Kamienna Góra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kamienna Góra
Wappen von Kamienna Góra
Kamienna Góra (Polen)
Kamienna Góra
Kamienna Góra
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Kamienna Góra
Fläche: 18,00 km²
Geographische Lage: 50° 47′ N, 16° 2′ OKoordinaten: 50° 47′ 0″ N, 16° 2′ 0″ O
Höhe: 468 m n.p.m.
Einwohner: 19.711
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 58-400 bis 58-402
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DKA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: LegnicaTrutnov
Schienenweg: Sędzisław–Lubawka
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 18,00 km²
Einwohner: 19.711
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1095 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0207011
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Krzysztof Świątek[2]
Adresse: pl. Grunwaldzki 1
58-400 Kamienna Góra
Webpräsenz: www.kamiennagora.pl



Kamienna Góra [kaˈmʲɛnːa ˈgura] (deutsch: Landeshut in Schlesien) ist eine Kreisstadt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Sie ist Sitz des Powiat Kamiennogórski (Landeshuter Distrikt) sowie der gleichnamigen Gemeinde, der sie jedoch nicht angehört. Die Stadt gehört der Euroregion Neiße an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landeshut und seine Nachbarorte auf einer Landkarte von 1905.

Die Stadt liegt in Niederschlesien, etwa 26 Kilometer südöstlich von Jelenia Góra (Hirschberg) am Bober, in der Landeshuter Senke zwischen dem zum Riesengebirge gehörenden Landeshuter Kamm und dem Waldenburger Bergland sowie dem Rabengebirge. Durch den Ort führt eine historische Straßenverbindung, die das nördliche Schlesien mit Prag verband.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reste des mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul.
Karte aus dem Jahr 1934.
Blick auf Kamienna Góra und Schneekoppe (2009).

Stadtgründung im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich des Gebietes von Landeshut verlief vor der Kolonisation der schlesisch-böhmische Grenzwald. Das spätere Stadtgebiet wurde 1254 durch Herzog Boleslaus II. von Liegnitz den Benediktinermönchen des böhmischen Klosters Opatowitz verliehen, die bereits 1242 das Kloster Grüssau begründeten. Nachdem das Kloster Grüssau 1292 an die Zisterzienser gelangte, fälschten diese eine auf das Jahr 1249 datierte Urkunde, mit der sie einen Anspruch auf Landeshut nachweisen wollten.

Landeshut gehörte zum Herzogtum Schweidnitz-Jauer und wurde vermutlich zwischen 1289 und 1292 von Herzog Bolko I. als „Landishute“ zur Sicherung der Grenze gegenüber Böhmen gegründet. Die Datierung ergibt sich daraus, dass Bolko I. 1289 dem Kloster Opatowitz das Landeshuter Gebiet abkaufte, und für 1292 in der Stiftungsurkunde des Klosters Grüssau die „civitas Landishute“ belegt ist. Die Stadt wurde gitterförmig mit einem rechteckigen Marktplatz und einer Stadtmauer angelegt, die mit einem Ober- und Niedertor versehen wurde. 1334 bestätigte Bolko II. die Stadtrechte sowie die freie Ratswahl. In der Urkunde wird zudem erwähnt, Bolko I. habe Landeshut „von neuer wurtzel uss hat gesatzt“. 1334 besaß Landeshut das Meilenrecht, 1341 kam der Salzmarkt und das Braumonopol für das ganze Weichbild hinzu. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer gelangte es 1368 an die Krone Böhmen. 1426 brannten die Hussiten Landeshut nieder.

1477 übertrug der böhmische König Vladislav II. die „vff schlesischer granecz“ gelegene Stadt Landeshut an den Glatzer Landeshauptmann Hans von Warnsdorf und an dessen Schwiegersohn Friedrich von Schönburg (Schumburg). Nachdem dessen ältester Sohn Johann eines gewaltsamen Todes starb, erbte Landeshut sein jüngerer Bruder Karl von Schönburg, der am 8. September 1526 in Landeshut verstarb.[3]

Landeshut in der frühen Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1527 erwarb Landeshut die Erbvogtei, die seit 1477 im Besitz des Klosters Grüssau gewesen war.[4] Von Bedeutung war im 15. Jahrhundert die Tuchmacherei, im 16. Jahrhundert kam die Leinenweberei auf. Anfang des 16. Jahrhunderts erwarb die prosperierende Stadt das Zollrecht, das bis dahin Hans von Dyhern auf Kreppelhof besaß. 1562 bekannte sich ein Großteil der Einwohner zur Reformation. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Landeshut geplündert und von Bränden und Epidemien heimgesucht. Nach Ende des Kriegs stellte sich allmählich wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Die Gegenreformation wurde auch in Landeshut durchgeführt. Für das Jahr 1658 ist eine Zunft der Züchner belegt, 1677 schlossen sich die Landeshuter Kaufleute zu einer Kaufmannsinnung zusammen. 1707 wurde mit der Altranstädter Konvention der Bau einer evangelischen Gnadenkirche ermöglicht.

