Königsplatz (Augsburg)

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Unter den Bäumen am Königsplatz

Der Königsplatz (in Augsburg auch kurz genannt) ist ein im Zentrum Augsburgs gelegener Platz am südlichen Rand der Fußgängerzone. Als Kreuzungspunkt mehrerer Hauptverkehrsstraßen ist er ein wichtiger innerstädtischer Verkehrsknoten; die gleichnamige Straßenbahn- und Bushaltestelle nimmt im Nahverkehr der Fuggerstadt zusammen mit dem Hauptbahnhof eine zentrale Rolle ein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abtragung der Erdbastion des Gögginger Tors, um 1860
Der Königsplatz auf einem Augsburger Stadtplan von 1905

An der Stelle des Königsplatzes befand sich ursprünglich das Gögginger Tor mit einer Bastion, Stadtmauer und -gräben. Nachdem der Augsburger Hauptbahnhof im Jahre 1843 westlich der Stadt vor den mittelalterlichen Stadtmauern erbaut wurde und die Bedeutung der Eisenbahn deutlich zunahm, wurde die Forderung nach einem besseren Zugang laut, denn die Verbindung über das Gögginger Tor war umständlich.

Augsburg war im Königreich Bayern ein wichtiger militärischer Standort. Veränderungen an den Festungsanlagen waren deshalb nur mit Billigung der königlichen Regierung möglich. Im März 1860 gab König Maximilian II. sein Plazet nach jahrelangem Insistieren der Fuggerstädter. Die „sofortige Einlegung der Festungsbauwerke beim Gögginger Tor“ wurde als erstes gestattet.[1] Die Erdbastion wurde ab dem Herbst 1860 abgetragen und der Stadtgraben an dieser Stelle verfüllt. Im Januar 1861 lag dann das Zugeständnis vor, Wälle, Gräben und Stadtmauer zu beiden Seiten des Gögginger Tores auf eine Länge von 500 Schritt zu schleifen.[2]

Im Juni 1862 folgte der Abriss des von Elias Holl erbauten Turmes am Gögginger Tor. König Ludwig II. hob am 12. Januar 1866 schließlich endgültig die Festungseigenschaft Augsburgs auf. Als Dank für die Erlaubnis zum Abbruch der Stadtbefestigung gaben die Augsburger dem neu entstandenen Areal (bis dato „Gögginger-Tor-Platz“ genannt) am 17. Juli 1869 den Namen „Königsplatz“.

Die Aufhebung der Festungseigenschaft ermöglichte auch das Abtragen der gesamten Mauer vom heutigen Theodor-Heuss-Platz bis zum Stadttheater. Auf Teilen der entstandenen Freiflächen wurde in den Folgejahren das Bahnhofsviertel errichtet. In der Großzügigkeit der Planungen sollte, dem gründerzeitlichen Geist entsprechend, die gewachsene Bedeutung Augsburgs sichtbar werden.

Nach dem Vorbild vieler anderen europäischer Metropolen entstand so südlich des Stadttheaters ein 48 Meter breiter Boulevard, der von den Stadthäusern reicher Bürger und verschiedenen Kaufhäusern gesäumt war. An seinem südlichen Ende, dem vormaligen Standort des Gögginger Tores, wurde der Königsplatz angelegt. Eine kleine Parkanlage sollte im Zentrum der schon damals hektischen Großstadt als „grüne Ruhezone“ dienen. In seiner Mitte steht seit 1880 ein Springbrunnen mit einem runden, 12 Meter großen Becken, der Thormann-Brunnen. Der Brunnen wurde von Alfred Thormann erstellt und gilt als das erste Betonbauwerk in Augsburg.

Mit dem Bau der Pferdebahn, dem Vorläufer der heutigen Augsburger Straßenbahn, im Jahre 1881 wurde auch am Königsplatz eine Haltestelle eingerichtet. Zentraler Verkehrsknotenpunkt war zu dieser Zeit bis zur Jahrhundertwende jedoch noch der Ludwigsplatz (heute Rathausplatz).

