Kallern

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Kallern
Wappen von Kallern
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4233i1f3f4
Postleitzahl: 5625
Koordinaten: 664709 / 24068747.3138828.294453513Koordinaten: 47° 18′ 50″ N, 8° 17′ 40″ O; CH1903: 664709 / 240687
Höhe: 513 m ü. M.
Fläche: 2.67 km²
Einwohner: 319 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 119 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 7,5 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.kallern.ch
Karte
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Kallern (schweizerdeutsch: ˈχɑlːərə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt am Rande des mittleren Bünztals.

Geographie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung am Ostabhang des Niesenbergs, einem Ausläufer der Lindenberg-Kette. Das Gelände steigt vom Bünztal her zunächst gleichmässig an, geht dann in welliges Terrain über, um dann ganz im Süden nochmals anzusteigen. Die Gemeinde ist eine Streusiedlung und besteht aus den sieben Weilern Unterhöll (481 m ü. M.), Oberhöll (525 m ü. M.), Kallern (513 m ü. M.), Hinterbühl (568 m ü. M.), Unterniesenberg (597 m ü. M.), Hinterniesenberg (630 m ü. M.) und Oberniesenberg (647 m ü. M.). Erst in jüngster Zeit hat sich Hinterbühl, wo knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt, als Zentrum der Gemeinde etabliert; hier befinden sich die Gemeindeverwaltung und die Schule.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 267 Hektaren, davon sind 36 Hektaren bewaldet und 25 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 675 Metern auf dem Kamm des Lindenbergs, der tiefste Stelle auf 455 Metern nördlich von Unterhöll.

Nachbargemeinden sind Waltenschwil im Norden, Boswil im Osten, Bettwil im Süden, Sarmenstorf im Südwesten und Uezwil im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Verschiedene Funde lassen darauf schliessen, dass Kallern während der Jungsteinzeit (3000 bis 1800 v. Chr.) besiedelt war. Vermutlich entstanden die Weiler auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde im 9. Jahrhundert durch Rodungen. Im Früh- und Hochmittelalter gehörte der grösste Teil Kallerns zum Einzugsgebiet des Kellerhofs in Boswil. Dieser königliche Besitz der Karolinger ging 853 an das Chorherrenstift der Stadt Zürich über, um 900 an das Zürcher Fraumünsterkloster. Die Äbtissinnen übten auch die niedere Gerichtsbarkeit aus. Die Landesherrschaft lag bei den Habsburgern.

Die erste urkundliche Erwähnung von Kaltherren erfolgte 1306 im Habsburger Urbar. Der Ortsname geht auf das lateinische calcatura (das Traubentreten) und auf das schwäbische Kelter bzw. Kalter (Weinpresse) zurück. Dies lässt darauf schliessen, dass hier früher Weinbau betrieben wurde.[3] Aus Kaltherren entwickelte über Kalchern, Kalchren und Kalleren schliesslich die heutige Bezeichnung Kallern. Johans I. von Hallwyl erwarb den Kellerhof im Jahr 1341.

Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und das Gebiet um Kallern gehörte fortan zu den Freien Ämtern, einer Gemeinen Herrschaft. Die Hallwyler mussten aus finanziellen Gründen einen grossen Teil ihres Besitzes abstossen, zwischen 1433 und 1483 erwarb das Kloster Muri in vier Schritten den Boswiler Kellerhof. Die Mönche errichteten 1594 in Unterniesenberg ein Gästehaus, das vor allem während der Jagdsaison genutzt wurde. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Das heutige Gemeindegebiet lag im Kanton Baden. Unter-, Ober- und Hinterniesenberg gehörten zur Gemeinde Bettwil, die übrigen Weiler zur Gemeinde Uezwil. Beide Gemeinden lagen im Distrikt Sarmenstorf.

Bei der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 entstand aus den verstreuten Weilern die Gemeinde Kallern. Aufgrund des spärlichen Waldbestandes war die neue Gemeinde jedoch ziemlich arm. Um an Geld zu kommen, verkauften die Kallerer das Ortsbürgerrecht recht häufig. Über 2000 Personen erhielten bis heute das Bürgerrecht von Kallern, darunter sehr viele Polen, Russen und staatenlose Juden. Mit dem Erlös aus den Einbürgerungsgebühren konnte unter anderem 1846 ein Schulhaus errichtet werden (1975 durch einen Neubau ersetzt).

1912 erhielt Kallern Anschluss an das Elektrizitätsnetz. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Oberniesenberg einige britische, amerikanische und polnische Soldaten interniert. Mitte der 1970er Jahre plante die religiöse Gemeinschaft Lectorium Rosicrucianum den Bau eines Tagungszentrums in Kallern, das Baugesuch wurde jedoch im März 1977 an der Einwohnergemeindeversammlung abgelehnt. 1986 löste sich die Ortsbürgergemeinde auf. Von 1869 bis 2002 gab es in Hinterbühl ein Postbüro. Seit dem Mittelalter bewegte sich die Einwohnerzahl stets um etwa 200 herum. Seit den 1980er Jahren hat sie jedoch um zwei Drittel zugenommen, wobei sich das Wachstum fast ausschliesslich auf Hinterbühl beschränkt. Dennoch hat Kallern bis heute seinen ursprünglich ländlichen Charakter bewahren können.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau zwei gekreuzte weisse Schlüssel, im Schildhaupt begleitet von weissem Nagel.» Die älteste Darstellung stammt vom Gemeindesiegel aus dem Jahr 1811. Die Schlüssel weisen auf den Kellerhof in Unterniesenberg hin, der im Mittelalter dem Kloster Muri gehörte. Die Bedeutung des Nagels ist nicht gesichert.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 329 225 234 229 220 217 206 275 264 318

Am 31. Dezember 2013 lebten 319 Menschen in Kallern, der Ausländeranteil betrug 7,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 69,7 % römisch-katholisch und 20,5 % reformiert.[7] 95,5 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,9 % Englisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Kallern gehört zum Friedensrichterkreis Boswil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Restaurant Jägerstübli in Kallern

In Kallern gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 100 Arbeitsplätze, davon 44 % in der Landwirtschaft, 12 % in der Industrie und 44 % im Dienstleistungssektor.[9] Bei schönem Wetter zieht es viele Wochenendausflügler auf den Niesenberg, das dortige Ausflugsrestaurant ist der grösste Arbeitgeber der Gemeinde. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in Boswil oder in weiteren umliegenden Gemeinden im Bünztal.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Dorf liegt abseits des Durchgangsverkehrs und ist durch eine Nebenstrasse mit Boswil verbunden. Kallern ist die einzige Gemeinde des Kantons ohne Verbindung ans Netz des öffentlichen Verkehrs. Dies wird auf absehbare Zeit auch so bleiben, da sich die Einführung eines Rufbusses als zu teuer erwiesen hat.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Boswil besucht werden, die Bezirksschule in Muri. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Sport[Bearbeiten]

Seit 1997 findet jeweils Ende Mai der Concours Oberniesenberg statt, ein Wettbewerb im Springreiten mit rund 400 Beteiligten und 1000 Zuschauern. Der 1977 gegründete Seilziehclub Waltenschwil-Kallern ist mehrfacher Schweizermeister im Tauziehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Kuhn: Kallern - die Geschichte der Weiler am Lindenberg. Herausgegeben vom Gemeinderat Kallern, 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kallern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 221–224.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 189.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.