Kösel-Verlag

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Kösel-Verlag
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Gründung 1593
Sitz München
Leitung Tobias Winstel[1]
Verlagsnummer 3-466[2]
Verlagsgruppe Random House
Website www.koesel.de

Der Kösel-Verlag ist ein deutscher Buchverlag mit Sitz in München.[2] Seine Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, womit er einer der ältesten noch aktiven Verlage in Deutschland ist.[3][4] Der Name des Verlags geht zurück auf Joseph Kösel, der 1805 die Hofdruckerei des Fürststifts Kempten erwarb.[5] Seit 1835 in Besitz der Familie Huber und später der Familie Wild, kam der Kösel-Verlag 2005 zur Verlagsgruppe Random House.[3]

Das Programm erstreckt sich vom religiösen Werk bis zum psychologischen Sachbuch.[6] Der Verlag veröffentlicht Bücher zu aktuellen Lebens- und Gesellschaftsfragen.[7] Erfolgreich gelang dies zum Beispiel mit der „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt, oder „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ des Holocaustüberlebenden Viktor Frankl.[8][9] Auch das Werk des christlichen Philosophen Josef Pieper erschien im Kösel-Verlag.[10] Im Bereich Ratgeber erschienen Standardwerke, die bis heute lieferbar sind, etwa Hannah Lothrops „Stillbuch“.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Kösel mit seiner Frau und einem der Kinder
Rechnung der Jos. Kösel’schen Buchhandlung aus dem Jahr 1904

1593 gründete Johann Erhard Blarer von Wartensee eine Hofbuchdruckerei in Kempten.[12] Sie fertigte zunächst vor allem Akzidenzdrucke für den eigenen Bedarf.[13] Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster des Fürststifts Kempten einschließlich der Hofbuchdruckerei zerstört, 1660 jedoch von Roman Giel von Gielsberg wieder aufgebaut.[3] Unter seiner Führung veröffentlichte man vor allem theologisch-religiöse Schriften.[14][15] Dies änderte sich 1794 mit Amtsantritt von Joseph Kösel als Geschäftsführer der Hofbuchdruckerei: Er erweiterte das Programm um weltliche Themen und verlegte neben Büchern auch Zeitungen.[16] Bis zur Säkularisation stand der Betrieb unter geistlicher Führung.[17] 1802 wurde die „Hochfürstliche Hofbuchhandlung“ dann Eigentum der Regierung von Kurbayern, sie nannte sich fortan „Churbayerische Buchhandlung Joseph Kösel“.[18] Der Namensgeber und Geschäftsführer Joseph Kösel kaufte 1805 schließlich den Betrieb.[18] 1811 verlegte er die Hofbuchdruckerei in Räumlichkeiten außerhalb des Klosters, wodurch sie komplett unabhängig vom Fürststift wurde.[19]

Nach dem Tod von Josef Kösel verkaufte seine Witwe den Betrieb.[20] Die Geschäftsführung hatte Johann Huber inne, der wiederum 1838 selbst Inhaber wurde.[21] Er führte den Verlag, die Druckerei und die Buchhandlung unter dem Namen „Kösel“ weiter.[22] Seine Familie hielt über mehrere Generationen hinweg die Mehrheit des Betriebs.[23] In den folgenden Jahrzehnten wurde der Kösel-Verlag immer wieder technisch modernisiert,[22] beispielsweise durch die Einführung dampfbetriebener Schnellpressen.[24] 1893 hatte der Betrieb erstmals über 100 Mitarbeiter.[25] Ludwig Hubers Sohn Paul gründete eine Zweigniederlassung in der bayerischen Landeshauptstadt München.[26] 1907 wurde der Kösel-Verlag in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt: Paul leitete den Verlag und die Buchhandlung, sein Bruder Hermann die Druckerei.[27] Nach Paul Hubers Tod erhielt Hermann Huber alleine die Geschäftsführung.[28]

Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg veranlasste das Unternehmen 1920 zur Fusion mit den Verlagen Lentner, Isaria und Pustet.[3][22] Dadurch kamen neue Gesellschafter hinzu, weshalb man den Kösel-Verlag in eine Kommanditgesellschaft umwandelte.[29] 1927 siedelte er nach München über, in Kempten verblieb lediglich die Druckerei.[3] In den 1930er Jahren blieb auch der Kösel-Verlag nicht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verschont:[30] Auf Anordnung der Reichskulturkammer wurde 1939 bekenntnishaftes von neutralem Schrifttum getrennt.[3] Der nicht-religiöse Teil ging an den Schulbuchverlag Michael Beckstein, der als selbstständiges Unternehmen ausgegründet wurde.[31] Der Kösel-Verlag blieb auf religiös-konfessionelle Titel beschränkt, lediglich die Zeitschrift „Hochland“ bildete eine Ausnahme. 1944 wurde der Kösel-Verlag endgültig geschlossen.[32]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs engagierte man Heinrich Wild als Verlagsleiter.[33][22] Er baute das Programm systematisch aus, wurde Mitgesellschafter und stand bis 1975 in Diensten des Unternehmens.[21] Nach seinem Tod rückte Christoph Wild an die Spitze des Kösel-Verlags.[34] Er führte den Kurs des Vaters fort und gestaltete das Angebot publikumsorientierter.[21] 1982 trennten sich die „Graphischen Werkstätten“ vom Kösel-Verlag, sodass der Verlag und die Druckerei rechtlich und wirtschaftlich selbstständig waren.[35] 2001 verkaufte Christoph Wild den Kösel-Verlag schließlich an die Deutsche Verlags-Anstalt und zog sich auf dem Verlag zurück.[36][37] 2005 kam der Kösel-Verlag dann unter das Dach der Verlagsgruppe Random House,[38] 2014 zog Kösel in das zentrale Gebäude der Verlagsgruppe in Berg am Laim im Münchner Osten.[39]

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Kösel leitete die Modernisierung des konfessionellen Buchhandels ein. Ein gutes Drittel des Programms bildeten aber nach wie vor liturgische Werke in lateinischer Sprache. Erst Johann Huber stellte die Weichen für die Neuzeit, unter anderem brachte er die Gesamtausgabe des Aufklärers Lorenz von Westenrieder heraus. Großen Erfolg hatte der Kösel-Verlag Ende des 19. Jahrhunderts mit den Büchern von Sebastian Kneipp. Anfang des 20. Jahrhunderts begann unter der Leitung von Paul Huber auch eine Reihe wirtschaftlich erfolgreicher katholischer belletristischer Literatur. Die Zeitungen des Kösel-Verlags, darunter die „Allgäuer Zeitung“, wurden während des Zweiten Weltkriegs eingestellt oder verkauft. Einige Zeitschriften, darunter „Hochland“ und „Kinderheim“, setzte man dagegen nach Kriegsende fort. 1960 beteiligte sich das Unternehmen an der Gründung des Deutschen Taschenbuchverlags.[40]

