Kaiser-Karls-Gymnasium

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Kaiser-Karls-Gymnasium
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Schulform Gymnasium
Gründung 1601
Adresse

Augustinerbach 2-7

Ort Aachen
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 46′ 37″ N, 6° 4′ 54,7″ OKoordinaten: 50° 46′ 37″ N, 6° 4′ 54,7″ O
Träger Stadt Aachen
Schüler etwa 850
Lehrkräfte etwa 70
Leitung Jürgen Bertram
Website www.kaiser-karls-gymnasium.de
Altes Schulgebäude, Gesamtansicht
Ausweichquartier von 1902 bis 1906
Haupteingang, Treppenhaus und Musiksaal
Das alte Schulgebäude mit seinen zwei Anbauten sowie Dom und Rathaus im Hintergrund

Das Kaiser-Karls-Gymnasium (kurz: KKG) wurde 1601 gegründet und ist das älteste Gymnasium der Stadt Aachen. Die ehemalige Jungenschule hat heute einen Anteil von etwa 37 Prozent Schülerinnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1601 eröffnete die Schule, damals noch unter dem Namen „Gymnasium Marianum des Jesuitenordens, in der Scherpenstraße (heutige Annastraße). Anfangs verfügte sie über zwei Grammatikklassen. Bis 1602 wurden zwei weitere Klassen eingerichtet. Im April 1615 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau des Gymnasiums und der Kolleggebäude. Im großen Stadtbrand von Aachen 1656 wurden die Kolleggebäude jedoch fast vollständig zerstört, allein das Schulgebäude blieb unbeschädigt.

Das Gymnasium nahm an Größe und Bedeutung zu. Im 17. und 18. Jahrhundert wuchs es zu einer siebenklassigen Vollanstalt, etwa 1000 Schüler besuchten die Jesuitenschule. 1773 wurde der Jesuitenorden durch Papst Clemens XIV. aufgelöst, das Gymnasium und Kolleggebäude wurden daraufhin geschlossen. Die Gebäude fielen an die Freie Reichsstadt Aachen und nannte sich demgemäß „Gymnasium Marianum der Freien Reichsstadt Aachen“.

1792 bis 1794 war Aachen von den französischen Revolutionstruppen besetzt, das Schulgebäude wurde beschlagnahmt. Die Schule musste daraufhin vorübergehend im Kloster der Regulierherren untergebracht werden, ein Jahr später fand der Unterricht gezwungenermaßen in den Privaträumen der fünf Klassenleiter statt. 1802 wurden die Lehrer nicht mehr von der Stadt Aachen bezahlt und waren vom Schulgeld der nur noch 63 Schüler abhängig.

1803 genehmigte der französische Präfekt Alexandre Méchin die Errichtung einer Sekundärschule nach französischem Vorbild. Vier Lehrer des ehemaligen Gymnasiums Marianum leiteten den Unterricht. Zum Direktor wurde der napoleonische Prokurator Franz Gall berufen. Am 3. August 1804 erfolgte ein Erlass Napoleons, nach dem die Schule im Augustinerkloster der Pontstraße untergebracht wurde. Durch die Säkularisation fiel das Gebäude dem französischen Staat zu. Die zum Kloster gehörende ehemalige St. Katharina-Kirche verblieb beim Gymnasium und wurde fortan als Aula Carolina bezeichnet. Am 1. Dezember 1805 eröffnete das Collège in Anwesenheit des neuen Präfekten Jean Charles Joseph de Laumond. 1811 löste der Theologe Josef Erckens Gall als Direktor ab.

