Kanadische Unterhauswahl 1997

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Unterhauswahl 1997
 %
40
30
20
10
0
38,46
19,35
18,84
11,05
10,67
1,63
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1993
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,78
+0,66
+2,80
+4,17
-2,85
-2,00
Sonst.
21
44
155
20
60
1
21 44 155 20 60 
Von 301 Sitzen entfallen auf:

Die 36. kanadische Unterhauswahl (engl. 36th Canadian General Election, frz. 36e élection fédérale canadienne) fand am 2. Juni 1997 statt. Gewählt wurden 301 Abgeordnete des kanadischen Unterhauses (engl. House of Commons, frz. Chambre des Communes). Der Umbruch der politischen Landschaft vier Jahre zuvor wurde weitgehend bestätigt. Die Liberale Partei von Jean Chrétien behauptete trotz leichter Verluste die absolute Mehrheit, während die Reformpartei den Bloc Québécois als stärkste Oppositionskraft ablöste. Zwar konnte die Progressiv-konservative Partei etwas zulegen, erlangte ihre frühere Bedeutung aber bei weitem nicht.

Die Wahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premierminister Jean Chrétien bat Generalgouverneur Roméo LeBlanc am 26. April 1997 um die Auflösung des Parlaments, fast eineinhalb Jahre vor dem spätestmöglichen Termin. Damit wollte er von den guten Werten bei Meinungsumfragen profitieren, die einen erdrutschartigen Sieg prognostizierten. Hinzu kam die Tatsache, dass keine der Oppositionsparteien in der Lage zu sein schien, den Liberalen gefährlich zu werden.[1] Im Wahlkampf versprachen die Liberalen, die zu erwartenden Budgetüberschüsse zur Hälfte für Schuldenabbau und Steuersenkungen zu verwenden, während die andere Hälfte in den Ausbau des Gesundheitswesens und die Schaffung von Arbeitsplätzen fließen sollte.[2] Trotz einiger Fauxpas, die Chrétien während des Wahlkampfs passiert waren, gingen die Liberalen erneut als Sieger hervor. Zwar verloren sie 22 Sitze, behielten aber knapp die absolute Mehrheit. Sie profitierten davon, dass die Opposition weiterhin zersplittert war. Fast zwei Drittel aller liberalen Abgeordneten kamen aus Ontario.

Die von Preston Manning angeführte Reformpartei strebte danach, die nationale Einheit durch Übertragung verschiedener Bundesaufgaben an die Provinzen zu erhalten. Ebenso setzte sie sich für Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen sowie gegen einen besonderen Status für Québec ein. Mit diesem Programm wollte sie vor allem in Ontario einen Durchbruch erzielen.[3][4] Während des Wahlkampfs sah sie sich wiederholt mit Anschuldigungen anderer Parteien und der Medien konfrontiert, wonach verschiedene ihrer Abgeordneten intolerante Absichten vertreten würden.[3] Zwar gewann die Reformpartei acht Sitze hinzu und stieg zur größten Oppositionspartei auf, doch war ihre Wählerbasis auf Westkanada beschränkt. Östlich von Manitoba war sie nirgends vertreten und die angestrebten Sitzgewinne im ländlichen Teil Ontarios blieben aus.

Der Bloc Québécois unter dem neuen Parteivorsitzenden Gilles Duceppe verlor seinen Status als stärkste Oppositionspartei. In Québec (der einzigen Provinz, in der er antrat) verlor er fast einen Viertel seiner Wählerschaft und errang noch 44 von 75 Sitzen. Die Neue Demokratische Partei (NDP) unter Alexa McDonough legte um zwölf Sitze zu und erlangte die im Jahr 1993 eingebüßte Fraktionsstärke zurück. Insbesondere konnte die NDP in den atlantischen Provinzen zulegen – in einer Region, wo sie in ihrer bisherigen gesamten Parteigeschichte nur gerade drei Abgeordnete gestellt hatte.

Die Progressiv-konservative Partei, die 1993 fast ganz von der politischen Landkarte verschwunden war, konnte sich unter dem Vorsitz von Jean Charest (einem der damals zwei übrig gebliebenen Abgeordneten) etwas erholen und erreichte wieder Fraktionsstärke. Ihr Wahlprogramm war darauf ausgerichtet, die nationale Einigkeit wiederherzustellen und die Frankokanadier als eine sich von der englischsprachigen Mehrheit unterscheidende Gesellschaft anzuerkennen.[5] Die Ergebnisse der Partei in ihren einstigen westkanadischen Hochburgen blieben angesichts der übermächtigen Konkurrenz der Reformpartei bescheiden. Nur in den atlantischen Provinzen konnte sie sich wieder als nennenswerte politische Kraft etablieren.

