Kampfgeschwader 1 „Hindenburg“

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kampfgeschwader 1
Aktiv 1. Mai 1939 bis 25. August 1944
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Luftwaffe
Truppengattung Kampfgeschwader
Grobgliederung Stab und 4 Gruppen
Stationierungsort Stab Kolberg
I. Gruppe Kolberg
II. Gruppe Pinnow-Plathe
III. Gruppe Burg
IV. (Ergänzungs-) Gruppe Münster-Handorf
Spitzname Hindenburg-Geschwader
Ausrüstung Heinkel He 111, Junkers Ju 88, Heinkel He 177
Zweiter Weltkrieg Polenfeldzug
Westfeldzug
Luftschlacht um England
Deutsch-Sowjetischer Krieg
Alliierte Invasion in Italien

Das Kampfgeschwader 1 „Hindenburg“ war ein Verband der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Es war nach Paul von Hindenburg benannt, einem Generalfeldmarschall des Ersten Weltkrieges und letztem Reichspräsident der Weimarer Republik.

Aufstellung[Bearbeiten]

Das Kampfgeschwader 1 entstand am 1. Mai 1939 aus dem am 1. April 1936 in Greifswald aufgestellten Kampfgeschwader 152 „Hindenburg“. Aus dem Geschwaderstab und der IV./KG 157 entstanden am 1. Mai 1939 in Kolberg (Lage54.199115.6878) der Stab und die I./KG 1. Aus der I. Gruppe des Lehrgeschwaders 3 bildete sich am 18. September 1939 in Pinnow-Plathe die II./KG 1. Die III./KG 1 entstand am 15. Dezember 1939 in Burg (Lage52.24111.86) aus Personalabgaben der beiden anderen Gruppen. Im August 1940 entstand die IV. (Ergänzungs-) Gruppe in Münster-Handorf (Lage51.99547.7321). Das Geschwader war von 1939 bis März 1941 mit der Heinkel He 111 ausgestattet. Danach rüsteten die I. und II. Gruppe als letzte auf die Junkers Ju 88 um. Ab Dezember 1943 erreichten die ersten Heinkel He 177 die I. und II. Gruppe. Die III. Gruppe konnte erst im Juni 1944 ihre He 177 übernehmen. Die Geschwaderkennung war V4.[1]

Geschwaderkommodore[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Zeit
Oberst Ulrich Kessler 1. Mai 1939 bis 17. Dezember 1939
Oberstleutnant Ernst Exss 19. Dezember 1939 bis 12. Juli 1940
Oberst Josef Kammhuber 12. Juli 1940 bis 18. Juli 1940
Generalmajor Karl Angerstein 18. Juli 1940 bis 1. März 1942
Major Herbert Loch März 1942 bis Juni 1942
Oberstleutnant Peter Schemmell Juni 1942 bis 14. August 1942
Major Hans Keppler 15. August 1942 bis 3. September 1942
Major Heinrich Lau September 1942 bis 15. März 1943
Oberstleutnant Horst von Riesen 17. März 1943 bis August 1944

Geschichte[Bearbeiten]

Heinkel He 111 beim Bombenabwurf über Polen

Der Stab, die I./Kampfgeschwader 1 und die I./KG 152 (ab 18. September die II./KG 1) nahmen, von ihren Heimatbasen Kolberg und Pinnow-Plathe aus, am Angriff auf Polen teil. Dazu waren sie der 1. Fliegerdivision der Luftflotte 1 im Nordabschnitt der Front unterstellt.[2]

Während des Westfeldzuges standen alle drei Gruppen unter dem Kommando des I. Fliegerkorps der Luftflotte 3.[3] Von den Plätzen in Gießen (Lage50.59588.7232), Kirtorf (Lage50.79259.0837) und Ettingshausen (Lage50.56758.869) aus, erfolgten erste Luftangriffe auf Flugplätze zur Erringung der Luftherrschaft und taktische Einsätze zur Heeresunterstützung.[1]

Eine Heinkel He 111 der 7./KG 1 beim Anflug auf England

In der anschließenden Luftschlacht um England blieb das gesamte Geschwader beim I. Fliegerkorps, nun aber unter dem Kommando der Luftflotte 2.[4] Anfangs flog es von den französischen Basen Montdidier (Lage49.67142.5715) und Rosieres-en-Santerre (Lage49.80472.7458) Luftangriffe gegen südenglische Hafenanlagen. Ab August flog es so genannte Vergeltungsangriffe auf London und Coventry. Danach folgten bis Juni 1941 Nachtangriffe gegen England und Verminung wichtiger Flüsse (Themse, Humber, Bristolkanal).[1] Zu den genutzten Stützpunkten gehörten u.a. Bapaume und Roye-Amy. Die I./KG 1 wurde umbenannt in III./KG 40 und schied damit aus dem Geschwader aus. Eine neue I. Gruppe entstand am 8. Juni 1942 als die III./KG 26 in I./KG 1 umbenannt wurde.

