Köritzhof

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Das Hallenhaus des Köritzhofs mit Toreinfahrt und Schaugiebel (2017)

Der Köritzhof, auch Hof Köritz oder Haus Köritz genannt, ist eine mehrteilige, frühere Hofstelle im hannoverschen Stadtteil Groß-Buchholz. Kernsubstanz ist ein im Jahr 1619 als Wohnwirtschaftsgebäude als Zweiständerhaus errichtetes Hallenhaus, das als das älteste datierte Bauernhaus in Hannover gilt.[1] Seit den 1980er-Jahren verfällt die denkmalgeschützte Hofanlage zunehmend.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lageskizze des Köritzhofs auf Grundlage einer Katasterkarte von 1870

Der Köritzhof liegt am Rande des bäuerlich geprägten Ortskerns von Groß-Buchholz mit historischen Bauernhäusern sowie Scheunen und Remisen früherer Hofanlagen. In unmittelbarer Nähe des Hofes steht das ehemalige Wach- und Zollhaus Pinkenburg an der hannoverschen Landwehr. Das Gebäudeensemble des Köritzhofs ist Teil einer Gruppe baulicher Anlagen, die für das seit 1907 nach Hannover eingemeindete Dorf Groß-Buchholz prägend ist.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Gebäudebestand des Köritzhofes gehören ein allein stehendes Hallenhaus von 1619 und ein Altenteilerhaus in Fachwerkbauweise mit einem verputzten Anbau. Die beiden Nebengebäude stammen vermutlich aus dem 19. Jahrhundert. Das Hallenhaus ist ein Zweiständerbau mit Unterrähm und Sparrenschwelle. Es weist zeittypische Baumerkmale wie eine Kopfbandreihung an den Giebelständern auf. Die Gefache bestehen aus mit Lehm verputztem Weidengeflecht. Das Gebäude hat die für Zweiständerhäuser typischen seitlichen Kübbungen als flache Anbauten zum Unterstellen des Viehs. An den Giebelseiten finden sich gotische Spitzbögen, die durch engstehende Wandständer gebildet werden. Am Schaugiebel zur Straßenseite befand sich früher im oberen Bereich eine Knaggenvorkragung, die bei einem verheerenden Wirbelsturm 1830 zerstört wurde. Dies ist an einer Giebelreparatur zu erkennen.[2]

Ein Balken über der Toreinfahrt am Schaugiebel des Hallenhauses trägt folgende Hausinschrift:

Godt der Here bewahre dieses Haus auch alles was da geidt in und aus. De Segen des Hern machet reich ohne Mühe. Anno 1619 den 12. Marti

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der rückwärtige Giebel des Hallenhauses um 1910, rechts das Altenteilerhaus
Dieselbe Blickrichtung auf den heute zugewucherten rückwärtigen Giebel des Hallenhauses (2017)
Putzschäden an den Lehmgefachen des Altenteilerhauses

Benannt ist die Hofstelle nach dem Erbauer namens Köritz. Er wanderte im 17. Jahrhundert aus Brandenburg ein und erbaute das Hallenhaus in Groß-Buchholz. Zu seinem Hof gehörten 1689 sechs Morgen Land. Laut einer Katasterkarte von 1870 stand der Köritzhof zu jener Zeit im Eigentum eines Bauern mit dem Namen Krull, der Brinksitzer war. Der Hof gehörte mit 14 weiteren Brinksitzerhöfen zu den kleineren Bauernhöfen in Groß-Buchholz, wo es 1870 insgesamt 34 Höfe gab. Lebensgrundlage des Brinksitzers vom Köritzhof war unter anderem die Viehhaltung, bei der das Vieh auf die Allmende im Roderbruch getrieben wurde. Einer Legende nach bezogen im Dreißigjährigen Krieg Söldner des Feldherren Tilly ihr Quartier im Köritzhof, als sie über die nahe gelegene Landwehr kamen. Im 19. Jahrhundert gehörten 26 Morgen Land zur Hofstelle. Bis ins 20. Jahrhundert wurden im Hallenhaus Wurst- und Fleischwaren geräuchert, da es im Inneren noch eine offene Feuerstelle gab.

