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KW-2

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KW-2

KW-2 im Zentralmuseum der Streitkräfte Moskau

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 6
Länge 7,00 m
Breite 3,32 m
Höhe 3,20 m
Masse 52 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung Stahl
  • 75–110 mm Turm
  • 60–75 mm Wanne
Hauptbewaffnung 152-mm M10 S L/24
  • 36 Schuss Munitionsvorrat
Sekundärbewaffnung 2 × DT-Maschinengewehr
Beweglichkeit
Antrieb V12-Dieselmotor W-2K
600 PS
Federung Torsionsstab
Geschwindigkeit 25 km/h
Leistung/Gewicht 10,52 PS/t
Reichweite 250 km

Der KW-2 (russisch КВ-2) ist ein kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelter schwerer sowjetischer Panzer mit einer Artilleriebewaffnung, der im russisch-finnischen Winterkrieg erprobt wurde und dann auf sowjetischer Seite während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich von 1941 bis 1942 zum Einsatz kam. Seine Bezeichnung stammte vom zur Zeit der Einführung der KW-Serie amtierenden Minister für Verteidigung, Marschall Kliment Jefremowitsch Woroschilow.

Im Januar 1938 wurde vom Generalinspekteur der sowjetischen Panzertruppen, Dimitri Pawlow, der Vorschlag gemacht, einen Teil der eigenen mittleren und schweren Panzer mit einer 107-mm- oder einer 122-mm-Kanone zu bestücken. Der primäre Gedanke war die Unterstützung der Infanterie beim Angriff auf Feldstellungen und Maschinengewehrnester.[1] Unter der Leitung von Nikolai Kurin begann im September 1939 eine Entwicklergruppe mit der Konzeption eines Ein-Turm-Panzer mit einer 122-mm-Kanone.[1]

Im November 1939 griff die Sowjetunion ihr nördliches Nachbarland Finnland an. Der sowjetisch-finnische Winterkrieg wurde für personell und materiell überlegenen sowjetischen Streitkräfte jedoch eine Herausforderung, da gerade auch die zuvor entwickelten Panzertypen auf dem Schlachtfeld Stärken und Schwächen bewiesen. Eine Erkenntnis der Kämpfe war, dass stark befestigte Stellungen mit den vorhandenen Panzerwaffen schwer zu bekämpfen waren. Der Kommandeur der sowjetischen 7. Armee, General Kirill Merezkow schickte in dieser Situation an das sowjetische Kriegsministerium die Bitte schnell einen Panzer mit einer schweren Artilleriewaffe zur Zerstörung gegnerischer Stellungen und Befestigungen zu entwickeln.

Der darauf folgende Auftrag Ende Januar 1940 an das Konstruktionsbüro wurde angesichts der konzeptionellen Vorbereitung schon nach 14 Tagen mit der Vorstellung eines Prototyps abgeschlossen. Die Konstrukteure verwendeten als Basis das Fahrgestell des gerade zuvor neu entwickelten schweren Panzers KW-1. Dessen Turm war nicht geeignet, um ein großes Geschütz darin zu montieren.[1]

Es wurde ein großer massiver viereckiger Turm mit einer modifizierten 122-mm-Haubitze M1938 auf das Fahrgestell gesetzt.

Letztlich wurde entschieden, die 122-mm-Haubitze M1938 durch die 152-mm-Haubitze M1938 (M-10) als Hauptwaffe zu ersetzen, da für diese Waffe betonbrechende Granaten verfügbar waren.[1] Dafür musste der Turm nochmal deutlich vergrößert werden, um das größere Geschütz aufnehmen zu können. Dieser wurde als MT-1 bezeichnet. Die sehr hohe Silhouette des Fahrzeuges erforderte eine verstärkte Panzerung des Turms, um dem zu erwartenden heftigen Beschuss standhalten zu können. So erhöhte sich das Gefechtsgewicht des KW-2 letztlich bis auf 57 Tonnen und seine Höchstgeschwindigkeit reduzierte sich auf unter 30 km/h.

