Königsweg (Prag)

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Blick zur Prager Burg mit Veitsdom, dem Ziel der Krönungsprozessionen

Königsweg (tschechisch: Královská cesta) ist der Name der historischen Route durch das Zentrum der tschechischen Hauptstadt Prag, durch die die böhmischen Könige jahrhundertelang zu ihrer Krönung in den Veitsdom auf der Prager Burg fuhren. Obwohl nicht auf Prager Straßenkarten zu finden, ist der Königsweg heute sowohl den Bürgern wie auch den Besuchern der Metropole als die schönste touristische Route zu Besichtigung der Innenstadt bekannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die feierliche Krönungsprozession begann in der königlichen Residenz in der Altstadt, genannt Königshof (Králův dvůr). Sie befand sich auf dem heutigen Platz der Republik (Náměstí Republiky), an dem Ort wo heute das Gemeindehaus (Obecní dům) steht. Die böhmischen Könige nutzten sie seit Wenzel IV. (Václav IV.), als im 14. Jahrhundert die ehemalige mittelalterliche Residenz auf der Prager Burg ihren wachsenden Ansprüchen auf Luxus und Repräsentation nicht mehr genügte. Erst Vladislav II. (Vladislav Jagellonský) verlegte im 16. Jahrhundert seinen Sitz wieder auf die Prager Burg. Vom Königshof führt die Route unter dem Pulverturm (Prašná brána) über die Straße Celetná zum Zentrum der Altstadt, dem Altstädter Ring (Staroměstské náměstí), dann vorbei am Altstädter Rathaus (Staroměstská radnice) mit der weltberühmten Rathausuhr zum Kleinen Ring (Malé náměstí), einem kleinen dreieckigen Platz, einem der ältesten in Prag. Weiter geht es durch die enge Karlsgasse (Karlova ulice) am ehemaligen Jesuitenkolleg Clementinum (Klementinum) vorbei, über den Kreuzherrenplatz (Křižovnické náměstí) und unter dem Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž) auf die berühmteste aller Prager Brücken, die Karlsbrücke (Karlův most).

Auf der anderen Seite der Moldau führt die Route unter dem Kleinseitner Brückenturm (Malostranská mostecká věž) und über die Straße Mostecká auf den Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí) und weiter vorbei an der Kirche des hl. Nikolaus (Kostel sv. Mikuláše), die durch ihre mächtige Kuppel den Platz dominiert, hinauf durch die Nerudagasse (Nerudova ulice). Bis zum 17. Jahrhundert ging man weiter hinauf durch die Straßen Úvoz und Pohořelec und in der Nähe des Klosters Strahov bog die Route scharf nach rechts ab und führte weiter über den Loretoplatz (Loretánské náměstí) und durch die Loretostraße (Loretánská ulice) bis zur Prager Burg. Erst im 17. Jahrhundert wurde von der Nerudagasse durch den Felsen der direkte Aufstieg zur Prager Burg, die Straße Ke Hradu (Zur Burg), gehauen.

Die Route endete im Veitsdom, in den die Prozession durch die sog. Goldene Pforte eintrat, und in dem dann in einem feierlichen Gottesdienst die Krönungszeremonie stattgefunden hat. Der König empfing aus der Hand des Prager Erzbischofs die Wenzelskrone und die weiteren Krönungsinsignien und wurde mit dem geweihten Öl gesalbt. Gleichzeitig mit dem König oder auch einige Tage später, wurde auch die Ehefrau des Königs zur Königin gekrönt.

Diese feierliche Prozession durch Prag demonstrierte die Verbundenheit der Hauptstadt mit dem König und betonte die Bedeutung Prags als Zentrum des Königreiches. Die Häuser, die Paläste und die Kirchen entlang der Route waren reich geschmückt und die Bürger, die die Straßen säumten, huldigten ihrem neuen König. Die Prozession blieb öfters stehen und traf auf Vertreter der Zünfte, der Schulen, der kirchlicher Orden, der Truppen und der Vertreter aller Prager Rathäuser und anderer Gruppen. Der Zug war begleitet vom Glockengeläut, Musik, Gesang und Kanonenschüssen.

Diese Route der Krönungsprozession hat sich im 15. Jahrhundert etabliert. Als Erster folgte ihr Albrecht II. (Albrecht II. Habsburský) im Jahr 1438, und als letzter der österreichische Kaiser und letzter böhmischer König Ferdinand I. (Ferdinand I. Dobrotivý) im Jahr 1836. Den Königsweg nutzten fast alle böhmischen Könige auf ihrem festlichen Einzug zur Krönung in den Veitsdom. Ihre Bedeutung hat der Königsweg auch dann nicht eingebüßt, als Vladislav II. im 16. Jahrhundert seine Residenz aus der Altstadt auf die Prager Burg verlegte, und auch dann nicht, als die Habsburger ihren Sitz von Prag nach Wien verlegten. Auch wichtigen ausländischen Abordnungen oder bedeutenden Gästen wurde auf dem Königsweg ein feierlicher Empfang in der Hauptstadt bereitet.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Königsweg ist heute die wichtigste und bekannteste touristische Route durch die Prager Innenstadt. Sie ist etwa 3,9 km lang (mit der Abkürzung über die Straße Ke Hradu etwa 3,1 km), beim Anstieg zur Burg muss man einen Höhenunterschied von etwa 65 m überwinden. Sie wird oft auch in der umgekehrten Richtung genutzt: Die Besucher gehen vom Loretoplatz über die Prager Burg zur Kleinseite hinunter und weiter über die Karlsbrücke in die Altstadt und bis zum Platz der Republik.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • František Dvořák: Po Královské cestě : zastavení s Františkem Dvořákem. Nakladatelství Lidové noviny, Praha 2004, ISBN 80-7106-778-4 (tschechisch, 122 S.).
  • Helmut Zeller, Eva Gruberová: CityTrip-plus Prag. Reise Know-How, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8317-2633-2, S. 112–114 (312 S.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]