Kalinino (Kaliningrad)

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Siedlung
Kalinino
Mehlkehmen (Birkenmühle)

Калинино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Mehlkehmen (bis 1938)
Birkenmühle (1938–1945)
Bevölkerung 499 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 150 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40144
Postleitzahl 238024
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 804 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 27′ N, 22° 35′ OKoordinaten: 54° 27′ 0″ N, 22° 35′ 0″ O
Kalinino (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Kalinino (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Kalinino (russisch Кали́нино, deutsch bis 1938 Mehlkehmen, 1938–1945 Birkenmühle, litauisch Mielkiemis bzw. litauisch Kalininas) ist ein Dorf im Rajon Nesterow in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zur Landgemeinde Tschistoprudnenskoje.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalinino liegt in Ostpreußen im Nordosten der Rominter Heide am linken Ufer der Pissa.

Durch den Ort führt eine Nebenstraße, die von Sawety (Kattenau) kommend nahe dem Bahnhof Jasnaja Poljana (Trakehnen) die russische Fernstraße A 229 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) kreuzt und über Borowikowo (Schinkuhnen, 1938–1946 Schenkenhagen) und Uwarowo (Ribbenischken, 1938–1946 Ribbenau) auf die Straße trifft, die von Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) und Newskoje (Pillupönen, 1938–1946 Schloßbach) in das russisch-polnische Grenzgebiet bei Saslonowo (Szittkehmen, 1936–1938 Schittkehmen, 1938–1946 Wehrkirchen, auf polnischer Seite Żytkiejmy) führt.

Bis 1945 war Mehlkehmen (Birkenmühle) Bahnstation an der Reichsbahnstrecke Gumbinnen–Goldap über Tollmingkehmen (1938–1946 Tollmingen, russisch: Tschistyje Prudy) und Szittkehmen (1936–1938 Schittkehmen, 1938–1946 Wehrkirchen, russisch: Saslonowo, polnisch: Żytkiejmy).

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1539 gibt es die Namensform Mylkeym, 1564 ist Milkiem überliefert. Der baltische Name weist auf die Verbreitung von Blaubeeren oder Blaufärbe-Kräutern hin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehlkehmen gehörte von 1818 bis 1841 zum Landkreis Goldap, danach bis 1945 zum Landkreis Stallupönen (1938–1945 Landkreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen in der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 24. Juni 1874 wurde aus den Landgemeinden Klein Lengmeschken, Mehlkehmen, Messeden und Sobeitschen der Amtsbezirk Mehlkehmen gebildet.

Die drei Gemeinden wurden zum 1. Oktober 1937 in die Gemeinde Mehlkehmen eingemeindet, so dass der Amtsbezirk Mehlkehmen nur noch aus der Gemeinde Mehlkehmen bestand. In der Zeit von 1938 bis 1945 trug der Ort den germanisierten Namen Birkenmühle, der Amtsbezirk wurde entsprechend umbenannt.

Im September 1914 kämpften deutsche und russische Truppen um das Dorf. Es hatte 1885 711 Einwohner, 1910 670 und 1939 1.075 Bewohner.

Seit 1947 trägt der Ort den Namen Kalinino,[2] der in Russland häufiger vorkommt. Gleichzeitig wurde Kalinino Sitz eines Dorfsowjets. Seit 2008 gehört der Ort zur Landgemeinde Tschistoprudnenskoje.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Kalininski 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Kalininski (ru. Калининский сельский Совет, Kalininski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[2] Als Folge der vor Ort erfolgten Verlegung des Sitzes des Dorfsowjets Tschistoprudnenski von Nassawen nach Tollmingkehmen/Tollmingen nahm der Dorfsowjet Kalininski die Südost-Ecke des Rajons Nesterow (und damit der Oblast Kaliningrad) ein. Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet Repinski (Egglenischken/Tannenmühl) an den Dorfsowjet Kalininski angeschlossen.[3] Bei diesem Dorfsowjet war es vor Ort zu einer Vertauschung des russischen Erlass-Namen mit dem Dorfsowjet Tschkalowski gekommen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Kalininski (ru. Калининский сельский округ, Kalininski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Tschistoprudnenskoje eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Andrejewka (Андреевка) Klein Schwentischken, 1938–1945:"Kleinschanzenort" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Borowikowo (Боровиково) Szinkuhnen/Schinkuhnen, 1938–1945:"Schenkenhagen"

Der Ort wurde 1947 umbenannt.

Gontscharowka (Гончаровка) Girnischken, 1938–1945:"Lichtentann" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Iljinka (Ильинка) Disselwethen, 1938–1945:"Disselberg" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Iljinskoje (Ильинское) Kassuben Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski.
Jakowlewka (Яковлевка) Pellkawen, 1938–1945:"Pellkauen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich um 1990 verlassen.
Jaroslawka (Яковлевка) Der Ort wurde 1947 umbenannt. Als deutscher Ort wurde Лескенен ("Leskenen") angegeben. Falls der Ort existiert hat, wurde er vor 1976 verlassen.
Jemeljanowka (Емельяновка) Schackummen, 1938–1945:"Eichkamp" Der Ort wurde 1950 umbenannt, war zunächst in den Dorfsowjet Tschistoprudenski eingeordnet. Er wurde vor 1976 verlassen.
Kalinino (Калинино) Mehlkehmen, 1938–1945:"Birkenmühle" Verwaltungssitz
Lessistoje (Лесистое) Nassawen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Majak (Маяк) Dobauen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Malo-Sadoroschnoje
(Мало-Задорожное)
Germingkehmen, 1938–1945:"Germingen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Priosjornoje (Приозёрное) Groß Kallweitschen, 1938–1945:"Kornberg" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Pugatschowo (Пугачёво) Groß Schwentischken, 1938–1945:"Schanzenort" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Repino (Репино) Egglenischken[4], 1938–1945:"Tannenmühl" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst Verwaltungssitz des Dorfsowjets Repinski. Er wurde vermutlich um 1980 verlassen.
Rybino (Рыбино) Wyszupönen/Wischupönen, 1938–1945:"Kaltensee" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Sadoroschnoje (Задорожное) Girnuhnen, 1938–1945:"Rehbusch" Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski. Er wurde 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.
Saretschnoje (Заречное) Groß Lengmeschken, 1938–1945:"Lengen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Snamenka (Знаменка) Leegen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski.
Schachtnoje (Шахтное) Groß Grigalischken, 1938–1945:"Ellerbach" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Snamenka (Знаменка) Leegen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Repinski.
Uwarowo (Уварово) Ribbenischken, 1938–1945:"Ribbenau" Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Wojkowo (Войково) Kajutkehmen, 1938–1945:"Dürrfelde" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.

