Künstliche Insel

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Satellitenbild der künstlichen Inselgruppe Palm Jumeirah

Als Künstliche Insel bzw. Künstliche Inselgruppe wird eine von Menschen ganz oder teilweise künstlich erzeugte Insel bzw. Inselgruppe in einem Meer oder einem Binnengewässer bezeichnet. Die Größe variiert dabei von kleinen Aufschüttungen, die beispielsweise eine Säule eines Gebäudes aufnehmen, bis hin zu Inseln, auf denen ganze Städte errichtet werden.

Zweck und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe künstliche Inseln waren hölzerne oder steinerne Strukturen, die in flachen Gewässern errichtet wurden. Heutige künstliche Inseln werden für gewöhnlich durch Landgewinnung angelegt. Dabei handelt es sich oft um militärische oder kommerzielle Erweiterungen bereits bestehender Inseln (auf denen beispielsweise ein Flughafen gebaut ist) oder neuerdings auch um touristische Gebilde wie Palm Jumeirah in Dubai. Auch zur Gewinnung von Siedlungsraum, besonders in Ballungsgebieten, werden künstliche Inseln errichtet, wie zum Beispiel die Venetian Islands bei Miami aus den 1920er-Jahren oder zahlreiche künstliche Inseln in der Bucht von Tokio. Künstliche Inseln können auch der politischen und wirtschaftlichen Kontrolle dienen, wie die Insel Dejima in der Bucht von Nagasaki, über die zur Edo-Zeit der gesamte Handel und Außenkontakt zwischen Japan und Europa lief. Einige künstliche Inseln wurden auch für Naturschutzprojekte angelegt, wie die Insel Nigehörn.

Künstliche Inseln entstehen aber unter anderem auch, indem ein Stück Land beispielsweise durch den Bau eines Kanals vom umliegenden Gelände abgetrennt wird, wie es bei der Donauinsel der Fall war. Andere künstliche Inseln bilden sich beim Bau von Talsperren, bei denen jetzt Teile des Geländes über die Wasseroberfläche des Stausees ragen (Barro Colorado Island oder auch die weltweit größte künstliche Insel, die René-Levasseur-Insel).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riffinsel im Norden Malaitas.
Gospa od Škrpjela, künstliche Insel vor der Küste Montenegros.

Obwohl sie ein Symbol für moderne Zeiten sind, hat das Anlegen künstlicher Inseln eine lange Geschichte in vielen Teilen der Welt. Sie reicht zurück bis ins Alte Ägypten, zu den Crannógs in Schottland und Irland, dem Ritualzentrum Nan Madol auf den Karolinen und den schwimmenden Inseln der Urus im Titicacasee.[1] Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken, stand auf einer kleinen natürlichen Insel im Texcoco-See, die von zahllosen künstlichen Inseln (Chinampas) umgeben war.[2]

Die Einheimischen der Langa-Langa-Lagune und der Lau-Lagune auf Malaita (Salomonen) legten 60 künstliche Inseln auf dem Riff an, um sich vor Angriffen der Bewohner des Inselinneren von Malaita zu schützen. Die künstlichen Inseln wurden wortwörtlich Stein für Stein aufgebaut: Die Familien fuhren mit ihren Kanus zum Riff hinaus und tauchten dort nach Steinen, die sie am Bauplatz wieder ins Wasser fallen ließen. Das Leben auf den künstlichen Inseln war auch gesünder, da Moskitos hier nicht vorkamen.[3][4]

Viele künstliche Inseln wurden bei Häfen angelegt, einerseits um sie von der Stadt abzuschotten, vor allem aber um Baugrund in den eng besiedelten Städten zu sparen. Ein Beispiel für den ersten Fall ist Dejima in der Bucht von Nagasaki, errichtet in der Edo-Zeit. Die Insel diente als abgeschlossenes Zentrum für niederländische Händler. Während der Abschließung Japans durften die Niederländer Nagasaki nicht betreten, umgekehrt blieb Japanern der Zutritt nach Dejima verwehrt. Aus einem ähnlichen Grund wurde Ellis Island in der Upper New York Bay aufgeschüttet. Die Insel diente als abgeschlossene Sammelstelle für Immigranten in die USA im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Eine weitere bekannte künstliche Insel ist die Île Notre-Dame in Montreal, errichtet für die Expo 67. Die als künstliche Inseln errichteten so genannten Texas-Türme waren militärische Anlagen der USA.