Die Erprobung begann am 10. Februar und danach wurde das erste Fahrzeug zusammen mit einem zweiten Prototyp zur Fronterprobung zu den Einheiten General Merezkows geschickt, wo sie an der Landenge von Karelien eingesetzt wurden. Insgesamt sollen bis März 1940, als die Kämpfe endeten, mit vier Fahrzeugen mit dem MT-1 Turm im Hinterland der Front an verlassenen finnischen Bunkern und Feldstellungen Beschusstests durchgeführt worden sein, welche sehr zur Zufriedenheit der sowjetischen Führung ausfielen und zur Serienproduktion führten.[1]

Der Panzer wurde nach der Genehmigung des Entwurfs 1940 in Serie gefertigt. Die Fertigung erfolgte im Leningrader Kirowwerk.[2]

Gefertigt wurden

  • 102 Stück im Jahr 1940
  • 111 Stück im Jahr 1941

zusammen also 213 Stück[3].

Nach anderer Ansicht entstanden 5 Prototypen um die Jahreswende 1939/40, die teilweise im russisch-finnischen Winterkrieg zum Einsatz kamen, danach eine Vorserie von 20 Stück einer verbesserten Form im Juli–August 1940, ein erstes Baulos von 80 Stück: 25 Stück im November und 55 Stück im Dezember 1940, ein zweites Baulos von 100 Stück, davon 60 Stück im Mai und 40 Stück im Juni 1941, zusammen also 205 Stück[4]. Ein weiterer Autor schreibt, es seien 1940 104 und 1941 100 Fahrzeuge gefertigt worden.[2]

Technische Beschreibung

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Die auch beim KW-1 verwendete Wanne bestand aus gewalzten Panzerplatten der Stärken 75, 55, 40 und 20 mm, hierbei waren die senkrechten Platten der Wanne durchgängig mit 75 mm-Platten ausgeführt.[2] Das erste in kleiner Zahl gebaute Turmmodell, der MT-1, hat eine deutliche erkennbare andere Form als das später in großem Umfang gebaute Turm-Modell. Die frontale Platte zum Schutz des Höhenrichtmechanismus war leicht schräg montiert. Die seitlichen Schutzplatten der Geschützlagerung zeigten auffällige Verstärkungswinkelstücke; links und rechts waren Panzerplatten montiert, die gewinkelt standen, um den Turm dahinter auf die Breite des Drehkranzes zu bringen. Der spätere Turm wurde mit vier großen senkrechten Platten und der Waffe in einer großen gegossenen Rohrwiegenpanzerung deutlich vereinfacht konstruiert, so dass erheblich weniger Schweißarbeiten nötig waren.

Die KW-2 waren mit dem Panzerzielfernrohr T-5, einem Panoramavisier und dem Funkgerät 71-K-Z ausgerüstet. Für die interne Kommunikation war das TPU-4bis verbaut. Einige Fahrzeuge erhielten ein zusätzliches Maschinengewehr für die Fliegerabwehr. Das schwere 152-mm-Geschütz (M-10T) verschoss Artilleriemunition bestehend aus Granaten und Kartuschen, die nacheinander geladen werden mussten, was die Schussfolge sehr langsam machte. Auch war aufgrund von Größe und Gewicht der Munition der Munitionsvorrat auf 36 Schuss begrenzt.[2]

Die sowjetischen Streitkräfte bildeten mit den KW-2 Panzern eigene Panzerabteilungen von je 15 Fahrzeugen, welche mechanisierten Divisionen unterstellt wurden.[5]

Ausrüstungslage im Juni 1941

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Am 22. Juni 1941 waren 128 Fahrzeuge an die Truppe ausgeliefert und weitere 4 Fahrzeuge waren in der Panzertruppenschule verfügbar. Weitere 30 fertiggestellte Fahrzeuge warteten im Werk noch auf die Abnahme, waren aber fertig montiert. Ein einzelnes Fahrzeug war für die probeweise Montage einer 107-mm-Kanone im Werk Nr. 92. Im Kirowwerk wurden 3 Fahrzeuge technisch überholt.

