Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

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Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Teilansicht des Gebäude­ensem­bles der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis­kirche: Alte Kirche/Turmruine und Neuer Turm, 2004

Teilansicht des Gebäude­ensem­bles der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis­kirche: Alte Kirche/Turmruine und Neuer Turm, 2004

Daten
Ort Berlin
Architekt Franz Schwechten
Egon Eiermann
Bauherr Evangelischer Kirchenbauverein
Baustil neoromanisch
Baujahr 1891–1895
Höhe 71 m
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, um 1900

Die evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (auch Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und kurz Gedächtniskirche, umgangssprachlich KWG oder im Berliner Volksmund „Hohler Zahn“ genannt) steht im Berliner Ortsteil Charlottenburg auf dem Breitscheidplatz zwischen dem Kurfürstendamm, der Tauentzienstraße und der Budapester Straße.

Weltbekannt als Wahrzeichen des Berliner Westens ist die Turm­ruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neuromanischen Kirche, die heute ein Museum und Mahnmal für den Frieden ist. Ein großer Teil der Ruine wurde noch in den 1950er Jahren abgerissen und 1959 bis 1961 durch von Egon Eiermann entworfene Bauten samt einem neuen Kirchbau ergänzt.

Die Kirche wird von der Evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde für Gottesdienste und Veranstaltungen genutzt. Die Gemeinde gehört zum Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf im Sprengel Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Alte Gedächtniskirche: Der neoromanische Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Kirchenbau der Gemeinde geht zurück auf das Programm des Evangelischen Kirchenbauvereins. Auf Anregung Kaiser Wilhelms II. wurde die Bedeutung des Gebäudes um die Facette der Gedenkstätte zu Ehren Wilhelms I. erweitert. Im hierfür ausgeschriebenen Architekturwettbewerb setzte sich Franz Schwechten, späterer königlicher Baurat und Mitglied der Bauakademie, durch. Bereits zuvor war Schwechten in Berlin an der Planung des Anhalter Bahnhofs tätig gewesen und hatte sich schon einen Namen gemacht.

Obwohl offiziell der Kirchenbauverein die Bauträgerschaft innehatte, nahm das amtierende Kaiserpaar des Öfteren Einfluss auf die Ausführung und besuchte die Baustelle mehrfach. An der Finanzierung beteiligte sich die kaiserliche Familie jedoch kaum. Die Baukosten von 6,8 Millionen Mark wurden hauptsächlich von Einzelpersonen und den deutschen Provinzen aufgebracht. Auch wurde eine Gedenk- und Festschrift herausgegeben,[1] deren Reinertrag die Kosten mit bestreiten sollte und für deren Kauf auch amtlich geworben wurde.[2] Der Grundstein wurde am 22. März 1891 gelegt, um an den Geburtstag des Namensgebers zu erinnern. Bereits am 1. September 1895, dem Vorabend des damaligen Sedantages, konnte die Einweihung gefeiert werden.

Schwechten, ein gebürtiger Kölner, hatte einen Entwurf im Stil der Neoromanik geliefert, orientiert an den romanischen Kirchen des Rheinlands. Die Anzahl der Türme und die Form des Vierungsturms erinnerte an das Bonner Münster, der Chor an die evangelische Marienkirche in Gelnhausen. Viele Details wurden sehr genau übernommen. Die Nachahmung ging so weit, dass für die Fassade Tuff benutzt wurde, der in der Eifel vorkommt und für rheinische Kirchen Verwendung fand, in Brandenburg aber völlig fremd war.