Am 18. Januar 1814 wurde Aachen durch die Truppen der Alliierten befreit. Acht Monate später folgte ein Erlass, nach dem die Schule als „Preußisches Gymnasium“ bzw. „Gymnasium zu den Augustinern“ weitergeführt werde und vier Klassen umfasste. Die Fächer Deutsch, Geschichte, Griechisch und Mathematik wurden verstärkt. 1820 hatte das Gymnasium 116 Schüler und umfasste sechs Klassen. 1827 wurde Johann Joseph Schoen als Nachfolger des Altphilologen Friedrich Anton Rigler zum Direktor der Schule ernannt und bekleidete dieses Amt 44 Jahre lang. Bereits 1830 war die Schülerzahl auf 292 gewachsen. Während der Julirevolution im selben Jahr, die auch in Aachen zu massiven Unruhen führte, bewaffneten sich Lehrer und Schüler und versahen Wachdienste. 1842 erhielt die Schule den offiziellen Namen „Königliches Gymnasium zu Aachen“ und 1886 schließlich ihren heutigen Namen Kaiser-Karls-Gymnasium. Die Schülerzahl betrug zu diesem Zeitpunkt 557. Ab 1888 wurde ein Neubau am Augustinerbach geplant. 1903 begann der Bau des neuen Schulgebäudes nach Entwürfen des Aachener Stadtbaumeisters Joseph Laurent und am 4. April 1906 konnte es bezogen werden, nachdem die Schule ab 1902 vorübergehend Platz in dem ehemaligen und umgewidmeten Klostergebäude der Franziskaner-Minoriten von St. Nikolaus gefunden hat. Das heutige Gebäude am Augustinerbach ist somit bereits mehr als hundert Jahre alt. Im Ersten Weltkrieg wurden mehrere Schüler und Lehrer eingezogen, es kam zu Notreifeprüfungen und einem Absinken der Schülerzahl auf 507.[1]

Im Zuge der Wirtschaftskrise sank die Schülerzahl weiterhin und betrug 1929 nur noch 466. Nachdem Adolf Hitler 1933 Reichskanzler wurde, begann der Zugriff der nationalsozialistischen Machthaber auf die Schule. Politisch profilierte Lehrer wurden durch Versetzung gemaßregelt, andere Lehrkräfte wurden zugewiesen. 1934 wurde der Unterricht durch die „Rust-Erlasse“ reglementiert, Schüler und Lehrer wurden zur Napola einberufen. Nach der Schulreform von 1937 blieb das Kaiser-Karls-Gymnasium als eine der wenigen Schulen der Rheinprovinz humanistisches Gymnasium mit Latein und Griechisch als Pflichtfächern; der gymnasiale Bildungsweg wurde von neun auf acht Schuljahre verkürzt, deshalb fanden 1937 zwei Reifeprüfungen statt.

Heute hat das Kaiser-Karls-Gymnasium etwa 866 Schüler. Die früher für den Unterricht der „alten Sprachen“ bekannte Schule hat ihren Schwerpunkt auf den naturwissenschaftlichen Bereich gelegt. Die Schule ist auch für ihre Kunst-Etage bekannt. An der Schule unterrichtete von 1939 bis 1979 als Kunsterzieher der Maler Hubert Werden.

Die im Zweiten Weltkrieg massiv beschädigte Aula Carolina wurde erst 1980 wieder vollständig nach altem Vorbild, aber für heutige Zwecke neu aufgebaut, restauriert, saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Sie dient an Schultagen bis 17.00 Uhr dem KKG dem internen Betrieb und steht außerhalb dieser Schulzeiten für externe Veranstaltungen, besonders für klassische Konzerte, Empfänge, Vorträge, Theatervorstellungen, Lesungen und Ausstellungen zur Verfügung.

