Kanton Bern

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Kanton Bern
Canton de Berne
Wappen
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: BE
Amtssprache: Deutsch (86 %),
Französisch (11 %)
Hauptort: Bern
Beitritt zum Bund: 1353
Fläche: 5959,51 km²
Höhenbereich: 399–4271 m ü. M.
Website: www.be.ch
Bevölkerung
Einwohner: 1'034'977 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 174 Einwohner pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
15,5 % (31. Dezember 2015)[2]
Arbeitslosenquote: 2,9 % (31. Dezember 2015)[3]
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Einwohnergemeinden des Kantons
Einwohnergemeinden des Kantons

Koordinaten: 46° 48′ N, 7° 36′ O; CH1903: 612319 / 183217

Bevölkerungsentwicklung[4][5]

Bern (Kürzel BE; berndeutsch Bärn [pæ̞ːrn], französisch Berne, italienisch Berna, rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Berna?/i) ist ein Kanton im Westen der Schweiz. Der Hauptort und zugleich einwohnerstärkste Ort ist die Bundesstadt Bern.

Durch den Kanton Bern führt der sogenannte «Röstigraben», die Grenze zwischen der Deutschschweiz und der französischen Schweiz (Romandie). Die bernischen Landes- und Amtssprachen sind Deutsch (Bevölkerungsanteil: 86 Prozent) und Französisch (11 Prozent). Französisch wird primär im Berner Jura und in der Agglomeration Biel gesprochen, wobei die Agglomeration Biel einen zweisprachigen Status besitzt.

Der Kanton Bern ist flächenmässig (nach Graubünden) und bevölkerungsmässig (nach Zürich) jeweils der zweitgrösste Kanton der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern hat die grösste Nord-Süd-Ausdehnung aller Kantone. Er erstreckt sich vom Jura über das Mittelland bis in die Alpen und hat damit als einziger Kanton neben der Waadt Anteil an allen drei Grossregionen der Schweiz. Im Norden grenzt er an die Kantone Jura, Solothurn und Aargau, im Westen an die Kantone Neuenburg, Waadt und Freiburg, im Osten an die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri und im Süden an den Kanton Wallis.

Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Karten mit kleinem Massstab entsteht der Eindruck, dass der Kanton Bern bei La Ferrière an Frankreich grenzt und somit ein Grenzkanton sei. Detaillierte Karten zeigen jedoch, dass Kantons- und Landesgrenze einige hundert Meter voneinander entfernt sind. Bern ist somit seit dem Verlust des Laufentals 1994 ein Binnenkanton. Heute bestehen noch die beiden Exklaven Münchenwiler und Clavaleyres. Die Gemeinde Schelten ist mit dem Kanton nur über einen Punkt verbunden. Steinhof ist eine Enklave des Kantons Solothurn, Wallenbuch eine Enklave des Kantons Freiburg.

Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höchste Erhebung im Kanton Bern ist das Finsteraarhorn (4274 m ü. M.). Der Tiefste Punkt ist die Aare bei Wynau (401,5 m ü. M.) Im Kanton Bern erheben sich die Berner Alpen mit den Berner Voralpen und der Berner Jura. Der grösstenteils französischsprachige Berner Jura gehört zum Faltenjura. Die grösste Ortschaft des Verwaltungskreises "Berner Jura" ist die Kleinstadt Moutier, der Sitz des Regierungsstatthalters befindet sich in Courtelary.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendsten Berge im Kanton Bern sind das Finsteraarhorn (4274 m ü. M.), mit dem höchsten Gipfel im Berner Oberland, die Jungfrau (4158 m ü. M.), mit der Höchsten Bahnstation Europas, der Mönch (4107 m ü. M.), als Teil der Eiger Mönch und Jungfrau Gruppe, der Eiger (3967 m ü. M.), mit der Eigernordwand und das Schilthorn (2970 m ü. M.) (auch Piz Gloria), mit dem Drehrestaurant aus dem James-Bond-Film.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesamtfläche aller Wasser und Feuchtflächen ist 418,21 km². Davon sind 210,77 km² Gletscher oder Firn, 162,56 km² Wasser, 41,69 km² Nassstandorte und 3,19 km² Schilfbestände.