Das Gebäude mit seinen fünf Türmen wirkte beeindruckend monumental. Der heute größtenteils erhaltene Hauptturm war mit 113 Metern[3] (jetzt: 71 Meter)[4] der höchste der bis 1920 eigenständigen Stadt Charlottenburg. Nach dem Beispiel dieser Kirche wurde die Neuromanik zeitweilig in ganz Deutschland zum beliebten Baustil. Mehrere Gebäude in der direkten Umgebung waren in bewusstem Bezug zur Kirche ebenfalls im neuromanischen Stil erbaut und bildeten das sogenannte „Romanische Forum“.[5] Ein Beispiel dafür war das ebenfalls von Schwechten erbaute Romanische Café auf dem Gelände des heutigen Europa-Centers.

Die Glocken der alten Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der Lautstärke des Geläutes – es bestand aus fünf Glocken, die zur damaligen Zeit an Größe und Gewicht nur von denen des Kölner Doms übertroffen wurden – und der Menschenmenge wurden die Wölfe des Zoologischen Gartens unruhig und heulten:

„Lang hallendes Geheul, das Kläffen der Köter und das heisere Bellen der Wölfe mischte sich in den Friedengruß der Glocken und akkompagnierte den Jubel des Publikums. Das aber stand nicht auf dem Programm. Ein Polizeioffizier zu Pferde jagte wie rasend nach dem Zoologischen Garten; ein paar Wachtmeister stürmten hinein, um den heulenden Bestien kraft ihres Amtes und ihrer Autorität das Singen zu verbieten – aber die rebellischen Tiere hatten wenig Respekt vor den blauen Uniformen: sie heulten, kläfften und bellten unentwegt weiter.“

Fedor von Zobeltitz, Chronik der Gesellschaft unter dem letzten Kaiserreich, 1922, Bd. I., S. 77–78

Die seinerzeit aus – im Deutsch-Französischen Krieg erbeuteten – Bronzegeschützen hergestellten Glocken fielen wiederum dem Materialbedarf während des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Vier der fünf Glocken wurden am 7. Januar 1943 aus dem Turm abgenommen und erneut zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Lediglich die kleinste Glocke verblieb der Gemeinde. Bei der Zerstörung der Kirche wurde diese Glocke schwer beschädigt und 1949 an die Glockengießerei Schilling in Apolda/Thüringen geliefert, wo sie einst gegossen wurde.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer,
Gussort
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
 
1 Königin Luise – Kaiser Wilhelm I. 1894 Franz Schilling,
Apolda
2840 13.230 d0
2 Augusta 2320 8.306 f0
3 Deutschland 1840 3.835 a0
4 Kaiser Friedrich 1750 3.780 b0
5 Wilhelm II. – Auguste Viktoria 1540 3.045 c1

Innengestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Innere der Kirche war aufwendig gestaltet. In der heute noch zugänglichen Vorhalle der alten Kirche befinden sich kunsthandwerklich bedeutende Mosaiken, die von Hermann Schaper entworfen und von der Firma Puhl & Wagner ausgeführt wurden. Großenteils verdeutlichen sie die Vorstellung vom Gottesgnadentum, die damals schon als überholt galt.

Für ebendiese Eingangshalle schuf der Bildhauer Adolf Brütt einen 1906 vollendeten Bildzyklus, der einerseits das Leben Wilhelm I. darstellte, andererseits das Geschehen der Befreiungskriege dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 gegenüberstellte.

Die Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht zum 23. November 1943 geriet das Kirchengebäude bei einem britischen Luftangriff auf Berlin in Brand, was sowohl zum Zusammenbruch des Dachstuhls über dem Kirchenschiff als auch zum Abknicken der Spitze des Hauptturms führte. Von Seiten der NS-Führung gab es gegenüber der Gemeinde die Zusage, nach dem Zweiten Weltkrieg die zerstörte Gedächtniskirche ebenso groß und prachtvoll wiederaufzubauen. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs taten sich, im Gegensatz dazu, relativ schwer mit dieser Planung; spiegelte das Gebäude doch auch den wilhelminisch-deutschen Nationalstolz wider. In der Nachkriegszeit wurde die Ruine vorerst dem Zerfall überlassen. Erst 1956 begann man, den einsturzgefährdeten Chor abzureißen.

