Kahl (Fluss)

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Kahl
(Historisch: Kahlbach[1])
Die Kahl in Alzenau

Die Kahl in Alzenau

Daten
Gewässerkennzahl DE: 24772
Lage Landkreis Aschaffenburg (Bayern),
Main-Kinzig-Kreis (Hessen)
Flusssystem Rhein
Abfluss über Main → Rhein → Nordsee
Quelle Kahlquellen in der Nähe der Bamberger Mühle bei Kleinkahl
50° 7′ 17″ N, 9° 18′ 59″ O
Quellhöhe ca. 290 m ü. NN[2]
Quellschüttung[3] MQ
50 l/s
Mündung bei Kahl am Main in den MainKoordinaten: 50° 3′ 59″ N, 8° 59′ 29″ O
50° 3′ 59″ N, 8° 59′ 29″ O
Mündungshöhe ca. 102 m ü. NN[2]
Höhenunterschied ca. 188 m
Sohlgefälle ca. 5,8 ‰
Länge 32,4 km[4]
Einzugsgebiet 198,35 km²[5]
Abfluss am Pegel Schöllkrippen[6]
AEo: 64,43 km²
Lage: 27,2 km oberhalb der Mündung
NNQ
MNQ 1987–2009
MQ 1987–2009
Mq 1987–2009
MHQ 1987–2009
HHQ (2006)
52 l/s
168 l/s
720 l/s
11,2 l/(s km²)
15,5 m³/s
31,4 m³/s
Abfluss am Pegel Alzenau[6] (91,4 % des Einzugsgebiets)
AEo: 181,2 km²
Lage: 6,6 km oberhalb der Mündung
NNQ (1991)
MNQ 1983–2008
MQ 1983–2008
Mq 1983–2008
MHQ 1983–2008
HHQ (2002)
189 l/s
541 l/s
1,89 m³/s
10,4 l/(s km²)
25,9 m³/s
48,7 m³/s
Abfluss[7] an der Mündung
AEo: 198,35 km²
MQ
Mq
2,01 m³/s
10,1 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse siehe Linke Zuflüsse
Rechte Nebenflüsse siehe Rechte Zuflüsse

Die Kahl ist ein gut 32 km langer Fluss im Landkreis Aschaffenburg in Bayern und im Main-Kinzig-Kreis in Hessen. Sie fließt von Ost nach West durch den nördlichen Spessart und mündet bei Kahl am Main als rechter Nebenfluss in den Main. Die Quelle der Kahl liegt in der Nähe des Ortes Bamberger Mühle. Der Fluss gab dem Kahlgrund seinen Namen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Kahl stammt vom althochdeutschen Wort kaldaha und dem mittelhochdeutschen kalde, was kalt, kühl, klar bedeutet.[8] Die Bedeutung des Grundwortes ging auch auf die Zuflüsse Kleine Kahl, Westernkahl, Sommerkahl (Speckkahl) und Feldkahl über.[9] Die Kahl gab den Orten Kahl am Main, Kahlmühle, Groß- und Kleinkahl sowie Kälberau und Kaltenberg (beide von mhd. kalde) ihre Namen. Indirekt benannt hat die Kahl die Dörfer Sommerkahl und Feldkahl.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kahlquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

rechte Kahlquelle

Die Kahlquellen liegen auf etwa 290 m ü. NN am Rande des Ortes Bamberger Mühle, der inzwischen zum Gemeindegebiet von Kleinkahl gehört. Aus zwei Quellfassungen links und rechts der Staatsstraße 2305 strömt das Wasser der Kahl, mit einer durchschnittlichen Schüttung von 50 bis 60 Liter pro Sekunde. Schon nach wenigen Metern vereinigen sich beide Quellbäche. Von der Kahlquelle bis zur Mündung begleitet den Fluss der Kahltal-Spessart-Radwanderweg.

Flussverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im oberen Kahlgrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kahl im oberen Kahlgrund

Im oberen Kahlgrund fließt das Flüsschen in zahlreichen Schleifen an einigen Fischweihern vorbei. Ihr größter Zufluss ist hier die Kleine Kahl.

