Kanton Tessin

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Tessin ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Tessin (Begriffsklärung) aufgeführt.
Republik und Kanton Tessin
Repubblica e Cantone Ticino
Wappen
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: TI
Amtssprache: Italienisch
Hauptort: Bellinzona
Grösster Ort: Lugano
Beitritt zum Bund: 1803
Fläche: 2812 km²
Website: www.ti.ch
Bevölkerung
Einwohner: 350'400 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 125 Einwohner pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
27,8 % (31. August 2014)[2]
Arbeitslosenquote: 3,3 % (30. Juni 2015)[3]
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

Das Tessin [tɛˈsiːn] (Kürzel TI; italienisch Ticino [tiˈtʃiːno], lombardisch Tesin [teˈsiːn], französisch Tessin, rätoromanisch Tessin), amtlich ital. Repubblica e Cantone Ticino (Republik und Kanton Tessin), ist ein Kanton in der italienischen Schweiz (Svizzera italiana), eine der vier Sprachregionen und Landeskulturen der Schweiz. Der Hauptort ist Bellinzona, der einwohnerstärkste Ort ist Lugano. Der Kanton zählt zur grenzüberschreitenden schweizerisch-italienischen Metropolregion Tessin.

Geographie[Bearbeiten]

Höchste Erhebung ist mit 3'402 m ü. M. das Rheinwaldhorn (ital. Adula); der tiefste Punkt liegt mit 193 m ü. M. am Lago Maggiore und ist zugleich der tiefste Punkt der Schweiz.

Zusammen mit den vier Bündner Südtälern Bergell (Val Bregaglia), Calancatal (Val Calanca), Misox (Val Mesolcina) und Puschlav (Val Poschiavo) bildet es die italienisch(sprachig)e Schweiz (Svizzera italiana).

Das Tessin macht den grössten Teil der italienischen Schweiz aus. Es liegt auf der Alpensüdseite und ist weitgehend von Italien umgeben; im Norden und Nordosten grenzt es an die Schweizer Kantone Graubünden, Wallis und Uri. Die Fläche beträgt 2812 Quadratkilometer, was 7 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz entspricht. Etwa ein Viertel des Gebiets gilt als unproduktiv und ein Drittel davon ist bewaldet. Wichtige Akzente setzen die beiden grossen Seen Langensee (Lago Maggiore oder Verbano) und Luganersee (Lago di Lugano oder Ceresio).

Gewässer[Bearbeiten]

Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Tessin (Ticino), der auf der Südseite des Sankt-Gotthard-Massivs am Nufenenpass entspringt, das Bedrettotal (Val Bedretto) und die Leventina (Valle Leventina) in Richtung Südost durchfliesst, um dann, ab der Kantonshauptstadt Bellinzona nach Westen durch die Magadinoebene fliessend, in den Langensee zu münden.

Blick über den Lago Maggiore von Locarno aus

Hauptzuflüsse auf diesem Weg sind der Brenno aus dem Bleniotal (Valle di Blenio) und die Moësa aus dem bündnerischen Misox. Auch der übrige Teil des nördlich des Monte Ceneri gelegenen Kantonsteils (Sopraceneri) wird in den Lago Maggiore entwässert, nämlich durch die Flüsse Maggia und Verzasca. Der südliche Kantonsteil (Sottoceneri) entwässert grösstenteils in den Luganersee und von dort über die Tresa ebenfalls in den Langensee, dessen Abfluss – wiederum «Ticino» genannt – wenig unterhalb der Stadt Pavia in den Po mündet.

Teile des südlichsten «Zipfels» der Schweiz, des Mendrisiotto, entwässern zwar ebenfalls letztlich in den Po, aber nicht über den Tessin. Aus dem Muggiotal kommend durchfliesst die Breggia den Talkessel von Chiasso und vereinigt sich im Comer See mit dem Wasser der Adda. Das westliche Mendrisiotto wird vom Flüsschen Gaggiolo durchflossen, welches unter dem Namen «Rio Ranza» (auch «Rio Ranzo» oder «Rio Lanza») bei Malnate in der italienischen Provinz Varese in die Olona mündet.

Vegetation[Bearbeiten]

Unter der reichhaltigen Flora besonders erwähnenswert sind die ausgedehnten Wälder von Edelkastanien. Sie gibt es sonst nur noch in wenigen Gegenden der Welt in dieser Reinheit und Fläche. Zudem gedeihen im Tessin unzählige Palmen, Zypressen und andere Mittelmeerpflanzen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Tessiner Bevölkerung fühlt sich mit ihrem Nachbarn Italien kulturell stark verbunden. Per 31. Dezember 2014 betrug die Einwohnerzahl des Kantons Tessin 350'400.[4] Die Bevölkerungsdichte liegt mit 125 Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt (200 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am 31. August 2014 auf 27,8 Prozent, während landesweit 23,7 Prozent Ausländer registriert waren.[5] Per 30. Juni 2015 betrug die Arbeitslosenquote 3,3 Prozent gegenüber 3,1 Prozent auf eidgenössischer Ebene.[6]

Sprachen[Bearbeiten]

Im Tessin ist Italienisch die Amtssprache. 87,7 Prozent haben Italienisch als Hauptsprache, 10,8 Prozent Deutsch, 5,1 Prozent Französisch (Mehrfachangabe war möglich).[7] Im Weiteren war Englisch mit 3,1 Prozent vertreten.

