Kangerluarsoruseq

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Kangerluarsoruseq
Føroyingahavn (Färingerhafen)
Færingehavn (Färingerhafen)
Kangerdluarssoruseĸ
Kommune Kommuneqarfik Sermersooq
Distrikt Nuuk
Geographische Lage 63° 41′ 48″ N, 51° 32′ 41″ WKoordinaten: 63° 41′ 48″ N, 51° 32′ 41″ W
Kangerluarsoruseq (Grönland)
Kangerluarsoruseq
Einwohner 0
(seit 2010)
Gründung 1927
Zeitzone UTC-3

Kangerluarsoruseq [kaˈŋɜɬːuɑˌsːɔʁusɛq] (nach alter Rechtschreibung Kangerdluarssoruseĸ; dänisch Færingehavn, färöisch Føroyingahavn) ist eine wüst gefallene grönländische Siedlung im Distrikt Nuuk in der Kommuneqarfik Sermersooq.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1906 fuhr ein färöisches Boot zum Fischen nach Grönland, aber erst 1925 begann die systematische färöische Fischerei in Grönland, nachdem man wegen der expansiven Trawlerfischerei Großbritanniens in den heimischen Gewässern zum Ausweichen in die Gewässer um Island und Grönland gezwungen worden war.

Die Fischerei in den grönländischen Gewässern erwies sich für die Färinger als ergiebiger, wenn auch durch die Entfernung – etwa 2700 km liegen zwischen Kangerluarsoruseq und den Färöern – und die rauen arktischen Bedingungen mühseliger. In den 1920er Jahren war Grönland ein geschlossenes Land. Es herrschte ein dänisches Handelsmonopol, und Ausländern war der Kontakt mit den Grönländern weitgehend verboten – angeblich um schädliche Einflüsse von ihnen fernzuhalten.

1925 wurde eine Drei-Meilen-Zone um Grönland errichtet, innerhalb der selbst dänische Staatsbürger inkl. der Färinger nicht fischen durften. Das brachte mit sich, dass die Fischer auch keinen Hafen in Grönland zur Verfügung hatten, wo sie nach der langen Reise Vorräte auffüllen und Reparaturen ausführen konnten. So entstand der immer stärker werdende Druck der Färinger auf Dänemark, ihnen den Zugang zur Küste zu gewähren. Gleichzeitig beschuldigte man Dänemark, dass sie die färöischen Fischer nicht vor der britischen Fischereiexpansion schützen würden. Der Historiker John F. West beschreibt diesen Konflikt als den ersten großen Streit zwischen den um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfenden Färöern und Dänemark.

1926 errichtete man also einen Hafen auf der Insel Takisup Qeqertarsua (Ravns Storø), aber der lag 65 Seemeilen von den besten Fischgründen entfernt. Die Färinger schlugen stattdessen den unbewohnten Fjord Kangerluarsoruseq vor, woraufhin man sich einig wurde und 1927 den Ort dorthin verlegte. Die Färinger nannten ihren Hafen Føroyingahavn. Die Drei-Meilen-Zone blieb vorerst weiter bestehen, bis die Färinger 1939 das Recht erhielten drei weitere Häfen anzulaufen: Takisup Qeqertarsua, Toqqusaq auf Poorusiata Qeqertarsua (Langø) bei Atammik und Færinger Nordhavn, ein Hafen in Illuerunnerit (Gamle Egedesminde), wo Niels Egede 1759 die Kolonie Egedesminde gründete, bevor der Ort vier Jahre später an seine heutige Position nach Aasiaat verlegt wurde.

Aufschwung und Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Færingehavn entwickelte sich rasch von einem Nothafen zu einem internationalen Fischereihafen. 1933 wurde auf färöische Eigeninitiative hin ein Leuchtturm errichtet, der die Anfahrt bei Nacht ermöglichte und damit den Arbeitstag verlängerte. Später wurde der Betrieb dieses Leuchtturms vom dänischen Staat übernommen. Es entstanden eine Ausbesserungswerft mit einer Helling, Öltanks und ein Salzlagerhaus. Der Fang wurde damit zu Salzfisch verarbeitet, wofür ein eigenes Lagerhaus gebaut wurde. Auf den Färöern wurde dieser Salzfisch dann entweder direkt weiter verkauft oder aber vorher zu Klippfisch verarbeitet.

Außerdem entstanden ein kleines Krankenhaus und ein Seemannsheim der Føroysk Sjómannsmissión, das Lívd (Unterschlupf, Zuflucht, Bunker) genannt wurde. In den Folgejahren arbeiteten hier eine Reihe Färingerinnen. 1937 wurde Færingehavn von Dänemark für die internationale Fischerei geöffnet. Der Hafen wurde weiter ausgebaut. Es entstand ein größeres Krankenhaus, und aus dem alten Bau machte man eine Seemannsmission. Die 230 Meter lange Landungsbrücke von Færingehavn galt lange Zeit als längste hölzerne Landungsbrücke Europas, wenngleich Grönland ein Teil Nordamerikas ist.[1][2]

1953 wurde der Betrieb von Færingehavn an die Firma Nordafar übergeben, woraufhin ein weiterer Hafen namens Nordafar zweieinhalb Kilometer weiter östlich errichtet wurde. Aus dem Jahr 1995 stammt das Öllager Færinge Oliehavn (auch Orsiivik), das sich auf der anderen Fjordseite befindet. Ab den 1970er Jahren verlor Færingehavn durch die Rigsfællesskab an Bedeutung und wurde schließlich aufgegeben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerungszahl von Kangerluarsoruseq sank ab Mitte der 1980er Jahre stetig, hatte 1992 noch einmal einen starken Peak. Seit 2010 ist der Ort verlassen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John F. West: Faroe. The Emergence of a Nation. Hurst, London u. a. 1972, ISBN 0-8397-2063-7
  2. Jógvan Arge: Teir tóku land. Føroyingar í Grønlandi, Titelbilder und Karten von Anker Eli Petersen. Tórshavn: Forlagið Tjarnardeild, 1996-2003. 8 Bände (färöisch, Standardwerk über die färöisch-grönländische Geschichte. Der erste Band ist von Jógvan Arges Vater Niels Juel Arge und behandelt den Zeitabschnitt bis zum Zweiten Weltkrieg) Homepage
  3. Einwohnerzahl Kangerluarsoruseq1977–2018 bei bank.stat.gl