Auf einem Eisenbahntransport waren an diesem Tag 20 Fahrzeuge zur sowjetischen 29. Panzerdivision unterwegs. Im Raum Lida wurde der Zug entladen. Der sowjetischen 24. Infanteriedivision wurden adhoc 8 dieser Panzer unterstellt. Die 29. Panzerdivision übernahm in der Nacht zum 23. Juni mindestens 4 der Panzer, doch das Übernahmekommando erreichte mit diesen Fahrzeugen nicht den Bereitstellungsraum der Division. Zwei der Plattformwagen des Zugs wurden durch einen deutschen Luftangriff derart beschädigt, dass einer der Panzer zerstört wurde. Es ist davon auszugehen, dass mindestens 6 Panzer dieses Transports von der Wehrmacht erbeutet wurden.

Nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion wurden letztlich noch 51 KW-2 an die sowjetischen Streitkräfte ausgeliefert. So wurden am 26. Juni die 30 fertigen KW-2 mit zwei Transporten nach Minsk geschickt. Doch wurden die Panzer dann vollständig in Smolensk entladen und alleine 20 KW-2 wurden der sowjetischen 14. Panzerdivision des 7. mechanisierten Korps zugeteilt.

In der Panzerschlacht bei Raseiniai löste sein Einsatz eine Krise und Panikstimmung bei den deutschen Truppen aus. Beide Varianten des KW-2 erwiesen sich jedoch als zu schwer, um in schwierigem Gelände nach modernen Grundsätzen eingesetzt zu werden.

Gerade die schnellen Bewegungsgefechte um 1941 verlangten von den beteiligten Panzern auf deutscher und sowjetischer Seite hohe Beweglichkeit bei mäßigem Treibstoffverbrauch. Der KW-2 erfüllte keine dieser Forderungen und war zudem noch sehr störungsanfällig. Infolge dieser Probleme gingen die meisten KW-2 durch technische Defekte oder Treibstoffmangel verloren oder fuhren sich in ungünstigem Gelände fest und wurden aufgegeben. Der Turm ließ sich zudem nur in waagerechter Stellung des Fahrzeugs drehen.

Der Panzer war als Angriffswaffe entwickelt worden, um das bis dahin schwerste in einem Panzer eingebaute Geschütz (Kal. 152 mm), geschützt durch die bis zu 110 mm starke Panzerung, möglichst nahe an feindliche Bunker heranzubringen, um diese Bunker dann mit möglichst wenigen Schuss zu knacken. Dem Fahrzeug lag also eine ähnliche Konzeption zugrunde wie den späteren deutschen Panzern Sturmpanzer IV „Brummbär“ und dem 38-cm-Sturmmörser „Sturmtiger“[6]. In den russischen Rückzugsgefechten des Jahres 1941 gab es hierfür aber keine passenden Einsatzmöglichkeiten. Die niedrige Feuergeschwindigkeit, die langsame Turmschwenkmechanik und das langsam fliegende 152-mm-Artilleriegeschoss machten den KW-2 ungeeignet für den Kampf gegen seine kleineren und wendigeren Gegner. Zwar war die Kernpanzerung weder durch die deutschen Panzerabwehrkanonen noch durch die deutschen Kampfwagenkanonen zu Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges zu durchschlagen, jedoch konnte der KW bewegungsunfähig geschossen und die Besatzung so zur Aufgabe gezwungen werden. Zumeist wurde deren Vernichtung jedoch der Luftwaffe überlassen, die mit im Erdkampf eingesetzten 8,8-cm-Flak 18/36/37 den KW-2 wirksam bekämpfen konnte. Es sind einige Fälle bekannt, in denen ein einziger KW-2 ganze deutsche Panzerkompanien aufhielt, indem er an einem Geländeengpass die Durchfahrt blockierte. Der KW-2 wurde von den deutschen Soldaten „52-Tonner“ genannt und war zu Beginn des Krieges der Schrecken der Panzertruppe.

