Kamala Harris

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kamala Harris (2017)

Kamala Devi Harris (* 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Juristin und Politikerin. Sie gehört der Demokratischen Partei an und vertritt seit 2017 den Bundesstaat Kalifornien im Senat der Vereinigten Staaten. Zuvor bekleidete sie von 2011 bis 2017 das Amt des Attorney Generals von Kalifornien. Im Januar 2019 erklärte sie ihre Bewerbung bei den demokratischen Vorwahlen für die US-Präsidentschaftswahl 2020.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harris wurde 1964 als Tochter eines aus Jamaika stammenden Wirtschaftsprofessors und einer indischstämmigen Wissenschaftlerin im kalifornischen Oakland geboren. Sie lebte nach der Scheidung ihrer Eltern und aufgrund des Berufs ihrer Mutter auch zeitweise im kanadischen Montreal, wo sie die Highschool besuchte. Sie studierte Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Howard University in Washington, D. C. Nach dem Bachelorabschluss 1986 kehrte Harris nach Kalifornien zurück, wo sie am University of California, Hastings College of the Law ein rechtswissenschaftliches Studium aufnahm und dieses 1989 mit dem Grad Juris Doctor abschloss. 1990 erhielt sie ihre Zulassung als Anwältin. Von 1990 bis 1998 war sie Assistentin des Staatsanwalts von Alameda County, im Anschluss war sie zwei Jahre lang im Büro des Bezirks-Staatsanwalt von San Francisco tätig. Im Jahr 2000 wechselte sie in das städtische Büro des Staatsanwalts von San Francisco.[1]

Politisch gehört Harris der Demokratischen Partei an. Im Jahr 2003 kandidierte sie für ihre Partei als Bezirksstaatsanwältin in San Francisco und wurde gewählt. Sie konnte dabei den Amtsinhaber Terence Hallinan besiegen. Im Jahr 2007 gelang ihr die einstimmige Wiederwahl. Sowohl parteiintern als auch von Seiten der Republikaner gab es keine Konkurrenz. In dieser Funktion war sie maßgeblich an der Entwicklung eines Präventionsprogramms gegen den Rückfall von Kriminellen beteiligt. Dieses Programm fand auch auf bundesstaatlicher Ebene Zustimmung, so dass die State Legislature ein Gesetz beschloss, das von Gouverneur Schwarzenegger unterzeichnet wurde.[1]

Attorney General von Kalifornien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harris (rechts) während einer Pressekonferenz im Februar 2013; links neben ihr US-Justizminister Eric Holder

Für die Wahl des Attorney Generals im Jahr 2010 galt Harris als Favoritin, nachdem der bisherige Amtsinhaber Jerry Brown erklärt hatte, nicht mehr antreten zu wollen und stattdessen das Amt des Gouverneurs anzustreben. Bei den parteiinternen Vorwahlen im Juni des Jahres konnte sich Harris gegen sechs weitere Bewerber durchsetzen. Bei der Wahl des Attorney Generals am 2. November 2010 siegte sie unter schlechten landesweiten Bedingungen für ihre Partei über den Republikaner Steve Cooley äußerst knapp (46,1 gegen 45,3 Prozent der Stimmen). Dennoch blieb ihr Ergebnis deutlich unter dem Jerry Browns bei der parallel stattfindenden Gouverneurswahl. Ihr neues Amt als Attorney General trat sie am 3. Januar 2011 an. Auf diesem Posten hatte sie in erster Linie die Funktion eines Generalstaatsanwalts, übernahm jedoch auch Aufgaben eines Justizministers. Ferner beriet sie die Regierung des Bundesstaates, der sie selbst angehörte, in Rechtsfragen. Harris war sowohl die erste Frau in diesem Amt als auch die erste Person mit afroamerikanischem und indischem Hintergrund. Als Attorney General trat sie wie auch Gouverneur Brown für eine stärkere Kontrolle von Waffen und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen ein. Sie sprach sich außerdem gegen die Todesstrafe aus, weshalb sie in den USA als liberal angesehen wird.

Im Vorfeld der Wahl des Attorney Generals im Jahr 2014 konnte sie die Vorwahlen ohne Probleme für sich entscheiden. Bei der eigentlichen Wahl am 4. November 2014 wurde sie gegen den Republikaner Ronald Gold mit knapp 57,5 Prozent bestätigt. Sie konnte damit wie auch bei der zeitgleich erfolgten Wiederwahl von Gouverneur Jerry Brown und Vizegouverneur Gavin Newsom ihren republikanischen Kontrahenten mit einer deutlichen Mehrheit besiegen. Am 5. Januar 2015 begann ihre zweite Amtszeit von vier Jahren.[2]

Nach dem im September 2014 angekündigten Rücktritt von US-Justizminister Eric Holder wurde Harris in den US-Medien als mögliche Nachfolgerin gehandelt. US-Präsident Barack Obama entschied sich letztlich aber für Loretta Lynch.[3]

Nach ihrer Wahl in den US-Senat legte Harris ihr Amt als Attorney General von Kalifornien am 3. Januar 2017 nieder. Mit Zustimmung der State Legislature ernannte Gouverneur Brown den Kongressabgeordneten Xavier Becerra zu ihrem Nachfolger.

Senatskandidatur 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harris während einer Rede im September 2016

Am 13. Januar 2015 kündigte Harris an, sich um die Nachfolge der nicht mehr kandidierenden Barbara Boxer im US-Senat bei der Wahl im November 2016 bewerben zu wollen. Über eine Kandidatur Harris' für ein höheres politisches Amt war bereits seit mehreren Monaten in den US-Medien spekuliert worden. Neben einer Senatsbewerbung wurde auch eine Kandidatur für den Gouverneursposten gemutmaßt. Noch am Tag der Bekanntgabe ihrer Bewerbung erklärte Vizegouverneur Gavin Newsom seine Unterstützung für Harris. Newsom wurde selbst als möglicher Anwärter für den Senat gehandelt. Im Februar 2015 erklärte Newsom bei den Wahlen 2018 als Gouverneur antreten zu wollen, was von Harris befürwortet wurde.[4][5] Auch die prominente Senatorin Elizabeth Warren kündigte an, Harris bei ihrer Senatskandidatur zu unterstützen und Wahlkampfgelder zu sammeln.[6] Darüber hinaus erhielt sie im Mai 2016 eine offizielle Unterstützungserklärung (so genanntes Endorsement) von Gouverneur Brown, der in Kalifornien als äußerst populär galt. Später sprachen sich auch US-Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden für sie aus.[7]

Bei den Vorwahlen am 7. Juni 2016 setzte sich Harris mit mehr als 40 Prozent der Stimmen durch. Seit 2012 wendet Kalifornien mit Ausnahme des Präsidenten für sämtliche Wahlämter keine Vorwahlen nach Partei mehr an: Im Rahmen einer einzigen Vorwahl wird über alle Kandidaten abgestimmt, unabhängig von deren Parteizugehörigkeit (so genannte non-partisan blanket primary). Bei der eigentlichen Wahl treten dann die beiden erfolgreichsten Kandidaten der Vorwahl gegeneinander an, während die übrigen Bewerber ausgeschieden sind. Da im Zuge dieser Vorwahl die demokratische Kongressabgeordnete Loretta Sanchez mit rund 16 Prozent den zweiten Rang belegte und damit alle kandidierenden Republikaner hinter sich ließ, trafen bei der eigentlichen Senatswahl im November 2016 mit Harris und Sanchez erstmals zwei Demokratinnen aufeinander.[8] Harris wurde dabei dem progressiven Flügel der Demokraten zugerechnet, während ihre Gegnerin eher als eine Vertreterin der politischen Mitte angesehen wurde. Umfragen sahen Harris während der gesamten Kampagne klar in Führung. Am Wahltag, dem 8. November, konnte sie ihre Kontrahentin Loretta Sanchez mit 62,6 % der abgegebenen Stimmen schlagen.

Senatorin für Kalifornien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kamala Harris im April 2017

Am 3. Januar 2017 wurde Harris bei der Konstituierung des neuen Kongresses zur neuen Senatorin vereidigt. Sie war nach ihrem Amtsantritt erst die zweite Afroamerikanerin sowie die erste Person mit indischen Wurzeln im US-Senat. Zudem war sie bei Vereidigung eine von drei Afroamerikanern im Senat, gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Cory Booker aus New Jersey und dem Republikaner Tim Scott aus South Carolina. Im Senat gehört Harris den Ausschüssen für Haushalt (Budget), Umwelt (Environment and Public Works), Heimatschutz (Homeland Security) und Geheimdienste (Intelligence) an.

Unmittelbar nach der Wahl kündigte Harris an, sich an die Spitze der Opposition gegen die Einwanderungspolitik des neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump stellen zu wollen. Sie kritisierte die von Präsident Trump Ende Januar 2017 erlassene Executive Order 13769 (Einreiseverbot von Personen aus bestimmten muslimisch geprägten Ländern) scharf und nannte sie unvereinbar mit amerikanischen Werten. Sie war eine der Rednerinnen beim Women’s March on Washington Anfang 2017.