Der im Jahr 1947 umbenannte Ort Lukjanowka (Dumbeln), der zunächst ebenfalls in den Dorfsowjet Kaliniski eingeordnet worden war, kam dann (vor 1976) aber zum Dorfsowjet Pokryschkinski.

Einen russischen Namen, nämlich Saslonowo (Заслоново), bekam auch der Ort Szittkehmen/Wehrkirchen, der allerdings als Żytkiejmy zu Polen kam.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von 1603, in der jetzigen Form 1699 bis 1706 entstanden, befindet sich in einem fortgeschrittenen Verfall. Den Zweiten Weltkrieg überstand sie unversehrt. In der Sowjetunion machte man sie zur Lagerhalle für landwirtschaftliche Geräte. Dazu vermauerte man die Fenster und deckte das Dach mit Asbestzementziegeln. Im Turm wurde ein Wasserdruckspeicher installiert.

Im Jahre 1996 wurde das Gebäude der Russisch-Orthodoxen Kirche übereignet. Deren Plan, die Kirche instandzusetzen, ist noch nicht verwirklicht.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mehlkehmen/Birkenmühle lebte vor 1945 eine überwiegend evangelische Bevölkerung. Das Kirchspiel Mehlkehmen wurde im Jahre 1692 von Pillupönen (1938–1946 Schloßbach, heute russisch: Newskoje) losgelöst und verselbständigt. Mit Mehlkehmen verbunden war Kassuben (Iljinskoje), das ab 1897 ein eigener Pfarrsitz wurde.

Mehlkehmen gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Stallupönen (1938–1946 Ebenrode, heute russisch: Nesterow) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 kam das kirchliche Leben der evangelischen Gemeinde in Kalinino vollständig zum Erliegen. In den 1990er Jahren bildete sich aufgrund der Neuansiedlung von Russlanddeutschen eine neue evangelische Gruppe, die heute eine Gemeinde in der evangelisch-lutherischen Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) ist. Das zuständige Pfarramt ist in Gussew (Gumbinnen) und wird von zwei Geistlichen der dortigen Salzburger Kirche versehen.

Pfarrer 1692–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Behrend, 1692–1708[5]
  • Johann Christoph Möhlenfeldt, 1708–1710
  • Gabriel Engel, 1710–1711
  • Georg Friedrich Pusch, 1711–1717
  • Georg Adam Meisner, 1718–1725
  • Johann Friedrich Funck, 1726–1727
  • Georg Jacob Großjohann, 1727–1728
  • Samuel Schöneich, 1729–1730
  • Johann Christoph Pohl, 1731–1735
  • Peter Gottlieb Mielcke, 1735–1753
  • Theodor Gabriel Mielke, 1753–1755
  • Georg Wilhelm Gazali, 1756–1759
  • Gottlieb Funck, 1759–1776
  • Daniel Friedrich Mielke, 1776–1788
  • Johann Friedrich Rosenbaum, 1789–1792
  • Albrecht Georg Settegast, 1792–1832
  • Julius Stolzenberg, 1829–1832
  • Johann Georg W. Schröder, 1832–1848
  • Friedrich Otto Arnoldt, 1850–1869
  • Karl Ludwig Kadau, 1870–1885
  • Georg Eugen Peter J. Henkys, 1886–1897
  • Martrin G. Erich Steinwender, 1895–1899
  • Traugott O. Gustav Getzuhn, 1899–1920
  • Max Friedrich Wilhelm Metschulat, 1920–1935
  • Eberhard Michelson, 1936–1938
  • Peter von Freyhold, 1937–1945

Persönlichkeit des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Gottlieb Mielcke (ca. 1692–1753), Pfarrer, Übersetzer von Kirchenliedern und Mitherausgeber der ersten vollständigen litauischen Bibel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Statistische Nachrichten aus dem Kirchspiele Mehlkemen, Kreis Goldapp, für den Zeitraum von 1763–1832. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 10, Königsberg 1833, S. 728–736.
  • Wilhelm Schröder: Geschichte der evangelischen Kirche zu Mehlkemen in Litthauen. In: Preußischen Provinzialblätter, Band 15, Königsberg 1836, S. 217–235 (Online, Google) und S. 321–348 (Online, Google).
  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  3. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  4. Gemäß sowjetischem Erlass sollte dieser Ort eigentlich Tschkalowo heißen, es kam vor Ort aber zu einer Vertauschung.
  5. Wilhelm Schröder: Geschichte der evangelischen Kirche zu Mehlkemen in Litthauen. In: Preußischen Provinzialblätter, Band 15, Königsberg 1836, S. 328.