Kammmuscheln

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Kammmuscheln
Kammmuscheln

Kammmuscheln

Systematik
Klasse: Muscheln (Bivalvia)
Unterklasse: Autolamellibranchiata
Teilklasse: Pteriomorphia
Ordnung: Pectinida
Überfamilie: Pectinoidea
Familie: Kammmuscheln
Wissenschaftlicher Name
Pectinidae
Wilkes, 1810

Die Kammmuscheln (Pectinidae)[1] sind eine Familie der Ordnung Pectinida innerhalb der Muscheln (Bivalvia).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kammmuschel mit Augen am Mantelrand

Die gleichklappigen oder auch leicht ungleichklappigen Gehäuse sind im Umriss fächerförmig, rundlich oder eiförmig, und mittelgroß bis groß. Sie sind häufig fast gleichseitig oder nur leicht ungleichseitig. Häufig ist eine Klappe etwas stärker konvex gewölbt als die andere Klappe. Der Wirbel bildet die Spitze des Fächers bzw. sitzt annähernd mittig am oberen Rand. Beiderseits des Wirbels sind flügelförmige Schalenfortsätze ausgebildet, die sogenannten Ohren. Sie können nahezu gleich groß, aber aber sehr ungleich groß sein. Das vordere Ohr der rechten Klappe zeigt häufig einen mehr oder weniger großen Einschnitt für den Byssus. Die Arten leben frei, teils aufschwimmend, oder mit Byssus festgeheftet oder mit der rechten Klappe anzementiert an Festgrund. Der Schlossrand weist keine Zähne auf.

Die Arten der Kammmuscheln besitzen nur einen großen Schließmuskel („monomyar“) und damit auch nur einen großen Schließmuskelabdruck. Die Schale ist meist festschalig, kann aber auch dünner und spöde sein. Die Ornamentierung besteht sehr häufig aus radialen Rippen unterschiedlicher Intensität und Gestaltung oder auch Undulationen der Schale sowie meist eher untergeordnet auch konzentrische Anwachsstreifen oder Rippen; selten ist die konzentrische Ornamentierung kräftiger als die radiale Ornamentierung. Die meisten Arten tragen auf der Oberfläche auffällige Zeichnungen, häufig noch unterschiedlicher Farbe. Meist ist die obere linke Klappe intensiver gefärbt als die untere rechte Klappe. Die Innenseiten sind meist weiß, können aber ebenfalls farbige Muster haben.

Ein auffälliges Merkmal der Kammmuscheln sind ihre zahlreichen Augen am Mantelrand. Darum besitzen sie ein dementsprechend entwickeltes Nervensystem mit einer Konzentration der Ganglien im viszeralen Bereich. Darüber hinaus sind viele Arten in der Lage, sich bei der Annäherung eines Fressfeindes, beispielsweise eines Seesterns, durch schnelles mehrmaliges Zusammenklappen der Schalen schwimmend fortzubewegen und der Gefahr zu entkommen.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Arten haben eine große wirtschaftliche Bedeutung. Gegessen werden Schließmuskel und Gonaden der Muscheln (siehe auch unter Jakobsmuschel).

Bedeutung in der Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konzern Shell verwendet eine stilisierte Kammmuschel mit nach unten zeigendem Wirbel als Firmenlogo. Auch in der Heraldik kommt die Kammmuschel, immer die Jakobsmuschel darstellend, als Wappentier vor. Sie ist das Pilgerzeichen schlechthin.

Amusium cristatum
Tiger-Kammmuschel (Palliolum tigerinum)
Fossile pectinide Muschel (Osttimor)

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Taxon war bereits 1810 von John Wilkes als Pectinoidae in die wissenschaftliche Literatur eingeführt worden.[2] Es wird ganz allgemein als gültiges Taxon betrachtet.[3] Nach der MolluscaBase werden folgende Unterfamilien und Gattungen zur Familie der Kammmuscheln gestellt:[3]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Peter Dance, Rudo von Cosel (Bearb. der deutschen Ausgabe): Das große Buch der Meeresmuscheln. 304 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1977 ISBN 3-8001-7000-0 (S. 231)
  • Rudolf Kilias: Lexikon Marine Muscheln und Schnecken. 2. Aufl., 340 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1997 ISBN 3-8001-7332-8 (S. 232)
  • Fritz Nordsieck: Die europäischen Meeresmuscheln (Bivalvia). Vom Eismeer bis Kapverden, Mittelmeer und Schwarzes Meer. 256 S., Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1969 (S. 46)
  • Guido T. Poppe und Y. Goto: European Seashells. Vol II (Scaphopoda, Bivalvia, Cephalopoda). 221 S., Verlag Christa Hemmen, Wiesbaden, 1993 ISBN 3-925919-11-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Gosselck, Alexander Darr, Jürgen H. J. Jungbluth, Michael Zettler: Trivialnamen für Mollusken des Meeres und Brackwassers in Deutschland. Mollusca, 27(1): 3-32, 2009 PDF (S. 23/24)
  2. John Wilkes: Encyclopædia Londinensis; or, universal dictionary of arts, sciences, and literature : Comprehending, under one general alphabetical arrangement, all the words and substance of every kind of dictionary extant in the English language. In which the improved departments of the mechanical arts, the liberal sciences, the higher mathematics, and the several branches of polite literature, are selected from the acts, memoirs, and transactions, of the most eminent literary societies, in Europe, Asia, and America ... Embellished by a most magnificent set of copper-plate engravings ... Together with a comprehensive system of heraldry, finely illuminated ... Compiled, digested, and arranged, by John Wilkes ... assisted by eminent scholars of the English, Scotch, and Irish Universities. London : printed for the Proprietor, by J. Adlard, Duke-Street, West Smithfield: sold at the Encyclopædia Office, Ave-Maria-Lane, St. Paul's; by J. White, Fleet-Street; and Champante and Whitrow, Jewry-Street, Aldgate, 1810-1829. Online bei www.biodiversitylibrary.org (S. 32)
  3. a b MolluscaBase: Pectinidae Rafinesque, 1815 (recte Wilkes, 1810)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kammmuscheln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kammmuschel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen