Kambodschanisch-Vietnamesischer Krieg

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Kambodschanisch-Vietnamesischer Krieg
Datum 25. Dezember 1978 bis 26. September 1989
Ort Kambodscha
Ausgang Abzug der vietnamesischen Besatzungstruppen aus Kambodscha
Konfliktparteien

Kampuchea 1976Kampuchea Demokratisches Kampuchea

VietnamVietnam Vietnam
Kampuchea 1979Kampuchea Volksrepublik Kampuchea

Befehlshaber

Pol Pot
Khieu Samphan
Son Sann
Sihanouk

Lê Duẩn
Phạm Văn Đồng
Phạm Hùng
Heng Samrin
Hun Sen


Als Kambodschanisch-Vietnamesischer Krieg wird die Offensive vietnamesischer Truppen zur Beendigung des Terror-Regimes der Roten Khmer 1978/79 und die nachfolgende vietnamesische Besatzung und der Guerillakrieg in Kambodscha bis 1989 bezeichnet.

Ursachen und Anlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1977 war die Republik Demokratisches Kampuchea unter Pol Pot in Grenzstreitigkeiten mit Vietnam verwickelt. Das Regime um Pol Pot ließ zudem auch ethnische Vietnamesen verfolgen und drohte in seiner Propaganda mit der Invasion Vietnams. Als nach Hinrichtungen zehntausender Roter-Khmer-Kämpfer im Osten Heng Samrin nach Vietnam floh und um Hilfe bat, griff die vietnamesische Armee Ende 1978 ein.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits am 11. Dezember 1978 begannen erste Kampfhandlungen. Der offizielle Beginn der Offensive vietnamesischer Truppen zur Beendigung des Terror-Regimes der Roten Khmer war der 25. Dezember 1978. Bei der Invasion waren 13 vietnamesische Divisionen mit insgesamt etwa 150.000 Soldaten im Einsatz. Obwohl die Roten Khmer von der Volksrepublik China finanziell und materiell aufgerüstet worden waren, waren sie den Vietnamesen im direkten Kampf so unterlegen, dass die vietnamesische Armee nach zwei Wochen bereits die Hälfte Kampucheas eingenommen hatte.[1] Bereits am 7. Januar 1979 eroberten die Vietnamesen das weitgehend menschenleere Phnom Penh. Die restlichen Einheiten der Roten Khmer zogen sich nach Nordwestkambodscha zurück und begannen einen neuen Guerillakrieg. Unter der von Heng Samrin geleiteten „Einheitsfront für die Nationale Rettung Kambodschas“ wurde im Gegenzug am 10. Januar 1979 die Volksrepublik Kampuchea ausgerufen.

China sah durch die Schritte Vietnams seine regionalen Machtinteressen gefährdet, da es eine an die Sowjetunion gebundene Indochina-Föderation unter der Vorherrschaft Vietnams befürchtete. Es griff im Chinesisch-Vietnamesischen Krieg kurzzeitig militärisch ein, um Vietnam (erfolglos) zum Abzug seiner Streitkräfte aus Kambodscha zu bewegen. Einen Tag nach der chinesischen Invasion schlossen die Regierungen von Vietnam und der Volksrepublik Kampuchea am 18. Februar 1979[2] einen Kooperations- und Freundschaftsvertrag. Das Land war weitgehend abhängig von Vietnam. Auch musste Samrin der Besatzungsmacht die Stationierung von Truppen gewähren. Die neue Republik wurde nur von einigen Staaten aus dem Ostblock und der Dritten Welt anerkannt.

Es folgte ein Jahrzehnt des Guerillakriegs, bei dem auf der Seite der Roten Khmer unter Khieu Samphan auch andere Gruppen beteiligt waren. Der frühere Premierminister Son Sann formierte die Nationale Befreiungsfront der Khmer (engl. Khmer People’s National Liberation Front, KPNLF), um den politischen Kampf um Kambodschas Unabhängigkeit zu führen. Sie war loyal auch zu Prinz Sihanouk und bildete einen militärischen Arm, die Khmer People’s National Liberation Armed Forces (KPNLAF). Sihanouk gründete 1981 eine eigene Organisation, die FUNCINPEC (frz. für Front Uni National pour un Cambodge Indépendant, Neutre, Pacifique, et Coopératif), mit dem militärischen Arm Armée nationale sihanoukienne (ANS). Die beiden Organisationen, die aus Gruppen bestanden, die die Roten Khmer nach 1975 noch bekämpft hatten, darunter auch Soldaten Lon Nols, bildeten den nichtkommunistischen Widerstand. Zusammen mit den Roten Khmer formten sie 1982 die Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea im Exil, die international als legitime Regierung Kambodschas anerkannt wurde und den Sitz Kambodschas in der UNO besetzte.[3] Den Gruppen gelang es auch, kleinere Gebiete im westlichen Grenzgebiet zu Thailand zu kontrollieren.

Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hun Sen, der Heng Samrin 1985 an der Spitze der Volksrepublik Kampuchea abgelöst hatte, trat 1988 mit Prinz Sihanouk in Verhandlungen zur Bildung einer neuen gemeinsamen Regierung ein. Internationaler Druck, aber auch die wirtschaftliche Schwäche der Sowjetunion, die sich auch auf Vietnam auswirkte, bewog die Vietnamesen, auf der Pariser Konferenz von 1989 dem Abzug der Besatzungstruppen bis Ende des Jahres zuzustimmen. Die letzten vietnamesischen Truppen verließen Kambodscha am 26. September 1989. Nach 1989 folgten unter der Mitwirkung der UNO ein Friedensabkommen und der Neuaufbau staatlicher Strukturen, die 1993 mit einer neuen Verfassung und der Wiederherstellung der Monarchie endeten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Goeb: Das Kambodscha-Drama. Gottkönige, Pol Pot und der Prozess der späten Sühne. Laika, Hamburg 2016, ISBN 978-3-944233-50-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephen J. Morris: Why Vietnam Invaded Cambodia. Political Culture and Causes of War. Stanford University Press, Chicago 1999, ISBN 978-0-8047-3049-5, S. 111.
  2. Uni Göttingen: Die Entwicklung Vietnams seit 1976 und die heutige politische Stellung in Südostasien (Memento vom 10. April 2005 im Internet Archive)
  3. Russell R. Ross: The Khmer People’s National Liberation Front. In: Cambodia. A Country Study. Library of Congress Country Studies, Washington 1987.