Kahanismus

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Der Kahanismus ist eine jüdische Ideologie die auf den Ansichten von Meir Kahane, Gründer der Jewish Defense League und der Kach-Partei in Israel basiert. Sie mischt Ultranationalismus mit Fundamentalismus, Rassismus und Rechtfertigung von Gewalt.[1] Zentrales politisches Ziel des Kahanismus ist die Vertreibung der Palästinenser aus den israelisch besetzten Gebieten und die Vertreibung der arabischstämmigen israelischen Staatsbürger aus Israel.[2][1] Die Akzeptanz des Kahanismus reicht weit über Kahane und Kach hinaus.[1] Er ist eine Betrachtungsweise von Tora und Talmud basierend auf den Lehren des Rabbiners Meir Kahane. Der Kahanismus bemüht sich um das Einhalten aller Gebote und Regelungen des biblischen Gesetzes, insbesondere solcher auf nationaler Ebene, zum Beispiel wie ein jüdischer Staat geführt werden sollte. Die Problematik der Stellung von Nichtjuden in diesem Staat spielt eine besondere Rolle.

Kernideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kahanes Weltanschauung war ursprünglich vom revisionistischen Zionismus Wladimir Zeev Jabotinskys geprägt, der oft zu Gast in Kahanes Elternhaus gewesen war. Kahane war in seiner Jugendzeit auch Mitglied der von Jabotinsky gegründeten Betar-Jugend gewesen.[3] Die Schriften von Israel Eldad übten ebenfalls nach Kahanes Aussage Einfluss auf ihn aus.[4] Einen zentralen Aspekt der kahanistischen Ideologie stellt die Auserwähltheit des jüdischen Volkes dar. Die Juden sind nach Kahane bis heute das einzige von Gott auserwählte Volk geblieben und haben als dieses ein ewiges und heiliges Recht auf das gelobte Land. Auch war eines seiner erklärten Ziele, die internationalistische Orientierung vieler junger Israelis durch einen „gesunden Nationalismus“ zu ersetzen.[4]

In den Augen liberaler Israelis war Kahane der Vorkämpfer eines jüdischen Rassismus. Tatsächlich wurde seine Kach-Partei auch von der israelischen Regierung als rassistisch eingestuft und ihr daher die Teilnahme an den Wahlen 1988 untersagt. Kahane wandte sich dagegen und lehnte laut eigener Aussage eine rassische Definition des jüdischen Nationalismus ab, da Nationalismus und Religion des jüdischen Volkes eine Einheit bilden würden, während rassisch motivierter Nationalismus meistens laizistisch sei. Die Einheit von jüdischer Ethnie und Religionszugehörigkeit mache den jüdischen Nationalismus unter den Nationalismen der anderen Völker einzigartig. Kahane rief das Oberste Gericht Israels an, dies blieb jedoch erfolglos.[4]

Werte und Weltanschauungen, die nicht auf der Tora basieren, haben nach Kahane keine Gültigkeit für Juden, da sie gottlosen Ursprungs sind. Laut Kahane können Juden einer Welt, die Auschwitz geschaffen hat, nicht noch einmal trauen und müssen stattdessen dafür sorgen, dass sich Auschwitz nie wieder ereignet.[4]

Großisrael[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kahane forderte die Errichtung von Großisrael, was unter anderem die Annektierung aller besetzten Gebiete bedeutet. Er war außerdem der Auffassung, dass Juden lieber sterben sollten, statt auch nur ein Stück Land wieder zurückzugeben.[4]

Ansicht über den Messias[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kahane war der Ansicht, dass der jüdische Messias schon längst gekommen wäre, wenn die Juden alle Gebote der Tora befolgen würden. Das weltliche System Israels, sowie die „Fremdbesatzung“ des Tempelbergs, würden dessen Ankunft daher nur verzögern.[4]

Verhältnis zur Demokratie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Demokratie wurde von Kahane, aufgrund ihres griechischen Ursprungs, grundsätzlich für etwas Nichtjüdisches und damit Fremdartiges gehalten. Danach sei sie an sich ungültig. Unter der Voraussetzung jedoch, dass eine demokratisch gewählte Regierung ihre Entscheidungen anhand der orthodoxen Auslegung der Tora orientiert, sei sie allerdings akzeptabel. Die israelische Demokratie wurde von Kahane jedoch als widersprüchlich bezeichnet, da Nichtjuden in ihr ebenfalls wahlberechtigt sind und somit im Falle eines demografischen Wandels eines Tages die Möglichkeit erhalten könnten, Israel als Judenstaat abzuwählen.[5][4]

Verhältnis zu Nichtjuden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Halacha dürfen Nichtjuden nur als Fremdlinge im Land Israel wohnen, unter der Voraussetzung, dass sie die sieben Noachidischen Gebote befolgen. Volle Gleichberechtigung erhalten sie bei diesem Status jedoch nicht. Kahane berief sich darauf und forderte zusätzlich, dass Fremdlinge den Staat Israel anerkennen müssen, besondere Steuern zu zahlen haben, keine Beamten werden dürfen und ihnen das Wahlrecht verwehrt bleibt. Ihre Loyalität sollen die Fremdlinge einmal pro Jahr bestätigen.

