Kalenden

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Die Kalenden (lateinisch Kalendae) waren im römischen Kalender jeweils der erste Tag eines Monats.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologisch leitet sich „Kalendae“ ab vom Ausrufungsritual („kalo“) im Zusammenhang mit der Göttin Iuno Covella. Grammatisch kommen sie nur in der Mehrzahl vor (sind ein Pluraletantum) und sind eines der ganz wenigen lateinischen Wörter, die traditionell mit einem K geschrieben wurden. Von ihnen leitet sich das deutsche Wort „Kalender“ (über lateinisch calendarium „Verzeichnis der Kalendae“) ab.

In den meisten Tochtersprachen des Latein ist der Begriff Kalendae in seiner Ursprungsbedeutung verschwunden, hat sich indes in vereinzelten Regionen erhalten (z. B. in einigen italienischen Dialekten[1] sowie im bündnerromanischen Brauchtumsnamen Chalandamarz).

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Monatstag des römischen Kalenders bedeutete auch Zahltag. In Anlehnung daran gründeten sich im Mittelalter die Kalandbruderschaften. Die Kalenden waren neben den Nonen, Iden und Terminalien einer der vier feststehenden Feiertage, die jeder Monat des römischen Kalenders hatte. Diese vier Feiertage bezeichneten ursprünglich die Mondviertel (Kalenden: Neumond, Iden: Vollmond, Nonen und Terminalien: zunehmender bzw. abnehmender Halbmond).

Gebrauchsanleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römer nannten den ersten Tag jeden Monats die "Kalenden", die den Beginn einer neuen Mondphase einläuteten. An diesem Tag verkündeten die pontifices in der Curia Calabra die Anzahl an Tagen bis zum nächsten Monat; außerdem mussten Schuldner an diesem Tag ihre Schulden begleichen. Diese Schulden wurden in der kalendaria eingetragen, gewissermaßen ein Rechnungsbuch.

Moderne Kalender zählen die Anzahl Tage nach dem ersten Tag jeden Monats; im Gegensatz dazu maß der römische Kalender die Anzahl Tage bis zu bestimmten Zukunftsdaten (zum Beispiel die Kalenden, die Nones oder die Iden).

Um den Tag zu den Kalenden des nächsten Monats zu berechnen, ist es notwendig, die verbleibenden Tage im aktuellen Monat zu ermitteln und dazu zwei zu addieren. Zum Beispiel ist der 22. April der 10. Tag zu den Kalenden von Mai, weil 8 Tage im April übrig sind.[2]

Redensartliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„An den griechischen Kalenden“ ist gleichbedeutend mit „zu St. Nimmerlein“ – d. h. niemals – und ist eine Direktübersetzung der lateinischen Redensart „ad Kalendas graecas“.[3] Der griechische Kalender kannte keine Kalendae. Diese Redensart ist heute kaum noch bekannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Rüpke: Zeit und Fest: Eine Kulturgeschichte des Kalenders. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54218-2, S. 19.
  • Jörg Rüpke: Kalender und Öffentlichkeit: Die Geschichte der Repräsentation und religiösen Qualifikation von Zeit in Rom. de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014514-6, S. 200 und 211.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beispielsweise im Tessin; siehe Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana, Band III, S. 232 ff., Lemma Calend.
  2. "Calends", Chambers' Cyclopaedia (1728), Vol. 1, p. 143
  3. So etwa Sueton: Augustus 87.