KZ-Häftling

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Als KZ-Häftlinge oder auch KL-Häftlinge wurden von den Nationalsozialisten die inhaftierten Insassen in den Konzentrationslagern bezeichnet, für die, mit wenigen Ausnahmen, die Arbeitspflicht galt. Der überwiegende Teil der Gefangenen wurde nicht durch Vollstreckung von Urteilen oder durch Anordnung von Untersuchungshaft, sondern willkürlich nach Festnahme in Schutzhaft oder nach Massendeportationen in Konzentrationslager verbracht.

Rechtsgrundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Grundlage für Inhaftierungen in Konzentrationslager war die nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 von Innenminister Wilhelm Frick erlassene „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ („Reichstagsbrandverordnung“).

Mit dieser Verordnung, auf Grundlage von Artikel 48 der Weimarer Verfassung konnten und wurden politische Gegner ohne Anklage in gerichtlich nicht kontrollierbare Schutzhaft genommen.[1]

Haftgründe und erste Inhaftierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Gefangene im KZ Dachau 1933

Die ersten Häftlinge waren Mitglieder der KPD, die nach dem Reichstagsbrand systematisch verhaftet und in frühe Lager oder wilde Lager verbracht wurden. Im März 1933 wurde von der Schutzstaffel (SS) und Sturmabteilung (SA) als erstes „systematisches“ Lager das KZ Dachau errichtet.

Der Grund für die Vorlage der Verordnung beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, war der Schutz vor den Kommunisten, die für den Reichstagsbrand verantwortlich gemacht und als Feinde der Republik eingestuft wurden. Die Verordnung war so angelegt, dass nahezu jeder in Schutzhaft genommen werden konnte. Da weder eine Beschränkung auf eine bestimmte Gruppe noch eine zeitliche Begrenzung festgelegt wurde, wird die Verfassungsmäßigkeit der Verordnung von Historikern angezweifelt. Dennoch wurde sie vom Reichspräsidenten unterzeichnet und trat am 28. Februar 1933 in Kraft.[2]

Häftlingsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht der Kennzeichnung der Häftlinge

Seit Errichtung der ersten Konzentrationslager wurden die Häftlinge in verschiedene Gruppen eingeteilt und entsprechend gekennzeichnet. Diese hatten unmittelbaren Einfluss auf die Behandlung, Stigmatisierung wie auch Verwendung der Häftlinge.[3]

Verwaltung der Häftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Funktionshäftling

Neben der Verwaltung der Konzentrationslager durch die fünf Abteilungen der Kommandantur wurde ein Teil der Verwaltung auf Funktionshäftlinge übertragen. Zweck dieser Eigenverwaltung war Hierarchie, Konkurrenz und Arbeitsteilung auf die Lagerinsassen zu übertragen. Hierdurch sollte der Zweck des Lagers effektiv umgesetzt werden, gemäß dem Prinzip Absolute Macht ist gestaffelte Macht. Von den Gefangenen selber wurde diese Machtteilung sehr unterschiedlich umgesetzt. So nutzten wenige die Möglichkeiten, um den Terror zu mildern, andere standen den SS-Schergen in ihrer Brutalität um nichts nach. Das System wurde in Dachau von Theodor Eicke maßgeblich entwickelt und später auf alle Haupt- und Außenlager übertragen. Eicke setzte bei den von ihm durchgeführten Rekrutierungen auf absoluten Drill in Verbindung mit Gehorsam, und wurde mehrheitlich durch die Häftlinge umgesetzt. Die Gefangenen waren dabei hemmungsloser Anwendung von Gewalt ausgesetzt. Gelang es der SS diese Anwendung von Gewalt auf die Funktionshäftlinge zu übertragen, konnten die „Totenkopf“-Männer sich zurückhalten und wurden entlastet. Besonders bei Arbeitseinsätzen war diese Methode effektiv, da weniger SS-Männer dabei gebunden wurden.[4]

Hierarchie der Funktionshäftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Lagerälteste war verantwortlich für die Blockältesten und bekam von der Lagerkommandantur Anweisungen, die er an die Blockältesten zu delegieren hatte.
  • Der Blockälteste war für „seinen Block“ verantwortlich und hatte die Aufgabe, die vom Lagerältesten gestellten Anforderungen an die Stubenältesten weiterzugeben.
  • Der Stubenälteste hatte in den Stuben (Schlafräume) für die Umsetzung der Aufgaben zu sorgen.
  • Oberkapo Anführer einer Kapogruppe. In der Regel mit Befehlsgewalt im Arbeitseinsatz gegenüber den Kapos, die aber von der SS vorgegeben waren und von ihm umzusetzen waren.
  • Kapo Eine Art Hilfstruppe, die Befehle vom Oberkapo bekam. Wachmannschaft im Arbeitseinsatz und beim Transport zum und vom Einsatzort dafür verantwortlich, dass die KZ-Häftlinge zu den Arbeitsstätten gebracht wurden.

Sonder- und Sippenhäftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl von Ossietzky in KZ-Haft in Esterwegen (1934)
Hitler-Attentäter Georg Elser

Sippenhäftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sippenhäftlinge bezeichnet man Gefangene, die nicht direkt wegen ihres Handelns, ihrer Herkunft oder Religion verhaftet wurden, sondern weil Verwandte in Ungnade des Regimes gefallen waren. Prominentestes Beispiel war die Familie des Hitler-Attentäters Claus Graf Schenk von Stauffenberg oder auch anderen Widerstandskämpfern.

Sonderhäftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderhäftlinge waren Gefangene mit einem besonderen Status, der sich entweder durch eine besondere Tat, wie z. B. dem Hitler-Attentat von Georg Elser oder durch besondere Prominenz wie z. B. Politiker der Weimarer Republik, ehemalige Angehörige der Wehrmacht sowie Politiker und ausländische Militärangehörige manifestierte.

Behandlung und Unterbringung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sippen- wie auch Sonderhäftlinge wurden zum Teil anders behandelt als normale Häftlinge. So kam es sowohl zu besonders grausamem Terror gegen Häftlinge wie z. B. Carl von Ossietzky als auch zu Vorzugsbehandlungen, besonders bei prominenten Häftlingen aus dem Ausland. So wurden diese z. B. aus der Kantine der SS-Mannschaften versorgt oder nicht zur Zwangsarbeit herangezogen. Viele als Widerständler eingestufte wurden strikt von anderen Gefangenen isoliert.
Rund 130 prominente Gefangene wurden im KZ Dachau untergebracht. So z. B. der ehemalige Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht, der Großindustrielle und Finanzier der NSDAP Fritz Thyssen oder der ehemalige Chef des Generalstabes, Generaloberst Franz Halder.

Evakuierung der Sippen- und Sonderhäftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. April 1945 wurde das KZ Dachau „evakuiert“. Damit mussten auch die Sonderhäftlinge verlegt werden. Unter der Leitung von SS-Obersturmführer Edgar Stiller wurden diese in Begleitung von einigen Dutzend SS- und SD-Bewachern mit Bussen und LKW nach Südtirol gebracht. Dort konnte ein von Captain Sigismund Payne Best und Bogislaw von Bonin geführtes Häftlingskomitee die Bewacher am 30. April 1945 zum Aufgeben überreden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. LeMO – Reichstagsbrandverordnung
  2. Die nationalsozialistischen Konzentrationslager – Deutsches Historisches Museum
  3. Kategorisierung von Häftlingen – haGalil.com
  4. Guido Knopp Die SS – Eine Warnung der Geschichte: Seiten 209, 210 und 211 ISBN 3-570-00621-2
  5. Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006