Größte künstliche Inseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rang Name Größe (km²) Ort Zweck
1 René-Levasseur-Insel 2.030[5] Québec,
Kanada
Naturschutzgebiet
2 Flevopolder 970 Niederlande Stadtgründung,
Landwirtschaft
3 Yas Island 25 Abu Dhabi,
Vereinigte Arabische Emirate
Yas Marina Circuit
4 Kansai International Airport 10,5 Japan Flughafen
5 Hong Kong International Airport 9,38 Hongkong,
China
Flughafen
6 Palm Islands 8 Dubai,
Vereinigte Arabische Emirate
in Arbeit
7 Chūbu Centrair International Airport 6,8 Japan Flughafen
8 Palm Jumeirah[6] 6,5 [6] Dubai,
Vereinigte Arabische Emirate
Wohnungsbau
9 Rokkō Island 5,8 Japan Wohnungsbau
10 Port Island 5,2 Japan Wohnungsbau

Moderne Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 wurde der Flevopolder in den Niederlanden als Teil der Zuiderzeewerke fertiggestellt. Mit einer Fläche von 970 km² ist Flevopolder die größte künstliche Insel der Welt, die durch Landgewinnung entstanden ist. Die Insel besteht aus zwei Poldern, Ost-Flevoland und Süd-Flevoland. Gemeinsam mit dem Noordoostpolder bilden sie die Provinz Flevoland.

Katar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Pearl liegt nordöstlich von Doha im Emirat Katar. Auf der Insel werden u.a. Villen, Luxushotels, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten errichtet. Das Viertel Qanat Quartier auf der Insel soll das Venedig des Nahen Ostens werden.

Dubai, VAE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Dubai werden zur Zeit gleich mehrere künstliche Inselprojekte erbaut. Darunter die Palm Islands-Inselgruppen Palm Jumeirah, Palm Jebel Ali und Palm Deira; sowie The World und Jumeirah Islands. Das Luxushotel Burj Al Arab steht ebenfalls auf einer künstlichen Insel.

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen Great Wall of Sand läuft in China ein Landgewinnungsprojekt, bei dem im Südchinesischen Meer bis Mitte 2015 sieben Riffe der Spratly-Inseln künstlich vergrößert wurden. China errichtete eine Landebahn, mehrere militärische Einrichtungen und Dörfer, um so Gebietsansprüche geltend machen zu können.[7][8]

Flughäfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der japanische Flughafen Kansai war 1994 der erste Flughafen, der komplett auf einer künstlichen Insel errichtet wurde. Ebenfalls in Japan baute man 2005 auch den Flughafen Chūbu und 2006 den Flughafen Kōbe auf künstlichen Inseln. Für den 1998 eröffneten Hong Kong International Airport wurden 75 % der Fläche durch Vergrößerung der Inseln Chek Lap Kok und Lam Chau geschaffen.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politischer Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß dem internationalen Seerechtsübereinkommen gelten künstliche Inseln nicht als Hafenanlagen (Art. 11) und stehen unter der Verwaltung des nächstgelegenen Küstenstaates, solange sie innerhalb der 200-Meilen-Zone liegen (Art. 56). Künstliche Inseln haben nicht den Status von Inseln. Sie haben keine eigenen territorialen Gewässer und nehmen keinen Einfluss auf die Ausdehnung der 200-Meilen-Zone (Art. 60). Auf der Hohen See darf hingegen jeder Staat künstliche Inseln anlegen (Art. 87).[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Story of Ancient Egypt. Abgerufen am 8. Oktober 2016.
  2. Tenochtitlán - Die Hauptstadt der Azteken. Indianer-Welt.de; abgerufen am 8. Oktober 2016.
  3. David Stanley: South Pacific Handbook. 6th ed. Moon Travel Handbooks, ISBN 978-1-56691-040-8, S. 832.
  4. Tomoya Akimichi: Sea Tenure and Its Transformation in the Lau of North Malaita, Solomon Island. South Pacific Study Vol. 12, No. 1, 1991; abgerufen am 8. Oktober 2016 (pdf).
  5. Largest Lake Islands of the World. Abgerufen am 1. Januar 2007. 
  6. a b Presenting Properties in Excess of Five Million Dirhams by LUXHABITAT | Luxury homes and properties in UAE. Luxhabitat.ae. Abgerufen am 15. Juli 2012.
  7. Der Spiegel: China baut künstliche Insel im südchinesischen Meer vom 28. November 2014
  8. Die Presse: Chinas entschlossener Griff nach Riffs und Inseln vom 22. Juli 2015, abgerufen am 8. Oktober 2016.
  9. Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. Abgerufen am 8. Oktober 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]