KZ Hannover-Stöcken (Akkumulatorenwerke)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mahnmal von Hans-Jürgen Breuste für die Zwangsarbeiter der Akkumulatorenfabrik
Die 2013 eingeweihte Gedenktafel zum Konzentrationslager wird hier aufmerksam studiert
Reste des Kommandantenbunkers
Mauerreste auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers
Blick auf das früheres AFA-Betriebsgelände, danach Varta, heute Johnson Controls, in Hannover am Mittellandkanal

Das KZ-Außenlager Hannover-Stöcken (Akkumulatorenwerke) in Hannover-Stöcken war im Zweiten Weltkrieg eines der Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Es existierte vom 19. Juli 1943 bis zum 8. April 1945.[1] Es wurde von der Firma AFA errichtet, die in ihren Betrieben KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter einsetzte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage für den Häftlingseinsatz in den Betrieben der AFA war ein Vertrag zwischen dem SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt und der Firmenleitung vom März 1943, in dem neben der Anzahl der zu „liefernden“ SS-Häftlinge, 1.500, bereits festgelegt war, dass der „monatliche Verlust an Arbeitskräften“ von 80 Häftlingen durch die SS auszugleichen ist. Das KZ Stöcken (Hannover) gehörte als Außenlager zum KZ Neuengamme. Das Lager bestand zwischen Juli 1943 und April 1945 und stand direkt neben dem Werksgelände der Akkumulatorenfabrik. Es wurde durch die SS bewacht. Vor und während des Krieges war die AFA Hauptlieferant von Antriebsbatterien für U-Boote, vorwiegend der Typen VII und XXI, Torpedos (G7e/G7es), sowie Bordbatterien der Fernrakete V2. Ab Juli 1944 unterstanden dem Lagerleiter als „Stützpunktleiter“ die weiteren Außenlager in der Region: das Mühlenberglager, das Lager Ahlem, das Lager Misburg, das Lager Limmer, sowie zwei Frauenlager.

Nachweislich starben 403 der etwa 15.000 Häftlinge an den schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lager Stöcken. In der Nacht vom 6. auf den 7. April 1945 verließen die marschfähigen Häftlinge das Lager Richtung Bergen-Belsen vor den anrückenden Alliierten. Häftlinge, die nicht Schritt halten konnten, wurden erschossen. Karl Wilhelm Genth, der den Todesmarsch als Sanitäter begleitete, gab vor dem Staatsanwalt 1961 zu, dass er eigenhändig drei Häftlinge durch Genickschuss getötet habe. Die etwa 600 nicht marschfähigen Häftlinge wurden im Zug nach Mieste transportiert und mussten von dort nach Gardelegen marschieren, wo sie mit einer größeren Gruppe von Häftlingen aus dem KZ Dora-Mittelbau in der Isenschnibber Feldscheune ermordet wurden, die die SS in Brand steckte. Wie viele von den 1.016 Häftlingen in der Feldscheune aus Stöcken zu Tode kamen, ist nicht bekannt, da die Leichen nicht identifiziert werden konnten.[2]

Lagerleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lagerleiter des Konzentrationslagers waren ein SS-Oberscharführer Johannes P., dann SS-Untersturmführer Hugo Benedict, gefolgt vom SS-Untersturmführer Hans Hermann Griem. Im Juli 1944 wurde es SS-Hauptsturmführer Kurt Klebeck, der sich aber vornehmlich um die Außenlager kümmern musste, so dass die tatsächliche Leitung in Stöcken bei seinem Vertreter SS-Stabsscharführer Paul Maas lag.

Klebeck wurde im sogenannten Ahlum-Prozess zu zehn Jahren Haft verurteilt. Karl Wilhelm Genth und der SS-Stabsscharführer Paul Maas wurden im Jahre 1963 durch das Landgericht Hannover wegen Verbrechen auf dem Todesmarsch zu je drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.[3]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte dieses Lagers, das Schicksal der Inhaftierten und die Aufarbeitung in der Nachkriegszeit – hier insbesondere die Strafverfolgung – ist Mitte der 1980er Jahre umfassend dokumentiert worden.[4]

Zur Erinnerung daran wurde 1987 in Hannover-Marienwerder nahe dem ehemaligen Lager ein Mahnmal mit einer Skulptur und Gedenktafel auf öffentlichem Grund aufgestellt. Die Skulptur ist durch den Bildhauer Hans-Jürgen Breuste in Zusammenarbeit mit ehemaligen Häftlingen entstanden. Die Hauptaktionäre der Varta, die Familien Quandt und Klatten, lehnten eine Errichtung eines Mahnmals auf dem Firmengelände ab.[5] Es ist den west- und osteuropäischen Häftlingen gewidmet, die unter unmenschlichen Bedingungen zur Kriegsproduktion gezwungen wurden. Zwischen Glockenberg im Klosterforst und dem Friedhof Marienwerder ist noch der Bunker des Lagerleiters übrig geblieben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hannover-Stöcken concentration camp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesministerium der Justiz: Verzeichnis der Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos gemäß § 42 Abs. 2 BEG Nr. 573, Hannover-Stöcken, Accumulatorenwerk
  2. Buggeln: Stöckheim (Akkumulatorenwerke). 2007, S. 445 und 446.
  3. Buggeln: Stöckheim (Akkumulatorenwerke). 2007, S. 445 f.
  4. Rainer Fröbe et al.: Konzentrationslager in Hannover. 1985.
  5. Hans-Jürgen Jakobs: 16. Dezember 2008, ARD: Vorwürfe gegen Quandt (BMW) „Eine deutsche Dynastie, die Nazis und das KZ“. Abgerufen am 25. Januar 2015.

Koordinaten: 52° 24′ 39″ N, 9° 37′ 57″ O