KStV Thuringia Marburg

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KStV Thuringia zu Marburg (Th!)

Wappen Zirkel
Wappen Thuringia Marburg.jpg Zirkel Thuringia Marburg.jpg
Basisdaten
Hochschule/n: Philipps Universität Marburg
Gründung: 1881
Gründungsort: Marburg
Stiftungsdatum: 11. Mai
Korporationsverband: KV
Farben: Rot-Weiß-Rot
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: Pro Deo et Patria
Mitglieder insgesamt: ~180
Aktive: ~20
Website: www.thuringia-marburg.de

Der Katholische Studentenverein Thuringia im KV zu Marburg ist eine am 11. Mai 1881 gegründete Studentenverbindung, welche im Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine organisiert ist. Die Verbindung führt die Farben Rot-Weiß-Rot und ist an der Universitätsstadt Marburg beheimatet.

Sie vereint Studenten und Ehemalige der Philipps-Universität Marburg. Die Prinzipien der Thuringia sind Religio, Scientia und Amicitia. Die Thuringia ist als konfessionelle Korporation unpolitisch und lehnt jegliche Art von Radikalismus grundsätzlich ab.

Couleur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Verbindung wurde in Anlehnung an die heilige Elisabeth von Thüringen gewählt. Thuringia führt die Farben Rot-Weiß-Rot, wobei Rot-Weiß für das Land Hessen und Weiß-Rot für das Land Thüringen stehen. Die Wichs der Verbindung besteht aus schwarzen Pekeschen mit Rot-Weiß-Roter Kordelierung, wozu ein schwarzes Barett getragen wird. Der lateinische Wahlspruch der Thuringia lautet „Pro Deo et Patria“, was übersetzt „Für Gott und Vaterland“ bedeutet.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Studentenwappen der Thuringia symbolisiert die Prinzipien und die Herkunft der Verbindung:

  • Rechts oben: Die Elisabethkirche, als Zeichen für das Prinzip Religio.
  • Links oben: Die Eule mit zwei Fackeln, veranschaulicht das Prinzip Scientia.
  • Rechts unten: Die beiden Trinkhörner, als Zeichen für das Prinzip Amicitia
  • Links unten: Der Thüringer Löwe, als Zeichen der Namensherkunft.

Das Wappen wird durch ein Kreuz des Deutschen Ordens gevierteilt, da dieser die Heiligsprechung der Elisabeth von Thüringen, der Namenspatronin der Verbindung, in die Wege geleitet hat. In der Mitte des Wappens ist der Zirkel der Thuringia abgebildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. Mai 1881[1] trafen sich elf Mitglieder verschiedener Kartellvereine im alten Brauhaus in Marburg mit dem Ziel, eine katholische Studentenverbindung zu gründen. Der Rektor der Universität Marburg genehmigte diese Verbindung am 31. Mai 1881. Am 9. August desselben Jahres nahm die Generalversammlung des KV die Thuringia als 20. Mitglied in ihrer Mitte auf. Da es in Marburg nur wenige katholische Verbindungen gab, blühte sie sehr schnell auf und galt um die Jahrhundertwende als die Mitgliederstärkste aller Marburger Verbindungen. Der bald folgende akademische Kulturkampf betraf die Thuringia kaum.

Die Mitglieder veranstalteten wissenschaftliche Abende, Kneipen, Ausflüge und besuchten gemeinsam den Gottesdienst. Sie lebten so die drei Prinzipien der Thuringia: Religion, Wissenschaft und Freundschaft. Dreh- und Angelpunkt des Verbindungslebens war zu dieser Zeit das Lokal „Schloßgarten“ in der Marburger Oberstadt. Der Bau eines eigenen Hauses gelang trotz des Erwerbs eines Grundstücks noch nicht.

Zwischen den Weltkriegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erste Weltkrieg beendete das Verbindungsleben in seiner gewohnten Form. Während in den ersten beiden Jahren noch ein eingeschränkter Aktivenbetrieb möglich war, ebbte das Leben auf dem Thüringerhaus in Folge ab, da nahezu alle jungen Mitglieder einberufen wurden. Doch die Nachkriegsjahre brachten einen schnellen Anstieg der Studentenzahl in Marburg und führten damit wieder zu einem Erstarken der ortsansässigen Verbindungen. Als Reaktion auf die Verhältnisse in der Weimarer Republik nahmen Mitglieder der Thuringia 1920 im Rahmen des Studentencorps Marburg an der Beseitigung der Unruhen in Thüringen teil, waren hierbei aber in keine größeren Kampfhandlungen verwickelt.

Im Jahr 1920 gelang der Korporation der Kauf des „Schloßgarten“ in der Marburger Oberstadt. Diese von den Alten Herren von Morsey-Picard und Tenbaum geförderte Aktion verschaffte der Verbindung ein eigenes Haus. Die folgenden Jahre waren vom Aufschwung geprägt, sowie vom hochschulpolitischen Kampf gegen die Nationalsozialisten in der Studentenschaft. Nachdem im Jahr 1931 noch in großem Rahmen das 50-jährige Stiftungsfest gefeiert wurde, ging es ab der Machtergreifung Hitlers bergab. Als katholische Korporation war die Thuringia nicht mit den Idealen des Nazistaates kompatibel. Nachdem sie bereits gezwungen wurde, Kameradschaften in ihrem Haus einzuquartieren, folgte 1935 die Aufhebung des konfessionellen Prinzips. Als Folge der immer größer werdenden Repressionen beschloss die Thuringia am 18. Mai 1936 ihre Auflösung.

Wiedergründung und Wiederaufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korporationshaus der Thuringia

Die Wiedergründung der Verbindung erwies sich nach dem Krieg als schwierig. Die amerikanische Besatzungsmacht lehnte die Reaktivierung von Verbindungen alter Art grundsätzlich ab. In Folge dessen engagierten sich die Mitglieder in der katholischen Hochschulgemeinde und trafen sich ansonsten im Geheimen. Nachdem die Bestimmungen der Amerikaner gelockert wurden, gelang Anfang 1949 die Wiedergründung der Verbindung. Allerdings stand die Thuringia wieder ohne eigenes Haus da, weil dieses während des Krieges verkauft werden musste. Es wurden wiederholt Räume auf dem Haus der AMV Fridericiana Marburg angemietet. Nach einer großen Spendenaktion wurde das Haus im Hainweg 2 erworben, wo die Thuringia noch heute residiert.

Ein weiterer Einschnitt in der Geschichte der Thuringia war die 68er-Bewegung. Prinzipien und Traditionen wurden von den Studenten wie überall in Deutschland in Frage gestellt. Wie bei vielen anderen Verbindungen bedeutete diese Entwicklung für Thuringia fast das Ende. An die Stelle von Kneipen und Kommersen traten Diskussionsabende, und der Vollwichs wurde abgeschafft. Dennoch gelang es der Thuringia, die Gräben zwischen Altherrenschaft und Aktivitas wieder zu schließen. Nach einer Rückbesinnung auf die eigene couleurstudentische Geschichte wuchs die Mitgliederzahl wieder an.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Doeberl, Alfred Bienengräber (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 952.
  • Christian Jansen: Die Geschichte des KStV Thuringia-Marburg (Lahn): Zum 75. Stiftungsfest. Adernach, 1956.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 95.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]