KTM 1290 Super Adventure

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KTM
KTM 1290 Super Adventure.jpeg
KTM 1290 auf der HMT 2015
1290 Super Adventure
Hersteller KTM
Verkaufsbezeichnung 1290 Super Adventure
Produktionszeitraum 2014 bis 2018
Klasse Motorrad
Bauart Reiseenduro
Motordaten
Flüssigkeitsgekühlter V-Motor mit zwei Zylindern
Hubraum (cm³) 1301
Leistung (kW/PS) 118/160 bei 8750 min−1
Drehmoment (N m) 140 bei 6750 min−1
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 260
Getriebe 6 Gänge
Antrieb X-Ring-Kette
Bremsen vorn Ø 320 mm Doppelscheibenbremse mit schwimmend gelagerten Bremszangen und Bremsscheiben
hinten Ø 267 mm Einscheibenbremse mit schwimmend gelagerter Bremszange und Bremsscheibe
Radstand (mm) 1560
Maße (L × B × H, mm): 2250 × 700 × 1520
Sitzhöhe (cm) 86–87,5
Leergewicht (kg) 253
Vorgängermodell KTM 1190 Adventure
Nachfolgemodell KTM Super Adventure T

Die KTM 1290 Super Adventure [ˈsu:pəʳ ədˈventʃəʳ] ist ein Motorrad des österreichischen Fahrzeugherstellers KTM. Die Reiseenduro wurde am 30. September 2014 auf der Intermot in Köln der Presse vorgestellt[1] und wird in Mattighofen endmontiert. KTM vermarktet das Motorrad als „Luxus-Travel Enduro“.[2]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein flüssigkeitsgekühlter Zweizylindermotor mit 1301 cm³ Hubraum treibt das Motorrad an. In modifizierter Form wird der LC8[3] bereits im Naked Bike KTM 1290 Super Duke R verwendet.[4] Der Zylinderbankwinkel zwischen den zwei Zylindern des V-Motors beträgt 75°. Der Viertaktmotor erzeugt eine Nennleistung von 118 kW (160 PS) bei einer Drehzahl von 8750/min und ein maximales Drehmoment von 141 Nm bei 6750/min.[5] Die vier Ventile je Zylinderkopf werden von zwei obenliegenden, zahnradgetriebenen Nockenwellen über mit amorphem Kohlenstoff (engl. Diamond like Coating (DLC)) beschichtete Schlepphebeln angesteuert. Die zwei Zylinder haben eine Bohrung von 108 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 71 mm bei einem Verdichtungsverhältnis von 13,1:1. Eine Wasserpumpe versorgt den Motor permanent mit Kühlflüssigkeit, drei Rotorpumpen gewährleisten die Druckumlaufschmierung.

Gegenüber dem Motor der Super Duke wurde die Schwungmasse der Kurbelwelle um zwei Kilogramm erhöht[6] und die Ein- und Auslasskanäle der Zylinderköpfe überarbeitet.[7] Zudem wurde das Motor-Mapping geändert, der Drosselklappendurchmesser auf 52 mm verringert, die Nennleistung von 127 auf 118 kW reduziert und das Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich erhöht. Die hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Anti-Hopping-Kupplung läuft im Ölbad. Das klauengeschaltete Getriebe hat sechs Gänge, und der Sekundärtrieb arbeitet mit einer X-Ring-Kette. Der Primärtrieb wurde um einen Ruckdämpfer ergänzt und der sechste Gang länger übersetzt.[2]

Das Motorrad beschleunigt in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h.[8] Die Bremsanlage verzögert das Motorrad von 100 auf 0 km/h mit durchschnittlich 8,9 m/s². Es kommt aus dieser Geschwindigkeit nach 43,4 Metern zum Stehen.[8]

Rahmen und Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von der KTM 1190 Adventure übernommene Rahmen,[9] ein Gitterrahmen, besteht aus pulverbeschichteten Chrom-Molybdän-Oval-Stahlrohren und wiegt 9,8 kg. Der angeschraubte Heckrahmen besteht aus Vierkantrohren aus Aluminium. Mit flachem Lenkkopfwinkel, langem Radstand und Nachlauf ist die Fahrwerksgeometrie stabil ausgelegt. Das Hinterrad wird von einer Zweiarmschwinge aus Aluminium geführt, das Vorderrad über eine Upside-Down-Teleskopgabel.

