebser, Ernst August Hagen: Der Dom zu Königsberg in Preußen. Eine kirchen- und kunstgeschichtliche Schilderung. Erste Abtheilung, Königsberg 1835 (Digitalisat Google).
  • Walter Eschenbach: Die neue Orgel in der Dom- und Kathedralkirche zu Königsberg i.Pr., erbaut von P. Furtwängler & Hammer, Hannover. Königsberg i. Pr. 1928
  • Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen. 3 Bände, Köln 1996, ISBN 3-412-08896-X.
  • Manfred Gerner, Igor Alexandrowitsch Odinzow: Der Königsberger Dom. Zentrum Handwerk und Denkmalpflege, 1998, ISBN 3-931991-21-0.
  • Anatolij Bachtin, Gerhard Doliesen: Vergessene Kulturen: Kirchen in Nord-Ostpreußen. Ost-Akademie Lüneburg, Husum-Verlag, ISBN 3-88042-849-2.
  • Lorenz Grimoni: 675 Jahre Königsberger Dom. In: Königsberger Bürgerbrief. Nr. 71 (2008), S. 31–38.
  • E. Neumann-Redlin von Meding, M. Schuke: Schuke-Orgel im „Königsberger Dom“ nach dem Vorbild der Mosengel-Orgel von 1721. In: Königsberger Bürgerbrief. Nr. 71 (2008), S. 39–42.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Rudolf Gebser, Ernst August Hagen: Der Dom zu Königsberg in Preußen. Eine kirchen- und kunstgeschichtliche Schilderung. 1835, S. 94.
  2. Lorenz Grimoni: Freimaurer in Königsberg (Pr). In: Königsberger Bürgerbrief. Ausgabe Nr. 69, Museum Stadt Königsberg, Duisburg 2007.
  3. Ostpreußen im Inferno 44/45. Polar-Film, 1999.
  4. Kerstin Holm: Gottesdienst im Kant-Museum. Die Russisch-Orthodoxe Kirche beansprucht als eine Art späte Wiedergutmachung den Königsberger Dom. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Juli 2009.
  5. Gunnar Strunz: Königsberg; Kaliningrader Gebiet. Trescher, Berlin 2014, ISBN 978-3-89794-278-3, S. 94 ff.
  6. vgl. Christofer Herrmann: Die Anfänge des Königsberger Dombaus. In: Bernhart Jähnig (Hrsg.): 750 Jahre Königsberg : Beiträge zur Geschichte einer Residenzstadt auf Zeit. Elwert, Marburg 2008, OCLC 281162800, S. 334.
  7. Ernst August Hagen, August Rudolf Gebser: Die Beschreibung der Domkirche zu Königsberg und der in ihr enthaltenen Kunstwerke. Königsberg 1833, S. 99. (online)
  8. Kants Grab (Werner Stark)
  9. Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen. 3 Bände, Köln 1996, ISBN 3-412-08896-X.
  10. Walter Eschenbach: Die neue Orgel in der Dom- und Kathedralkirche zu Königsberg i.Pr., erbaut von P. Furtwängler & Hammer, Hannover. Königsberg i. Pr. 1928.
  11. Zur Disposition der Chororgel
  12. E. Neumann-Redlin von Meding, M. Schuke: Schuke-Orgel im „Königsberger Dom“ nach dem Vorbild der Mosengel-Orgel von 1721. In: Königsberger Bürgerbrief Nr. 71 (2008), S. 39–42.
  13. Zur Disposition der Hauptorgel
  14. Strazim (Kreisgemeinschaft Darkehmen)
  15. Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1934–1944. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1971, S. 890.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Königsberger Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 42′ 23″ N, 20° 30′ 42″ O