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königsbau-Gebäude am Rande des Königsplatzes

Im Jahr 1897 reiften erste Pläne, durch eine neue Straße Königsplatz und Moritzplatz zu verbinden und so die Innenstadt besser zu erschließen. Am 15. Oktober 1903 beschloss der Stadtrat diese Baumaßnahme, die den Abbruch von insgesamt 30 Häusern auslöste. Der Durchbruch der Bürgermeister-Fischer-Straße erfolgte 1906. An beiden Seiten der Bürgermeister-Fischer-Straße entstanden neue Geschäftsbauten, unter anderem das Kaufhaus Landauer (in der Zeit des Nationalsozialismus als Zentralkaufhausarisiert“). Im Jahr 1912 wurde an der Straßeneinmündung in den Königsplatz das nach dem Brauhaus Riegele benannte Riegele-Haus fertiggestellt, ihm gegenüber 1913/1914 der Königsbau platziert, der ein Kino und eine Vergnügungsstätte beherbergte und nun überwiegend von einem Modehaus genutzt wird.[2]

Durch die Neuanlage der Bürgermeister-Fischer-Straße konnte auch das Straßenbahnnetz in der Innenstand neu geordnet werden. Am Königsplatz liefen im Jahre 1905 drei Linien zusammen, was zur Folge hatte, dass der Ludwigsplatz als zentraler Umsteigeplatz an Bedeutung verlor. Aufgrund des wachsenden Fahrgastaufkommens erweiterte man den Königsplatz 1914 um einen mit Fahrkartenverkauf und Warteplätzen versehenen Pavillon, der aufgrund seiner Form in der Bevölkerung als „Pilz“ bekannt war.

In den Jahren 1933 bis 1945 trug der Königsplatz – wie viele zentrale Plätze in der Zeit des Nationalsozialismus – den Namen Adolf-Hitler-Platz; nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt er seinen ursprünglichen Namen zurück.

Haltestellendreieck mit Gebäuden aus dem Jahre 1977

Nachdem der Königsplatz an die sechzig Jahre lang baulich nahezu unverändert geblieben war, beschloss die Stadtregierung Mitte der 1970er Jahre nach langen Diskussionen, die Anlagen in einer radikalen Umbaumaßnahme den Verkehrserfordernissen der Zeit anzupassen. Zwischen 1976 und 1977 wurde schließlich die Haltestelle von ihrem bisherigen Platz an das südliche Ende der Parkanlage verlegt und zu einem großen Haltestellendreieck ausgebaut. Ein Teil der Grünflächen musste für diese Maßnahme geopfert werden. Zum Ausgleich wurde der eigentliche Park wieder zu seiner ursprünglichen Form ergänzt. Zusätzlich wurden neue Bäume gepflanzt. Der „Pilz“ wurde – unter Protest der Bevölkerung, die ihn jahrzehntelang als zentralen Treffpunkt geschätzt hatte – im April 1977 abgebrochen. Geplant war als Ersatz ein Cafe-Gebäude (Rondell), das mit seiner Kreisform die Optik des früheren Gebäudes aufgegriffen hätte. Zu einer Realisierung des geplanten Gebäudes kam es jedoch nicht. An seiner Stelle entstand Mitte der 1980er Jahre der Manzù-Brunnen.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haltestellendreieck während des Umbaus 2013
Neues Haltestellendreieck wenige Tage vor der offiziellen Eröffnungsfeier
Neu gestaltete Parkanlage nördlich des Haltestellendreiecks

