KV62

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. KV 62 ist auch die Köchelverzeichnisnummer eines Marsches in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart.

KV62
Grabmal von Tutanchamun

Ort Tal der Könige
Entdeckungsdatum 4. November 1922
Ausgrabung Howard Carter
Vorheriges
KV61
Folgendes
KV63
Tal der Könige
KV62
Tal der Könige
(östliches Tal)

Das altägyptische Grabmal KV62 im Tal der Könige (KV als Akronym für King's Valley) ist die Ruhestätte des Pharaos Tutanchamun aus der 18. Dynastie. Es gilt durch seine öffentlichkeits- und medienwirksame Entdeckung in fast unberührtem Zustand im Jahr 1922 durch den britischen Archäologen Howard Carter als die populärste Grabstätte in Ägypten. Die Räumung und Säuberung des Grabes nahm 10 Jahre in Anspruch. In dieser Zeit wurden insgesamt 5398 Objekte geborgen, die zum Teil im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt sind oder in den Magazinen des Museums lagern.

Entdeckung und Ausgrabung[Bearbeiten]

Carters Wohnhaus am Eingang zum Tal der Könige

KV62 wurde durch Howard Carter am 4. November 1922 im Auftrag seines Finanziers George Herbert, 5. Earl of Carnarvon, entdeckt, nachdem er am Fundort während seiner Grabungskampagne von 1905 bis 1906 Artefakte mit den Kartuschen Tutanchamuns hatte identifizieren können. Als Indiz für eine Bestattung des Pharaos im Tal der Könige diente Carter gefundenes Einbalsamierungsmaterial aus Grab KV54 („Balsamierungsdepot“) sowie ein kleiner Fayencebecher mit dem Namen Tutanchamuns. Außerdem konnten dem König und dessen Hofbeamtem Eje aus dem 1909 entdeckten Grab KV58, dem sogenannten „Streitwagengrab“, Goldfolien zugeordnet werden. Der amerikanische Rechtsanwalt Theodore M. Davis hatte das Tal der Könige dennoch für archäologisch erschöpft erklärt.

Nachdem Davis 1914/1915 nach über zwölf Jahren seine Grabungslizenz für das Tal zurückgegeben hatte, hatte Carnarvon vom Service des Antiquités de l’Egypte, dem heutigen Supreme Council of Antiquities, die Erlaubnis erhalten, Ausgrabungen im Tal der Könige durchzuführen. Diese konnten jedoch wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges erst 1917 beginnen. Zwischen den Gräbern Ramses II. und Ramses VI. legte Howard Carter für Carnarvon eine Arbeitersiedlung frei und konzentrierte sich daraufhin auf die umliegenden Gebiete, als Lord Carnarvon sich 1921 für die Beendigung der Finanzierungsvereinbarung entschied. Carter konnte die Grabungen nach Überredung Carnarvons jedoch fortsetzen und stieß mit einem Arbeiter am 4. November auf eine Treppenstufe.

Nach der Entdeckung der obersten von 16 Treppenstufen befreite der britische Archäologe den mit Schlamm und Geröll angefüllten Eingang und fand eine intakte Versiegelung der antiken Talwächter vor: mehrere ovale Stempelabdrücke mit Anubis in Schakalgestalt über neun Gefangenen, den sogenannten Neun Bogen, dem Siegel der Nekropole. Carter füllte den Zugang erneut mit Schutt und wartete die Ankunft seines Geldgebers Lord Carnarvon und dessen Tochter Lady Evelyn am 23. November 1922 ab. Carter und sein Grabungsteam erreichten dann am späten Nachmittag des 26. November eine zweite ebenfalls mehrfach versiegelte Blockierung, in die er ein etwa faustgroßes Loch schlug und eine Kerze zur Prüfung der Faulgase hinein hielt. Sein Bericht über diesen Moment ist wie folgt überliefert.

“At first I could see nothing, the hot air escaping from the chamber causing the candle flame to flicker, but presently, as my eyes grew accustomed to the light, details of the room within emerged slowly from the mist, strange animals, statues, and gold – everywhere the glint of gold.”