Bekannte Lehrer (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Schüler (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Lebensdaten Bemerkung
Walter Ameling 1958– Althistoriker
Matthias Baltes 1940–2003 Altphilologe
Eduard Beaucamp 1937– Kunstkritiker und Publizist
Theodor Beaucamp 1892–1944 Verwaltungsbeamter, Landrat in Kirchhain und Düren
Stephan Beissel 1841–1915 Jesuit und Kunsthistoriker
Caspar Anton von Belderbusch 1722–1784 Deutschordensritter und Premierminister in Kurköln
Dirk Bieresborn 1965– Jurist und Richter am Bundessozialgericht
Franz Bock 1823–1899 Kanonikus und Kunsthistoriker
Detlef Müller-Böling 1948– Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler
Frank Bräutigam 1975– Journalist und Jurist, Moderator des ARD-Ratgebers Recht
Joseph Ludwig Buchkremer 1899–1986 Weihbischof von Aachen
Stephan Buchkremer 1901–2000 Elektroingenieur und Gründer der Aachener Domwache
Egbert Bülles 1946– Oberstaatsanwalt in Köln
Erwin Classen 1889–1944 Verwaltungsbeamter und Landrat
Severin Corsten 1920–2008 Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Johann Joseph Couven 1701–1763 Architekt und Baumeister des Barocks
Peter Josef Franz Dautzenberg 1769–1828 Journalist und Zeitungsverleger sowie Begründer der Stadtbibliothek Aachen
Alfred Dickersbach 1931– Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht
Julius Dorpmüller 1869–1945 Reichsbahn-Generaldirektor und Reichsverkehrsminister
Arthur Eichengrün 1867–1949 Chemiker und Erfinder der Acetylsalicylsäure
Otto Eschweiler 1931– Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen und Honorarkonsul der Niederlande
Marino Freistedt 1954– Politiker (CDU)
Jörg Fündling 1970– Althistoriker
Albert Gier 1953– Begründer der Librettologie in Deutschland, Professor an der Universität Bamberg
Martin Gies 1951– Regisseur und Drehbuchautor
Hans Globke 1898–1973 Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, Staatssekretär in der Regierung Adenauer
Herbert Görtz 1955– Dirigent und Direktor der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen
Joseph Greving 1868–1919 Kirchenhistoriker
Rolf Große 1958– Professor am Deutschen Historischen Institut Paris (DHIP) für mittelalterliche Geschichte
Achim Großmann 1947– Mitglied des Bundestages, Staatssekretär im Verkehrsministerium
Cornelius von Guaita 1766–1821 Nadelfabrikant sowie Maire und Bürgermeister
Werner Hacke 1948– Neurologe und Schlaganfallforscher
Heinrich Hahn 1800–1882 Arzt, Abgeordneter des preußischen Landtags und Gründer des deutschen Franziskus-Xaverius-Vereins
Joseph Hammels 1868–1944 Weihbischof von Köln
Michael Hammers 1965– deutscher Künstler und Designer
Wilhelm Havers 1879–1961 Sprachwissenschaftler und Indogermanist
Wilhelm Heerde 1898–1991 deutscher Bildhauer und Politiker (NSDAP)
Hanns Heidemanns 1927–2012 Apotheker
Gerd Heinz 1940– Schauspieler, Regisseur, Professor und Leiter der Opernschule an der Staatlichen Musikhochschule Freiburg im Breisgau
Johannes Helmrath 1953– Historiker für mittelalterliche Geschichte
Will Hermanns 1885–1958 Mundartdichter sowie Leiter des Internationalen Zeitungsmuseums und des Presseamts der Stadt Aachen
Nikolaus Heyendal 1658–1733 aus Walhorn im damaligen Herzogtum Limburg stammender Theologe und Abt der Abtei Rolduc
Klaus Honnef 1939– Kunsthistoriker und Kunstkritiker
Leo Hugot 1925–1982 Dombaumeister und Stadtkonservator von Aachen, Architekt, Erbauer der Rathaustürme von Aachen
Andrej Hunko 1963– Politiker und Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke
Wilfried Jacobs 1944– Vorsitzender der AOK Rheinland und Sprecher der Primärkassen Rheinland
Hermann Jansen 1869–1945 Architekt und Stadtplaner
Johann Ferdinand Jansen 1758–1834 Historien- und Landschaftsmaler sowie Heimatdichter
Wilhelm Leopold Janssen 1830–1900 Verwaltungsbeamter, Landrat und Politiker
Franz Jörissen 1868–1932 Politiker der Wirtschaftspartei
Matthias Joseph Johnen 1817–1906 Ehrendomherr am Kölner Dom
Joseph Klinkenberg 1857–1917 Gymnasiallehrer und Historiker
Lothar Koenigs 1965– Dirigent
Max Krabbel 1887–1961 Chirurg und Verfechter der Eugenik
