KAHLA/Thüringen Porzellan

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Kahla/Thüringen Porzellan GmbH
Logo der KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1844
Sitz Kahla, Thüringen
Leitung Holger Raithel
Mitarbeiter ca. 300
Branche Porzellan
Website www.kahlaporzellan.com
KAHLA auf der Internorga Messe, Hamburg 2014

Die KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH ist ein deutscher Hersteller von Haushalts- und Hotelporzellan in Kahla.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Porzellanfabrik Kahla wurde 1844 von Christian Eckardt gegründet. Begonnen hatte die Produktion von Kahlaer Porzellan mit 20 Beschäftigten am 27. August 1844. Die Firma entwickelte sich schnell zur größten Porzellanfabrik Thüringens und war 1914 einer der größten Porzellanhersteller in Deutschland. Ab 1924 wurden der Kahla AG die Porzellanwerke Arzberg, Schönwald, Margarethenhütte und Hermsdorf Isolatoren angegliedert. Trotz Wirtschaftskrisen konnte sich Kahlaer Porzellan durchsetzen, vor allem durch sein berühmtes Kobaltblau und sein bekanntes und in vielen Haushalten benutztes Seriengeschirr mit Strohblumen- und Zwiebelmusterdekor.

Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte die Porzellanfabrik Kahla zunächst als Sowjetische Aktiengesellschaft, am 1. Mai 1952 als Volkseigener Betrieb. 1961 baute die staatliche Verwaltung am heutigen Standort ein neues Porzellanwerk. Die moderne Tunnelofentechnik wurde in Betrieb genommen und die bis Ende der 1960er Jahre in der Stadt Kahla verstreuten Betriebsstätten schlossen ihre Arbeitsräume. Es gab somit nur noch einen Standort.

Am Standort Schönwald/Oberfranken wurde die Porzellanfabrik Kahla AG 1949 neu begründet. Hauptaktionäre waren mit je 25 % die Deutsche Bank und die Commerzbank. 1972 wurde diese von der Hutschenreuther AG übernommen und firmiert heute unter dem Namen BHS Tabletop AG.

50 Prozent der Produktion des in Kahla verbliebenen VEB wurden damals in über 30 ost- und westeuropäische Länder exportiert. Kahla wurde als VEB Feinkeramik zum Zentrum der Porzellanindustrie in der DDR. Bis 1979 gehörten 17 Porzellanwerke mit 18.000 Beschäftigten zu diesem Kombinat, welches sich ab diesem Jahr VEB Vereinigte Porzellanwerke Kahla nannte. Hinzu kam die Gründung des VEB Kombinat Feinkeramik Kahla mit Sitz in Kahla als Rechtsnachfolger der Vereinigung Volkseigener Betriebe Keramik Erfurt. Nach der Wende privatisierte die Treuhand 1991 das Unternehmen, das allerdings schon zwei Jahre später 1993 Konkurs anmelden musste.

1994 gründete Günther Raithel, ehemaliger Rosenthal-Vorstand, als mehrheitlicher Gesellschafter die KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH.[1] Die Thüringer Industriebeteiligungsgesellschaft besaß 49 % der Anteile.

Die Fertigungsanlagen wurden modernisiert und die Produkte in zwei Linien unterteilt: KAHLA Elegance und KAHLA Modern. Die Porzellanform „Aronda“, entwickelt von der Designerin Barbara Schmidt wurde auf der Messe Ambiente in Frankfurt/Main 1994 erfolgreich vorgestellt. Im Frühjahr 1995 wurde der Bereich KAHLA-Hotelporzellan als zweites Standbein geschaffen. Von der System- bis zur Spitzengastronomie deckte das Unternehmen nun alle Bedürfnisse ab. Im Jahr 2000 übernahm die Familie Raithel die restlichen Anteile vom Land Thüringen. Seitdem ist die KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH ein reines Familienunternehmen.