„Zuerst sah ich nichts, die aus der Kammer entweichende warme Luft ließ die Kerzenflamme flackern, aber dann, als sich meine Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, sah ich Details des Raums aus dem Staub erscheinen, seltsame Tiere, Statuen und Gold, überall schien der Glanz des Goldes.“

Howard Carter

Ab dem darauf folgenden Tag wurde KV62 von Carter und seinem wissenschaftlichen Team bis 1932 ausgegraben und sämtliche Fundstücke fotografiert und katalogisiert. Zu diesem Zweck wurden die Artefakte in ein provisorisches Laboratorium in der Nähe des Grabes Sethos II. transportiert. Zwischendurch nahm Harry Burton eine fotografische Archivierung der Fundstücke für das Metropolitan Museum of Art vor. Die Gegenstände der Vorkammer waren bei dieser langwierigen, aber wissenschaftlichen Vorgehensweise erst nach etwa 50 Tagen aus dem Grab entfernt. Für die Bergung der großen Schreine und die Särge aus der Grabkammer J beschädigte Carter im Durchgang zur Kammer I die westliche Zarge und zerstörte dabei Teile der Götterszenen mit der Darstellung der Göttin Isis an der südlichen Grabkammerwand, die Tutanchamun außerdem mit Anubis und Hathor zeigen.

Das Grab in der Antike[Bearbeiten]

Die Grabstätte Tutanchamuns wurde ursprünglich im zentralen Wadi des Tals der Könige für einen hohen Beamten – vermutlich Tutanchamuns späteren Nachfolger Eje – oder Mitglied der königlichen Familie in der späten Hälfte der 18. Dynastie entworfen und in den Fels gehauen. Für den Pharao selbst war womöglich WV23 oder WV25 im westlichen Tal vorgesehen. Für das Begräbnis der Mumie Tutanchamuns wurden dann in KV62 eine Grabkammer und eine Nebenkammer hinzugefügt, was als Indiz für das plötzliche Ableben des Pharaos gedeutet wird. Tutanchamuns Nachfolger Eje ließ sich schließlich im Grab WV23 bestatten, dessen Wandmalereien in der Grabkammer auffallende Parallelen zu denen in KV62 aufweisen.

Die Räume wurden womöglich in antiker Zeit unmittelbar nach dem königlichen Begräbnis mindestens zweimal beraubt, wovon drei unterschiedliche Versiegelungen an dem von Carter freigelegten Grabzugang, das derangierte Erscheinungsbild der Kammern I und Ia zum Entdeckungszeitpunkt sowie Inventarlisten auf verschiedenen Behältnissen zeugten und mit denen der Diebstahl einiger Artefakte nachgewiesen werden konnte. Die abschließende Wiederherstellung des Grabes wurde vermutlich unter der Herrschaft Pharao Haremhabs durchgeführt.

Da der Zugang zu KV62 unterhalb der Eingangsrampe des später angelegten Grabes von Ramses VI. (KV9) in die Talsohle gehauen wurde und der Abraum des ramessidischen Grabes und die darauf errichteten Arbeiterbehausungen den Zugang zu Tutanchamuns Grabstätte blockierten, blieb der Zugang zu der Anlage für Grabräuber über die Jahrtausende verborgen.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten]

Grundriss von KV62
Schematische Darstellung des Grabes

Grab KV62 hat eine Gesamtgröße von 109.83 m². Die Grabanlage besitzt trotz ihres vergleichsweise geringen Umfangs eine mit den traditionellen Gräbern des Tals vergleichbare Raumaufteilung und wird aufgeteilt in einen Zugangsweg (A) mit 16 Treppenstufen, einen absteigenden Korridor (B), eine daran anschließende rechteckige große Vorkammer (I) sowie eine sich links an der rückwärtigen Wand anschließende Seitenkammer beziehungsweise Annex oder Anbau (Ia). An die große Kammer (I) schließt sich an der nördlichen Seite eine Grabkammer (J) und ebenso eine östlich davon abzweigende Seitenkammer (Ja) an, die im Sprachgebrauch auch als „Schatzkammer“ bezeichnet wird. Abgesehen von der Grabkammer ist das gesamte Grab undekoriert.