Am Vorderrad verzögert eine Doppelscheibenbremse mit 320 mm Durchmesser von Brembo mit schwimmend gelagerten Bremszangen, hinten eine Scheibenbremse mit Zweikolben-Festsattel. Das Bremssystem wird von einer dreistufigen Traktionskontrolle (eng. Motorcycle Traction Control, MTC) und einem abschaltbaren, kombinierten Zweikreis-Antiblockiersystem (C-ABS) von Bosch unterstützt.

Die KTM 1290 Super Adventure ist mit einem Motorcycle Stability Control (MSC) ausgestattet, einer elektronischen Stabilitätskontrolle der Robert Bosch GmbH, die sowohl das Antiblockiersystem als auch die Traktionskontrolle regelt. Zudem hat die Super Adventure ein semi-aktives Fahrwerk, welches sich nach einem vorwählbaren Modus selbständig auf veränderte Fahrsituationen einstellt. Deren Suspension Control Unit (SCU) hat Messnehmer an Federwegssensoren und Beschleunigungsmesser an Front und Heck.[7] Die maximale Zuladung beträgt 208 kg, die Zulässige Gesamtmasse 460 kg.

Elektrisches System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gasgriffbefehle werden elektronisch durch ein elektrisches Ride-by-Wire-System vom Engine Management System (EMS) abhängig von verschiedene Leistungs-Mappings (Street, Sport, Rain, Off-Road) in die entsprechende Drosselklappenstellung umsetzt. Eine Starterbatterie mit einer Kapazität von 11,2 Amperestunden versorgt den elektrischen Anlasser. Die Lichtmaschine erzeugt eine elektrische Leistung von 450 Watt, die außer der Zündanlage und Bordelektronik auch die LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht, das Rücklicht und den Fahrtrichtungsanzeiger vorsorgt.[7]

Kraftstoffversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemisch erzeugt eine elektronisch gesteuerte Kraftstoffeinspritzung. Zwei unterschiedlich große Zündkerzen je Zylinder zünden das Kraftstoffgemisch. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch beträgt 6,3 l auf 100 km bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Der bruchsichere Kraftstofftank aus Kunststoff hat ein Volumen von 30 Litern und ermöglicht eine theoretische Reichweite von 476 km[10] auf Landstraße. Der Hersteller empfiehlt die Verwendung von bleifreiem Motorenbenzin mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan. E-10 Treibstoff kann getankt werden.

Abgasanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den geregelten Katalysator mit Sekundärluftsystem zur Abgasnachbehandlung unterschreitet das Motorrad die Grenzwerte der Abgasnorm Euro-3. Die zwei Abgaskrümmer münden am Heck auf der rechten Fahrzeugseite in einen Endschalldämpfer aus Edelstahl.

Pendeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ralf Schneider kritisiert in der Fachzeitschrift Motorrad eine konzeptionelle Pendelneigung: „Schon bei geringerem Tempo [ist] zu spüren, dass die Super Adventure in Sachen Aerodynamik ein kitzeliges Motorrad ist, das sich von Seitenwindböen oder Windwirbeln vorausfahrender Autos leicht zu einem Rühren in der Lenkung provozieren lässt. Mit leeren Koffern fängt sie jenseits der 200 zu pendeln an und voll bepackt sogar schon bei um die 170 km/h.“[11] Zudem bemängelt er die Dämpfungssteuerung der Gabel, die auf kleine Bodenwellen nur zögerlich anspricht: „Es verursacht in Kurven mit Bodenwellen ein ständiges leichtes Hüpfen der Frontpartie, das sich bei leichten Fahrern sogar zu richtigem Shimmy steigern kann.“[11] Alan Klee berichtet in der Zeitschrift Tourenfahrer von einem „sich selbst verstärkenden Aufschaukeln, was je nach Straßen-, Wind- und Belastungsverhältnissen zwischen 160 und 200 km/h auftritt“ und „bis zum unkontrollierten Lenkerschlagen“ führen kann.[8] KTM warnt in der Betriebsanleitung für die Adventure-Baureihen vor „instabilem Fahrverhalten bei hoher Geschwindigkeit“.[12] Der Hersteller hat mit einer Verwendungsbeschränkung die Höchstgeschwindigkeit für Fahrten mit Seitenkoffern auf 150 km/h begrenzt.[12] KTM reagierte auf die kritische Berichterstattung mit Entzug von Werbeaufträgen und Testfahrzeugen.[13]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die wirklich perfekte Reiseenduro ist also auch die KTM 1290 Super Adventure nicht. Aber ganz sicher ist sie diejenige, die den bislang unumstrittenen Anspruch von BMW, in diesem Segment den Ton anzugeben, am konsequentesten angreift, ja sogar in Frage stellt.“

