KBC Fashion

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KBC Fashion GmbH & Co. KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 6. April 1752
Sitz Lörrach, Deutschland
Leitung Henri Rowienski, Valentina Franceschini
Mitarbeiterzahl 385[1]
Umsatz 54,14 Mio. EUR[1]
Branche Textilindustrie
Website www.kbc.de
Stand: 31. Dezember 2017

Die KBC Fashion GmbH & Co. KG, kurz: KBC (früher: KBC Manufaktur Koechlin, Baumgartner & Cie. GmbH), ist ein deutsches Textilunternehmen mit Sitz in Lörrach. Es gehörte bis 2017 zur Daun-Gruppe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde am 6. April 1752 von Philipp Jakob Oberkampf (1714–1781), dem Vater von Christophe-Philippe Oberkampf, als Indienne-Fabrik in Lörrach gegründet. Bereits nach einem Jahr gab Oberkampf auf, da ihm das Kapital ausgegangen war.

Das Unternehmen wurde 1753 von dem aus Bern stammenden Johann Friedrich Küpfer, unter Bewilligung des Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach[2], übernommen. In seiner Zeit hatte die Fabrik bereits zwischen 200 und 400 Mitarbeiter. Nach seinem Tod am 20. Februar 1766 übernahmen sein Sohn Nikolaus Jakob Küpfer und sein Schwager Gmelin die Leitung. Nach anfänglichem Erfolg geriet Küpfer bei seinen Geldgebern in Basel, den Gebrüdern Merian, in Misskredit, weil er die Gewinne seines Textilunternehmens dazu nutzte, im eigenen Labor alchemistische Experimente durchzuführen, um Gold herzustellen.

In Napoleonischer Zeit ging die Fabrik wegen der Kontinentalsperre in Konkurs. Mit dem Scheitern der Zwangsversteigerung 1804 ging sie an die markgräfliche Regierung[2] und die Produktion stand für vier Jahre still. 1808 wurde das Werk von der Regierung an die Gebrüder Merian aus dem nahen Basel und an die Gebrüder Peter und Daniel Koechlin aus Mülhausen veräußert. Peter Koechlin gründete in den Folgejahren weitere Spinnereien und Webereien im Umland, so in Steinen, Schönau und Zell. Dies war die Keimzelle der späteren Zell-Schönau AG[2]. Bald wurde der Dampfmaschinenantrieb eingeführt und von Hand- auf Rollendruck umgestellt. 1830[2] arbeiteten an die 5000 Menschen in den Werken von Koechlin in Südbaden und dem Elsass. Im selben Jahr traten Camille Koechlin und sein Sohn Horace in den Konzern ein. Léon Baumgartner (1818–1872) trat 1843 in die Firma Koechlin ein und wurde 1849 deren Teilhaber.

Charakteristischer Schornstein der KBC in Lörrach

Auf der Pariser Weltausstellung 1864 erhielt KBC für seine Produkte eine Goldmedaille. Auch auf sozialem Gebiet blieb das Unternehmen nicht untätig. Hunderte Werkswohnungen wurden errichtet, eine Betriebskrankenkasse gegründet, ein Werksarzt angestellt und ein Betriebskindergarten installiert.

1864 wurde die GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1903 wurde eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmensgewinn eingeführt.

Die internationale Ausrichtung des Unternehmens hat sich über 250 Jahre gehalten und führte zu zahlreichen Zukäufen und Kooperationen in aller Welt. 1967 überschritt der Umsatz erstmals 100 Millionen Mark, auf dem Höhepunkt 1989/1990 wurden 1,3 Milliarden DM Konzernumsatz erzielt. Allerdings geriet auch die KBC, als größtes Lörracher Unternehmen, in den 1990er Jahren in eine Krise. Die Abhängigkeit von der Pariser DMC-Gruppe (Dollfus, Mieg & Cie.), zu der die KBC seit den 1970er Jahren gehört, verschlimmerte die Lage noch. Mehrfach kam es zu personellen Veränderungen im Vorstand. Noch 1994 hatte das Unternehmen 4000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 1,3 Milliarden DM.[3] 1997 wurde die AG wieder zur GmbH umgewandelt, Beteiligungen und Werkswohnungen wurden verkauft, das Personal auf 600 Mitarbeiter abgebaut. Trotzdem schrieb das Unternehmen 1999 einen Verlust von 95 Millionen DM.

1976 wurde die 1903 in Erzingen gegründete Firma Stehli übernommen und in Synteen Gewebe Technik umbenannt.

Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zugehörigkeit zur Daun-Gruppe, die im Jahr 2000 die KBC als insolvent angemeldet und in den Folgejahren mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe saniert und modernisiert hatte, trug zunächst zur Erholung bei, ebenso der Verkauf eines Drittels des Firmengeländes an die Stadt Lörrach, auf dem die Wirtschaftsförderung Innocel neue Unternehmen angesiedelt hat und weiter ansiedeln will.

Schwerpunkte waren das Bedrucken von hochwertiger Damenoberbekleidung im Rotationssiebdruck und zunehmend im Inkjetdruck.