Die neue Gedächtniskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahnmal und Nachkriegsbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebäude: Ruine der alten Kirche (rot) und Eiermann-Neubauten (blau)

Im März 1957 gewann Egon Eiermann den Architektenwettbewerb zum Neubau der Kirche. Sein Modell sah zu Gunsten eines modernen Neubaus den vollständigen Abriss der Ruine vor. Diese Pläne verursachten eine ungewohnt leidenschaftliche öffentliche Debatte. Sie endete mit einem Kompromiss, der sowohl vom Architekten als auch von den Bürgern widerstrebend akzeptiert wurde. Die 71 Meter[6][4] hohe Ruine des alten Hauptturms blieb, bautechnisch gesichert, als Mahnmal gegen den Krieg erhalten, umgeben von einem vierteiligen Bauensemble nach den Entwürfen Eiermanns. Ein oktogonales Kirchenschiff und ein rechteckiges Foyer im Westen des alten Turmstumpfes und ein hexagonaler Glockenturm (53,5 Meter) sowie eine ebenfalls rechteckige Kapelle östlich davon. Am 9. Mai 1959 fand die Grundsteinlegung für den Neubau statt, am 17. Dezember 1961 wurde die fertige Kirche durch den Landesbischof Otto Dibelius eingeweiht. Das gesamte Ensemble der Gedächtniskirche ist mittlerweile denkmalgeschützt und gilt als wichtiges Mahnmal der Nachkriegszeit und als eines der markantesten Bauwerke Berlins. Vielfach wird das Gebäude von Touristen aufgesucht. Im Berliner Volksmund sind das achteckige Kirchenschiff und der neue Glockenturm auch unter dem Ausdruck Lippenstift und Puderdose geläufig.

Die neue Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarbereich in der neuen Kirche

Der Architekt Egon Eiermann entwarf auch alle wesentlichen Elemente der Innenräume des Ensembles – Altar, Kanzel und Taufbecken, Kerzenleuchter, Lampen, Gestühl, Fußboden und sogar den Orgelprospekt. Über dem Altar hatte Eiermann ursprünglich ein schlichtes Kreuz vorgesehen. Ihm kam allerdings der Landesbischof Otto Dibelius zuvor, der der Kirche den von Karl Hemmeter in Tombak geschaffenen, fast 300 Kilo schweren und 4,60 Meter großen Auferstehungschristus schenkte.[7] In einer Seitenkapelle auf der rechten Seite befindet sich eine Bronzetafel, die der evangelischen Märtyrer von 1933 bis 1945 gedenkt. An ihr ist ein aus Spanien stammendes Kruzifix des 13. Jahrhunderts angebracht. In der Kapelle ist auch die Stalingradmadonna zu sehen.[7]

Blaues Licht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Charakteristikum der neuen Gebäude sind die gerasterten Wände, die aus insgesamt mehr als 20.000 unitären Glasfenstern bestehen. Der französische Glaskünstler Gabriel Loire, der Glaswände und Glasfenster für etwa 400 Kirchen allein in Frankreich und zahlreiche weitere in aller Welt entwarf, hatte sie in seiner Werkstatt in Chartres vorbereitet. Besonderes starkes, farbiges Glas wurde in unregelmäßige, kleine Teile zerschlagen, zu quadratischen Formen geordnet und in Betongitter eingefügt. An den Bruchflächen der Glasstücke wird das einfallende Licht zusätzlich gebrochen, ähnlich dem Effekt bei geschliffenen Edelsteinen. In Berlin hängte man die Raster-Elemente dann in die Stahlkonstruktion der Fassaden ein. Zum Ultramarinblau wurde Loire vom Blau im Jessebaum der Kathedrale von Chartres inspiriert.[8] Es wurde intensiver als das von Eiermann ursprünglich vorgesehene helle Wasserblau. Die blauen Glaswände sind erst ab vier Meter Höhe eingefügt, um die Kirchenbesucher nicht zu blenden. Die insgesamt vier Zentimeter dicke doppelwandige Konstruktion des Zentralbaues hält den Lärm der nahe gelegenen belebten Straßen fern. Bei Einbruch der Dämmerung ist eine elektrische Beleuchtung zwischen den Doppelwänden möglich. Dann wirken in der Kirche nur die Glasbausteine der Innenwand.[9]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuke-Orgel