Rund dreißig Jahre nach der grundlegenden Umgestaltung hatte die Augsburger Stadtverwaltung im Rahmen der Planungen zur Mobilitätsdrehscheibe Augsburg erneut umfassende Baumaßnahmen für den Königsplatz angekündigt. Neben einer Vergrößerung und Modernisierung der Haltestellenanlage soll durch städtebauliche und gestalterische Maßnahmen die Identität des Königsplatzes als zentraler Treffpunkt der Bevölkerung wiederhergestellt werden, die nach Meinung der Umbau-Befürworter seit der Neugestaltung von 1977 aufgrund planerischer Mängel nahezu verloren gegangen sei. Tatsächlich wurde dieser Königsplatz gerade für seine Gestaltung mit viel Grün und für das ÖPNV-Konzept mit kurzen Umsteigewegen damals gelobt. Die offizielle Planung sah einen Verzicht auf Begrünung im Haltestellenbereich vor. Ein darüber hinaus abgehaltener Realisierungswettbewerb schlug zudem die weitgehende Rodung der angrenzenden Grünanlage vor (etwa 150 Bäume).

Am 25. November 2007 fand ein Bürgerentscheid über den Umbau statt, bei dem die Augsburger Bürger darüber abstimmten, ob vor einem Umbau zunächst ein Ideenwettbewerb über ein Gesamtverkehrskonzept stattfinden soll. 53,2 % der abstimmenden Bürger entschieden sich für diesen Wettbewerb.[3] Die Wahlbeteiligung lag bei 25 %.

Die Stadt Augsburg lobte daher einen Ideenwettbewerb aus. Gegenstand des Ideenwettbewerbs war die Entwicklung eines integrierten Konzepts für Stadtraum und Mobilität für die Innenstadt von Augsburg. Basierend auf diesem Konzept sollten für wichtige Straßen und Platzbereiche exemplarisch stadträumliche Leitideen aufgezeigt und Gestaltungsansätze entwickelt werden, die jeweils auf die vorgeschlagene Nutzung und Verkehrsbedeutung des öffentlichen Raums abgestimmt sind.

Der Wettbewerb wurde als offener, einstufiger, interdisziplinärer Ideenwettbewerb ausgelobt. Tag der Auslobung war der 9. Juli 2008. Aufgrund der vielschichtigen Aufgabenstellung war die Bildung von Arbeitsgemeinschaften aus Stadtplanern/Architekten, Verkehrsplanern und Landschaftsarchitekten zwingend vorgeschrieben. Abgabefrist für die Wettbewerbsbeiträge war der 21. November 2008. Nach der Vorprüfung der Arbeiten tagte das Preisgericht am 4./5. Februar 2009.[4]

Die neue Stadtregierung aus CSU und Pro Augsburg favorisierte nun einen autofreien Königsplatz mit Verlegung der Hauptverkehrsachsen. Gegen diese Planung regte sich zunächst bürgerlicher Widerstand. Am 12. Juni 2010 beschloss der Augsburger Stadtrat die endgültige Verkehrsführung am Königsplatz. Dabei handelte es sich um einen Billigungs- und Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan Nummer 500 „Königsplatz und Augsburg-Boulevard (zwischen Kennedy- und Theodor-Heuss-Platz)“. Es wurde darin eine neue Verkehrsführung festgelegt. Die betroffenen Bürger konnten dann im anstehenden Verfahren nochmals Einwände erheben. Unabhängig davon lief bereits die Stimmenwerbung für ein Bürgerbegehren, das den Bau eines Tunnels am Königsplatz forderte. Im Bürgerentscheid am 21. November 2010 konnten die Wahlberechtigten über ein Ratsbegehren (Vorschlag 1) und über das Bürgerbegehren (Vorschlag 2) sowie eine Stichfrage separat abstimmen. Die Stadtratsalternative, die im Bedarfsfall vorsorglich eine „Entlastungsstraße“ vorsah, erhielt von den Wählern mit 73,9 Prozent Ja-Stimmen den Vorzug. Der Bau eines Tunnels scheiterte nicht nur am erforderlichen Quorum von 19.391 Stimmen, sondern wäre überdies mehrheitlich mit 68,1 Prozent der ausgezählten gültigen Stimmen abgelehnt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 28,8 Prozent.[5]