Heinrich Kranz 1901–1979 deutscher Erbpsychiater und Neurologe
Adam Kuckhoff 1887–1943 deutscher Schriftsteller, von den Nazis ermordeter Widerstandskämpfer
Ildikó von Kürthy 1968– deutsche Autorin und Journalistin
Heinrich Lausberg 1912–1992 Verfasser grundlegender Werke zu Fragen der Rhetorik
Albert Lauscher 1872–1944 Theologe und Politiker der Zentrumspartei
Verena Lepper 1973– Ägyptologin
Bernhard Maximilian Lersch 1817–1902 Arzt und Naturwissenschaftler
Theo Lieven 1952– Unternehmer
Joseph Lingens 1818–1902 Politiker (Zentrumspartei) und Reichstagsabgeordneter
Jürgen von der Lippe 1948– deutscher Comedian, bürgerlich: Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp
Franz Loogen 1919–2010 deutscher Kardiologe
German Hubert Christian Maaßen 1825–1910 katholischer Pfarrer und Althistoriker
Heinz Malangré 1930–2017 Manager und Verleger
Kurt Malangré 1934– ehemaliger Oberbürgermeister von Aachen
Josef Martinelli 1936– Fußballspieler
Ludwig Mathar 1882–1958 deutscher Schriftsteller
Karl Franz Meyer 1728–1795 Historiker und Notar sowie Leiter des Archivs der Stadt Aachen
Karl Franz Leonhard Meyer 1763–1821 Historiker, Privatgelehrter und Leiter des Archivs der Stadt Aachen
Johann Peter Joseph Monheim 1786–1855 Apotheker, Chemiker und Politiker
Karl von Monschau 1944– geboren als Karl Winter, Objektkünstler
Joseph Müller 1802–1872 Philologe und Naturforscher sowie Mundartdichter
Josef Nacken 1860–1922 Politiker der Zentrumspartei
Franz-Josef Neumann 1955– Mediziner, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Herzzentrums Bad Krozingen
Franz Oppenhoff 1902–1945 von den Nazis ermordeter Bürgermeister der Stadt Aachen
Joseph Oppenhoff 1868–1958 Landgerichtspräsident in Aachen
Friedrich Pauwels 1885–1980 Orthopäde und Biomechaniker
Matthias Goswin Pelzer 1754–1814 Syndikus von Aachen sowie Präsident des Kantons Aix-la-Chapelle
Rudolf Pohl 1924– Prälat und Kirchenmusiker sowie Domkapellmeister a. D.
Johann Pütz 1851–1945 katholischer Geistlicher
Wilhelm Rombach 1884–1973 Landrat von Düren, Oberbürgermeister von Aachen und Regierungspräsident
Karl Eduard Rothschuh 1908–1984 Herzphysiologe und Medizinhistoriker
Georg Rudinger 1942– Gerontologe
Wilhelm Salber 1928– Psychologe und Philosoph
Klaus Sallmann 1934– Altphilologe
Hermann Schnitzler 1905–1976 Kunsthistoriker
Felix Seulen 1900–1958 Landrat in Eupen und Malmedy sowie Oberkreisdirektor in Aachen
Hans Siemons 1930–2006 Journalist
Thaddäus Soiron 1881–1957 Franziskaner (OFM), Theologe und Hochschullehrer
Hans Stercken 1923–1999 Journalist und Politiker (CDU)
Hermann Sträter 1891–1956 Verwaltungsbeamter und Landrat des Landkreises Aachen
Hermann Joseph Sträter 1866–1943 Aachener Münsterprobst und Weihbischof in Köln und Aachen
Bernhard van Treeck 1964– Fachbuchautor und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Wolfgang Trees 1942–2009 ehemaliger Redakteur der Aachener Nachrichten und Autor mehrerer Bücher über die Region Aachen und ihre Geschichte
Kaspar Vallot 1925– ehemaliger Chefredakteur der Aachener Nachrichten
Viktor Vanberg 1943– Hochschullehrer für Wirtschaftspolitik
Joseph Heinrich Peter Vogt 1865–1937 Kirchenrechtler und erster Bischof von Aachen
Dirk Edmund Zerwas 1968– Elementarteilchenphysiker
Carl Eugen Zimmermann 1828–1902 Baumeister und Beigeordneter Bürgermeister der Stadt Aachen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfons Fritz: Geschichte des Kaiser-Karls-Gymnasiums in Aachen, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsverein (ZAGV), 42, 1921, S. 90–232
  • Alfons Fritz: Die Auflösung des Aachener Jesuitenkollegs und ihre Folgen, im besondern der Streit um das Jesuitenvermögen bis zum Jahre 1823, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (ZAGV) 29, 1907, S. 211–276
  • Jahresberichte über das Kaiser-Karls-Gymnasium von 1886/87 bis 1914/15 ULB Düsseldorf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaiser-Karls-Gymnasium, Aachen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jörg Fündling: KKG-Notabitur als Teil der Mobilmachung in: Aachener Nachrichten vom 28. Juni 2014