Die umfassende Grabausstattung mit den in den Kammern I, Ia, J und Ja gefundenen 3500 weitgehend unversehrten Artefakten brachten wertvolle Erkenntnisse zumindest über die Lebensweise des königlichen Hofstaats und damit auch einen immensen wissenschaftlichen Fortschritt für die ägyptologische Forschung. So identifizierte Carter im Grabinventar des Königs neben Kleidung, Stoffen und zahlreichen Skarabäen beziehungsweise Schmuckstücken aus Gold und Edelsteinen, Skulpturen, verschiedene Kosmetika, Salben, Weihrauch, Möbelstücke wie Stühle und Liegen, Brettspiele, Lampenbedarf, Nahrungsmittel, Ton- und Goldgefäße sowie Kriegsgerät und Jagdwaffen. Von den Fundstücken sind heute etwa 1700 im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt, alle weiteren befinden sich in Magazinen des Museums sowie in Luxor.

Nach eingehender kunsthandwerklicher und fachwissenschaftlicher Untersuchung der Architektur, der Wandmalereien und Grabbeigaben, insbesondere aber der Schreine, deutet das Interieur auf ein überhastetes Begräbnis entsprechend der rituellen 70-Tage-Frist und auf überwiegend unpersönliche, vielerorts umgewidmete und rasch organisierte Grabausstattung hin. Für die ägyptologische Forschung ergeben sich hieraus zahlreiche Erkenntnisse über die politischen Umstände zum Todeszeitpunkt des Pharaos Tutanchamun.

Darüber hinaus gibt die Ausstattung in KV62 Aufschluss über die während der Regentschaft von Tutanchamun in Ägypten vollzogene religiöse und kulturelle „Restaurationsphase“ von der Verehrung des Aton in der Amarna-Zeit zurück zu einer staatsreligiösen Verehrung des Amun-Re.

Die Vorkammer I[Bearbeiten]

Entlang der westlichen Wand waren hintereinander in Richtung zur Grabkammer drei Große Ritualbetten aufgestellt.

Thronsessel des Tutanchamun, Ägyptisches Museum, Kairo (JE 62028)

Unter dem linken hinteren Ritualbett der Ammit lag der vergoldete und mit Fayenceeinlagen, Stein und buntem Glas verzierte Thronsessel Tutanchamuns. Die vordere Lehnenseite des Thrones zeigt eine Szene im Amarna-Stil, in der die namentlich genannte Anchesenamun, die Große Königliche Gemahlin, dem sitzenden König Tutanchamun den Brustschmuck anlegt. Über dem Königspaar befindet sich die Sonnenscheibe Aton, die den beiden – symbolisiert durch Anch-Symbole – langes Leben verleiht. Die Rückseite der Lehne des Thronsessels ist hingegen mit dem ursprünglichen Geburtsnamen des Königs (Tutanchaton - „Lebendes Abbild des Aton“) sowie dessen Thronnamen (Neb-cheperu-Re - „Herr an Gestalten, ein Re“) und dem ursprünglichen Namen seiner Gattin, Anchesenpaaton („Sie lebt durch Aton / Sie lebt für Aton“, aus der Amarna-Zeit versehen. Unter dem mittleren Ritualbett, mit dem Erscheinungsbild einer stilisierten Kuh, waren etwa zwei Dutzend ovale Behälter mit einer gipsartigen Oberfläche gestapelt, die für die Jenseitsreise des Königs tierische Nahrungsmittel enthielten. Das vorderste Ritualbett zur Grabkammer hin war in Löwengestalt gehalten.

In der linken südöstlichen Ecke konnte Carters Ausgrabung die Teile von vier intakten Streitwagen identifizieren, von denen zwei zu wohl zeremoniellen Verwendungszwecken Bemalungen aufwiesen. Der verschlossene Zugang zur Grabkammer J wurde links und rechts zur symbolischen Bewachung der Königsmumie von zwei schwarz bemalten und vergoldeten Holzstatuen in Überlebensgröße flankiert; eine davon trug eine sogenannte chat-Kopfbedeckung, die andere ein klassisches Nemes-Kopftuch. Davor war eine Truhe platziert, die in aufgemalten Szenen Tutanchamun bei der Jagd, sowie bei Feldzügen gegen Syrien und Nubien zeigen.