Die Orgel wurde 1958 bis 1962 von Karl Schuke erbaut und hat über 5000 Pfeifen; sie wurde 2005 generalüberholt. Besonderheiten sind die Vielzahl von Klangfarben (z. B. Voix céleste oder Fagott) der 63 Register und die waagerecht angelegten Pfeifen der Spanischen Trompeten.[10]

Die Orgel hat folgende Disposition:

I Positiv C–
1. Principal 08′
2. Rohrflöte 08′
3. Quintadena 08′
4. Oktave 04′
5. Blockflöte 04′
6. Rohrpfeife 02′
7. Quinte 0113
8. Sesquialtera II 0223
9. Mixtur IV-VI 0113
10. Terzcymbel III 0014
11. Fagott 16′
12. Oboe 08′
13. Schalmei 04′
Tremulant
II Hauptwerk C–
14. Principal 16′
15. Oktave 08′
16. Spielflöte 08′
17. Oktave 04′
18. Nachthorn 04′
19. Rohrnasat 0223
20. Oktave 02′
21. Mixtur VI–VIII 02′
22. Mixtur IV 01′
23. Trompete 16′
24. Spanische Trompete 08′
25. Trompete 08′
26. Spanische Trompete 04′
III Schwellwerk C–
27. Gedacktpommer 16′
28. Schwegel 08′
29. Koppelflöte 08′
30. Viole de Gambe 08′
31. Voix céleste 08′
32. Holzprincipal 04′
33. Hohlquinte 02⅔′
34. Nachthorn 02′
35. Terz 0135
36. Gemshorn 01′
37. Fourniture V–VII 02′
38. Rauschquinte II 0113
39. Trompette harmonique 08′
40. Clairon 04′
Cornettzug
Tremulant
IV Brustwerk
(schwellbar)
C–
41. Holzgedackt 08′
42. Spitzgedackt 04′
43. Principal 02′
44. Oktave 01′
45. Terzian II 0135
46. Scharff III–V 0012
47. Krummhorn 08′
48. Vox humana 08′
Tremulant
Pedal C–
49. Principal 16′
50. Subbass 16′
51. Quinte 1023
52. Oktave 08′
53. Trichtergedackt 08′
54. Oktave 04′
55. Hohlflöte 04′
56. Feldpfeife 01′
57. Basssesquialtera III 0513
58. Mixtur V 0223
59. Fagott 32′
60. Posaune 16′
61. Trompete 08′
62. Spanische Trompete 04′
63. Spanisch Cornett 02′

Die Glocken der neuen Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der charakteristische sechseckige Glockenturm bietet den sechs Bronzeglocken der Glocken- und Kunstgießerei Rincker aus Sinn eine ausgezeichnete Akustik. Das Geläut ist eine Mischung aus harmonischer und melodischer Disposition. Die Glocken hängen jeweils zu zweien nebeneinander im dreigeschossigen Stahlglockenstuhl an geraden Stahljochen; der Läuteantrieb erfolgt elektrisch. Die Läuteordnung nennt folgende abgestufte Geläute:

  • Vaterunser im Gottesdienst: Glocke 4
  • Andachten, Familiengottesdienste, Taufen und Trauungen: Glocken 6, 5 und 4
  • Orgelvespern und Trauerfeiern: Glocken 6, 5, 4 und 3
  • Sonntags-Gottesdienste: Glocken 6, 5, 4, 3 und 2
  • Festtags-Gottesdienste: Vollgeläut aller sechs Glocken (6–1).[11]
Nr.[12]
 