Ab dem Markt Schöllkrippen wird die Kahl von der Kahlgrundbahn begleitet, einer Normalspur-Eisenbahnlinie. In der Nähe des Bahnhofes dort mündet der Westerbach, der früher Westernkahl genannt wurde. Das Flussbett der Kahl ist ab hier teilweise begradigt und mit Uferbausteinen versehen.

Im mittleren Kahlgrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kahl bei Langenborn

In der Nähe des Dorfes Langenborn trifft sie auf einen ihrer größten Zuflüsse, die Sommerkahl, die in ihrem Oberlauf den Namen Speckkahl trägt.

Im weiteren Verlauf durchfließt die Kahl nun die Gemeinden Blankenbach und 8 der 18 Ortsteile des Marktes Mömbris. Hier teilt sich der Flusslauf des Öfteren und passiert einige Mühlen. Bei Brücken, einem Ortsteil von Mömbris, trifft die Kahl auf den Hemsbach, der am Fuße des Hahnenkamms entspringt, der mit 437 m ü. NN die höchste Erhebung im Vorspessart ist. Nach Niedersteinbach, wo der Geiselbach einmündet, war sie bis zu einem Flächentausch im Jahr 2011 für etwa 300 m die Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen.

Im unteren Kahlgrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittlerweile renaturierte Kahl im Prischoß

Ab Michelbach verlässt die Kahl das enge Tal des Kahlgrundes und zieht durch flacheres Land, in dem sie auch ins Stadtgebiet von Alzenau fließt. In der Innenstadt wird sie vom Krebsbach, dem von Wasserlos herabkommenden Neuwiesenbach (dem Unterlauf des Rückersbach) sowie dem am Waldschwimmbad entspringenden Sälzerbach gespeist.

Hinter Alzenau war die Kahl bis zur A 45 stark begradigt. Dieser Abschnitt wurde im Jahr 2014 im Rahmen der Kleinen Landesgartenschau 2015 renaturiert. Dabei wurden mehrere Flussinseln geschaffen. Ein Damm trennte dort den Fluss vom Meerhofsee. Am 11. August 1981 brach er wegen eines schweren Hochwassers und das Wasser der Kahl floss in den tiefer liegenden See.[10] Siehe auch Hochwasser der Kahl.

Kahlmündung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vereiste Kahl (links) mündet in den Main

In Kahl am Main mündet die Kahl nicht weit vom stillgelegten und bis Ende 2008 zurückgebauten Versuchsatomkraftwerk entfernt in den Main. Hier wurde ihr Flussbett zwischen 1900 und 1930 mehrmals verändert, um im anliegenden Gebiet Braunkohle abzubauen. In einem großen Bogen umfloss die Kahl den Tagebau Emma-Süd, der heute vom Hornsee eingenommen wird. Dort bildet sie die bayerisch/hessische Landesgrenze. In ihrem natürlichen Zustand floss sie etwas nördlich der heutigen Mündung mit einigen Windungen in den Main. Die auch flussaufwärts betriebene Kahlregulierung führte dazu, dass mehr und mehr Mühlen den Betrieb einstellten. An der Kahlmündung liegt heute der mit 102 m ü. NHN tiefste Punkt Bayerns.[11]

An der Kahlmündung beginnen der Degen-Weg und der Kahltal-Spessart-Radwanderweg.

Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Zuflüsse der Kahl sind (flussabwärts): Westerbach, Sommerkahl, Reichenbach und Geiselbach

Mündung der Sommerkahl
Mündung des Krombaches
Mündung des Geiselbaches
Linke Zuflüsse Rechte Zuflüsse
Oberer Kahlgrund
Mittlerer Kahlgrund
Unterer Kahlgrund
In Klammern der Ort der Mündung in die Kahl.