Der Annex Ia[Bearbeiten]

Der hintere, etwa 17 m² messende Anbau war von der Vorkammer durch eine Türverfüllung abgetrennt, dennoch fand Howard Carter die von Grabräubern durcheinandergeworfenen Grabbeigaben dort in derangiertem Zustand wieder. Unter den Gegenständen befand sich insbesondere umfangreiches Mobiliar wie Betten, Stühle und kleine Kommoden sowie zwei weitere Streitwagen.

Die Grabkammer J[Bearbeiten]

Das Bodenniveau der Grabkammer liegt annähernd einen Meter tiefer als das der großen Vorkammer. Die Kammerwände sind zudem mit je einer rechteckigen Nische versehen, die – mit Kalksteinplatten verschlossen, verputzt und dekoriert – je einen magischen Ziegel enthielten und so eine symbolische Schutzfunktion für die königliche Mumie erfüllen sollten.

Der äußere der vier vergoldeten Schreine, Ägyptisches Museum, Kairo

Die Grabkammer enthielt vier ineinander gestellte vergoldete Holzschreine und schließlich einen aus Quarzit gefertigten Sarkophag, an dessen Ecken die vier geflügelten Göttinnen Isis, Nephthys, Selket und Neith in den Stein gemeißelt sind. Der Sarkophag wurde zusammen mit der Mumie bis heute in KV62 belassen. Auf ihm lag ein Deckel aus Granit, der womöglich in antiker Zeit bei seiner Anpassung an das Behältnis geborsten war. Nach der Bergung der Bruchstücke entdeckte Carter wiederum drei goldbeschlagene anthropomorphe Särge. Der äußerste davon misst etwa 224 Zentimeter und besteht aus vergoldetem Zypressenholz. Der Bestimmungszweck des reich verzierten mittleren Sarges wird heute dem Begräbnis Tutanchamuns Vorgängers Semenchkare zugeordnet, da dessen Kopfpartie deutlich andere Gesichtszüge als die der übrigen Särge zeigt. Der innere Sarg ist aus massivem Gold gefertigt, 110,4 Kilogramm schwer, 187,5 Zentimeter lang und enthielt die mit Blumengirlanden und annähernd 150 religiösen Amuletten geschmückte Königsmumie mit der goldenen Totenmaske.

Der gesamte Katafalk füllte durch sein Volumen zum Entdeckungszeitpunkt die Grabkammer fast vollständig aus. Um alle Objekte aus der Grabkammer zu bergen und den Sarkophag freizulegen, musste Carter nahezu die gesamte Südwand zwischen Grab- und Vorkammer zu entfernen.

Wanddekorationen[Bearbeiten]

Die Grabkammer ist der einzige dekorierte Raum im Grab. Die Decke weist, im Vergleich zu manch anderen Königsgräbern, keine Malereien auf. Auch die Wände sind nicht vollständig bemalt, die Wanddekorationen enden in etwa in Höhe des Sarkophags. Die Grabkammerwände zeigen entgegen dem Uhrzeigersinn mythologische Szenen aus dem Totenbuch, die Mundöffnungszeremonie und auszugsweise Darstellungen aus dem Amduatbuch („Schrift der verborgenen Kammer“) sowie verschiedene Darstellungen des Pharaos zusammen mit Gottheiten.

Tutanchamuns Übergang in die Unterwelt wird beginnend mit dem Totenbuch auf der rechtsseitigen Ostwand symbolisch inszeniert. Die Wandmalerei und die Hieroglyphentexte schildern die Begräbnisprozession mit den im Grab gefundenen Begräbnisschreinen und -särgen und weisen die vollständig in weiß gekleideten Trauernden als hohe Beamte am Königshof aus.