Jährlich erscheinen im Kösel-Verlag etwa 70 Novitäten im Bereich Sachbuch, Ratgeber und Geschenkbuch, als Hardcover oder Paperback, zum Teil auch als CD. Fast alle Titel sind auch in digitalisierter Form lieferbar, als E-Books oder Downloads.[41] Das aktuelle Programm umfasst rund tausend Titel der Bereiche Psychologie und modernes Leben, Leben mit Kindern sowie Religion und Gesellschaft. Bekannte Autoren der neueren Zeit sind zum Beispiel Jesper Juul, Sabine Asgodom, Jack Kornfield, Peter Levine, Herbert Renz-Polster, Clemens Kuby, Papst Franziskus, Kardinal Reinhard Marx, Joseph Ratzinger, Rainer Maria Schießler, Joachim Gauck[42] oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Random House: Dr. Tobias Winstel kommt zurück und übernimmt Verlagsleitung Kösel. In: Buchmarkt. 9. Februar 2016, abgerufen am 1. Februar 2017.
  2. a b Kösel-Verlag. In: Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel. Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  3. a b c d e f Christina Hofmann-Randall: Kösel-Verlag. In: Historisches Lexikon Bayerns. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  4. 424 Jahre Köselsche Buchhandlung. In: Kreisbote. 25. Dezember 2016, abgerufen am 26. Juni 2017.
  5. Literatur in Bücherfässern. Vierhundert Jahre Kösel-Verlag. In: Nürnberger Nachrichten. 25. Juni 1993.
  6. Bücher A-Z. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  7. a b Programm des Kösel-Verlags. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 1. Februar 2017.
  8. Philip Volkmann-Schluck: „Der Papst ist die perfekte Marke“. In: Der Tagesspiegel. 18. Mai 2005, S. 15.
  9. Ludger Lütkehaus: Von der Trotzmacht des Geistes. In: Neue Zürcher Zeitung. 26. März 2005, S. 44.
  10. Ursula Pia Jauch: Tugenden, wesentliche. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Mai 2004, S. 46.
  11. Still-Lektüre. In: Die Tageszeitung. 30. August 2003, S. 22.
  12. Das Kulturgut Buch neu erfunden. In: Deutscher Drucker. 24. September 2015, S. 31.
  13. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 13.
  14. Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Die Druckerei des Hochstifts Kempten. Kösel-Verlag, Kempten, München 1968, S. 6–8.
  15. Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Aufbau und Arbeitsweise der Druckerei. Kösel-Verlag, Kempten, München 1968, S. 8–10.
  16. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 18.
  17. Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Kösel-Verlag, Kempten, München 1968, S. 6.
  18. a b 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 19.
  19. Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Kösel-Verlag, München 1968, S. 29.
  20. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 20.
  21. a b c Geschichte des Kösel-Verlags. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 1. Januar 2017.
  22. a b c d Nachrichten aus dem Kösel-Verlag. Zeittafel. Kösel-Verlag, Kempten, München 1968, S. 48–48.
  23. Eine lange Tradition mit Höhen und Tiefen. In: Kreisbote. 5. August 2015, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  24. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 21.
  25. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 22.
  26. 400 Jahre Kösel. Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 25.
  27. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Chronik. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 220.
  28. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Chronik. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 221.
  29. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Chronik. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 222.
  30. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 29.
  31. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 30.
  32. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Vergangenheit und Gegenwart. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 31.
  33. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Chronik. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 224.
  34. 400 Jahre Kösel-Verlag (1593–1993). Chronik. Kösel-Verlag, München 1993, ISBN 3-466-10050-X, S. 244.
  35. Unser Weg von der Hofbuchdruckerei zum hochmodernen Industriebetrieb. Kösel, abgerufen am 1. Februar 2017.
  36. DVA kauft Kösel-Verlag. In: Deutscher Drucker. 5. Juli 2001, S. 2.
  37. Kösel-Verlag mit neuer Führung. In: Der Standard. 24. Dezember 2003, S. 25.
  38. FAZ-Verlagsgruppe: Random House kauft DVA, Kösel und Manesse. In: Frankfurter Rundschau. 14. September 2005, S. 12.
  39. Alle unter einem Dach. In: Börsenblatt. 11. Februar 2014, abgerufen am 26. Juni 2017.
  40. Christian Schmitt: Vom Ramsch droht die Gefahr. In: Nürnberger Nachrichten. 20. August 1993.
  41. Neuerscheinungen. Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 1. Februar 2017.
  42. Miriam Schröder: Das Buch seines Lebens. In: Handelsblatt. 21. Februar 2012, S. 55.

Koordinaten: 48° 7′ 57″ N, 11° 37′ 20″ O