Flusssystem Kahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hydrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mittlere Abfluss der Kahl am Pegel Alzenau, der 6,6 km oberhalb der Mündung liegt (Lage), beträgt 1,89 m³/s (1890 Liter pro Sekunde), was einer Abflussspende von 10,4 l/(s·km²) entspricht. Der errechnete Durchfluss an der Mündung in den Main ergibt 2,01 m³/s. Der mittlere Hochwasserabfluss, gemessen von 1983 bis 2008, beträgt 25,9 m³/s (25900 l/s), der mittlere Niedrigwasserabfluss 541 l/s. Der niedrigste Wert, seit Beginn der Messungen, ergab 189 l/s (10. September 1991), siehe auch Abschnitt Niedrigwasser. Der höchste jemals gemessene Wert beträgt 48,7 m³/s (48700 l/s, am 13. Februar 2002), siehe auch Abschnitt Hochwasser. Die Nullpunktshöhe des Pegels in Alzenau liegt auf 117,59 m ü. NHN.

Die durchschnittlichen Monatsabflüsse der Kahl (gemessen am Pegel Alzenau)[12]:


Mittlere monatliche Abflüsse der Kahl (MQ in m³/s) am Pegel Alzenau
Messzeitraum 1995–2015

In der Regel ist die Wasserführung der Kahl in den Wintermonaten am größten und im Spätsommer am geringsten. Im Januar führt sie im Durchschnitt mehr als dreifach so viel Wasser wie im September. Der mittlere Jahresabfluss entspricht im Schnitt etwa dem Durchfluss im April.

Hochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AbflussAbfluss
Jahr Datum Abfluss (m³/s) 0
1983 9. Apr. 30,6
1984 7. Feb. 30,7
1985 23. Jan. 9,5
1986 19. Jan. 12,8
1987 19. Dez. 25,8
1988 1. Apr. 29,8
1989 22. Apr. 22,2
1990 18. Nov. 24,6
1991 1. Jan. 12,9
1992 14. Mär. 18,3
1993 21. Dez. 28,0
1994 13. Apr. 20,5
1995 26. Jan. 41,0
1996 18. Feb. 20,6
1997 25. Feb. 24,8
1998 29. Okt. 39,1
1999 20. Feb. 24,6
2000 4. Mär. 21,5
2001 8. Nov. 23,1
2002 13. Feb. 48,7
2003 3. Jan. 43,0
2004 23. Sep. 28,0
2005 13. Feb. 18,4
2006 28. Mai 38,0
2007 7. Dez. 21,2
2008 1. Mär. 24,1
2009 23. Jan. 24,8
2010 24. Feb. 26,6
2011 7. Jan. 30,6
2012 23. Dez. 31,2
2013 31. Mai 24,5
2014 29. Jul. 13,1
2015 2. Jan. 9,6
2016 10. Feb. 24,1
2017 4. Mai 44,5
2018* 14. Apr. 31,2

Bei Hochwasser tritt die Kahl über ihre Ufer und überflutet den Talgrund. Die stärksten Hochwasser der Kahl im 20. Jahrhundert waren am 3. November 1924, am 21. Dezember 1952 und am 10. August 1981.[10] Erst danach war der Messbeginn der Pegel Alzenau und Schöllkrippen.

1924[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht zum 1. November fiel ein Wolkenbruch über dem Kahlgrund, der gleich mehrere Stunden andauerte. Bereits am Morgen trat die Kahl über ihre Ufer und man konnte zusehen, wie das Hochwasser immer größer wurde. Am Abend dieses Allerheiligentages setzten weitere sintflutartige Niederschläge ein, die die ganze Nacht und am nachfolgenden Tag in unverminderter Stärke anhielten. Das Hochwasser stieg weiter in rasender Schnelle an. Eine furchtbare Katastrophe brach über das ganze Kahltal herein.