Gussjahr
 
Gießer,
Gussort
Ø
(mm)
Gewicht
(kg, ca.)
Nominal
(HT-1/16)
Inschrift
 
1 1960 Glocken- und
Kunstgießerei
Rincker, Sinn
2.140 5.740 g0 +1 Eure Städte sind mit Feuer verbrannt (Jes 1, 7). Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird kein Ende haben (Jes 51, 6)
2 1818 3593 b0 +3 Er vergilt uns nicht nach unserer Missetat (Psalm 103, 10)
3 1648 2854 c1 +4 Gott, dein Weg ist heilig (Psalm 77, 14)
4 1473 2000 d1 +4 Hilf deinem Volk und segne dein Erbe (Psalm 28, 9)
5 1405 1807 es1 +4 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt; denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott! (2. Kor 5, 20)
6 1279 1453 f1 +3 Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens (Eph. 4, 3)

Die Turmuhr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beleuchtete Turmuhr

Die Uhr an der Hauptturm-Ruine wurde 1959 mit einem Aufwand von 430.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung rund 978.000 Euro) auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Sehr selten ist die Beleuchtung der Uhrzeiger durch Leuchtstoffröhren. Gespendet wurde der Betrag unter anderem von Militärbischof Hermann Kunst, der an die Spende die Bedingung geknüpft hatte, dass die Uhr beleuchtet sei. Am 24. Januar 2008 wurden von Uhrmachermeister Ingo Zimmer drei Uhrmotoren wegen irreparabler Schäden außer Betrieb gesetzt und die Uhrzeiger auf 12 Uhr festgestellt. Einzig die an der Ostseite befindliche Uhr zeigte weiter die aktuelle Uhrzeit an. Im Rahmen der 2013 abgeschlossenen Bauwerksanierung erfolgten Reparaturen und Renovierungsarbeiten an den Uhren, die seitdem mit LED-Strahlern beleuchtet werden.

Kapelle der Gedächtniskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umrahmung der Kapelle besteht ebenfalls aus Glasbausteinen, allerdings in hellem Farbton mit wenigen hellblauen Einsprengseln. Die Kapelle selber ist ein reiner Stahlbau. Zwischen der Kapelle und der Umrahmung verläuft ein schmaler Gartenstreifen.[13] Eine sehr kleine Zeichnung des leidenden Christus von Ernst Barlach verkörpert das Altarbild. Die Kapelle ist nicht zu besichtigen und dient gemeindeinternen Zwecken.

Renovierung der neuen Gedächtniskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türme der Gedächtniskirche, Februar 2014
Alter Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Sommer 2014

Alter Glockenturm (Kriegsruine)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alte Glockenturm (die Kriegsruine) wurde renoviert. Bei der ersten Sanierung in den 1980er Jahren wurden die Steine der Ruine oberflächenversiegelt (Hydrophobierung) und dadurch von innen heraus geschädigt. Durch die Renovierung des alten Turms von Anfang 2009 bis 2015 wurde die nach allen Seiten hin offene Ruine so geschützt, dass Regen- und Schmelzwasser schnell abgeführt wird.[14]

Neuer Glockenturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nächstes steht die Renovierung des neuen Turmes an. Seit 2014 ist dieser zur Substanzuntersuchung und Planung der schwierigen Sanierung des Betonbaus eingerüstet.[15] Ein weiterer Schritt ist die Sanierung der Kapelle der Gedächtniskirche mit Hilfe der Wüstenrot Stiftung im Jahr 2015. Renoviert werden sollen Fenster, Fassade, Garten, Heizung, Lüftung, Elektro- und Sanitäranlagen.[16]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen Turmruine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedächtniskirche Berlin, 2015
Einrüstung des Turmes, 2011