Seen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende Seen sind der Thunersee (47,85 km²), der Bielersee (39,2 km²) und der Brienzersee (29,8 km²).

Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der grösste Fluss im Kanton Bern ist die Aare. Sie entspringt in 1977 m ü. M. am Unteraargletscher (Grimselgebiet) und entwässert 17'709 km². Die Aare ist 291,5 km lang. Ihr Wasser führt sie dem Rhein zu, welcher in die Nordsee abfliesst. Dabei durchfliesst sie unter anderem den Grimselstausee (2,72 km²), den Brienzersee, den Thunersee, den Wohlensee und seit der Juragewässerkorrektion auch den Bielersee.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner des Kantons werden Berner genannt.

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Per 31. Dezember 2018 betrug die Einwohnerzahl des Kantons Bern 1'034'977.[6] Die Bevölkerungsdichte liegt mit 174 Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt (207 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am 31. Dezember 2015 auf 15,5 Prozent, während landesweit 24,6 Prozent Ausländer registriert waren.[7] Per 31. Dezember 2015 betrug die Arbeitslosenquote 2,9 Prozent gegenüber 3,7 Prozent auf eidgenössischer Ebene.[8]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweisprachige Obligation des Kantons Bern vom 1. Mai 1895

Die Hauptsprache der Bevölkerung ist zu 86 Prozent Deutsch, 11 Prozent Französisch, 3 Prozent Italienisch und 3 Prozent Englisch sowie zu je rund ein bis zwei Prozent Portugiesisch, Serbisch und Kroatisch, Albanisch, Spanisch oder Türkisch.[9] Die deutschsprachige Bevölkerung spricht in der Regel Berndeutsch, die regionale Mundart des Schweizerdeutschen.

Die kantonalen Landes- und Amtssprachen sind Deutsch und Französisch. Für die Amtssprachen gilt das Territorialitätsprinzip, d. h., sie richten sich nach dem Gebiet. Für den Verkehr mit den kantonalen Behörden gilt im Berner Jura das Französische, in der Verwaltungsregion Seeland und im Verwaltungskreis Biel/Bienne das Deutsche und das Französische, und im übrigen Kanton das Deutsche. Auf Gemeindeebene gilt als Amtssprache im Berner Jura fast überall das Französische (auch in den mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinden Mont-Tramelan und Rebévelier, nicht jedoch in Schelten und Seehof), für die Gemeinden Biel/Bienne und Leubringen/Evilard gelten beide Sprachen und für alle anderen Gemeinden gilt das Deutsche. An die für den ganzen Kanton zuständigen Behörden können sich alle in beiden Landessprachen wenden, und amtliche Texte, die den ganzen Kanton betreffen, müssen in beiden Sprachen zugänglich gemacht werden.[10]

Für den Berner Jura existiert seit 2006 der Conseil du Jura bernois als Regionalparlament, das die kulturelle Eigenständigkeit der französischsprachigen Minderheit sicherstellen soll. Eine analoge Funktion für Biel/Bienne und Evilard erfüllt der Conseil des affaires francophones du district bilingue de Bienne.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religionen im Kanton Bern per 31. Dezember 2012[11]
Religion Anteil in %
Religionszugehörigkeit im Kanton Bern (Stand: 31. Dezember 2012)
protestantisch 55,5
konfessionslos 16,2
römisch-katholisch 15,6
andere christliche Glaubensgemeinschaften 06,4
islamisch 03,5
andere Religionsgemeinschaften 01,6
Religion/Konfession unbekannt 01,0
jüdisch 00,1
Daneben gibt es im Kanton Bern vergleichsweise viele Mitglieder protestantischer Freikirchen, besonders im Berner Jura, im Emmental und im Berner Oberland, wo sich trotz zeitweilig intensiver staatlicher Verfolgung noch mennonitische Gemeinden halten konnten. Nach der Reformation im Jahr 1528 fasste ab 1799 auch die katholische Kirche wieder Fuss im Kanton.