Es wurde in den meisten Orten der Katastrophenalarm ausgelöst. In Schöllkrippen konnte die Unterführung einer Brücke die Wassermassen nicht aufnehmen und so strömten die Fluten den Weg entlang. Schon nach kurzer Zeit glich das Tal einem See. Häuser waren vom Einsturz bedroht. Am Eisenbahndamm hatten schon mehrere Erdrutsche stattgefunden und man befürchtete den Durchbruch des Dammes. In Kleinblankenbach geriet die steinerne Kahlbrücke in solche Baufälligkeit, dass sie nicht mehr passierbar war. Die Brücke zwischen Krombach und Großblankenbach war völlig verschwunden.

Die Mühlgasse in Mömbris war vom Rest des Ortes durch das Wasser abgeschnitten. Außerdem stürzte die Transformatorenstation ein. Die Brücke an der Strötzbacher Mühle wurde völlig weggerissen. Bei Brücken wurde die Kahlbrücke ebenso wie die Eisenbahnbrücke schwer beschädigt. Auch hier fiel die Transformatorenstation den Fluten zum Opfer. Die Straße zwischen Niedersteinbach und Hüttelngesäß war nicht mehr passierbar. An der Herrnmühle wurde ein weggeschwemmt.

Um bei der Dunkelheit etwas zu sehen, hatte die Feuerwehr an verschiedenen Plätzen Posten mit Pechfackeln aufgestellt. In Michelbach musste ein Anwesen geräumt werden, weil die Gefahr bestand, dass es einstürzte. Die Überschwemmung trennte Alzenau in zwei Teile. Kein Zug konnte den Ort mehr passieren. Vor der Brauerei wurde der Grund und Boden weggerissen. Dadurch stürzte ein Teil der Mauer ein. Es bestand sogar die Gefahr, dass das ganze Haus in den Fluten versinken würde. Dies trat aber nicht ein. Dagegen verschwanden das Gemeindebackhaus und die Transformatorenstation im Hochwasser. Deshalb ging in manchen Teilen von Alzenau das Licht aus. Das Hochwasser schoss durch die Kaiser-Ruprecht-Straße wo es das Pflaster herausriss. Unterhalb von Alzenau riss die Kahl große Uferstrecken weg. Durch diese schlimmen Verwüstungen musste das ganze Ufer neu angelegt werden.

Der Marktgemeinderat von Alzenau beschloss, einen Notstandskredit in Höhe von 21.000 Mark aufzunehmen, um die größten Schäden beheben zu können. Selbst die zur Zeit ältesten Leute hatten die Kahl noch nie so groß und breit gesehen. Es war die schlimmste Kahlüberschwemmung des ganzen Jahrhunderts.[10]

1952[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das schwere Hochwasser der Kahl 1952 in der Breiten Wiese in Alzenau
weitere Bilder

In der Nacht zum 21. Dezember 1952 gingen starke Regengüsse über dem gesamten Kahlgrund nieder. Sie verursachten zusammen mit der Schneeschmelze ein außergewöhnliches Ansteigen der sonst so friedlichen Kahl. Diese wurde in den Morgenstunden rasch zu einem reißenden Strom und überschwemmte weite Landstriche. Die höchste Welle erreichte um 4 Uhr Schöllkrippen und Mömbris um 10 Uhr.

Das Hochwasser kam vor allem aus dem Westerngrund, die schlimmsten Auswirkungen hatte es jedoch im mittleren und unteren Kahlgrund. Es nahm solche Ausmaße an, dass Rotes Kreuz und alle Feuerwehren alarmiert wurden. Landrat Degen war den ganzen Vormittag im Überschwemmungsgebiet unterwegs, um sich selbst ein Bild von der Katastrophe zu machen und nötige Anordnungen zu treffen.

In einer Mühle in Königshofen konnte die Feuerwehr gerade noch verhindern, dass ein großer Stapel Holz wegschwamm. In Mensengesäß rutschte der steile Abhang einer Straße herab. Durch das sich stauende Regenwasser entstand starke Verschlammung. In Niedersteinbach wurde ein Notsteg aus Wagen von der Mühle zum übrigen Ort gebaut. Vom Dörnsteinbacher Berg wurden große Mengen Sand, Steine und Schlamm herabgespült und so waren die Kanäle im Nu voll. Bei Brücken war der ganze Wiesengrund einschließlich des Sportplatzes ein einziger riesiger See. Gehsteige wurden weggeschwemmt und die Asphaltdecke der Straße unterspült.

