Künstlerhaus Villa Waldberta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Villa Waldberta

Das Künstlerhaus Villa Waldberta in Feldafing ist ein internationales Stipendiatenhaus der Stadt München, das an Münchner Kulturprojekten beteiligte Künstler beherbergt. Die Turmvilla im Stil des Historismus und ihr Park stehen unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte der Villa Waldberta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa Waldberta in den 1990ern, Foto von Barbara Niggl Radloff

Die Villa Waldberta wurde 1901/02 für den Bankier und Literaten Bernhard Wilhelm Schuler unter dem Namen Felsenheim als Teil der Höhenberg-Villenkolonie, eines exquisiten Wohnareals in einem Park oberhalb des Starnberger Sees, erbaut.[2] Schon ein Jahr später wurde das Anwesen an den Verleger Albertus Wilhelm Sijthoff verkauft, der den 22.000 m² großen Park umgestalten ließ und der Villa den Namen Waldbert gab. 1917 übernahm der Kunstsammler Carl Hugo Smeil den Besitz, 1925 folgte das deutsch-amerikanischen Arzt Ehepaar Bertha und Dr. Franz Koempel. Die Villa bekam nun ihren endgültigen Namen Waldberta. Die Koempels nutzen das Anwesen bis 1939 als weltoffenen Sommersitz und verbrachten das Winterhalbjahr in New York. 1941 wurde die Villa vom NS-Staat als Feindvermögen eingezogen und 1943 der Wehrmacht als Reservelazarett mit 40 Betten übergeben.

Von Anfang an war das stattliche Haus eine Begegnungsstätte für Kosmopoliten und Künstler, geprägt von den jeweiligen Besitzern – holländische Verleger, Dresdner Kunstsammler, amerikanische Mäzene. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden dort Überlebende aus Konzentrationslagern (Displaced Persons) eine Bleibe auf Zeit. Erst 1953 konnte die nun verwitwete Bertha Koempel aus New York zurückkehren. Sie lebte hier bis zu ihrem Tod 1965. Nun kam das Haus durch die Bertha-Koempel-Stiftung in den Besitz der Stadt München und wurde von 1968 bis 1973 vom NOK-Präsidenten Willi Daume und seiner Familie bewohnt.[3] Während der Olympischen Sommerspiele 1972 wohnte der Bundeskanzler Willy Brandt in der Villa und empfing dort seine Gäste, unter anderem Georges Pompidou und Henry Kissinger.

Geschichte der Villa als Künstlerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer mehrjährigen Verwendung als Montessori-Schule, die Willi Daumes Tochter Doreen angeregt haben dürfte,[4] ist die Villa seit 1982 ein Künstlerhaus. 1991 wurde das Nutzungskonzept international, der inhaltliche Schwerpunkt lag auf der Literatur und Bildenden Kunst. 2005 wurde das Haus geöffnet für alle Kunst- und Kultursparten, inklusive kulturnahe Wissenschaften, „um die Vorteile interdisziplinären Denkens und Arbeitens nutzen zu können“. Die Künstler müssen zudem „in ein Projekt der Stadt München und ihrer Kooperationspartner eingebunden sein, um so den städtischen Kulturaustausch und die internationale Kulturarbeit nachhaltig zu befördern.“[5]

Konzept und Stipendiatbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa Waldberta, Tor an der Thurn-und-Taxis-Straße

Das Waldberta-Kuratorium und der Münchner Stadtrat wählen spezielle Kunst- und Kulturprojekte mit einem Münchenbezug aus, für die Stipendiaten in das Künstlerhaus eingeladen werden. Die Projektverantwortlichen (Experten von Kulturinstitutionen sowie der freien Szene) schlagen dafür geeignete Künstler vor. Diese werden dann projektgebunden eingeladen. Eine Eigenbewerbung von Künstlern ist nicht möglich. Einzelpersonen oder Gruppen aller Kunstsparten kommen für die Belegung der Villa infrage. Fünf Stipendien mit einer monatlichen Zugabe von je 1000 € können gleichzeitig vergeben werden für einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten; Voraussetzung für ein Stipendium ist ein Wohnort außerhalb Bayerns.

Bekannte Stipendiaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tobias Mahl: Kosmopolitentreff und Künstlerhaus. Die Villa Waldberta als Spiegel des 20. Jahrhunderts. Allitera Verlag, edition monacensia, München 2006, ISBN 3-86520-216-0.
  • Gerhard Schober: Frühe Villen und Landhäuser am Starnberger See. Oreos Verlag, Waakirchen 1998, ISBN 3-923657-53-6, Seite 207ff (mit Grundrissen).
  • Barbara Reitter-Welter: Das Künstlerhaus der Stadt München widmet sich immer mehr europäischen Projekten. Villa Waldberta holt Europa an den Starnberger See. In: Die Welt vom 13. Mai 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Villa Waldberta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe hierzu Liste der Baudenkmäler in Feldafing, Höhenbergstr. 25/31
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 20. März 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.villa-waldberta.de
  3. Tobias Mahl: Kosmopolitentreff und Künstlerhaus: die Villa Waldberta als Spiegel des 20. Jahrhunderts. S. 115.
  4. Tobias Mahl: Cosmopolite Meeting Place and Artists' House - The Villa Waldberta: a Mirror of the 20th Century, S. 110
  5. Eigendarstellung der Villa Waldberta auf ihrer Website
  6. a b Daniel Haufler: Prächtig und heilig, einfach und nützlich. In: Die Zeit. 26. April 1996, abgerufen am 3. März 2022.

Koordinaten: 47° 56′ 39″ N, 11° 17′ 38,1″ O