Die Wahlbeteiligung betrug 67,0 %.[6]

Gesamtergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht der Provinzen und Territorien
Partei Vorsitzender Kandi-
daten
Sitze
1993
bei Auf-
lösung
Sitze
1997
+/− Stimmen Wähler-
anteil
+/−
  Liberale Partei Jean Chrétien 301 177 174 155 − 22 4.994.277 38,46 % − 2,78 %
  Reformpartei Preston Manning 227 052 050 060 + 08 2.513.080 19,35 % + 0,66 %
  Bloc Québécois Gilles Duceppe 075 054 050 044 − 10 1.385.821 10,67 % − 2,85 %
  Neue Demokratische Partei Alexa McDonough 301 009 009 021 + 12 1.434.509 11,05 % + 4,17 %
  Progressiv-konservative Partei Jean Charest 301 002 002 020 + 18 2.446.705 18,84 % + 2,80 %
  Unabhängige 071 001 006 001 34.507 0,27 % − 0,46 %
  Grüne Partei Joan Russow 079 55.583 0,43 % + 0,19 %
  Naturgesetzpartei Neil Paterson 136 37.085 0,29 % − 0,34 %
  Christian Heritage Ron Gray 053 29.085 0,22 %
  Nicht parteigebunden 005 26.252 0,20 % + 0,11 %
  Canadian Action Party Paul Hellyer 058 17.502 0,13 %
  Marxisten-Leninisten Hardial Bains 065 11.468 0,09 % + 0,05 %
  vakant 004
Total 2.155 295 295 301 + 6 12.985.974 100,0 %

Ergebnis nach Provinzen und Territorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partei BC AB SK MB ON QC NB NS PE NL NW YK Total
Liberale Partei Sitze 6 2 1 6 101 26 3 4 4 2 155
Anteil in % 28,8 24,0 24,7 34,3 49,5 36,7 32.9 28,4 44,8 37,9 43,1 22,0 38,5
Reformpartei Sitze 25 24 8 3 60
Anteil in % 43,1 54,6 36,0 23,7 19,1 0,3 13,1 9,7 1,5 2,5 11,7 25,3 19,4
Bloc Québécois Sitze 44 44
Anteil in % 37,9 10,7
Neue Demokratische Partei Sitze 3 5 4 2 6 1 21
Anteil in % 18,2 5,7 30,9 23,2 10,7 2,0 18,4 30,4 15,1 22,0 20,9 28,9 11,0
Progressiv-konservative Partei Sitze 1 1 5 5 5 3 20
Anteil in % 6,2 14.4 7,8 17,8 18,8 22,2 35,0 30,8 38,3 36,8 16,7 13,9 18,8
Unabhängige Sitze 1 1
Anteil in % 0,6 0.2 0,1 0,3 0,6 0,4 0,4 0,5 7,6 8,9 0,5
Grüne Partei Anteil in % 2,0 0,4 0,4 0,1 0,2 0,4
Naturgesetzpartei Anteil in % 0,3 0,3 0,2 0,1 0,2 0,3 0,6 0,4 0,1 0,2 0,3
Christian Heritage Anteil in % 0,4 0,1 0,4 0,4 0,2 1,0 0,2
Canadian Action Party Anteil in % 0,3 0,2 0,1
Marxisten-Leninisten Anteil in % 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1
Sitze total 34 26 14 14 103 75 10 11 4 7 2 1 301

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chretien sets Canadian election for June 2. CNN, 28. April 1997, abgerufen am 24. Juni 2015 (englisch).
  2. Alan Frizzell, Jon Pammett: The Canadian General Election of 1997. Dundurn Press, Toronto 1998, ISBN 978-1-55002-300-8, S. 45.
  3. a b Alan Frizzell, Jon Pammett: The Canadian General Election of 1997. S. 112.
  4. Alan Frizzell, Jon Pammett: The Canadian General Election of 1997. S. 46, 118.
  5. Alan Frizzell, Jon Pammett: The Canadian General Election of 1997. S. 49.
  6. Voter Turnout at Federal Elections and Referendums. Elections Canada, 18. Februar 2013, abgerufen am 4. Juli 2015 (englisch).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]