Außerdem forderte er eine Trennung von Juden und Nichtjuden im öffentlichen Leben: Nichtjuden sollen auf von Juden getrennten Schulen unterrichtet werden, getrennte Freizeiteinrichtungen besuchen und sich nicht in Jerusalem niederlassen dürfen.

Auch forderte Kahane eine 5-jährige Haftstrafe für den sexuellen Kontakt zwischen Juden und Nichtjuden.[4]

Der weitaus größte Teil an Nichtjuden wird in Israel derzeit von den palästinensischen Arabern gestellt. Laut Kahane befinden sich die Juden heute wieder in derselben Situation, wie einst 1230 v. Chr. zur Zeit der Landnahme Kanaans. Josua, der Nachfolger von Moses und Anführer der Israeliten, ließ den Kanaanitern damals im Vorfeld der Landnahme drei Briefe zukommen, in denen er ihnen drei mögliche Optionen anbot: Sie verlassen das Land freiwillig, sie erkennen den Fremdlings-Status an, oder sie kämpfen um das Land und tragen dafür die Konsequenzen. Nach Kahane sollte man heute auf dieselbe Weise mit den Arabern verfahren.[4]

Verhältnis zur Gewalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kahanismus rechtfertigt die Anwendung von Gewalt als politisches Kampfmittel. Kahane war selbst mehrere Male handgreiflich gegenüber politischen Gegnern geworden.[6] 1974 trat er erstmals mit dem Konzept von Terror Neged Terror (hebräisch: „Terror gegen Terror“) hervor. Ziel dieses Konzepts war es, arabischen Terrorismus mit jüdischem Terrorismus zu bekämpfen. Kahane schlug der israelischen Regierung jener Zeit vor, mit einer auf diesem Konzept basierenden Organisation auf derselben Weise zu verfahren, wie dies die arabischen Staaten mit den arabischen Terrororganisationen tun: Die israelische Regierung soll jede Verbindung zu TNT leugnen, dabei allerdings die Ausbildung der Mitglieder auf ihrem Staatsboden zulassen. Die israelische Regierung zeigte sich für diese Idee jedoch nicht empfänglich.[4]

Kahanistische Aktivisten haben in der Vergangenheit verschiedene anti-arabische Gewalttaten verübt, wovon das Massaker von Hebron durch Baruch Goldstein 1994 und die Schießerei von Schefar’am durch Eden Natan-Zada 2005 die bekanntesten sind.[7]Goldstein wird heute aufgrund seiner Tat von den Kahanisten als „Gerechter“ (hebräisch: „Zaddik“) verehrt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c IS ISRAEL'S SOUL IMPERILED?; Yes, By Kahanism The New York Times, 20.Dezember 1985
  2. Public Safety Canada über Kach (Memento vom 18. Oktober 2009 im Internet Archive)
  3. Geoffrey Brahm Levey in: Paul A. Djupe, Laura R. Olson: Jewish Defense League in: Encyclopedia of American Religion and Politics. Infobase Publishing, 2014, ISBN 978-1-4381-3020-0, S. 230 (google.de [abgerufen am 9. Januar 2017]).
  4. a b c d e f g h i j Ehud Sprinzak: Kach and Meir Kahane: The ascendance of Israel's radical right. Oxford University Press, 1991, ISBN 978-0-19-505086-8 (orgfree.com [abgerufen am 7. Juni 2018]).
  5. Meir Kahane: Uncomfortable Questions for Comfortable Jews, Lyle Stuart 1987, Part II: A Jewish State Versus Western Democracy; Part IV: Judaism Versus Western Democracy.
  6. Rabbi Meir Kahane Confronts Protesters At Speech in Minnesota auf YouTube
  7. Israel: In Blut und Feuer, Der Spiegel, 20. Februar 1994.

Siehe auch: Jewish Defense League, Kach und Kahane Chai, Victor Vancier