Verfassung und Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geltende Kantonsverfassung von 1993 (KV)[12][13] umschreibt den Kanton Bern in Art. 1 als freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Sie baute gegenüber der früheren Verfassung von 1893 insbesondere die Grundrechte, die Volksrechte und die Gemeindeautonomie aus.[14] Nach Art. 2 KV versteht sich der Kanton auch als Mittler zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz (Romandie). Der zweisprachige Kanton hat mit allen Kantonen der Romandie, ausser Genf, gemeinsame Grenzen und ist Mitglied vieler Organisationen der Zusammenarbeit der französischsprachigen Kantone.[15]

Wahlen zum bernischen Grossen Rat vom 25. März 2018
Wahlbeteiligung: 30,51 %
 %
30
20
10
0
26,76
22,33
11,72
9,94
9,02
6,91
6,17
3,72
3,44
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,24
+3,23
+1,02
+0,14
-2,18
+0,21
-0,23
-0,38
+0,34
          
Insgesamt 160 Sitze

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 160-köpfige Grosse Rat ist das Parlament des Kantons. Zwölf Sitze sind für den Berner Jura garantiert und drei Sitze für die französischsprachige Minderheit des zweisprachigen Amtsbezirks Biel/Bienne. Er wird vom Volk im Proporz­verfahren für eine Amtsdauer von jeweils vier Jahren gewählt.

Das Volk nimmt auch über Volksabstimmungen direkten Anteil an der Gesetzgebung. Das obligatorische Referendum gilt bei Verfassungsänderungen, das fakultative Referendum, das von mindestens 10'000 Stimmberechtigten unterstützt werden muss, bei Gesetzesänderungen, wobei das Referendum mit einem Volksvorschlag verbunden werden kann. Sodann kommt dem Stimmvolk das Recht der Volksinitiative zu, die von mindestens 15'000 Stimmberechtigten unterstützt werden muss. Ausserdem können mindestens 30'000 Stimmberechtigte eine Abstimmung über die Abberufung des Grossen Rates vor Ablauf der ordentlichen Amtsdauer verlangen.[16]

Parteienzusammensetzung im bernischen Grossen Rat zwischen 2006 und 2018
Partei Sitze
2006
Stimmen
2006 (%)
Sitze
2010
Stimmen
2010 (%)
Sitze
2014
Stimmen
2014 (%)[17]
Sitze
2018
Stimmen
2018 (%)
Sitzverteilung 2018
Schweizerische Volkspartei (SVP) 47 27,42 44 26,62 49 28,99 46 26,76
1
14
2
38
10
11
13
20
46
5
14 38 10 11 13 20 46 
Insgesamt 160 Sitze


Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 42 24,03 35 18,86 33 19,13 38 22,33
FDP.Die Liberalen (FDP) 26 16,40 17 10,34 17 10,65 20 11,72
Grüne Kanton Bern 19 12,9 16 10,10 15 10,06 14 09,94
Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) 25 16,30 14 11,19 13 09,02
Grünliberale Partei (glp) 04 04,07 11 06,70 11 06,91
Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP) 13 07,34 10 05,9 12 06,44 10 06,17
Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) 06 04,78 05 04,4 05 04,06 05 03,72
Parti Socialiste Autonome (PSA)1 03 01,29 03 01,04 03 00,67 02 00,68
Alternative Linke (AL) 0 0 0 0 00 00,36 01 00,50
Grüne Partei Bern – Demokratische AlternativeGrüne Partei Bern – Demokratische Alternative (GPB-DA) 0 0 0 0 01 [00]00,28[18] 00 00,29
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 01 01,76 01 01,16 00 00,75 00 00,45
Schweizer Demokraten (SD) 01 02,19 00 00,41 00 00,26 00 00,18
Entente Jurassienne (Entente)2 01 00,33 00 00,24 00 00,06 00 00,31
Auto-Partei/Freiheits-Partei der Schweiz (FPS) 01 00,45 0 0 0 0 0 0
1 Sozialdemokraten, die sich für eine Vereinigung des Berner Juras mit dem Kanton Jura aussprechen. Die PSA ist Teil der SP Kanton Jura.[19]
2 Wahlbündnis von Christdemokraten und Liberalen, die sich für eine Vereinigung des Berner Juras mit dem Kanton Jura aussprechen. Der 2006 gewählte Grossrat Christian Vaquin gehörte der CVP an.[20] 2014 nur Mouvement libéral jurassien, die CVP trat mit einer eigenen Liste an (gemeinsam erzielten die Bernjurassische CVP und das MLJ 2014 0,27 %).