Unter preußischer Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Folge des Ersten Schlesischen Kriegs fiel Landeshut zusammen mit Schlesien 1742 an Preußen. Im Zweiten Schlesischen Krieg fand 1745 bei Landeshut eine Schlacht zwischen Preußen und Österreich statt, die Preußen gewann. Dagegen endete 1760 im Siebenjährigen Krieg die Schlacht bei Landeshut mit einem Sieg Österreichs. Die Stadt wurde während der Kämpfe erheblich beschädigt und erhielt Aufbauhilfe vom preußischen König Friedrich II. Für das Jahr 1787 sind 2.790 Einwohner nachgewiesen, und 1789 bestand die Stadt aus 189 Häusern innerhalb der Mauern und 300 Häusern in den Vorstädten. Wegen der Aufkaufspraktiken der Garnhändler kam es 1793 auch in Landeshut zu Weberunruhen. Trotzdem vervierfachte sich von 1765 bis 1805 die Leinwandausfuhr. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Landeshut seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 Sitz des Landkreises Landeshut, der zum Regierungsbezirk Liegnitz gehörte.

Im 19. Jahrhundert entstanden große maschinelle Webereien (Carl und Robert Methner, J. Rinkel, F. V. Grünfeld, Albert Hamburger AG, C. Epner u. a.) sowie weitere Industriebetriebe. Der wirtschaftliche Aufschwung wurde durch den Anschluss an die Eisenbahn ermöglicht. 1869 wurde die Strecke Ruhbank–Landeshut–Liebau in Betrieb genommen, 1899 eröffnete die Ziederthal-Eisenbahn-Gesellschaft die Strecke Landeshut–Albendorf und 1905 folgte die Strecke Schmiedeberg-Landeshut. Aufgrund seiner landschaftlichen Lage entwickelte sich Landeshut zudem zu einem beliebten Fremdenverkehrsort. 1939 wurden 13.688 Einwohner gezählt.

1945 bis in die 2010er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Landeshut im Frühjahr 1945 von der Roten Armee eingenommen und bald darauf von der sowjetischen Besatzungsmacht wie fast ganz Schlesien unter polnische Verwaltung gestellt. Die Stadt erhielt den polnischen Namen Kamienna Góra. Die deutsche Bevölkerung wurde bis auf wenige Ausnahmen von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die neuen Bewohner hatten zum Teil polnischen ethnischen Minderheiten in an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört und waren dort an ihren Heimatorten nach Kriegsende vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auszuwandern.

1975 bis 1998 gehörte Kamienna Góra zur Woiwodschaft Jelenia Góra.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1890 7.572 davon 4.458 Evangelische, 2.659 Katholiken und 147 Juden[5]
1925 13.104 davon 8.265 Evangelische, 4.358 Katholiken, 47 sonstige Christen, 67 Juden[5]
1933 13.907 davon 8.951 Evangelische, 4.367 Katholiken, zehn sonstiger Christ, 77 Juden[5]
1939 13.461 davon 8.567 Evangelische, 4.290 Katholiken, 39 sonstige Christen, 14 Juden [5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus
Partie am Ring
Das 1869 erbaute Bahnhofsgebäude
Jüdischer Friedhof
  • Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul (Kośćiół ŚŚ. Piotra i Pawła) wurde erstmals 1294 erwähnt und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neu errichtet. 1562 bis 1629 und 1634 bis 1637 diente sie als evangelisches Gotteshaus. 1895 erfolgte eine Restaurierung im Stil der Neugotik. Kanzel sowie Orgelempore sind barock. Die Skulptur der hl. Anna Selbdritt stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, das steinerne Taufbecken aus der Zeit um 1580. An der Außenmauer befinden sich Epitaphien aus Stein. Das 1885 aus Reichen im Landkreis Guhrau in die Kirche translozierte Pentaptychon der hl. Anna aus dem Jahr 1520 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in das Breslauer Nationalmuseum verbracht.
  • Die ehemalige evangelische Gnadenkirche der hl. Dreifaltigkeit dient jetzt als katholische Pfarrkirche St. Maria Rosenkranz (Kośćiół Matki Boskiej Różańcowej). Sie wurde 1709 bis 1720 nach Plänen des Tallinner Baumeisters Martin Frantz nach Vorbild der Stockholmer Katharinenkirche im Stil des Barock errichtet und reich ausgestattet. 1959 bis 1964 wurde der Innenraum umgebaut und ein Großteil der Innenausstattung demontiert. Erhalten sind das Gitter des Haupteingangs sowie Epitaphien, die in die Balustrade der Außentreppe eingelassen wurden. Die ursprüngliche Orgel wurde in die Warschauer Garnisonskirche verbracht. Auf dem Friedhof befindet sich eine spätbarocke Kapelle von 1783.
  • Das im Stil der Neorenaissance erbaute Rathaus wurde 1905 eingeweiht und befindet sich am heutigen Plac Grunwaldzki. Ein erstes Rathaus wurde in Landeshut bereits 1564 erwähnt. Dieses brannte 1638 während des Dreißigjährigen Krieges aus. Es wurde 1660 wieder aufgebaut und 1873 wieder abgerissen. Daraufhin erwarb die Stadt das Conrad’sche Haus in der damaligen Kirchgasse. Am 29. Januar 1903 beschloss die Stadt einen Rathausneubau. Die Grundsteinlegung erfolgte am 23. Juni 1904, die Einweihung am 30. November 1905. Den Entwurf lieferten die Breslauer Architekten Richard Gaze und Alfred Böttcher.[6] Seit Juni 1977 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.[7]
  • Am Ring (poln. Rynek), dem Landeshuter Marktplatz, befinden sich Bürgerhäuser aus dem 17. bis zum 19. Jahrhundert.
  • Nordöstlich der Gnadenkirche befindet sich die ehemalige evangelische Mittelschule für Mädchen aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts sowie die Kantorei von 1725.
  • Das Pfarrhaus stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Ruine von Schloss Kreppelhof, das 1964 ausbrannte.
  • Im Stadtgebiet befinden sich noch zwei jüdische Friedhöfe, die in den Jahren 1824 und 1881 angelegt wurden.[8][9]
  • Das alte Bahnhofsgebäude wurde 1869 erbaut.[10]