In Alzenau war das gesamte Garten- und Wiesengelände links und rechts der Kahl überflutet. Beim Sägewerk wurde sogar ein Junge aus der Kahl gezogen. Die Bewohner eines Gässchens konnten an diesem Sonntag ab 11 Uhr ihre Anwesen nicht mehr verlassen. Bei der Pfarrkirche stand die gesamte Straße unter Wasser. Auch Kahl am Main wurde vom Hochwasser hart getroffen. Im Bereich des Eisenbahndammes war die Kahl 100 Meter breit und die gewaltigen Fluten rissen einen Steg weg. Dieses Hochwasser vom 21. Dezember 1952 war eines der größten der Kahl im 20. Jahrhundert.[10]

1981[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das schwere Hochwasser der Kahl 1981 weitere Bilder

Am Abend des 9. August wurden aus dem oberen und mittleren Kahlgrund intensive Regenfälle mit heftigen Gewittern gemeldet. Später fiel auch in Alzenau ein außergewöhnlich schwerer Wolkenbruch. In kürzester Zeit verwandelten sich kleine Rinnsale in reißende Sturzbäche. Die sintflutartigen Regenfälle hielten die ganze Nacht mit unverminderter Heftigkeit an.

Durch den Westerngrund wälzte sich eine Flutwelle, die große Schäden verursachte. Im benachbarten Freigericht wurde sogar Katastrophenalarm ausgelöst. In Huckelheim brach die Fahrbahndecke der Straße ein. Durch die Wassermassen stürzten drei Hochspannungsmasten um; dadurch war die Stromversorgung teilweise unterbrochen. Das sonst höchstens 2 m breite Bachbett der Westernkahl hatte nun eine Breite von über 20 m. In Schöllkrippen erreichte der Kahlpegel eine Höhe von 310 cm. Die Fluten rissen eine Brücke weg.

Die Staatsstraße 2305 wurde in vielen Orten wegen Überflutung gesperrt. Die Brücke an der Strötzbacher Mühle wurde weggerissen. In Niedersteinbach waren Steinbach und Geiselbach reißende Flüsse. Zwischen Brücken und Strötzbach sowie bei Hemsbach und an der Heimbacher Mühle ereigneten sich Erdrutsche. Viele Helfer waren pausenlos im Einsatz, um die Straßen und Wege von den Erdmassen zu befreien. Der Verkehr der Kahlgrundbahn war durch unterspülte und verschlammte Gleise, Dammrutsche sowie umgestürzte Bäume unterbrochen. Bei Brücken wurde der Bahndamm auf einer Länge von 50 m völlig weggerissen. Am Nachmittag verschärfte sich die Situation immer weiter, weil der Regen nicht nachließ. Der Hemsbach suchte sich einfach die Straße in Brücken als neues Bett. An der Staatsstraße 2305 rutschten in Höhe des Dörsthofes Erdmassen auf die Fahrbahn.

An der Herrnmühle konnte der Fußgängersteg nicht mehr benutzt werden. Doch schon bald wurde auch die Straße von Alzenau nach Kälberau wegen Hochwasser gesperrt. Hier kamen die Fluten des Krebsbaches herunter geflossen, rissen ein Loch in eine Mauer und lagerten meterhohe Schlamm- und Geröllmassen ab. Unterhalb von Alzenau entstanden riesige Löcher in den Dämmen am Kahlufer. Dadurch konnte ein Teil der Kahl in das Gelände der Kläranlage fließen. Dort wurden Zäune und Betonpfosten aus dem Boden gerissen. Der Druck des herbeiströmenden Wassers führte schließlich zu einem Dammbruch und die braune Brühe ergoss sich in den Meerhofsee. Dessen Wasserspiegel – in den letzten Jahren stetig gesunken – hob sich um etwa 6 Meter.