Der Berner Grosse Rat trifft sich nicht wöchentlich, wie bei einigen anderen Kantonsparlamenten üblich, sondern viermal pro Jahr (bis 2018 waren es fünf Sessionen) zu einer zweiwöchigen Session.

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exekutive ist der siebenköpfige Regierungsrat, der vom Volk im Majorz­verfahren auf ebenfalls vier Jahre gewählt wird. Mindestens 30'000 Stimmberechtigte können dessen Abberufung schon vor Ablauf dieser Periode beantragen, worüber dann eine Volksabstimmung anzuordnen ist (Art. 57 KV).[16] Das Regierungspräsidium wechselt wie auf Bundesebene und in den anderen Kantonen üblich jährlich im Turnus. Dem französischsprachigen Berner Jura ist ein Sitz in der Regierung garantiert (Art. 84 KV).

Mitglieder des bernischen Regierungsrates[21]
Regierungsrat seit Partei Direktion
Christoph Ammann, Präsident des Regierungsrates (2019/20) 2016 SP Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion (WEU)
Pierre Alain Schnegg, Vizepräsident des Regierungsrates (2019/20) 2016 SVP Direktion für Gesundheit, Soziales und Integration (GSI) (Berner-Jura-Sitz)
Christoph Neuhaus 2008 SVP Bau- und Verkehrsdirektion (BVD)
Beatrice Simon 2010 BDP Finanzdirektion (FIN)
Christine Häsler 2018 Grüne Bildungs- und Kulturdirektion (BKD)
Evi Allemann 2018 SP Direktion für Inneres und Justiz (DIJ)
Philippe Müller 2018 FDP Sicherheitsdirektion (SID)

Leiter der Staatskanzlei ist Staatsschreiber Christoph Auer.

Judikative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberstes kantonales Gericht ist das Obergericht; ihm untergeordnet sind die Regionalgerichte, die Jugendgerichte, das Wirtschaftsstrafgericht und die Zwangsmassnahmengerichte. Der ersten Instanz vorgeschaltet sind die Schlichtungsbehörden. Im Bereich des Verwaltungsrechts ist das Verwaltungsgericht die oberste kantonale richterliche Behörde.

Parteiensystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern ist ein traditionell bürgerlicher Kanton, wobei die SVP eine dominierende Rolle spielt. Dennoch wurde 2006 eine linke Mehrheit in den Regierungsrat gewählt und 2010 sowie 2014 bestätigt. Im Juni 2008 hat sich der liberale SVP-Flügel der ehemaligen Bürger- und Gewerbepartei zur BDP abgespaltet. Die evangelischen Parteien EVP (Mitte) und EDU (rechts) sind im reformiert geprägten Bern relativ stark, während die (als katholisch wahrgenommene) Bundesratspartei CVP im Kanton Bern eine Kleinpartei ist. Der Kanton Bern hat eines der fragmentiertesten Parteiensysteme der Schweiz.

Vertretung in der Bundesversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern entsendet 24 Vertreter in den Nationalrat und zwei in den Ständerat.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftsstandort und -struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern erstreckt sich vom Jura bis zu den Alpen. Aufgrund seiner Grösse und landschaftlichen Vielfalt hat er eine vielfältige Branchenstruktur. Im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt stark vertretene Branchen sind die öffentliche Verwaltung, die Landwirtschaft, die Nachrichtenübermittlung (Post, Telekomm, Fernmeldewesen), der Tourismus sowie das Gesundheits- und Sozialwesen. Letzteres war 2008 mit 71'100 Beschäftigten der bedeutendste Wirtschaftszweig.

