KWS Saat

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KWS SAAT SE
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Rechtsform Europäische Gesellschaft
ISIN DE0007074007
Gründung 1856
Sitz Einbeck, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 4.843 (2015/2016)[1]
Umsatz 1,037 Mrd. EUR (2015/2016)[1]
Branche Nahrungs- und Genussmittel
Website www.kws.com

Die KWS Saat SE (Eigenschreibweise: KWS SAAT SE) mit Sitz in Einbeck (Niedersachsen) ist ein 1856 in der Ortschaft Klein Wanzleben bei Magdeburg gegründetes Pflanzenzüchtungs- und Biotechnologie-Unternehmen. Der KWS-Konzern ist weltweit der viertgrößte Saatguthersteller nach Umsatz aus landwirtschaftlichen Nutzpflanzen.[1] Zum Kerngeschäft gehören die Züchtung und der Vertrieb von Zuckerrüben-, Mais- und Getreidesaatgut. KWS war im Geschäftsjahr 2014/2015 mit rund 4.700 Mitarbeitern in etwa 70 Ländern aktiv.[1]

Das Unternehmen ist seit 1954 an den Börsen Hamburg-Hannover und seit Juni 2006 im SDAX der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Daneben sind die Aktien im niedersächsischen Aktienindex Nisax20 notiert. Die Gesellschaft hat, abweichend vom Kalenderjahr, ein Geschäftsjahr vom 1. Juli bis zum 30. Juni.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuckerfabrik in Klein Wanzleben 1923

Das Saatzuchtunternehmen wurde im Jahr 1856 von dem deutschen Zuckerrübenzüchter Matthias Christian Rabbethge gegründet. Im selben Jahr gründete er und sein zukünftiger Schwiegersohn Julius Giesecke eine offene Handelsgesellschaft (OHG) mit dem Namen Rabbethge & Giesecke OHG.[2] Der auf Zuckerrübensaatgut spezialisierte Betrieb wurde bereits 1885 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und verbreiterte seit 1920 sein Sortiment durch die Aufnahme der Getreide-, Futterrüben- und Kartoffelzüchtung.

Im Jahr 1900 wurde die erste internationale Außenstelle in der ukrainischen Stadt Winnyzja gegründet, um die Nachfrage der russischen Zuckerrübenzüchter zu stillen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem Neubeginn in Einbeck, nachdem die hauseigene Saatgutbibliothek dorthin verbracht werden konnte. Ab 1951 trug das Unternehmen den Namen Kleinwanzlebener Saatzucht vormals Rabbethge & Giesecke AG und erweiterte sein Züchtungsprogramm um Mais-, Futter-, Öl- und Eiweißpflanzen. Ab 1961 entstanden Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Nordafrika. 1975 wurde der Name noch einmal geändert in KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG vormals Rabbethge & Giesecke und am 1. Juli 1999 wurde das Unternehmen in KWS SAAT AG umbenannt.[3] Im Frühjahr 2015 wurde die KWS SAAT AG zur europäischen Aktiengesellschaft KWS SAAT SE umfirmiert.[4]

Chronologie der Namensänderungen

Jahr Name
1856 Rabbethge, Giesecke & Reinecke OHG
1864 Rabbethge & Giesecke OHG
1885 Zuckerfabrik Kleinwanzleben vormals Rabbethge & Giesecke AG
1937 Rabbethge & Giesecke AG
1946 Auffangfirma Rabbethge & Giesecke Saatzucht GmbH
1951 Kleinwanzlebener Saatzucht vormals Rabbethge & Giesecke AG
1975 KWS Kleinwanzlebener Saatzucht AG vormals Rabbethge & Giesecke
1999 KWS SAAT AG (seit 1.7.1999)
2015 KWS SAAT AG wird zur KWS SAAT SE
Firmengeländer der KWS SAAT SE in Einbeck
Firmengelände der KWS Saat SE in Einbeck

Kauf und Verkauf von Unternehmensbeteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KWS France S.A.R.L in Roye
KWS France S.A.R.L in Roye

In den 1950er Jahren begann die KWS ihre Geschäftsaktivitäten in west- und südeuropäischen Ländern auszubreiten. Zur gleichen Zeit verstärkte das Unternehmen auch seine Tätigkeiten im amerikanischen Zuckerrübenmarkt. 1956 erwarb KWS das chilenische Unternehmen Segenta und das türkische Unternehmen Pan Tohum Islah ve Üretme A.S.[5]

1968 erwarb das Unternehmen die Anteile der Erben Krupp, der Farbwerke Hoechst und einen Teil der Anteile der Dresdner Bank an der Lochow-Petkus GmbH. Somit kaufte das Unternehmen gut 54 % des Gesamtkapitals des Unternehmens, das sich auf Getreidezüchtung spezialisierte. Die restlichen Anteile der Dresdner Bank (27 %) wurden von dem Bankdirektor Hans Rinn übernommen. Carl-Ernst Büchting wurde als Vertreter der KWS der neue Vorsitzende des Verwaltungsrates der Lochow-Petkus GmbH.