Verfall

Etwa seit Mitte der 1980er Jahre wird der Köritzhof nicht mehr genutzt und das Gebäudeensemble verwahrlost. 1989 führten Angehörige des Pinkenburger Kreises gemeinsam mit einem Selbsthilfeverein von Bauhandwerkern Sanierungsarbeiten durch.[3] Der Niedersächsische Heimatbund stufte in seiner Roten Mappe in den Jahren 1987[4] und 2015 den Hof mit dem ältesten Bauernhaus in Hannover als gefährdet ein und wies die Niedersächsische Landesregierung darauf hin. Laut dem Heimatbund habe das Haus dank seiner guten Bauqualität fast 400 Jahre überdauert; der Verfall sei nach über 30 Jahren fehlender Nutzung und Bauunterhaltung jedoch deutlich sichtbar.[5] Die Landesregierung antwortete dem Heimatbund in der Weissen Mappe, dass die entscheidende Rolle für eine Sanierung dem Eigentümer zukomme und Maßnahmen nur mit ihm gemeinsam entwickelt werden könnten.[6]

Bis 2013 war ein Gebäudebereich noch bewohnt. Der Verfall wird seit dem Jahr 2015 zunehmend öffentlich diskutiert.[7] Derzeit (2017) ist das Grundstück durch wuchernde Büsche und Efeu, Wildkrautstauden und Bäume so zugewachsen,[8] dass vom Hallenhaus nur noch der Schaugiebel gut sichtbar ist. Die Denkmalpflege fordert von den Eigentümern, einer Eigentümergemeinschaft mit einem Nachfahren des Erbauers, dass sie der im Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz festgeschriebenen Erhaltungspflicht für das Baudenkmal nachkommen. Die Eigentümer äußerten dazu, dass nach dem Denkmalschutzgesetz die wirtschaftliche Zumutbarkeit nicht gegeben sei und sie keine finanzielle Unterstützung erhielten. Gleichwohl wollen sie die Hofstelle in Familienbesitz behalten,[8] haben aber ebenso einen Abbruchantrag gestellt.[9] Es entstand ein Verwaltungsgerichtsstreit, in dem die Eigentümer 2017 vom Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht wegen der Verweigerung eines Schadensgutachtens zur Zahlung eines Zwangsgeldes verurteilt wurden.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Köritzhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Fließ: Alte Bauernhäuser in Hannover – Bilddokumente und Bauzeichnungen, Ausstellungsführer des Historischen Museums am Hohen Ufer, Hannover 1974, S. 14
  2. Pinkenburger Kreis (Hrsg.): Rundgang durch Groß-Buchholz, Verfasser Wilhelm Busse, Hannover 1989, S. 5
  3. Pinkenburger Kreis saniert historischen Köritzhof in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 3. August 1989 (pdf)
  4. Rote Mappe 1987, Erhaltung von Zweiständerhäusern in Groß-Buchholz, Landeshauptstadt Hannover , S. 29 (pdf)
  5. Rote Mappe 2015, Ältestes Bauernhaus Hannovers in Gefahr, S. 32 (pdf)
  6. Weisse Mappe 2015, Ältestes Bauernhaus Hannovers in Gefahr, S. 22 (pdf)
  7. a b Soll der Köritz-Hof abgerissen werden? in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 5. März 2017
  8. a b Ist der Köritz-Hof noch zu retten? in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 3. November 2015
  9. Drucksache Nr. 15-0158/2017 F1: Antwort der Verwaltung auf die Anfrage Denkmalschutz in Groß-Buchholz Sitzung des Stadtbezirksrates Buchholz-Kleefeld am 02.02.2017, TOP 10.2.1., als pdf-Version

Koordinaten: 52° 23′ 55,8″ N, 9° 48′ 24,3″ O