Der Augsburger Stadtrat hat daraufhin am 16. Dezember 2010 den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Nummer 500 „Königsplatz und Augsburg-Boulevard“ gefasst.[6] Der Umbau sollte zunächst in einem zeitlichen Rahmen von 2011 bis 2012 stattfinden.[7]

Umbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2011 wurde mit den vorbereitenden Maßnahmen für den Königsplatz-Umbau begonnen. Dazu zählten unter anderem Baumaßnahmen in der Schaezler- und Schießgrabenstraße sowie an der Kaiserhof-Kreuzung. Diese waren notwendig, um die geänderte Verkehrsführung (Aufhebung der Einbahnstraßenregelung) einrichten zu können. Auch eine zentrale Informationsstelle, die so genannte Infobox, wurde in dieser Zeit aufgebaut. Im Herbst 2011 erfolgte im Bereich des zurückgebauten Manzù-Brunnens der Neubau des so genannten Manzù-Bogens, eine Schienenverbindung zwischen Fuggerstraße und Bürgermeister-Fischer-Straße. Gleichzeitig wurde auch mit dem Fällen der alten Bäume im Bereich der Parkanlagen begonnen.

Nach der Winterpause wurde das alte Haltestellendreieck im März 2012 außer Betrieb genommen und ein Ersatzfahrplan mit Ersatzbussen und geänderten Straßenbahnlinien eingerichtet. Anschließend begannen der Abbruch des Gebäudes und der Oberflächenaufbruch. Die seit 2011 andauernden Umbaumaßnahmen an Schaezler- und Schießgrabenstraße sowie an der Kaiserhof-Kreuzung konnten im Herbst 2012 beendet werden und die Verkehrsachse wird daraufhin vollständig dem Verkehr übergeben.

Der Neubau des Haltestellendreiecks startete schließlich im Frühjahr 2013. Über die Sommermonate wurden neben der Errichtung des Stahlskelettbaus auch die Herstellung der Gleisanlagen und der Pflasterflächen vorangetrieben. Der Rückbau des provisorischen Manzù-Bogens erfolgte planmäßig im September 2013 und läutete damit die letzte große Umbau-Phase am Königsplatz ein. Rechtzeitig zum Tag der offiziellen Eröffnung am 15. Dezember 2013 wurden alle Flächen im Umfeld des Königsplatzes sowie die angrenzenden Parkflächen fertiggestellt.

Das neue Gebäude am Haltestellendreieck hat ein auffälliges, nach allen Richtungen weit auskragendes flaches Flugdach. Dieses hat ebenso wie das Gebäude selbst die Form eines Dreiecks mit abgerundeten Ecken und wird von Säulen gestützt. Seine Außenkante ist nachts erleuchtet.

Neues Haltestellendreieck mit Beleuchtung drei Tage vor der Eröffnung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Königsplatz (Augsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Kießling: Türme – Tore – Bastionen. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 1987, S. 40.
  2. a b „Augsburger Allgemeine“ vom 23. März 2006: Statt Bastei ein „Königsplatz“.
  3. Augsburger Allgemeine vom 25. November 2007: Augsburgs Bürger stoppen schnellen Kö-Umbau.
  4. Ideenwettbewerb „Innenstadt Augsburg“.
  5. Stadt Augsburg: Vorläufiges Endergebnis der Bürgerentscheide Kö-Umbau 2010 (Memento vom 18. Juli 2011 im Internet Archive)
  6. Stadt Augsburg: Königsplatz und Augsburg-Boulevard, abgefragt am 4. Februar 2011
  7. Augsburger Allgemeine vom 13. Mai 2010: So sieht der Königsplatz in Zukunft aus. Augsburger Allgemeine vom 30. Mai 2010: Augsburg: Eine Stadt dreht sich im Kreis. Augsburger Allgemeine vom 4. Juni 2010: OB und Referent werben für ihren Kurs.


Koordinaten: 48° 21′ 56,2″ N, 10° 53′ 40,2″ O