Der Kanton Bern ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort und mit seiner Zweisprachigkeit zudem ein Brückenkanton zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz. Im Kanton Bern gibt es zahlreiche international tätige und starke Unternehmen, vor allem aus der Präzisionsindustrie und der Uhrenindustrie sowie der Medizinaltechnik. Industriemaschinen und Uhren machen 44,9 Prozent der Warenexporte des Kantons Bern aus. Hauptexportdestinationen sind mit 54,4 Prozent die EU-Länder. (Zahlen 2010)

Der grösste Arbeitgeber im Kanton ist mit 28'207 Vollzeitstellen der Kanton Bern selbst, gefolgt von der Bundesverwaltung mit 18'245 und der Inselgruppe mit 8'443 Vollzeitstellen.[22]

Über 15'000 Arbeitsplätze in der Energie- und Umwelttechnik machen den Kanton Bern zu einem aufstrebenden Cleantech-Standort. Mit der Wirtschaftsstrategie 2025 will die Politik Cleantech gezielt fördern und ausbauen.[23]

Clusterorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seiner Clusterpolitik ermöglicht der Kanton Bern die bessere Vernetzung von Unternehmen untereinander und fördert damit den Wissens- und Technologietransfer. Cluster spielen als Kompetenznetzwerke eine Schlüsselrolle in der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie wachsen durchschnittlich stärker als die Gesamtwirtschaft des Kantons Bern. In den Clustern arbeiteten 32,8 Prozent der Beschäftigten des Kantons Bern (2008). Unternehmen treffen sich regelmässig in folgenden Kompetenznetzwerken:

  • Medical Cluster
  • Präzisionscluster
  • ICT Cluster
  • Consultingcluster
  • Energie- und Umwelttechnik
  • Design

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern ist einer der drei grossen Tourismuskantone der Schweiz. Sechs grosse Regionen prägen den Kanton Bern: das Berner Oberland mit seiner imposanten Berg- und Seenlandschaft, das hügelige Emmental mit den stattlichen, blumengeschmückten Bauernhöfen, der Oberaargau mit seinen Feldern und Wäldern, die Region Bern-Mittelland mit dem UNESCO-Welterbe – der Altstadt von Bern, die Seen und Gemüsefelder des Seelands und der französischsprachige Berner Jura mit dem Regionalpark Chasseral. Bekannte Tourismusdestinationen sind: Bern – UNESCO-Weltkulturerbe, Jungfrau-Aletsch/Bietschorn – UNESCO-Weltnaturerbe, Gstaad, Grindelwald, Interlaken, Adelboden. Im Berner Oberland ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig.

Seit Juni 2011 sind zudem die Pfahlbauten am Bieler- und am Lobsigensee Teil des UNESCO-Welterbes.

Tourismuspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BE! Tourismus AG ist die touristische Dachmarketingorganisation des Kantons Bern und wird in der Periode von 2020 bis 2023 mit einem jährlichen Betrag von 2,5 Millionen Franken gefördert. Für die Tourismusorganisationen Bern Welcome sowie Tourismus Jura Drei Seen Land / Jura bernois Tourisme wurden zusätzlich insgesamt 3,6 Millionen Franken bewilligt.[24]

Bildung und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das breite Bildungsangebot des Kantons Bern umfasst Volksschule, Mittelschule, Berufsbildung und Hochschule.

Volksschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angebot umfasst Kindergärten, Primarschulen und Sekundarschulen der Stufe 1. Die internationale Schule Bern ist eine von CIS (Council of International Schools) und NEASC (New England Association of Schools and Colleges) anerkannte Tagesschule, an der Kinder und Jugendliche in Englisch nach einem internationalen Lehrplan unterrichtet werden.

Berufsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Berufsbildung zählt die Lehre sowie die Ausbildung an einer Berufsfachschule[25] oder an einer Handelsmittelschule. Es gibt fünf Handelsmittelschulen im Kanton: Wirtschaftsmittelschule Bern, Handelsmittelschule Gymnasium Alpenstrasse Biel, Wirtschaftsmittelschule Thun-Schadau, Ecole Superieure de Commerce La Neuveville und ceff Commerce Saint-Imier.[26]

Mittelschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angebot umfasst Ausbildungsgänge an einer Fachmittelschule oder an einem Gymnasium. Es gibt zwölf Gymnasien im Kanton, aufgeteilt nach Regionen:

Hochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern unterhält vier Hochschulen:

Die Universität Bern fördert mittels Forschung die wissenschaftlichen Erkenntnisse ihrer Absolventen. In den Fachhochschulen entsteht Wissen in angewandter Forschung und Entwicklung. Der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird auch auf politischer Ebene gefördert und von der Wirtschaftsförderung aktiv unterstützt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern liegt an den Bahnverkehrsachsen ZürichFreiburgLausanneGenf (Ost/West) und BaselLötschbergSimplonItalien (Nord/Süd), die sich in der Stadt Bern kreuzen. Seit Dezember 2007 verbindet der neue Lötschberg-Basistunnel das Wallis und Italien mit dem Kanton Bern. Die Fahrzeit verringert sich durchschnittlich um eine Stunde. Im Norden quert die Jurafusslinie (Zürich–Biel/BienneNeuenburg–Lausanne) das Kantonsgebiet.

Im Südosten verläuft die Schmalspurbahn LuzernBrünigpassInterlaken der Zentralbahn, die BLS betreibt die Normalspurstrecke zwischen Thun, Interlaken, Spiez und Zweisimmen. In Zweisimmen beginnt die Schmalspurbahn der Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB) nach Lenk, Gstaad und Montreux. Die drei Strecken Luzern–Interlaken–Zweisimmen–Montreux werden zusammen als GoldenPass in Konkurrenz zum Glacier-Express vermarktet. Weitere Täler sind durch diverse Schmalspurbahnen erschlossen: Berner Oberland-Bahnen, Wengernalpbahn, Meiringen-Innertkirchen-Bahn.

Bekannte Bergbahnen im Kanton sind u. a. die Jungfraubahn, die Brienz-Rothorn-Bahn, die Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren und die Schynige Platte-Bahn.

Neben der Bahn spielt das Postauto eine grosse Rolle, einmal bei der Erschliessung der Seitentäler, dann aber auch für die berühmten touristischen Linien über Grimselpass, Sustenpass oder Grosse Scheidegg. Die steilste Postauto-Strecke Europas führt von Reichenbach im Kandertal nach der Griesalp.

Die A1 St. GallenGenf (Ost- West) führt durch das Schweizer Mittelland und die Stadt Bern. Von Bern geht die A12 über Freiburg nach Vevey. Die A5 führt am Jurasüdfuss entlang von Solothurn über Biel nach Yverdon. In nord-südlicher Richtung führt die A6 von Biel über Bern und Thun bis nach Spiez. Dort verzweigt sich die Autobahn und geht als A8 weiter nach Meiringen östlich des Brienzersees. Von dort starten die Passrouten Brünig (nach Luzern), Susten (nach Uri) und Grimsel (nach dem Wallis, Graubünden und dem Tessin). Bei Spiez zweigt die Lötschbergroute ab, die mittels Autoverlad durch den Lötschbergtunnel mit dem Wallis und via Simplonpass mit Italien verbindet. Im Jahr 2019 lag der Motorisierungsgrad (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner) bei 520.[27]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bern verbündete sich 1353 mit den Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden. Dieses und andere ältere Bündnisse führten im 15. Jahrhundert zu der Eidgenossenschaft. Bern gehörte damit zu den Acht Alten Orten.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanton Bern ist seit 1. Januar 2010 in Verwaltungsregionen, Verwaltungskreise, Amtsbezirke sowie Gemeinden gegliedert.[28] Die «ordentlichen dezentralen Verwaltungseinheiten des Kantons» sind jedoch gemäss Art. 39a des Gesetzes über die Organisation des Regierungsrates und der Verwaltung nur die Verwaltungsregionen und die Verwaltungskreise;[29] den Amtsbezirken kommt vorab eine historische Bedeutung zu, wozu unten.

