Kanonistik

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Kopie des Manuskripts von „Decretum Gratiani

Die Kanonistik ist die Wissenschaft vom kanonischen Recht, dem kirchlichen Recht insbesondere der römisch-katholischen Kirche.[1] Sie gilt als theologische Disziplin[2]. Ihre Anfänge gehen mit dem Decretum Gratiani bis auf das Jahr 1140 zurück, es war das Hauptwerk des als Vater der Kanonistik geltenden Kamaldulensermönchs Gratian.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gratian war Lehrer des Kirchenrechts an der Juristenfakultät auf der Universität Bologna. Mit seiner Sammlung und Zusammenfassung von Kanones und Dekretalen, die den Titel „Concordia discordantium canonum“ trägt, sollten die Widersprüche hermeneutisch (Auslegung, Deutung) ausgeglichen werden. Papst Alexander III. (1159–1181), der als „Juristenpapst“ in die Geschichte einging, war es, der seine päpstlichen Dekrete zur Einarbeitung in die Kanonessammlung an Gratian sandte. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass die Rechtsbestimmungen der weiteren Päpste aufgenommen wurden und in einer Dokumentenform gesammelt wurden. Der somit entstandene Grundbestand erweiterte sich durch die Liber Extra von Papst Gregor IX. (1230–1324), es folgte im Jahr 1298 die von Papst Bonifatius VIII. (1294–1303) angeordnete „Liber Sextus“. Im Jahr 1317 wurde die „Constitution Clementinae“ von Papst Clemens V. eingearbeitet, dieses war eine Sammlung päpstlicher Dekrete des Konzils von Vienne (1311/12). Ende des 15. Jahrhunderts folgten die für die Kanonistik ebenfalls sehr bedeutenden sogenannten „Extravagantes Communes“ und die Extravagantes Johannis XXII., welche aus bisher nicht registrierten Päpstlichen Schreiben bestand.

Kanonistik als theologische Disziplin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Als theologische Disziplin erforscht die Kirchenrechtswissenschaft Quellen und theologische Grundlagen des geltenden Rechts, vermittelt im Rahmen des Theologiestudiums die Kompetenzen für die Rechtsanwendung und trägt damit und durch ihre Beteiligung bei der Rechtsschöpfung dazu bei, die rechtlich-pastoralen Herausforderungen der heutigen Zeit angemessen zu bewältigen.“[3]

Kanonistik im Hochschulrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1853 wurde durch Pius IX. (1846–1878) die Fakultät für Kanonisches Recht und Zivilrecht errichtet sowie das Päpstliche Institut utriusque iuris an der Päpstlichen Lateranuniversität gegründet. 1947 wurde in Deutschland das Kanonistische Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet. Seit 2001 ist es das Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik. Es ist eine wissenschaftliche Einrichtung ad instar facultatis für das Kanonische Recht in Lehre und Forschung. Hier werden die Fachzeitschrift „Archiv für katholisches Kirchenrecht“ sowie die wissenschaftlichen Reihen „Münchener Theologische Studien. Kanonistische Abteilung“ und „Dissertationen. Kanonistische Reihe“ herausgegeben. In Münster ist das Institut für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Der Wissenschaftler der Kanonistik wird als „Kanonist“ bezeichnet und muss nicht zwingend ein Kleriker sein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Guth: Kanonistik und Medizin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 715 f.; hier: S. 715.
  2. Herrschende Meinung. Zum Streitstand Gregor Bier: Einführung in das Kirchenrecht. In: Clauß Peter Sajak: Praktische Theologie. Modul 4. Schöningh, Paderborn 2012 (UTB; 3472), ISBN 978-3-8252-3472-0, S. 126 f.
  3. Gregor Bier: Einführung in das Kirchenrecht. In: Clauß Peter Sajak: Praktische Theologie. Modul 4. Schöningh, Paderborn 2012 (UTB; 3472), ISBN 978-3-8252-3472-0, S. 129