Oberhalb von Kahl am Main hatte die Kahl eine Breite von fast 70 m. Erst am Nachmittag des 11. August war ein allmählicher Rückgang des Hochwassers zu verzeichnen. Jetzt wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. An der Strötzbacher Mühle hatte das Technische Hilfswerk einen Notsteg über die Kahl errichtet. In Brücken wurde der Hemsbach wieder in sein altes Bett verlegt. Die Schäden an einer Straße in Alzenau erforderten hier einen völligen Neubau. Der Verkehr der Kahlgrundbahn blieb bis zum 18. August eingestellt.[10]

2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwasser am 4. Mai 2017 in Strötzbach
weitere Bilder

Am 4. Mai 2017 zog ein schweres Unwetter der Stufe Rot, mit bis zu 80 Litern Niederschlag pro Quadratmeter, über den Kahlgrund. Am heftigsten getroffen wurden der Markt Mömbris und die Gemeinde Krombach. Der Starkregen ließ die Kahl und kleine Nebenbäche über die Ufer treten. Hauptsächlich die Ortsteile Mensengesäß, Niedersteinbach, Krombach, Strötzbach, Brücken, Oberschur, Unterschur, Mömbris und Dörnsteinbach waren betroffen. Auch Schöllkrippen, Huckelheim und Blankenbach meldeten schwere Hochwasserschäden.

Besonders die Pegel der Bäche Steinbach, Oberschurbach, Krombach, Fleutersbach und Hemsbach stiegen in kurzer Zeit so extrem an, dass die Verrohrungen vor den Orten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnten. Infolgedessen überfluteten Straßen und Unterführungen, Keller und Erdgeschosse von etwa 400 bis 500 Haushalten liefen voll, Erdrutsche lösten sich.[13]

Aus den umliegenden Orten rückten die Feuerwehren mit 650 Kräften an. Sie wurden dabei von Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Aschaffenburg und teils aus dem Landkreis Miltenberg unterstützt. Im Raum Mömbris waren zwei Einheiten des Technischen Hilfswerks im Einsatz. Überschwemmte Brücken, entwurzelte Bäume, hochschießende Gullydeckel und erhebliche Verkehrsbehinderungen hielten die Rettungskräfte bis in die Nacht in Atem.

Teilweise stand das Wasser meterhoch in den Kellern. Kurzzeitig fiel dort auch der Strom aus. In Niedersteinbach rutschte eine Schlammlawine die Ortsdurchfahrt herunter. Etwa 40 Straßen waren stundenlang gesperrt, so dass Dörfer mit nur wenigen Zufahrten, von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Auf der Staatsstraße 2305 zwischen Alzenau und Mömbris, der Ortsdurchfahrt der besonders massiv betroffenen Gemeinde Krombach sowie der Kreisstraße zwischen Krombach und Schöllkrippen gab es kein Durchkommen mehr. Radlader versuchten, die Fahrbahnen freizubekommen. Der Verkehr der Kahlgrundbahn musste eingestellt werden, weil die Schienen unterspült waren und Geröll die Gleise blockierte.

Im Ortsteil Brücken wurden die Fundamente der dortigen Brücke vom Hochwasser der Kahl so unterspült, dass sie nur noch für PKW passierbar ist. Am Friedhof in Niedersteinbach haben die Wassermassen eine Stützmauer eingedrückt. Dort wurden die Wege so ausgespült, dass Löcher von bis zu 80 Zentimetern Tiefe entstanden. Außerdem wurden Gräber unterspült, so dass sie absackten und sich verschoben. Ungefähr 150 Gräber erlitten Totalschäden. Der Friedhof wurde bis auf weiteres gesperrt.[14]