KWS züchtete in ihrer Tochtergesellschaft Peragis seit den 20er Jahren Weizen und Gerste. 1964 war die Peragis mit der Saatzucht Heine zur Heine-Peragis in Einbeck zusammengeführt worden.

1975 erwarb das Unternehmen die Anteile der Familie Rinn an der Lochow-Petkus GmbH und hält seit dem rund 81 % der Geschäftsanteile; die restlichen 19 % sind im Besitz von Nachfahren Ferdinand von Lochows.[6] Im Jahr 2008 erfolgte die Umbenennung der Lochow-Petkus GmbH in KWS Lochow GmbH sowie der Tochtergesellschaften in Polen und Großbritannien in KWS Lochow Polska Sp. z o.o. und KWS UK Ltd.[7]

1968 kooperierte das Unternehmen mit dem amerikanischen Pflanzenzüchter Northrup King Company, um das Unternehmen Betaseed zu gründen. Im Jahr 1972 wurde ein Labor für Zellbiologie eingerichtet und 1984 die PLANTA Angewandte Pflanzentechnik und Biotechnologie GmbH gegründet. Diese ist jedoch seit Juli 2011 wieder in die KWS Saat AG eingegliedert worden.[8] Im Jahr 1978 wurde KWS Seeds Inc. gegründet, um die Geschäftsaktivitäten in Nordamerika zu verwalten.

In den 1990er Jahren erwarb das Unternehmen die argentinische Pflanzenzuchtfirma Trebol Sur, die dann im Jahr 1997 in KWS Argentina umbenannt wurde.

 Hybridroggen-Sorte KWS BINNTTO,
Hybridroggen-Sorte KWS BINNTTO,

Im Jahr 2000 gründeten KWS und die französische Pflanzenzüchtungsfirma Limagrain das Joint Venture AgReliant, um die Maiszüchtung in USA zu verwalten. 2003 kam es zur Gründung von KWS Türk, um die Saatgutdistribution in Nordafrika (Marokko, Tunesien, Libyen und Ägypten) und im Nahen Osten (Iran, Irak und Libanon) zu verbessern. Im Jahr 2008 gründeten KWS und das niederländische Unternehmen Van Rijn Group ein 50/50 Joint Venture, das sich auf Kartoffelzüchtung spezialisiert. Im April 2011 erwarb KWS den restlichen Anteil und errichtete die Tochtergesellschaft KWS POTATO B.V.[9] Im September 2011 kam es zu einem Joint Venture mit dem chinesischen Unternehmen Kenfeng.[10] Beide Unternehmen fokussieren sich nun auf die Produktion und den Vertrieb von Maissaatgut in China. Seit Oktober 2011 gibt es ein Joint Venture zwischen KWS und dem französischen Saatgutunternehmen Vilmorin. Hierbei geht es um die Forschung und Entwicklung von gentechnisch veränderten(gv) Mais-Merkmalen.[11]

Am 1. Juni 2012 erwarb das Unternehmen die brasilianischen Züchtungsgesellschaften Semília und Delta. Die beiden Gesellschaften wurden zum 1. Juli 2012 in der KWS Brasil Pesquisa & Sementes LTDA zusammengeführt. Zum 1. Juli 2012 erwarb KWS zudem eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen Riber, das sich im brasilianischen Bundesland Minas Gerais befindet. Riber–KWS Sementes S. A., wie der neue Name der Gesellschaft jetzt lautet, wird sich wie bisher auf den brasilianischen Markt konzentrieren und vor allem gentechnisch veränderte Mais- und Sojasorten anbieten.[12]

Aktuelle Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell liegen die Schwerpunkte des Vertriebs bei Saatgut für Zuckerrüben, Getreide, Mais und Raps. Für den Getreidebereich ist die KWS LOCHOW GMBH zuständig. Neben diesen Schwerpunkten hat man Sommerraps, Sonnenblumen, Sorghum und diverse Zwischenfrüchte im Programm. Rund 17 Prozent des Umsatzes erzielt KWS mit Energiepflanzen.[13]

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anteil Anteilseigner
52,5 % Familien Büchting / Arend Oetker / Giesecke
15,4 % Tessner Beteiligungs GmbH
32,1 % Streubesitz