Panzerkampfwagen KW-II 754 (r)

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Wehrmacht und Waffen-SS setzten erbeutete KW-2-Panzer unter der Bezeichnung Panzerkampfwagen KW II 754 (r) ein.[7][5]

Als Beutepanzer wurde er unter anderem aufgrund seiner dafür vorzüglich geeigneten Größe als Artillerie-Beobachtungspanzer eingesetzt.

Einzelne KW-2 lassen sich laut Akten bei der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“, der 269. Infanterie-Division und der Panzer-Abteilung z.b.V. 66 nachweisen.

Technische Daten

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Panzerkampfwagen KW-II[8]
0Allgemeine Eigenschaften
Besatzung sechs Soldaten
Gefechtsgewicht 52 t
Spezifischer Bodendruck 0,84 kg/cm²
Länge 7,10 m (Serienfz/Rohr 12h)
Breite 3,35 m
Höhe 3,28 m
Bodenfreiheit 43 cm
Kettenbreite 70 cm
0Bewaffnung
Hauptbewaffnung 152,4-mm-Haubitze M-10 S L/24
Sekundärbewaffnung 3–4 DT-MG (Kal. 7,62 mm) (Serienfzg.)
Kampfbeladung HW 36 Geschosse
Kampfbeladung MG 3055 Schuss
0Fahrleistung
Motor Zwölfzylinder-Dieselmotor W-2K
Kühlung Wasser
Hubraum 38,88 l
Bohrung / Hub 150 mm × 180 (Anlenkpleuel 186,7) mm
max. Drehzahl 2000 min−1
max. Leistung 600 PS (550 PS bei 1900 min−1)
Literleistung 14,5 PS/l
Leistung/Gewicht 10,6 PS/t
Getriebe fünf Vorwärtsgänge, ein Rückwärtsgang
Höchstgeschwindigkeit Straße 35 km/h
Kraftstoffvorrat 650 l
Reichweite Straße 220 km
Reichweite Gelände 130 km
Lenkung Lenkbremsen
Laufrollen 6
Federung Drehstäbe
Wattiefe 145 cm
0Panzerung
Wannenbug 75 mm
Wannenseite 75 mm
Wannenheck 75 mm
Wannendach 40 mm
Wannenboden 35 mm
Turmblende 90 mm
Turmfront 110 mm
Turmseite 75 mm
Turmheck 75 mm
Turmdach 35 mm
  • Alexander Lüdeke: Beutepanzer der Wehrmacht – Großbritannien, Italien, Sowjetunion und USA 1939–45. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03359-7.
  • Victor Schunkow: Die Waffen der Roten Armee - Panzer 1939-1945. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-613-04332-9, S. 9093.
  • A.G. Ssoljankin, M.W.Pawlow, I.W. Pawlow, I.G. Sheltow: Otetschestwennye bronirowannye maschiny XX.wek (= Heimische Panzerfahrzeuge des 20. Jhd.), Band 1, Moskau 2002, ISBN 5-94038-030-1
  • Jochen Vollert: KV-2 / KW-2. Verlag Jochen Vollert Tankograd, Erlangen 2004, S. 6, 18.
  • Jochen Vollert: KW-2, Sowjetkoloß in neuem Licht, in Zeitschrift "Militärfahrzeug No.87, Herbst/Winter 2023, Verlag Jochen Vollert Tankograd, Erlangen 2023, S. 6–71
Commons: KW-2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Schunkow: Die Waffen der Roten Armee - Panzer 1939-1945 2020 S. 90
  2. 1 2 3 4 Schunkow: Die Waffen der Roten Armee - Panzer 1939-1945 2020 S. 91
  3. Soljankin u. a. Bd. 1 S. 17
  4. Vollert Militärfahrzeug No.87 S. 69/70
  5. 1 2 Schunkow: Die Waffen der Roten Armee - Panzer 1939-1945 2020 S. 92
  6. Vollert Militärfahrzeug 87 S. S. 68–69
  7. Lüdeke: Beutepanzer der Wehrmacht. 2011, S. 72–73.
  8. Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1933–42. Podzun-Pallas-Verlag, 1998, ISBN 3-7909-0623-9, S. 282.