Ein Spezialgebiet der KBC ist die Ausrüstung von Segeltuchgewebe für den Hersteller Contender Sailcloth.[4] die in Deutschland durch die Robert Lindemann KG in Hamburg[5] vertreten wird.

Nachdem bereits im September 2016 bekannt wurde, dass sich Daun von der KBC trennen will, wurde der Verkauf an den italienischen Finanzinvestor Wise SGR im März 2017 realisiert.[6] Wise SGR hat KBC der von ihr neu gegründeten Holding Imprima Spa zugeordnet, gleichzeitig kaufte Imprima auch den italienischen Stoffdrucker Guarisco Class Srl.[7]

Im März 2018 wurde bekannt, dass die Daun-Gruppe die Immobilien der KBC mit ca. 80.000 Quadratmetern an Schweizer Investoren (Volare Group, frühere Oel-Pool AG) verkauft hat.[8][9] Die Wise SGR hatte diese nicht übernommen, sondern lediglich einen Mietvertrag bis Oktober 2019 für deren Nutzung abgeschlossen. Gleichzeitig wurden Pläne bekannt, nach denen Imprima die Produktion bis Jahresende 2018 nach Italien verlagern wolle. Im April 2018 wurde dann auf einer Betriebsversammlung bekanntgegeben, dass von den verbliebenen 380 Arbeitsplätzen 260 abgebaut werden und der Rotationsdruck nach Como verlagert wird.[10] Im Mai 2018 kursierten Nachrichten über ein Übernahmeangebot einer Investorengruppe, die die KBC am Standort Lörrach mit 200 Mitarbeitern weiterführen wollte.[11] Ende Juni kündigte der Geschäftsführer der KBC.[12][13] Die Verhandlungen über einen Sozialplan wurden nun von Vertretern der italienischen Konzernleitung weitergeführt und deren Angebot löste Empörung bei den Mitarbeitern und deren Betriebsrat, sowie der IG Metall aus.[14][15] Erst Ende September 2018 wurde eine Einigung über den Sozialplan erreicht.[16] In Lörrach will Imprima eine Vertriebs- und eine Kreativitätsabteilung weiterführen. „KBC ist eine Referenz in der Textilbranche.“ Der starke Markenname und die Kreativität hochqualifizierter Mitarbeiter sind das, was Imprima weiter interessiert.[17] Nach der von der Konzernmutter, Wise SGR, formulierten Politik,[18] ist jedoch in den nächsten Jahren auch mit dem Verkauf der Imprima zu rechnen, da das Private Equity Unternehmen Investments nur 3–5 Jahre hält.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss zum 31. Dezember 2017 im elektronischen Bundesanzeiger
  2. a b c d Universität Hohenheim Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg Köchlin, Baumgartner & Cie Bestand: Y 270
  3. insideB:@1@2Vorlage:Toter Link/www.inside-b.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Nur kleiner, nicht kariert) Seite 1, PDF
  4. Homepage der Contender B.V., Mijdrecht (NL)
  5. Homepage der Lindemann KG mit den Logos der vertretenen Firmen.
  6. Willi Adam: Verkauf von KBC Fashion vollzogen. Teil einer italienischen Holding. In: Badische Zeitung vom 24. März 2017; abgerufen am 24. März 2017.
  7. Eintrag Imprima S.p.a. auf bloomberg.com; abgerufen am 1. April 2018.
  8. Guido Neidinger, Bernhard Konrad: KBC-Gelände ist verkauft. In: Oberbadisches Volksblatt vom 16. März 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  9. Kristoff Meller: „Wir wollen hier etwas aufbauen.“ In: Die Oberbadische vom 8. Mai 2019; abgerufen am 28. Oktober 2019
  10. Guido Neidinger, Bernhard Konrad: KBC baut Arbeitsplätze ab. In: Oberbadisches Volksblatt vom 16. April 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  11. Guido Neidinger: Seriöses Angebot für KBC. In: Oberbadisches Volksblatt vom 7. Mai 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  12. Bernhard Konrad: Rowienski verlässt KBC. In: Oberbadisches Volksblatt vom 26. Juni 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  13. Beim Handelsregister Freiburg wurde Henri Robert Rowienski am 11. September 2018 als Geschäftsführer gelöscht und stattdessen Gianluca Boni eingetragen.
  14. Guido Neidinger: „Empörendes Angebot“ für KBC-Mitarbeiter. In: Oberbadisches Volksblatt vom 11. Juli 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  15. ndg: Verhandlungen über KBC ein Trauerspiel. In: Oberbadisches Volksblatt vom 3. August 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  16. Bernhard Konrad: Der Abschluss ist geschafft. In: Oberbadisches Volksblatt vom 28. September 2018; abgerufen am 21. Oktober 2018.
  17. Willi Adam: „KBC kann wieder rentabel arbeiten“. Interview von Willi Adam mit der Präsidentin der Imprima S.p.a., Valentina Franceschini. In: Badische Zeitung vom 20. Oktober 2018.
  18. Typology of Operations auf der Homepage der Wise SGR; abgerufen am 21. Oktober 2018.

Koordinaten: 47° 36′ 26,4″ N, 7° 39′ 23,4″ O