Die Turmruine wurde nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg als Mahnmal für den Frieden in ihrem zerstörten Zustand belassen. Sie befand sich im Laufe der Zeit in einem bautechnisch schlechten Zustand und bedurfte einer umfassenden Sanierung. Auf Initiative der Kirchengemeinde und der für den Erhalt des Bauensembles Verantwortlichen haben sich mehrere Berliner Unternehmen zusammengefunden, um Geld zur Deckung der Sanierungskosten zu sammeln.[17] Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte die Sanierung der Turmruine.[18] Mit dem Einrüsten des alten Turmes wurde im Oktober 2010 begonnen, die Innensanierung begann im Frühjahr 2012. Die Haupt-Bauarbeiten wurden 2013 abgeschlossen, und das komplexe Gerüst wurde in mehreren Abschnitten seit August 2013 abgebaut.[19]

Stalingradmadonna in der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stalingradmadonna

Zur Ausstattung des Kirchenraumes gehört unter anderem die Zeichnung Madonna von Stalingrad, die Kurt Reuber zu Weihnachten 1942 als Arzt der Wehrmacht in der Schlacht von Stalingrad (heute: Wolgograd) anfertigte. Neben der Stalingradmadonna befindet sich als Zeichen der Aussöhnung auch eine Madonna mit Kind in Ikonenform, die von der Kirche in Wolgograd (früher Stalingrad) gestiftet wurde. Kopien der Stalingradmadonna sind an verschiedenen Gedenkorten zu finden, wie in einer Kapelle der Kathedrale von Coventry sowie in der russisch-orthodoxen Kathedrale von Wolgograd.

Gedenkhalle in der Ruine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Eingangshalle des alten Gebäudes wurde 1987, zur 750-Jahr-Feier Berlins, in einen Raum des Gedenkens an die Geschehnisse und die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg umgewandelt. Eines der zentralen Exponate ist hier das Nagelkreuz von Coventry als Zeichen der Versöhnung.

Die Nägel, aus denen es geformt wurde, stammen von verbrannten Dachbalken der Kathedrale in Coventry, die am 14. November 1940 bei deutschen Luftangriffen zerstört und ebenfalls bewusst als Ruine erhalten wurde.

Kirchengemeinde und Kirchenbesucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottesdienste und Andachten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sonntag und Feiertag, 10 Uhr: Abendmahlsgottesdienst, 18 Uhr: Gottesdienst[20]
  • Andachten in der Woche: Montag bis Freitag 13 Uhr, 17:30 und 18 Uhr in der Kirche, Freitag 13 Uhr das Coventry-Versöhnungsgebet in der Gedenkhalle[21]
  • Samstag, 18 Uhr: Bach-Kantate-Gottesdienst oder Orgelvesper[22]