An der Herrnmühle wurden zusätzlich angeforderte Sandsäcke aufgereiht, trotzdem war nicht zu verhindern, dass die Kahl über die Ufer trat. Zusätzlich wurde die Wasserwacht alarmiert. Immer mehr Polizisten rückten in überflutete Ortschaften aus, um den Verkehr zu regeln und Straßen zu sperren, durch die sich Schlammmassen wälzten. „Im Kahlgrund ist Land unter. Alle Feuerwehren sind ausgerückt“, sagte der Leiter der Alzenauer Polizei. Von „immensen Schäden im öffentlichen und privaten Bereich“ sprach der Mömbriser Bürgermeister Felix Wissel. Wegen der Fluten konnte der Mömbriser Schulbus nicht fahren. Die verängstigten Kinder wurden im Feuerwehrhaus und im Rathaus in Sicherheit gebracht.[15]

Wie es zu dem schlimmen Unwetter kam, das über den Altkreis Alzenau zog: zuerst bildete sich ein Niederschlagsgebiet über Niedersteinbach. Danach entstand eine kräftige Gewitterzelle mit Starkregen, die ihr Zentrum im Bereich Mensengesäß und Niedersteinbach hatte. Später gingen um Krombach intensive Wolkenbrüche nieder. Danach wurde ein größeres Gebiet von Brücken bis zur Kahlquelle für längere Zeit von Starkregen überdeckt.[16]

Die Kahl erreichte um 21 Uhr am Pegel Alzenau ihren höchsten Wasserabfluss von Rund 45.000 Liter pro Sekunde[12]. Der Wasserstand war zu dieser Zeit um etwa 3 m erhöht. Seit Beginn der Pegelmessungen war dieses Kahlhochwasser im Mai 2017 das bislang zweitstärkste. Höher lag der Kahlpegel nur im Februar 2002, jedoch entstanden 2017 deutlich mehr Schäden, weil sich die Fluten vorwiegend auf die kleinen Nebenbäche der Kahl bezogen. Es entstand alleine im Markt Mömbris ein Schaden von über 10 Millionen Euro. In der Gemeinde Krombach wird er auf 1,2 Millionen Euro geschätzt.

Niedrigwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schotterbänke in der Kahl bei Niedrigwasser
AbflussAbfluss
Jahr Datum Abfluss (l/s)0
1983 24. Nov. 481
1984 23. Aug. 731
1985 26. Nov. 576
1986 4. Aug. 479
1987 12. Okt. 941
1988 21. Okt. 525
1989 14. Aug. 483
1990 13. Aug. 384
1991 10. Sep. 189
1992 12. Aug. 450
1993 18. Aug. 324
1994 19. Okt. 519
1995 12. Aug. 659
1996 22. Jul. 547
1997 24. Sep. 381
1998 2. Sep. 353
1999 16. Sep. 415
2000 18. Jun. 577
2001 29. Aug. 424
2002 9. Sep. 588
2003 21. Sep. 231
2004 3. Jan. 417
2005 10. Sep. 463
2006 7. Nov. 466
2007 24. Mai 545
2008 13. Okt. 580
2009 9. Okt. 549
2010 21. Jul. 297
2011 4. Jun. 564
2012 11. Sep. 599
2013 3. Okt. 757
2014 10. Aug. 604
2015 14. Aug. 394
2016 16. Sep. 456
2017 6. Jan. 360
2018* 1. Aug. 510

Niedrigwasser tritt bei der Kahl nach lang anhaltender Trockenheit in den Sommermonaten auf. Im Flussbett werden dann oft Schotterbänke und das Wurzelwerk der Uferbäume sichtbar. Auch kleinere, meist namenlose Zuflüsse der Kahl fallen trocken. Der geringste Wasserabfluss wurde in den Jahren 1991, 2003 und 2010 gemessen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strötzbacher Doppelmühle

Von den vielen Mühlen an der Kahl sind nur noch wenige bis heute erhalten geblieben. Vor allem die Mühlen-Stilllegungspolitik in den 1950er und 1960er Jahren, sowie die dadurch gestärkte Konkurrenz der großen Mühlen hat ihnen den Garaus gemacht.[17]

Mühlen an der Kahl (bereits stillgelegte und noch bestehende):

Kahlregulierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch begradigte Kahl mit Damm bei Alzenau 2009

Die Kahlregulierung wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Die Bereiche, in denen das Flussbett am stärksten begradigt wurde, liegen zwischen Schöllkrippen und Blankenbach, bei Strötzbach, zwischen den Dörsthöfen und Kälberau, zwischen Alzenau und der A 45 und an der Kahlmündung. Besonders im Bereich zwischen den Dörsthöfen und Michelbach wurde das Bett der Kahl stark verändert. Zuvor floss sie, rechts der heutigen Staatsstraße 2305 zur Obermühle, deren Gebäude heute am Ortsrand stehen.

Im Rahmen der Regulierung wurde der Flusslauf gereinigt und vertieft. Es wurden Mäander und Krümmungen begradigt, zur Verminderung von Hochwasser.[18] Im Stadtgebiet von Alzenau wurde im Jahr 2014 diese Regulierung renaturiert.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kahl Hinweisschild.JPG

In der Kahl kommen Äsche, Bachforelle, Bachschmerle, Flussbarsch, Gründling, Hasel, Karpfen, Laube, Nase, Regenbogenforelle, Rotauge, Schleie, Aal, Aitel und Schneider, sowie der amerikanische Signalkrebs vor.[19]

Im Kahlgrund kommen die Wasseramsel, der Eisvogel, der Neuntöter, der Grasfrosch, der Berg- und der Teichmolch, sowie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling vor.[20]

Auch Biber haben sich an der Kahl an der Kahl angesiedelt.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kahl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayernviewer der Bayerischen Vermessungsverwaltung: Historisches Kartenwerk aus den Jahren 1817–1841
  2. a b TOP 10 Bayern Nord
  3. Infotafel an den Kahlquellen
  4. Kartenservices der Bayrischen Landesamtes für Umwelt
  5. Hochwasser Aktionsplan Main
  6. a b Bayerischer Hochwassernachrichtendienst (abgerufen am 6. September 2013)
  7. Pegelwert Alzenau vermehrt um den Gebietsabfluss des Resteinzugsgebietes (17,15 km²), ermittelt aus den Daten der Pegel Rück, Hainstadt, Goldbach, Harreshausen, Alzenau, Hanau, Kleinheubach und Frankfurt a.M. Osthafen
  8. Stein und Wasser im Landkreis Aschaffenburg
  9. Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0.
  10. a b c d e Gerhard Nees & Hermann Kehrer: Alzenauer Wetterchronik. Die interessantesten Wetterereignisse in Alzenau, im Kahlgrund und am Untermain von 365 bis 1999. Reinhold Keim Verlag, Großkrotzenburg 2002, ISBN 3-921535-51-4.
  11. Archäologisches Spessart-Project e.V.
  12. a b c d e f g h Abgelesen auf der Seite des Bayerischen Hochwassernachrichtendienstes
  13. Sat1 Nachrichten:Unwetter in Unterfranken
  14. Nachrichten des Bayerischen Rundfunks: Unwetter im Landkreis Aschaffenburg
  15. Land unter: Millionenschaden im Kahlgrund
  16. Vordruck für Unser Kahlgrund 2018. Heimatjahrbuch für den Landkreis Alzenau. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft zur Heimatforschung und Heimatpflege des Landkreises Alzenau, Landrat des Kreises. ISSN 0933-1328. (Verfasst von Hermann Kehrer, Autor Alzenauer Wetterchronik.)
  17. Unser Kahlgrund 1982-2000. Heimatjahrbuch für den Landkreis Alzenau. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft zur Heimatforschung und Heimatpflege des Landkreises Alzenau, Landrat des Kreises. ISSN 0933-1328.
  18. Wasserbauliche Begradigung und Regulierung des Flusses Kahl
  19. Fischereiverband Unterfranken: Unsere Gewässer
  20. Kahlgrund, LBV-Schutzgebiet im Landkreis Aschaffenburg (Unterfranken)
  21. Der Biber kommt zurück,ÖKOMELDER, Aschaffenburg, Juli 2015, Bund Naturschutz in Bayern e.V.