Amduatbuch mit Himmelsbarke (Westwand), Tutanchamun und dessen Ka mit Osiris (Nordwand)

Die Dekoration der anschließenden Nordwand beschreibt dann in drei Szenen die Vorbereitung der Reise des Königs ins Jenseits. Der erste Abschnitt zeigt die Mundöffnungszeremonie an dem osirisgestaltigen Tutanchamun zusammen mit Eje, der die für die 18. Dynastie typische blaue Krone (Chepresch) trägt und als Zeichen für die religiöse Priesterwürde in ein Pantherfell gekleidet ist. Der Name Ejes ist in den begleitenden Hieroglyphen in einer Kartusche geschrieben, was den ehemaligen Hofbeamten Echnatons und Tutanchamuns damit als königlichen Nachfolger und regierenden König ausweist. Die folgende Szene links davon zeigt eine Gegenüberstellung von Tutanchamun mit der Himmelsgöttin Nut, der abschließend eine Darstellung des Osiris folgt, der den Pharao mit Nemes-Kopftuch sowie dessen Ka ins Jenseits aufnimmt.

Die vom Eingang zur Grabkammer linksseitige Westwand enthält schließlich Teile des „Amduatbuchs“ und damit die Reise des Pharaos zusammen mit dem Sonnengott in Gestalt eines Skarabäus in der Himmelsbarke. Darunter symbolisieren zwölf Paviane die zwölf Stunden der Nacht, durch die Tutanchamun nach altägyptischer Glaubensvorstellung in die Götterwelt gelangte.

Die Reise des Pharaos wird auf der teilweise von Howard Carter beschädigten Südwand dramaturgisch fortgesetzt. Tutanchamun wird von den Göttern Anubis und Hathor flankiert und auch in einer heute nicht mehr erhaltenen Szene von Isis und drei Unterweltgottheiten im Jenseits empfangen.

Die „Schatzkammer“ Ja[Bearbeiten]

Der Kanopenschrein aus KV62, Ägyptisches Museum Kairo (JE 60686)

Als wichtigstes Fundstück der östlich an die Grabkammer angrenzenden Seitenkammer gilt der vergoldete und auf einem darüber konstruierten Baldachin mit Uräusschlangen besetzte Kanopenschrein Tutanchamuns, an dessen Seiten ebenfalls die vier Schutzgöttinnen Isis, Nephtys, Selket und Neith platziert worden waren. Der Schrein enthielt den aus Alabaster bestehenden Kanopenkasten mit vier Fächern, die in ovaler Kanopenform in den Alabaster eingearbeitet sind und mit vier menschenköpfigen Deckeln versehen waren. Sowohl sie, als auch die aus Gold bestehenden und darin befindlichen Eingeweidesärge, weisen die Gesichtszüge eines Königs auf. Diese kleinen Särge enthielten die aus dem Körper entfernten Eingeweide des Herrschers.

Außerdem befand sich in der Kammer eine teilweise vergoldete und schwarz bemalte Statue des ruhenden Anubis, der auf einem hölzernen Schlitten befestigt war.

Konservierungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Als Reaktion auf die Flutschäden von 1994 im Tal der Könige wurden zahlreiche Schutzmaßnahmen gegen Witterungseinflüsse ergriffen. So wurden neben einer Überdachung des Grabeingangs und einer Umwallung je eine metallene Schutztür am oberen und unteren Ende des Korridors B und eine Zugangstreppe aus Metall installiert.

Replikate[Bearbeiten]

Grab[Bearbeiten]

Die spanische Firma Factum Arte hat es durch ihre durchgeführten Scans im Original-Grab KV62 ermöglicht, eine detailgetreue Kopie des Grabes von Tutanchamun anzufertigen, wozu die Wanddekorationen aus der Originalgrabkammer als auch der Sarkophag gehören. Die Grabkopie befindet sich in der Nähe von Howard Carters ehemaligem Haus, am Eingang zum Tal der Könige und wurde am 30. April 2014 eröffnet. Begleitet wird diese Kopie des Grabes KV62 durch eine Ausstellung mit Bildern und Texten der Ägyptologen Jaromír Málek und Nicholas Reeves, sowie dem Inhaber von Factum Arte, Adam Lowe. Die £ 420,000 teure Kopie zählt zu den Besten, die jemals angefertigt wurden.[1] Das Grab von Königin Nefertari (QV66), der Großen königlichen Gemahlin Ramses II., und das Sethos I. (KV17) sind als Grabkopie in Planung.