Stand: Januar 2016[14]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KWS unterstützt das Netzwerk GABI, ein Forschungsprogramm, das sich mit Pflanzenbiotechnologie beschäftigt.[15] Von 2008 bis 2011 finanzierte das Unternehmen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Projekte, die vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Julius Kühn Institut, und Fakultät Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim ausgeführt wurden.[16] Das Unternehmen kooperiert eng mit den multinationalen Konzernen Monsanto und BASF. Die derzeitige gentechnisch veränderte Zuckerrübe H7-1 ist eine Gemeinschaftsproduktion mit Monsanto. Sie enthält ein verändertes Gen, welches die Pflanze tolerant für das Totalherbizid Roundup macht. Das veränderte Gen sowie das Herbizid stammen von Monsanto.[17] Seit Januar 2010 arbeitet KWS mit BASF Plant Science im Bereich Pflanzenbiotechnologie zusammen. Beide Unternehmen wollen Zuckerrübenvarietäten entwickeln, die einen höheren Ertrag liefern und widerstandsfähiger sind.[18]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen steht wegen seiner Aktivitäten im Bereich der Grünen Gentechnik stark in der öffentlichen Kritik. Sie führte im Jahre 1993 die ersten Freisetzungen mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben durch. Diese Freisetzungen gehörten zu den ersten Freisetzungen von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland überhaupt und wurden von massiven Protesten begleitet.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: KWS Saat AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Geschäftsbericht KWS, Oktober 2016.
  2. Detlef Diestel: Die Zuckerfabrik Klein Wanzleben von Gründung bis 1917/18. In Landwirtschaft und Kapitalismus. Bd. 1, Teil 2, Akademie- Verlag, Berlin 1978. S. 63.
  3. Betina Meißner: Erfolg kann man säen – 150 Jahre KWS. Wallstein Verlag, Göttingen 2007. S. 90.
  4. http://www.kws.de/aw/KWS/germany/Unternehmen/Presse/presse_infos/Versteckter_Ordner_Archiv/2015/Artikel/~goyv/Neue-Rechtsform-KWS-SAAT-AG-heisst-jetz/?hi=KWS%20AG%20zur%20SE
  5. Betina Meißner: Erfolg kann man säen – 150 Jahre KWS. Wallstein Verlag, Göttingen 2007. S. 90/91.
  6. Jost von Lochow, Joachim Köchling und Reinhard von Broock: Die Lochow-Petkus Pflanzenzüchtung. Vorträge für Pflanzenzüchtung, Heft 65, Gesellschaft für Pflanzenzüchtung e. V. 2004. S. 27.
  7. Webseite KWS, abruf am 3. April 2012.
  8. http://www.kws.de/aw/KWS/germany/Service_Presse/presse_infos/2011/Artikel_2011/~dtya/KWS_organisiert_Forschung_und_Entwicklun/?search=aaaaaaaaaaaayia
  9. http://www.topagrar.com/news/Acker-Wetter-News-Aus-Van-Rijn-KWS-B-V-wird-KWS-POTATO-B-V-317134.html. Topagrar. 21/03/2011. Abruf am 01/11/2011.
  10. http://www.topagrar.com/news/Acker-Wetter-News-KWS-unterzeichnet-Joint-Venture-Vertrag-mit-Kenfeng-532125.html. Topagrar. 28/09/2011. Abruf am 02/11/2011.
  11. http://www.wallstreet-online.de/nachricht/3526338-dgap-news-kws-saat-ag-kws-vilmorin-vereinbaren-zusammenarbeit-entwicklung-gentechnisch-verbesserter-merkmale-mais-deutsch. WallstreetOnline. 25/10/2011. Abruf am 30/10/2011.
  12. http://www.kws.de/aw/KWS/germany/Unternehmen/investor_relations/Meldungen/Corporate_News/Corporate_News_System_Folder_2012/~elhy/KWS_Einstieg_in_den_brasilianischen_Saat/. KWS 2. Juli 2012. Abruf am 18. Oktober 2012.
  13. http://www.kws.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaajimjf&download=1. KWS. 27/10/2011. Abruf am 01/11/2011.
  14. http://www.kws.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaaujrka. KWS. 16/10/2015. Abruf am 14/01/2016.
  15. http://www.gabi.de/projekte-alle-projekte-cerehealth.php. Gabi. Abruf am 01/11/2011.
  16. http://www.fisaonline.de/index.php?act=funding&fp_id=119&lang=dt. FisaOnline. Abruf am 01/11/2011.
  17. http://www.gmo-compass.org/eng/grocery_shopping/crops/20.sugar_beet.html. GMO Compass. 22/12/2008. Abruf am 21/11/2011.
  18. http://www.bionity.com/de/news/112128/kws-und-basf-entwickeln-gemeinsam-zuckerrueben-mit-hoeheren-ertraegen.html. Bionity. 21/01/2010. Abruf am 03/11/2011.
  19. Schuchert, Wolfgang: Pflanzenzüchtungsforschung im Blickpunkt einer kritischen Öffentlichkeit. Die öffentlichen Auseinandersetzungen um die ersten Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland. 1997, ISBN 3-89573-067-X

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Detlef Diestel: Die Zuckerfabrik Klein Wanzleben von Gründung bis 1917/18. In: Landwirtschaft und Kapitalismus. Bd. 1, Teil 2, Akademie-Verlag, Berlin 1978. S. 63–90.
  • Betina Meißner: Erfolg kann man säen – 150 Jahre KWS. Wallstein Verlag, Göttingen 2007. S. 90–91. ISBN 978-3-8353-0161-0.