Ulf Böhringer: Die Welt[14]

„Ignoriert man die mangelnde Sensibilität und mechanischen Geräusche, die die Gabel zutage fördert, kann man mit der KTM auf der Landstraße einen heißen Reifen fahren. Mit ihrem verwindungssteifen Rahmen und den teils bockig versteiften Federelementen muss die 1290 zwar mit merklichem Kraftaufwand in Schräglage gebracht werden, hält aber bei ihr entgegenkommenden Straßenbedingungen sehr präzise die Spur.“

Alan Klee: Tourenfahrer[8]

„Ride Mode, Traction Control, Motor Slip Regulation, Stability Control, Electronic Anti Dive, Anti Squad, Cruise Control, Hill Hold Control, LED Cornering Light, Tire Pressure Control, Demobilizer… auch wenn dieser Vergleich mit dem Mondflug hinkt, so kann man doch mit Sicherheit sagen, dass dem Piloten der neuen KTM 1290 Super Adventure mehr Computerleistung zur Verfügung steht als den Astronauten der Apollo-Missionen. Elektronische und mechatronische Systeme machen moderne Fahrzeuge sicherer und effizienter – aber auch komplexer.“

Michael Kutschke: Töff[15]

„KTM verspricht ein Motorrad, über das »der Fahrer die totale Kontrolle« hat. Fakt ist jedoch: Er hockt auf einer Reiserakete und kontrolliert bestenfalls die Kontrolleure, die sich einen Wolf rechnen, um ihn vor sich selbst zu schützen.“

Uli Böckmann: Tourenfahrer[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: KTM Adventure – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manuel Fuchs: Die neue Größe. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Motorrad. 30. September 2014, archiviert vom Original am 22. Mai 2016; abgerufen am 23. Mai 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.motorradonline.de
  2. a b Thilo Kozik: Souveräner Landstraßen-Gigant. In: Bikerszene. Abgerufen am 19. Oktober 2015.
  3. Gerd Thöle: Macht das noch irgendeinen Sinn? In: Motorrad, Ausgabe 4/2015. 5. Februar 2015, abgerufen am 23. Mai 2016.
  4. Stephan Schätzl: Die Superste. Die Beste? In: Kronen Zeitung. 5. Juli 2015, abgerufen am 27. Oktober 2015.
  5. Volltechnisiertes Reisemobil auf zwei Rädern. In: Focus. 12. Januar 2016, abgerufen am 23. Mai 2016.
  6. Die Reiseenduro aus Österreich. In: Der Kurier. 19. März 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015.
  7. a b c Florian Pillau: Drahtspeichenakt. In: Heise Online. 20. Februar 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015.
  8. a b c d Alan Klee: All-inclusive Adventure. In: Tourenfahrer. Nr. 09, 2015, ISSN 0933-4440, S. 26–35.
  9. Luke Bowler: BMW GS be afraid. Be very afraid. In: Visordown. 1. Februar 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015 (englisch).
  10. a b Uli Böckmann: Größer, schneller, stärker – besser? In: Tourenfahrer. Nr. 06, 2015, ISSN 0933-4440, S. 32–39.
  11. a b Ralf Schneider: Die stärkste Reiseenduro. In: Motorrad. 1. Juli 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015.
  12. a b Brigitte Haschek: Das war's wohl. In: Motorrad. Nr. 21, 2015, ISSN 0027-237X, S. 62.
  13. Walter Wille: Krise? Welche Krise? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Oktober 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015.
  14. Ulf Böhringer: Von allem viel. In: Die Welt. 3. Februar 2015, abgerufen am 19. Oktober 2015.
  15. Michael Kutschke: Mission Control. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Töff. 26. März 2015, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 19. Oktober 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.toeff-magazin.ch