Kacem El Ghazzali

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kacem El Ghazzali

Kacem El Ghazzali (mazirisch ⵇⴰⵙⵎ ⵍⵖⴰⵣⴰⵍⵉ Qasem Lɣazali; geb. 24. Juni 1990) ist ein säkularer Schriftsteller, Aktivist und einer der wenigen Marokkaner, die sich öffentlich zum Atheismus bekennen.[1] Er spricht Englisch sowie Deutsch, Arabisch und Französisch. Am besten bekannt für seinen unapologetischen Atheismus, seine Schriften betonen die Wichtigkeit der Gedankenfreiheit, die in den islamischen Ländern oft fehle.[2] Seine Artikel wurden in der Huffington Post, Richard Dawkins Foundation, The Fair Observer, NZZ, NZZ am Sonntag, Basler Zeitung u.a. veröffentlicht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kacem El Ghazzali stammt aus einer Sufi Berber Familie.[2] Sein Großvater baute in seinem Dorf eine Moschee; sein Vater – ein Zahnarzt – wollte, dass er ein Imam wird. Obwohl Sufismus einen mystischen, undogmatischen Islam predigt, empfand El Ghazzali die Religion seiner Familie als restriktiv und kontrollierend.[2] Er ist einer von wenigen atheistischen Aktivisten in Marokko[3][4] und er ist ein Befürworter der religiösen und sexuellen Freiheit.[5] Er lebt seit 2011 als Flüchtling in der Schweiz.

Blogging und Aktivismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

El Ghazzali war bis 2012 der Autor des Bahmut-Blogs[6] und hat wegen seiner Ansichten eine Reihe von Todesdrohungen erhalten. Sein Blog diskutierte Themen von Meinungsfreiheit bis zum politischen Islam.[7] Er war früher Leiter des Jugendverbandes des marokkanischen Zentrums für Menschenrechte und ist Vorstandsmitglied des marokkanischen Blogger-Verbandes und des Bloggerzirkels cyberdissidents.org, wobei er von letzterem auch einer seiner Gründer ist.[8] Im Jahr 2012 hat er die Initiative „Mayasaminch“ gestartet,[9] die sich an Marokkaner wendet, die den Ramadan nicht befolgen, und sie auffordert, öffentlich zu essen. Marokkanern in nichtjüdischen Familien ist es per Gesetz verboten, während des Ramadans in der Öffentlichkeit zu trinken, zu essen oder zu rauchen. El Ghazzali war ein Redner auf der 47. Session des St. Gallen Symposium und war einer der sorgfältig handverlesenen Mitglieder des „Leaders of Tomorrow-Knowledge Pool“.[10]

Menschenrechte am UN-Menschenrechtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 ist El Ghazzali als Repräsentant der International Humanist and Ethical Union an der UN, Genf, tätig, wo er unter anderem Saudi-Arabien für die Verfolgung von Freidenkern und Liberalen wie des Poeten Hamza Kashgari und des Bloggers Raif Badawi verurteilt.[11] El Ghazzali kritisierte auch sein Heimatland Marokko dafür, dass es mit nicht rechtsstaatlichen Mitteln die Stimmen von Atheisten zum Schweigen bringe.[12] Während der 25. Sitzung des Menschenrechtsrats kritisierte El Ghazzali die Tatsache, dass mehrere Staaten, in denen verurteilte "Gotteslästerer" derzeit im Gefängnis sitzen, auch aktuelle Mitglieder des Menschenrechtsrats sind.[13]

Raif Badawi Foundation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2015 kündigte Ensaf Haidar die Gründung der Raif-Badawi-Stiftung an, die nach ihrem Ehemann benannt wurde. Dieser sitzt in Saudi-Arabien eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe ab und ist wegen seiner religiösen und politischen Meinungsäusserungen zu 1000 Peitschenhieben verurteilt. El Ghazzali wurde als wissenschaftlicher Leiter der Raif Badawi Stiftung für Freiheit gewählt.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Klingbacher: Fluchtgrund: Unglaube. In: Atheismus. Folio Nr. 12. 2014, Zürich 8. Dezember 2014.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Case in pointArab, not muslim. Freearabs.com. Abgerufen am 13. März 2013.
  2. a b c Jean-Martin Büttner: Allah und der Standhafte (de). In: Tages-Anzeiger, 18. Juni 2011. 
  3. Wir Atheisten bilden eine Parallelgesellschaft. welt.de. 25.02.13. Abgerufen am 25.02.13.
  4. Oliver Jeges: Wir Atheisten bilden eine Parallelgesellschaft. welt.de. 25. Februar 2013. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  5. Suisse : Kacem El Ghazzali, un réfugié de la charia, interpelle les islamistes suisses – Poste de veille. Postedeveille.ca. Abgerufen am 23. November 2012.
  6. Bahamut's Blog. Bahmut.blogspot.com. Abgerufen am 23. November 2012.
  7. Atheists and Islam: No God, not even Allah, The Economist. 24. November 2012. Abgerufen am 23. November 2012. 
  8. Launches Blogger Board – News & Analysis. CyberDissidents.org. Abgerufen am 23. November 2012.
  9. Moroccan Blogger Pushes Limits – News & Analysis. CyberDissidents.org. 17. Juli 2012. Abgerufen am 23. November 2012.
  10. http://www.symposium.org/sites/default/files/47StGallenSymposium_Top40final.pdf
  11. iheu.org
  12. iheu.org
  13. International Humanist and Ethical Union - IHEU laments Human Rights Council member states who imprison “blasphemers”. In: iheu.org. Abgerufen am 12. März 2015.
  14. http://www.fondationraifbadawi.org/en/the-board-and-advisors/