Königsstuhl (Rügen)

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Königsstuhl
Der Königsstuhl – von der Victoria-Sicht aus gesehen

Der Königsstuhl – von der Victoria-Sicht aus gesehen

Höhe 118 m ü. NN
Lage Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Koordinaten 54° 34′ 23″ N, 13° 39′ 45″ OKoordinaten: 54° 34′ 23″ N, 13° 39′ 45″ O
Königsstuhl (Rügen) (Mecklenburg-Vorpommern)
Königsstuhl (Rügen)
Gestein Kreide

Der Königsstuhl ist die berühmteste Kreidefelsformation der Stubbenkammer im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen. Seine Höhe beträgt 118 m ü. NN.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Königsstuhl befindet sich 7 km nördlich von Sassnitz und 4 km südöstlich von Lohme. Über einen insgesamt etwa 11 km langen Hochuferweg, der von Sassnitz bis nach Lohme führt, oder vom 3 km entfernten Großparkplatz in Hagen (Ortsteil der Gemeinde Lohme) erreicht man das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl, in dessen Gelände der Königsstuhl seit 2004 einbezogen ist. Vom Parkplatz besteht ein Pendelverkehr zum Zentrum. Der Eintritt in das Nationalpark-Zentrum und damit der Zugang zum Königsstuhl ist seitdem kostenpflichtig.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rügener Kreide ist die Bezeichnung für einen sehr reinen, sehr feinkörnigen, weißen, mürben und hochporösen Kalkstein der höchsten Oberkreide (Maastrichtium). Er ist unter anderem im Kliff des Jasmund im Nordosten der Insel Rügen aufgeschlossen - „Kreidefelsen“. Die Rügener Kreide gehört geologisch zur Hemmoor-Formation der Schreibkreide-Gruppe und wird dort als Rügen-Member bezeichnet.Chronostratigraphisch fällt das Rügen-Member in das späte untere bis ins späte obere Untermaastricht - ca. 70 Mio. Jahre vor heute. Im nordöstlichen Teil der Insel Rügen, auf der Halbinsel Jasmund, befinden sich umfangreiche Kreidevorkommen. Am bekanntesten sind die „Rügener Kreidefelsen“ der Kliffküste in der Umgebung von Sassnitz. Diese Küstenformationen sind Bestandteil des Nationalparks Jasmund und stehen unter strengem Naturschutz.

Beschaffenheit, Name und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schmalen aber wuchtigen Granitstufen, die zu dem 200 m² großen Plateau auf dem Königsstuhl führen, liegen über einem bronzezeitlichen Hügelgrab (2200 bis 800 v. Chr.). Von dem Plateau bietet sich ein weitläufiger Ausblick auf die Ostsee. Den Königsstuhl selbst betrachtet man besser von der etwas südlicher gelegenen Victoria-Sicht.

Der Kreidefelsen, wie auch die anderen benachbarten Formationen fallen fast senkrecht zum Strand ab. Durch die geologische Beschaffenheit, das Grund- und Oberflächenwasser sowie dem Wellenschlag am Klifffuß kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Abbrüchen am gesamten Kliff, einschließlich der Felsformationen. Beispiel dafür sind die durch ein Gemälde C. D. Friedrich bekannten Wissower Klinken, die es so nicht mehr gibt.

Der Name Königsstuhl soll auf ein Ereignis im Jahre 1715 zurückgeführt sein, bei dem der schwedische König Karl XII. von dieser Stelle ein Seegefecht gegen die Dänen geleitet haben soll. Das Gefecht ermüdete den Herrscher angeblich derart, dass er sich einen Stuhl bringen ließ.

Allerdings wird schon in einem Reisebericht des Pfarrherren Rhenan, der im Auftrag des Pommern-Herzoges Mineralquellen ausfindig machen sollte, im Jahre 1584 der Name „Konigsstuel“ gebraucht, sodass die Namensgebung viel früher anzusiedeln ist.[1]

Einer weiteren Sage zufolge soll der Name daher kommen, dass in alter Zeit derjenige zum König gewählt wurde, dem es als Erstem gelang, von der Seeseite aus den Kreidefelsen zu erklimmen und sich auf den oben aufgestellten Stuhl zu setzen.

Auf der dänischen Insel Möen gibt es analog eine ähnliche Formation, den „dronning Stole“ = Königsstuhl.[1]

Eine ähnliche Formation, der „Kleine Königsstuhl“ befindet sich im aufgelassenen Kreidebruch Gummanz bei dem dortigen Kreidemuseum.

Unweit südlich vom Königsstuhl zum Strand hinunter führt seit alter Zeit eine Holztreppe mit 412 Stufen vorbei am alten Pumpenhaus (Baudenkmal). Sie wurde 1996 umfangreich erneuert und ständig gewartet. Zurzeit (2016) ist sie aber wegen eines nahe gelegenen Hangrutsches gesperrt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Königsstuhl (Rügen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heinz Lehmann, Renate Meyer: Rügen A–Z (Arkona – Zudar). Wähmann-Verlag, Schwerin 1976, S. 44