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Kamienna Góra umfasst ein Gebiet von 158,1 km², auf denen 9010 Einwohner leben (Stand 30. Juni 2015). Die namensgebende Stadt Kamienna Góra ist aber nicht Teil der Landgemeinde, sondern bildet eine eigene Stadtgemeinde. Zur Landgemeinde – die Teil der Euroregion Neiße ist – gehören folgende Ortschaften:

  • Czadrów (Oberzieder)
  • Czarnów (Rothenzechau)
  • Dobromyśl (Kindelsdorf)
  • Debrznik (Krausendorf)
  • Gorzeszów (Görtelsdorf)
  • Janiszów (Johnsdorf)
  • Kochanów (Trautliebersdorf)
  • Krzeszów (Grüssau)
  • Krzeszówek (Neuen/Alt-Grüssau)
  • Leszczyniec (Haselbach)
  • Nowa Białka (Neuweistritz)
  • Ogorzelec (Städtisch Dittersbach)
  • Olszyny (Erlendorf)
  • Pisarzowice (Schreibendorf)
  • Przedwojów (Reichhennersdorf)
  • Ptaszków (Vogelsdorf)
  • Raszów (Reußendorf)
  • Rędziny (Wüstenröhrsdorf; 1937–45: Röhrsdorf (Riesengeb.))
  • Szarocin (Pfaffendorf)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gotthard Langhans

Nach Geburtsjahr geordnet

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Landeshut spielt die Rübezahl-Sage Meister Zwirbel. Nach der Sage betrog der Landeshuter Schneidermeister Leberecht Zwirbel Rübezahl um zwei Ellen Tuch und musste zur Strafe auf einem Ziegenbock vom Stadttor bis zu seinem Wohnhaus reiten. Zwirbel wäre seitdem der ehrlichste Schneider der Region gewesen.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kamienna Góra – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Landshut in der Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Władze Miasta, abgerufen am 20. Februar 2015
  3. Friedrich Bernau: Die Gebrüder von Schönburg und Lichtenburg. In: Schatzlar und seine Bezirksgemeinden. Marburg/Lahn 1993, S. 99
  4. P. Ambrosius Rose: Kloster Grüssau. Stuttgart 1974, ISBN 3-8062-0126-9, S. 47 u. 54
  5. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/landeshut.html
  6. http://www.landeshut.de/ortschaften/landeshut/rathaus/rathaus.html
  7. http://www.nid.pl/pl/Informacje_ogolne/Zabytki_w_Polsce/rejestr-zabytkow/zestawienia-zabytkow-nieruchomych/DLN-rej.pdf
  8. http://www.sztetl.org.pl/pl/article/kamienna-gora/12,cmentarze/4037,cmentarz-zydowski-ul-katowicka-/
  9. http://www.sztetl.org.pl/pl/article/kamienna-gora/12,cmentarze/4688,cmentarz-w-kamiennej-gorze-ul-ksiecia-bolka-i/
  10. http://dolny-slask.org.pl/528448,Kamienna_Gora,Dworzec_kolejowy_Kamienna_Gora.html
  11. E. Berger: Rübezahl und Andere Gebirgssagen. Buchhandlung Gustav Fock, Seite 37 f.