Gegenstände aus dem Grabschatz[Bearbeiten]

Objekte aus dem originalen Grabschatz Tutanchamuns werden nur noch sehr selten oder aufgrund der Fragilität von Ägypten gar nicht mehr in weltweite Wanderausstellungen gegeben. Die goldene Totenmaske des jungen Königs wird beispielsweise nur noch in Ägypten zu sehen sein. Auf Anfragen, weshalb die unbezahlbare Totenmaske nicht mehr an andere Ausstellungen außerhalb von Ägypten verliehen werde, antwortete der damalige Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung (Supreme Council of Antiquities, SCA), Zahi Hawass:

„I reply that it is too fragile to travel, and that taking it away from Egypt would disappoint the thousands of tourists who come to the Cairo Museum just to see this unique object. (Ich antworte, dass sie zu zerbrechlich ist, um auf Reisen zu gehen und sie aus Ägypten fortzunehmen, würde die Tausenden von Touristen, die in das Museum nach Kairo kommen, um dieses einzigartige Objekt zu sehen, enttäuschen.“

Zahi Hawass[2][3]

Dennoch gibt es immer wieder einige Orignale in Ausstellungen zu bewundern, wie beispielsweise bei „Tutanchamun. Das goldene Jenseits. Grabschätze aus dem Tal der Könige.“ in 2004. In dieser Ausstellung wurden zum Beispiel unter anderem die Originale von Uschebtis des Königs, verschiedene Götterstatuen oder einer der Kanopenverschlüsse und ein Eingeweidesarg gezeigt. Die Tendenz geht jedoch dahin, die Orignalstücke zu schonen und durch Replikate auf Wanderausstellungen zu ersetzen. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass 1980 bei den Ausstellungen in Deutschland die Figur der Göttin Selket beschädigt worden war, die eine der Schutzgöttinnen des Kanopenschreins ist, der sich in der sogenannten Schatzkammer fand[4].

Die Ausstellung „Tutanchamun – sein Grab und die Schätze“ zeigt über 1.000 Kopien von Objekten aus dem Grab und ermöglicht es Besuchern der Ausstellung nicht nur die Stücke zu bewundern, sondern auch die Fundsituation wie Howard Carter und sein Grabungsteam sie nach der Entdeckung vorgefunden haben, nachzuempfinden. Die Ausstellungsstücke sind als Kopie sehr sorgfältig und detailgetreu gearbeitet. Zu sehen sind in der Ausstellung unter anderem Kopien von vielen Götterfiguren, Ritualbetten, Streitwagen, die den Sarkophag umgebenden vier Schreine, der Kanopenschrein, der Kanopenkasten, der Anubisschrein sowie die Särge und die Totenmaske Tutanchamuns. Auch die gesamte Wanddekoration der Grabkammer ist zu sehen. Hierbei auch die vollständige Südwand, die zum Teil zerstört werden musste, um die Schreine und Särge aus der Grabkammer zu bergen, und die in der Kopie anhand von Fotos von Harry Burton mit den drei Unterwelts-Gottheiten und Isis in der Kopie wieder vervollständigt wurde [5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: KV62 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Factum arte: The Facsimile of Tutankhamun's tomb, abgerufen am 24. August 2015 (englisch)
  2. Zahi Hawass: King Tutankhamun. The treasures of the Tomb. Thames & Hudson, London 2007, ISBN 978-0-500-05151-1, S. 112
  3. Übersetzung des Bearbeiters (Benutzer:Sat Ra)
  4. Zahi Hawass: King Tutankhamun. The treasures of the Tomb.S. 164
  5. Tutanchamun – sein Grab und die Schätze, abgerufen am 24. August 2015

25.74027777777832.601666666667Koordinaten: 25° 44′ 25″ N, 32° 36′ 6″ O