Kamel Daoud

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Kamel Daoud (2015)

Kamel Daoud (* 17. Juni 1970 in Mostaganem, Algerien) ist ein algerischer Journalist und Autor, der in französischer Sprache schreibt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daoud ist der Sohn eines Polizisten und hat als einziges Kind der Familie studiert. Nach einem Studium der Mathematik studierte er Literatur. 1994 ging er zur französischsprachigen Tageszeitung Le Quotidien d’Oran, wo er acht Jahre lang Chefredakteur war. In dieser Zeit schrieb er sein erstes Buch Raina raïkoum (Unsere Meinung, eure Meinung). Er entwickelte sich und seine Meinungen von konservativ zu bissig, besonders gegenüber den algerischen Machthabern unter Abdelaziz Bouteflika. Seine Artikel erschienen unzensiert auf Facebook, des Weiteren schrieb er für die elektronische Zeitschrift Algérie-focus und für Slate Afrique.

Daoud lebt und arbeitet in Oran. Er hat zwei Kinder und ist geschieden.

In den letzten Jahren hat Daoud sechs weitere Werke veröffentlicht, darunter Erzählungen und 2014 den Roman Meusault, contre-enquête (Deutsch 2016: Der Fall Meursault - Eine Gegendarstellung), der durch den Roman Der Fremde von Albert Camus inspiriert wurde. Der Roman polarisierte: Tobias Lehmkuhl kritisierte in der Süddeutschen Zeitung den Roman ob seiner unbeholfenen Sprache und die Gegengeschichte, die der Protagonist des Autors zu erzählen vorgibt, als monologisierendes Gerede.[1] Dirk Fuhrig lobte im Deutschlandradio Kultur den Roman als „einer der anregendsten und wichtigsten (...) über das Verhältnis des Westens zur arabischen Welt. Sowohl wegen seiner interkulturellen Dimension als auch wegen seiner literarisch feinen Methode.“[2] Er war 2014 in der Endauswahl für Frankreichs wichtigsten Literaturpreis, den Prix Goncourt, und wurde schließlich in der Kategorie „bester Debütroman“ ausgezeichnet.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daoud äußerte sich in Le Monde kritisch zu den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln durch maghrebinische Migranten. Unter anderem beklagte er die Naivität des Westens, der die Gegensätze zwischen westlicher und islamischer Kultur herunterspiele.[3] Er wurde daraufhin von einer Gruppe von neunzehn französischen Intellektuellen angeklagt, Islamophobie zu schüren und Pegida zu unterstützen. Bereits vorher wegen seiner couragierten Kommentare im Quotidien d'Oran mit einer Fatwa belegt, kündigte Daoud daraufhin an, sich aus dem Journalismus zurückzuziehen.[4]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raina raïkoum, Zusammenstellung einiger seiner im Le Quotidien d’Oran veröffentlichten Artikel. Éditions Dar el Gharb, Oran 2002
  • La Fable du Nain, Nacherzählung. Dar el Gharb, Oran 2003
  • Ô Pharaon. Dar el Gharb, Oran 2005
  • L’Arabe et le vaste pays de ô.... Erzählungen. Barzakh, Algier 2008
    • Der Araber und das weite Land O. (L'arabe et le vaste Pays Ô), Auszug, die titelgebende Erzählung daraus. Übers. Sonja Finck. In: Den gegenwärtigen Zustand der Dinge festhalten. Zeitgenössische Literatur aus Frankreich. die horen, 267. Wallstein, Göttingen 2017, S. 85–91
  • La Préface du Nègre. Algerien 2008
  • Meursault, contre-enquête. Barzakh, Algier 2013 ISBN 978-9931-32556-7; zugl. Actes Sud, Arles 2014 ISBN 978-2-330-03372-9

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kamel Daoud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tobias Lehmkuhl: Brüder unter der Sonne, Rezension, in: Süddeutsche Zeitung, 19. Februar 2016, S. 14
  2. Dirk Fuhrig: Eine arabische Antwort auf Camus, Rezension, in: Deutschlandradio Kultur, 25. Februar 2016.
  3. Kamel Daoud: Cologne, lieu de fantasmes, Le Monde, 31. Januar 2016.
  4. Iris Radisch: Das Tribunal der Pariser Mandarine, Die Zeit, 25. Februar 2016.
  5. Finck in der Übersetzer-Datenbank des VdÜ, 2017
  6. Jetzt hat der Tote endlich einen Namen, FAZ, 17. Februar 2016, S. 10
  7. Kopftuchkonflikte, weichgespült im Pott, FAZ, 5. September 2016, S. 14
  8. Befragen Sie die üblichen Zeugen, FAZ, 1. Oktober 2016, S. 13