Am Angriff auf die Sowjetunion, ab 22. Juni 1941, nahm das Geschwader mit dem Stab und der II. Gruppe in Powunden (Lage54.8920.5926) und der III. Gruppe in Eichwalde (Lage54.141219.4209) teil. Dazu war es dem I. Fliegerkorps der Luftflotte 1 im Nordabschnitt der Ostfront unterstellt.[5] In vielen rein taktischen Einsätzen zur Heeresunterstützung war es oft an den Schwerpunkten im Norden der Ostfront eingesetzt. Ab 15. September erfolgten Luftangriffe auf den Hafen von Leningrad.[6]

Am 4. und 5. April 1942 nahmen Teile des Kampfgeschwaders 1 am „Unternehmen Eisstoß“ teil. Zusammen mit Teilen der Sturzkampfgeschwader 1 und 2, des Kampfgeschwaders 4 und des Jagdgeschwaders 54 griffen sie Kriegsschiffe der sowjetischen Flotte im Leningrader Hafen an. Dabei wurden beschädigt, das Schlachtschiff Oktjabrskaja Revolutsija durch vier Bombentreffer, der Kreuzer Maksim Gorki durch sieben Treffer mittleren Kalibers, die Kreuzer Kirov und Petropavlovsk und der Zerstörer Silnyj durch je einen schweren Treffer, sowie der Zerstörer Grozjashchi, der Minenleger Marti und das Schulschiff Svir durch leichtere Treffer. Beschädigt wurden außerdem die Zerstörer Stoyki und Svirepy sowie die Unterseeboote M-79, P-2 und P-3.[7]

Ab Oktober 1942 verlegte das Geschwader nach Morosowskaja (Lage48.313241.7903) in den Südabschnitt der Ostfront um in die Schlacht um Stalingrad einzugreifen. Weiterhin erfolgten zusammengefasste Angriffe gegen die sowjetische Ölindustrie in Grosny.[6]

Im Jahre 1943 ging das Geschwader wieder in den Nord- und Mittelabschnitt der Ostfront zurück. Die III./KG 1 rüstete auf die Junkers Ju 88 P (mit einer 7,5-cm-Kanone) und wurde zur Panzerabwehr eingesetzt. Sie blieb als selbstständige Gruppe an der Ostfront, unter anderen in Orjol, (Lage52.937236.0068) von wo sie sie als Teil der 1. Fliegerdivision der Luftflotte 6 am Unternehmen Zitadelle teilnahm.[8]

Der Stab, die I. und II. Gruppe befanden sich ab Mai 1943 bereits in Italien. Von Piacenza (Lage44.9139.7233) und Grottaglie (Lage40.516117.4047) aus, griffen sie in die Abwehrkämpfe in Sizilien und Süditalien ein. Nachdem das Geschwader fast vollständig vernichtet war, wurde es in Oberitalien mit Besatzungs- und Verwaltungsaufgaben betraut.[6]

Ab November 1943 erfolgte die Rückverlegung auf die Flugplätze Burg und Brandis (Lage51.328312.6569). Dort begann die Umrüstung auf die Heinkel He 177. Im Juni 1944 kam die I./KG 100 als neue III. Gruppe nach Wittmundhafen. Die Umrüstung und die damit erforderlichen Umschulungen waren sehr zeitintensiv, so das erst im Juni 1944 die Unterstellung unter das IV. Fliegerkorps an der Ostfront erfolgte. Aber schon im August verlegte es zurück in die Heimat. Dort wurde es aufgelöst. Das Personal wechselte in das neu aufgestellte Jagdgeschwader 7 „Hindenburg“.[9]

Bekannte Geschwaderangehörige[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kampfgeschwader 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Dierich, S. 98.
  2. Bernhard R. Kroener: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/1, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718–719.
  3. Leo Niehorster: German Order of Battle, 3rd Air Force, I Air Corps, 10 May 1940, abgerufen am 15. Juli 2013.
  4. Ulf Balke: Der Luftkrieg in Europa 1939–1941. Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-591-6, S. 408.
  5. Leo Niehorster: Order of Battle, 1st Air Fleet, I Air Corps, 22 June 1941, abgerufen am 15. Juli 2013.
  6. a b c Dierich, S. 99.
  7. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, April 1942, abgerufen am 14. Juli 2013.
  8. Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider und Klaus Schönherr: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8: „Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten.“ Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt, DVA 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 90–92.
  9. Dierich, S. 100.
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM oder Bing