Kalmus (Art)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kalmus
Kalmus (Acorus calamus)

Kalmus (Acorus calamus)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Kalmusartige (Acorales)
Familie: Kalmusgewächse (Acoraceae)
Gattung: Kalmus (Acorus)
Art: Kalmus
Wissenschaftlicher Name
Acorus calamus
L.

Der (Indische) Kalmus (Acorus calamus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kalmus (Acorus) innerhalb der Familie Kalmusgewächse (Acoraceae). Die Sumpfpflanze stammt aus Asien, wurde im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa eingebürgert und ist auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen
Samen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalmus ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 100, seltener bis 120 Zentimetern erreicht. Sie besitzt ein fleischiges, etwa daumenstarkes, aromatisch kampferartig riechendes Rhizom. das etwa 1,5 bis 5 % ätherisches Öl enthält. Die Vermehrung erfolgt in Mitteleuropa ausschließlich vegetativ über das Wachstum der Rhizome. Der Stängel ist dreikantig und zweizeilig beblättert.

Die schilfähnlichen Laubblätter sind unifazial, schwertförmig und erinnern an die der Gelben Schwertlilie; welche jedoch im Gegensatz zu diesen im frischen Zustand gelbgrün gefärbt sind. Am Rand sind die Laubblätter an manchen Stellen typischerweise stark gewellt.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Es sieht so aus, als ob der Blütenstand seitlich stehen würde; dabei handelt es sich um einen 4 bis 10 Zentimeter langen, grünlichen bis rötlichen Kolben. Die Spatha bildet die scheinbare Verlängerung des Stängels. Die zwittrigen Blüten sind unscheinbar (3 bis 4 Millimeter breit), dreizählig und pentazyklisch, bestehen also aus fünf Blütenblattkreisen. Die gelblich-grünen Blütenhüllblätter sind gleichgestaltet (Tepalen); sie sind kapuzenförmig und kürzer als 1 Millimeter.

Die Früchte reifen in Mitteleuropa nicht.

Chromosomenzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24, 36, 42, 44, 45 oder 66.[1]

Verbreitung und Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimat des Kalmus ist das südöstliche Asien. Kalmus ist in Mittel- und Osteuropa bis Ostsibirien, in Ägypten und auch Nordamerika eingebürgert. In Europa siedelte sich der Kalmus Ende des 16. Jahrhunderts an.

Kalmus zählt zu den Röhrichtpflanzen. Er besiedelt insbesondere in Marschland die Uferzonen nährstoffreicher, stehender und langsamfließender, sonnenwarmer Gewässer. Der Kalmus ist von der planaren bis zur montanen Höhenstufe anzutreffen. Er ist eine Charakterart des Acoretum aus dem Verband Phragmition.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Acorus calamus erfolgte 1753 durch Carl von Linné. Synonyme für Acorus calamus L. sind Calamus (aromaticus)[3], Canna persidis, Ciparus, Acorus verus/legitimus/odoratus/vulgaris.

Von Acorus calamus gibt es je nach Autor etwa drei bis vier Varietäten:[4]

  • Acorus calamus var. calamus L. (Syn.: Acorus calamus var. verus L., Acorus calamus subsp. vulgaris (L.) Ehrh., Acorus verus (L.) Raf., Acorus europaeus Dumort., Acorus belangeri Schott, Acorus calamus var. belangeri (Schott) Engl.): Sie ist ursprünglich verbreitet von Sibirien bis Korea und von Zentralasien bis zum Himalaja. Sie ist eine triploide oder tetraploide Form[5].
  • Acorus calamus var. angustatus Bess. (Syn.: Acorus cochinchinensis (Lour.) Schott, Acorus tatarinowii Schott, Acorus triqueter Turcz. ex Schott, Acorus spurius Schott, Acorus asiaticus Nakai): Sie ist verbreitet in Südostasien, Japan und Taiwan.
  • Acorus calamus var. americanus (Raf.) Wulff: Ist diploid und wird meist als eigene Art Acorus americanus (Raf.) Raf. geführt. Sie kommt von Sibirien bis zur Mongolei und vom subarktischen Nordamerika bis zu den Vereinigten Staaten vor. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.[1]

Deutsche Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synonyme: Gewöhnlicher Kalmus,[6] Kaninchenwurz, Kaninchenwurzel, Karremanswurz, Karremanswurzel, Schwertheu, Magenbrand, Magenwurz, Nagenwurz, Ackerwurz, Würtzriedt, Gewürzkalmus, Rotting, Zehrwurz.[7]

Ätherisches Kalmusöl

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blätter enthalten bis zu 20 % Stärke, hinzu kommen 1,5 bis 3,5 % ätherisches Öl, unter anderem Asaron und Eugenol sowie verschiedene Gerb- und Bitterstoffe, unter anderem Acorenon. Das Rhizom enthält zwischen 1,7 und 9,3 % ätherische Öle. Daneben finden sich – vorwiegend in den oberirdischen Pflanzenteilen – Ascorbinsäure (bis 130 mg/100 g) und Proanthocyanidine sowie im Rhizom Cholin (etwa 125 mg/100 g), Fettsäuren (Arachidonsäure, Linolsäure, Myristinsäure, Palmitinsäure und Stearinsäure) und weitere Kohlenhydrate (Fructose, Glucose und Maltose).[8]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalmus ist neben seiner Bedeutung als kultivierte Zierpflanze eine traditionelle Medizinpflanze der asiatischen Medizin, die seit dem 12. Jahrhundert auch in Europa bekannt und als Heilpflanze verwendet wurde.[9] Auch von indigenen Völkern Nordamerikas wird Kalmus für medizinische Bäder, Räucherungen sowie für Teezubereitung und als Gewürz verwendet.[10]

Vom Kalmus wird der Wurzelstock (Calami rhizoma) verwendet, der im September und Oktober geerntet wird. Aus den Rhizomen wird das Kalmusöl gewonnen, das in der Heilkunde und bei der Parfüm- und Likörherstellung (hier hauptsächlich für Magenbitter) verwendet wird. Kalmus gilt als kräftigend, die Magensekretion fördernd und appetitanregend.[11] Wie der echte Ingwer kandiert, wird die Wurzel auch als „Deutscher Ingwer“ gegessen. Eine Kalmus-Tinktur ist auch in dem Getränk Coca-Cola enthalten.

Das Kauen der Wurzel soll angeblich stimmungsaufhellend sein und in höherer Dosis leichte Halluzinationen verursachen, wofür die enthaltenen Asarone verantwortlich gemacht werden. Der Wurzel und den Asaronen werden auch aphrodisierende Eigenschaften zugeschrieben. Asarone wirken allerdings mutagen, karzinogen sowie reproduktionstoxisch,[8] während die angegebenen positiven Wirkungen wissenschaftlich nicht nachgewiesen sind.[10]

Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im heutigen Deutschen verbreitete Trivialname Kalmus mit den Varianten Kalmes und Kalmser ist seit spätmittelhochdeutscher Zeit belegt als kalmus(z) und geht über lateinisch calamus auf griechisch κάλαμος (kálamos) ‚Halm, Rohr, Schilf‘ zurück; denselben Ursprung haben verschiedene Bezeichnungen für schilfartige Gräser in den slawischen Sprachen wie russisch камыш (kamyš)Simse’. Ebenfalls davon abgeleitet ist das Wort Karamell.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elfrune Wendelberger: Pflanzen der Feuchtgebiete - Gewässer, Moore, Auen. Büchergilde Gutenberg, München 1986, ISBN 3-7632-3265-6 (Originalausgabe: BLV, München / Wien / Zürich 1986, ISBN 3-405-12967-2).
  • Andreas Alberts, Peter Mullen: Aphrodisiaka aus der Natur. Von Alraune bis Zauberpilz; Bestimmung, Wirkung, Verwendung. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09232-1.
  • Kurt Schneider, Johann Jurenitsch: Kalmus als Arzneimittel: Nutzen oder Risiko? In: Die Pharmazie. Band 47, Nr. 2, Februar 1992, ISSN 0031-7144, S. 79–85.
  • Manfred Mücke: Über den Bau und die Entwicklung der Früchte und über die Herkunft von Acorus calamus L. In: Botanische Zeitung, I. Abteilung 1908, Heft 1, S. 1–23.
  • Ulrich Stoll: Kalmus, Gilge und Würzhalm. Anmerkungen zu einer alten Verwechslungsgeschichte. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 15, 1992, S. 227–242.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kalmus (Acorus calamus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tropicos. tropicos.org
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 118.
  3. Catalogue of Life: 2014 Annual Checklist Calamus aromaticus Garsault
  4. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Acorus calamus – Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 24. August 2016.
  5. Eintrag zu Kalmusöl. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 29. Mai 2015.
  6. Christel Kasselmann: Aquarienpflanzen. Ulmer, Stuttgart (1995) 2., überarbeitete und erweiterte Auflage ebenda 1999, ISBN 3-8001-7454-5, S. 86.
  7. Heinrich Marzell, Heinz Paul: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. I, Leipzig 1943 (Köln 2000, Nachdruck), S. 110ff.
  8. a b W. Blaschek, R. Hänsel, K. Keller, J. Reichling, H. Rimpler, G. Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis, Folgeband 2 Drogen A–K. 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2012, ISBN 978-3-642-63794-0, S. 18–33 (online [abgerufen am 11. Dezember 2017] Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1998).
  9. Ulrich Stoll: Kalmus, Gilge und Würzhalm. Anmerkungen zu einer alten Verwechslungsgeschichte. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 15, 1992, S. 227–242; hier: S. 235 f.
  10. a b Alberts und Mullen, S. 32.
  11. Rudolf Fritz Weiss: Lehrbuch der Phytotherapie. 5. Aufl. Stuttgart 1982, S. 60–62
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!