Bekannte Gemeindeglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besucher kommen aus aller Welt. Es sind täglich je nach Jahreszeit etwa 3.000 bis 10.000 Menschen. Von den Besuchern kamen in einer Augustwoche des Jahres 2015 6 % aus Berlin, 40 % aus den anderen deutschen Bundesländern und 49 % aus dem Ausland, der Rest beantwortete die Frage nicht. Besonders beeindruckten das blaue Licht in der Neuen Kirche, die Mosaiken in der Gedenkhalle und die Thematik Krieg und Versöhnung. Bei der Befragung in der Augustwoche des Jahres 2015 gehörten 70 % der Besucher der Neuen Kirche einer christlichen Religion an. Ein Sechstel der Besucher der Neuen Kirche setzte sich, 10 % nutzten die Zeit für ein Gebet. [23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vera Frowein-Ziroff: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche. Entstehung und Bedeutung (= Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Beiheft 9). Gebr. Mann, Berlin 1982, ISBN 3-7861-1305-X.
  • Erwin Gerlach: Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin (= Kleine Kunstführer. Nr. 2313). 3. Auflage. Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-6078-6.
  • Godehard Hoffmann: Architektur für die Nation? Der Reichstag und die Staatsbauten des Deutschen Kaiserreichs 1871–1918. DuMont, Köln 2000, ISBN 3-7701-4834-7.
  • Kuratorium der Kaiser Wilhelm Gedächtniß-Kirche – Stiftung des Evangelischen Kirchenbau-Vereins für Berlin (Hrsg.): Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniß-Kirche. Zum Tage der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares, dem 27. Februar 1906. J. Sittenfeld, Berlin 1906.
  • Cornelius Steckner: Der Bildhauer Adolf Brütt. Schleswig-Holstein, Berlin, Weimar. Autobiographie und Werkverzeichnis (= Schriften der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Bd. 9). Westholsteinische Verlags-Anstalt Boyens, Heide in Holstein 1989, ISBN 3-8042-0479-1, S. 172–176.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Oncken: Unser Heldenkaiser: Festschrift zum hundertjährigen Geburtstage Kaiser Wilhelms des Grossen. Hrsg.: Komitee für die Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche. Schall & Grund, Berlin 1897.
  2. Unter anderem: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. Jg. 1898, Nr. 4 vom 29. Januar 1898, S. 26.
  3. Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Alter Turm
  4. a b Artikel zur digitalen Neuvermessung des Turms in der B.Z., aufgerufen am 30. Juni 2010
  5. Romanische Häuser, Berlin
  6. Hinweis auf die alte Turmhöhe
  7. a b Jessica Waldera: Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin. Hrsg.: Burkhard Staudinger. Publicon, Berlin 2012, ISBN 978-3-927418-42-4, S. 1, 34, 35.
  8. Ultramarinblau der Fenster der Kathedrale von Chartres als Inspiration für Gabriel Loire
  9. Martin Germer: Ökumenisches Glück und persönliche Tragik. In: Momentum. Zeitung für Spender, Freunde und Interessierte. Ausgabe 11, März 2015, S. 6–7, (Digitalisat (PDF; 1,5 MB)).
  10. Öffentliche Orgelführung an der Karl-Schuke-Orgel der Gedächtniskirche am 3. August 2014.
  11. Berlin-Charlottenburg (D), evang. Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche – Vollgeläute auf YouTube.
  12. Kurt Kramer: Die Glocke und ihr Geläute von den Anfängen bis zur Gegenwart. (Geschichte, Technologie und Klangbild vom Mittelalter bis zur Gegenwart). 3., durchgesehene Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1990, ISBN 3-422-06066-9, S. 51.
  13. Steffen Obermann: Die Kapelle: licht und heiter – und bald saniert. In: Momentum. Zeitung für Spender, Freunde und Interessierte. Ausgabe 11, März 2015, S. 8, (Digitalisat (PDF; 1,5 MB)).
  14. Martin Germer im Gespräch mit Gerhard Schlotter: Entscheidend war die Analytik. Über die denkmalgerechte Sanierung des Alten Turms. In: Momentum. Zeitung für Spender, Freunde und Interessierte. Ausgabe 11, März 2015, S. 3, (Digitalisat (PDF; 1,5 MB)).
  15. Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (Hrsg.): Gemeindeinformation Juni bis August 2014.
  16. Philipp Kurz: Kapelle der Gedächtniskirche wird saniert. In: Momentum. Zeitung für Spender, Freunde und Interessierte. Ausgabe 9, März 2015, S. 4.
  17. Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
  18. Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche – Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Abgerufen am 30. Juni 2017 (deutsch).
  19. Neues zum aktuellen Stand der Sanierung des Alten Turms
  20. Details
  21. Andachten in der Woche
  22. Abendmusik um 18 Uhr
  23. Anrea Prehn: „Wunderbar ist es hier auch für's Beten“. In: Momentum. Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, April 2016, S. 8-9.

Koordinaten: 52° 30′ 17″ N, 13° 20′ 7″ O