Mit der Neugründung 1994 erfolgten umfangreiche Investitionen in moderne Fertigungstechnologien, in den Aufbau der Marke und in ein wettbewerbsfähiges Vertriebssystem. Inzwischen hat das Unternehmen über 80 nationale und internationale Designpreise erhalten.[2] 2005 erfolgte die Patentierung des Porzellans touch! mit einer samtweichen Oberflächenbeschichtung. 2009 präsentierte KAHLA mit der Einführung der neuen Porzellanform TAO seine Nachhaltigkeitsstrategie. Damit ist KAHLA heute wieder eines der modernsten und innovativsten Porzellanunternehmen Europas. Im Jahr 2014 wurde KAHLA 170 Jahre alt.

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ereignis
1844 Christian Eckardt gründet die Porzellanfabrik Kahla. Am 27. August beginnt mit 20 Beschäftigten die Produktion.
1888 5. Januar, Gründung einer Aktiengesellschaft durch das Bankhaus Strupp Meiningen, Vorstand: Friedrich August Hermann Koch, Johann Bünzli, Leopold Frank.
1914 Im Struppkonzern stellte die Porzellanfabrik Kahla AG das größte Unternehmen der deutschen Porzellanindustrie dar.
1946 Die Porzellanfabrik Kahla wird Sowjetische Aktiengesellschaft SAG
1952 1. Mai, Übergabe der SAG in Volkseigentum (1.900 Beschäftigte).
1961 Einweihung des größten Porzellanwerkes Europas; Fabrik- und Bürogebäude werden am heutigen Standort neu gebaut, moderne Tunnelofentechnologie wird installiert.
1979 Zum „VEB Vereinigte Porzellanwerke Kahla“ gehören 17 Porzellanwerke mit 18.000 Beschäftigten. Stammsitz ist Kahla.
1991 Die Treuhand privatisiert das Unternehmen.
1994 Neugründung der KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH mit Günther Raithel als mehrheitlichem Gesellschafter. Nach umfangreichen Investitionen verfügt KAHLA über eine wegweisende Fertigungstechnologie.
1995 Einführung des KAHLA Hotelporzellans.
1996 Zertifizierung des Qualitätsstandards nach DIN ISO 9001 als erstes Porzellanunternehmen in den neuen Bundesländern.
1997 Vorstellung des Werbemittelbereiches „ARTVERTISING“
1998 Erster Internationaler Porzellanworkshop „KAHLA kreativ“ in Kahla.
1998 Meilenstein: Mit dem Konzept von multifunktionellem und modernem Porzellan „update“ von Barbara Schmidt gelingt KAHLA der internationale Durchbruch und wird als Trendsetter in der Branche genannt.
2000 Die Familie Raithel wird 100%iger Gesellschafter der KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH.
2005 Übergabe der Geschäftsführung an Holger Raithel. Meilenstein: Innovative Entwicklung der samtweichen Oberflächenbeschichtung touch! – Patentierung.
2009 Vorstellung der „KAHLA pro Öko“ Nachhaltigkeitsstrategie.
2010 Gründung der Günther-Raithel-Stiftung Bildungsinitiative KAHLA Kreativ.
2012 TÜV-Zertifizierung als umweltfreundliches Unternehmen nach ISO 14001.
2013 Erhalt des 80. Designpreises.
2014 Jubiläum 170 Jahre Porzellanherstellung in Kahla.
2015 Sechster Internationaler Porzellanworkshop KAHLA-Kreativ in Kahla.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 150 Jahre Porzellan KAHLA: Die Geschichte eines Unternehmens. Selbstverlag der Kahla Thüringen Porzellan GmbH, Kahla 1994
  • Richard Denner: Die Geschichte der Porzellanindustrie in Kahla. J. Beck, Kahla 1930
  • Helmut Scherf, Jürgen Karpinski: Thüringer Porzellan. Buch- und Kunstverlag, Leipzig 1980

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Dostert: Dauerbrenner. Die Familie Raithel stieg Mitte der Neunzigerjahre bei Kahla ein und setzt seither auf Porzellan aus Deutschland. In: Süddeutsche Zeitung vom 21. September 2015, S. 20.
  2. Sophie Burfeind: Scherbenhaufen. Deutschland war die Porzellanhochburg in Europa, nach der Wende zerbrach alles. Ein paar Unternehmen sind jetzt wieder erfolgreich. In: Süddeutsche Zeitung vom 1. Juli 2017, S. 32.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]