Harris stellte im Juni 2017 dem damaligen stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein während einer Senatsanhörung Fragen bezüglich Trumps Entlassung von FBI-Direktor James Comey. Die republikanischen Senatoren Richard Burr und John McCain unterbrachen Harris und baten sie, ihre Fragen höflicher zu stellen. Daraufhin meldeten sich demokratische Senatskollegen zu Wort und äußerten, bei eigenen Fragen ähnlicher Qualität nicht unterbrochen worden zu sein. Einige Demokraten warfen dem Ausschussvorsitzenden Richard Burr Sexismus vor, nachdem er Harris unterbrochen hatte, während sie den damaligen Justizminister Jeff Sessions befragte.[9]
Am 1. Mai 2019 wich der Justizminister und Trump-Vertraute William Barr ihren präzisen Fragen zum Abschlussbericht des Sonderermittlers Robert Mueller aus; Harris legte Barr anschließend den Rücktritt nahe.[10]

Im August 2017 kündigte Harris an, einen Gesetzentwurf ihres Kollegen Bernie Sanders zu unterstützen, der eine allgemeine staatliche Krankenversicherung vorsieht. Angesichts der republikanischen Kongressmehrheit war dies ein eher symbolischer Akt. Harris stimmte zudem, wie alle ihre demokratischen Kollegen, gegen die von Präsident Trump forcierte Abschaffung von Obamacare, die letztlich an einer Gruppe republikanischer Abweichler im Senat scheiterte.[11]

Präsidentschaftskandidatur 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit ihrer Wahl in den Senat wurde Harris von einigen US-Medien immer wieder als potenzielle Präsidentschaftskandidatin der Demokraten ins Spiel gebracht. Bei einem Interview im Juni 2018 erklärte Harris, sie schließe eine Kandidatur nicht kategorisch aus. Derzeit sei es aber noch zu früh für konkrete Pläne.[12] Im Vorfeld der Midterm-Wahlen 2018 absolvierte Harris im gesamten Land Wahlkampf-Auftritte für demokratische Bewerber. In Kalifornien unterstützte sie vor allem die erfolgreichen Kandidaturen von Gavin Newsom als Gouverneur und Eleni Kounalakis als Vizegouverneurin.

Am 21. Januar 2019 gab sie bei einem Interview auf ABC News ihre Kandidatur für demokratische Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2020 bekannt.[13] Binnen 24 Stunden nach ihrer Ankündigung erhielt ihre Kampagne insgesamt 1,5 Millionen Dollar an Kleinspenden durch Privatpersonen. Diesen Rekordwert konnte bisher nur Bernie Sanders während seiner Kandidatur im Jahr 2016 erreichen. Harris verzichtet auf Wahlkampfspenden von Interessengruppen durch sogenannte Political Action Committees (PAC).[14]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kamala Harris und ihr Ehemann Douglas Emhoff während eines Besuchs der Gedenkstätte Yad Vashem (2017)

Kamala Harris ist seit August 2014 mit dem Juristen Douglas Emhoff verheiratet. der zwei Kinder aus einer früheren Ehe hat. In den 1990er-Jahren war Harris mit dem Politiker Willie Brown liiert.[15] Ihre Schwester Maya Harris leitet ihren Wahlkampf.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kamala Harris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Biografie auf der Website des Attorney General Büros (englisch)
  2. Mollie Reilly: Kamala Harris Re-Elected As California Attorney General. In: Huffington Post, 5. November 2014 (englisch).
  3. Julie Hirschfeld Davis, Matt Apuzzo: Loretta Lynch, Federal Prosecutor, Will Be Nominated for Attorney General. In: The New York Times, 7. November 2014 (englisch).
  4. Alison Vekshin: Gavin Newsom to Run for California Governor in 2018 In: Bloomberg, 11. Februar 2015 (englisch).
  5. Sean Sullivan: Kamala Harris to run for Boxer’s Senate seat In: Washington Post, 12. Januar 2015 (englisch).
  6. Kyle Cheney: Warren endorses, raises money for Kamala Harris In: Politico, 14. Januar 2015 (englisch).
  7. Phil Willon: California Gov. Jerry Brown backs Kamala Harris for U.S. Senate. In: Los Angeles Times, 31. Mai 2016 (englisch).
  8. U.S. Senate Primary results (Memento des Originals vom 5. November 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/vote.sos.ca.gov, California Secretary of State (englisch)
  9. Mary Clare Jalonick: Harris Reminded to Be Respectful During Intel Hearing. In: US News, 7. Juni 2017 (englisch).
  10. Rieke Havertz: Pragmatisch-progressiv gegen Donald Trump. In: Zeit Online, 5. Mai 2019.
  11. David Weigel: Sen. Kamala Harris backs Bernie Sanders’s single-payer bill. In: Washington Post, 31. August 2017 (englisch).
  12. Mallory Shelbourne: Kamala Harris on 2020 presidential bid: ‘I’m not ruling it out’ In: The Hill, 25. Juni 2018 (englisch).
  13. Lauren Gambino: Kamala Harris officially enters US presidential race. In: The Guardian, 21. Januar 2019 (englisch).
  14. David Wright: Kamala Harris touts $1.5 million haul in 24 hours after campaign announcement. In: CNN, 22. Januar 2019 (englisch).
  15. David Siders: Kamala Harris married in Santa Barbara ceremony. In: The Sacramento Bee, 23. August 2014 (englisch).