Verwaltungsregionen und -kreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsregionen des Kantons Bern seit 2019
Verwaltungskreise des Kantons Bern seit 2019
Verwaltungsregion Verwaltungskreis BFS-Nr.
Verwaltungskreis
Einwohner
(31. Dezember 2018)
Berner Jura Berner Jura 0241 053'721
Bern-Mittelland Bern-Mittelland 0246 414'658
Emmental-Oberaargau Emmental 0245 097'218
Oberaargau 0244 081'759
Oberland Frutigen-Niedersimmental 0249 040'375
Interlaken-Oberhasli 0250 047'387
Obersimmental-Saanen 0248 016'588
Thun 0247 107'491
Seeland Biel/Bienne 0242 101'313
Seeland 0243 074'467

Am 24. September 2006 hat das Stimmvolk die «Reform der dezentralen kantonalen Verwaltung» angenommen, in der die 26 Amtsbezirke auf den 1. Januar 2010 in fünf Verwaltungsregionen und zehn Verwaltungskreise einteilt:

Amtsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine erste Einteilung erfuhr der Kanton Bern während der französischen Besetzung. Damals wurde der Kanton in 30 Amtsbezirke eingeteilt, welche die dezentralen Verwaltungseinheiten des Kantons bildeten. 1979 schlossen sich die Bezirke Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes zum neuen Kanton Jura zusammen. Infolgedessen schloss sich der nicht mehr an den restlichen Kanton Bern angrenzende Bezirk Laufen 1994 dem Kanton Basel-Landschaft an. Fortan bestand der Kanton aus 26 Amtsbezirken. Im Jahr 2010 wurden die Amtsbezirke als kantonale Verwaltungseinheiten sowie Wahlkreise für den Grossen Rat aufgehoben und durch die Verwaltungsregionen und Verwaltungskreise ersetzt; letztere fungieren als Wahlkreise.[30]

Seit der Einführung der Verwaltungsregionen und Verwaltungskreise haben die Amtsbezirke fast nur noch geschichtliche Bedeutung. Zwar ordnet das Gesetz über die Organisation des Regierungsrates und der Verwaltung (Organisationsgesetz) nach wie vor jede Berner Gemeinde einem Amtsbezirk zu, aber eine praktische Funktion überträgt ihnen einzig das Gesetz über das Sonderstatut des Berner Juras und über die französischsprachige Minderheit des zweisprachigen Amtsbezirks Biel (Sonderstatutsgesetz), indem die bernjurassischen Amtsbezirke weiterhin die Wahlkreise für die Wahl des Bernjurassischen Rats (BJR) bilden.[31]

Einwohnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städte und Orte des Kantons Bern

Nachfolgend aufgelistet sind die bevölkerungsreichsten Einwohnergemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern per 31. Dezember 2018:[32]

Einwohnergemeinde Einwohner
Bern, Hauptort/Bundesstadt 133'883
Biel/Bienne 055'159
Thun 043'734
Köniz 041'784
Ostermundigen 017'751
Burgdorf 016'420
Steffisburg 015'959
Langenthal 015'624
Lyss 015'282
Muri bei Bern 013'054
Spiez 012'812
Münsingen 012'724
Belp 011'510
Worb 011'316
Ittigen 011'351
Zollikofen 010'306
Münchenbuchsee 010'213

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal: Bern – Überblick über vorhandene Artikel zum Thema «Bern»

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, definitive Jahresergebnisse, 2018. Bundesamt für Statistik (BFS), 27. August 2019, abgerufen am 18. September 2019 (definitive Jahresergebnisse).
  2. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen. Bundesamt für Statistik (BFS), 26. August 2016, abgerufen am 31. Mai 2017.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Dezember 2015. (PDF; 807 kB) Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 8. Januar 2016, S. 9, archiviert vom Original am 12. Januar 2016; abgerufen am 13. Januar 2016.
  4. STAT-TAB: Die interaktive Statistikdatenbank, Bevölkerungsentwicklung nach Region, 1850–2000. Schweizerische Eidgenossenschaft, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  5. STAT-TAB: Die interaktive Statistikdatenbank, Bevölkerungsstand. Schweizerische Eidgenossenschaft, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  6. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, definitive Jahresergebnisse, 2018. Bundesamt für Statistik (BFS), 27. August 2019, abgerufen am 18. September 2019 (definitive Jahresergebnisse).
  7. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen. Bundesamt für Statistik (BFS), 26. August 2016, abgerufen am 31. Mai 2017.
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