Kanton Rätien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Kanton Rätien war von 1798 bis 1803 ein Kanton der Helvetischen Republik auf dem Gebiet des heutigen Kantons Graubünden.

1802 wurden die kaiserlichen Truppen vom heimatlichen Boden vertrieben. Aufgrund dessen erhoffte sich der Kanton seine Unabhängigkeit. Doch schon kurze Zeit später versuchten andere den Bünden an sich zu reissen.[1] Der einzige Ausweg einen Rest seiner bündnerischen, rätischen Identität zu retten und zu bewahren bestand darin, sich als fester Bestandteil an die Helvetik zu binden.[2] Zuerst zeigten sich andere Kantone feindlich gegenüber den Bündnern, denn sie waren selbst schon sehr zerstritten untereinander und wollten sich nicht auch noch die Lasten des Bündens aufladen. Der Anschluss wurde aber trotzdem vollzogen und von den Unitariern willkommen geheissen, jedoch nicht von der gegnerischen Partei, den Föderalisten. Nach langen Machtkämpfen zwischen den beiden Parteien, entschieden sie sich definitiv mit einem Vertrag an die Helvetik anzuschliessen. Diese Entscheidung stellte sich als sinnvoll heraus, da im Januar 1802 Rätien von französischen Truppen befallen wurde und so auf die Unterstützung der anderen Kantone angewiesen war. 1803 entstand aus Rätien durch die Mediationsakte Bonapartes der Kanton Graubünden.[1]

Die beiden Parteien und die Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regierung bestand hauptsächlich aus zwei Parteien. Diese hatten je einen wichtigen Vertreter:

  • Die Föderalisten wurden vom Zuger Joseph Leonz Andermatt vertreten, welcher sich nach aussen immer sehr unschlüssig gab. Er stand für die alte, konservative Herrschaft ein und war der Meinung, sich nicht an die Helvetik anzuschliessen.
  • Die Unitarier, welche in der Unterzahl waren, hatten den Hauptvertreter Gaudenz Planta, der für seine radikale Art bekannt war. Er war ein Verfechter der höheren Staatsinteressen und neuen helvetischen Ordnung. Durch seine Redegewandtheit konnte er sich, trotz der hohen Anzahl seiner Gegner, gut in der Regierung durchsetzen.

Im Oktober 1801 wurde Gaudenz Planta seines Amtes entzogen und wurde abgesetzt. Nur 4 Tage später wurde die Tagsatzung durch einen von Föderalisten beherrschten Senat ersetzt. Davor hatten mehrheitlich die Unitarier mit Gaudenz Planta das Sagen.

Das Volk besetzte bei den ganzen Auseinandersetzungen auch eine wichtige Rolle, denn es war vor allem für die Politiker Gaudenz Planta und Andermatt ein einfaches Druckmittel gegen den jeweils anderen und war zudem leicht beeinflussbar und auch leicht zu überzeugen. Da sich die Streitereien auch oft auf die Bürger auswirkten, gab es teils Grund zur Annahme eines bevorstehenden Bürgerkrieges, denn es gab immer wieder Situationen, bei denen das Volk stark rebellierte.[1]

Die Verfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Napoleon aus der Helvetik einen Staat, wie es Frankreich war, machen wollte, liess er die ‚‚Malmaisoner-Verfassung‘‘ im April 1801 errichten, da bis zu diesem Zeitpunkt noch keine einheitliche Verfassung vorhanden war. Sie wurde am 29. Mai verabschiedet und diente dazu, die Kantone zu vereinigen und Gesetze festzulegen, die für alle gelten sollten. Im Oktober wurde die Verfassung verbessert, ergänzt und die Unitarier gaben ihre Zustimmung. Die Verfassung besagte u.a., dass jeder Kanton einen Staatsmann zugeteilt bekommt, der für die Einhaltung der Gesetze sorgt und für Ruhe und Ordnung im Volk verantwortlich ist. [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Peter Metz: Geschichte des Kantons Graubünden. Band 1. Carlven Verlag, Chur, S. 78–94.
  2. Simonett, Jürg und Roger Sablonier: Handbuch der bündner Geschichte. Band 2. Verein für bündner Kulturforschung, Chur, S. 200.