Ein grosser, allerdings im Abnehmen begriffener Teil der Bevölkerung spricht lokale Dialekte, die zum Lombardischen gehören («Ticinées»). Nach der Volkszählung von 2000 sprachen im Tessiner Alltag 14 Prozent ausschliesslich Lombardisch und 40 Prozent sowohl Lombardisch als auch Standarditalienisch.[8] Da die norditalienischen Dialekte der Lombardei (inklusive italienischsprachiger Schweiz), des Piemonts, Liguriens und der Emilia-Romagna einen galloromanischen Hintergrund besitzen, ähneln sehr viele Ausdrücke dem Französischen, und auch nasale Laute sowie palatale «ö» und «ü» sind häufig. Im Tessiner Dialekt heisst es zum Beispiel:

Die Kathedrale San Lorenzo in Lugano, Bischofskirche des Bistums Lugano, das den Kanton Tessin umfasst

«un om al gheva dü fiöö» [un ˈom al gˈeva dy(ː) ˈfjøː], auf Standard-Italienisch würde man sagen: «un uomo aveva due figli» (ein Mann hatte zwei Söhne). «Herz» heisst im Dialekt «cör» [køːr], ähnlich wie das französische «cœur» [kœr] und nicht wie das italienische «cuore» [kwɔre]. Und «500 Schweine» (cinquecento maiali) heisst auf Tessinerisch «cinc-cent ciügn» [ʧinˈʧeːn(t) ˈʧyɲ].

Der dialektale Wortschatz und die Volkskultur des Tessins und Südbündens werden vom Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana dokumentiert.

Eine Besonderheit stellt die Walsergemeinde Bosco/Gurin dar, in der Deutsch die herkömmliche Sprache ist (nicht zu verwechseln mit Amtssprache).

Im Kanton Tessin wird die Tessiner Gebärdensprache verwendet, die Lingua dei segni della Svizzera italiana (LIS-SI). Sie ist ein Dialekt der Lingua dei Segni Italiana (LIS). LIS-SI gehört wie die Deutschschweizer Gebärdensprache und die Westschweizer Gebärdensprache zur Familie der französischen Gebärdensprachen. Die Tessiner Gebärdensprache kennt zwei Varietäten (Bellinzona und Lugano).

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Das Tessin ist stark katholisch geprägt. 2012 war 69,3 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch, 4,4 Prozent evangelisch-reformiert und 16,8 Prozent konfessionslos.[7] 2,0 Prozent sind einer islamischen Gemeinschaft zuzurechnen.[9]

«Entvölkerung der Bergtäler»[Bearbeiten]

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Tessin ein ländlich geprägter Kanton. Mitte des 19. Jahrhunderts lebte ein Drittel der Bevölkerung in Dörfern über 600 m, heute sind es 7 Prozent.

Verfassung und Politik[Bearbeiten]

Die aktuelle Kantonsverfassung datiert vom 14. Dezember 1997 (mit seitherigen Änderungen).[10][11]

Legislative – Grosser Rat[Bearbeiten]

Wahlen zum Tessiner Kantonsrat vom 19. April 2015
Wahlbeteiligung: 62.27 %
 %
30
20
10
0
26,73
24,24
18,58
14,64
6,02
5,77
1,45
2,57
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+1,58
+1,40
-1,95
-0,43
-1,59
+0,32
+0,18
+0,49
Der Sitz der Kantonsregierung in Bellinzona

Gesetzgebendes Organ (Legislative) ist der Grosse Rat (Gran Consiglio), das Kantonsparlament. Der Grosse Rat umfasst 90 Mitglieder, die alle vier Jahre in einem einzigen Wahlkreis nach dem Proporzwahlrecht (Verhältniswahl) gewählt werden.

Verfassungsänderungen unterliegen dem obligatorischen Referendum und sind damit zwingend der Volksabstimmung zu unterbreiten. Dem fakultativen Referendum unterliegen Gesetzeserlasse bzw. -änderungen, rechtsetzende Dekrete mit allgemeinverbindlichem Charakter, Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als einer Million Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 250'000 Schweizer Franken sowie rechtsetzende Staatsverträge, wenn dies innert 45 Tagen nach der Veröffentlichung im Amtsblatt von mindestens 7000 Stimmberechtigten oder von einem Fünftel der Gemeinden verlangt wird.

Das Volk kann in Form einer Volksinitiative selbst Gesetze und Gesetzesänderungen vorschlagen, wenn 7000 Stimmberechtigte innert 60 Tagen nach Veröffentlichung des Begehrens im Amtsblatt einen dahingehenden Vorschlag unterstützen. Initiativen auf Verfassungsänderungen bedürfen der Unterstützung von 10'000 Stimmberechtigten.

Seit der Wahl vom 19. April 2015 verteilen sich die Sitze wie folgt:

Partei (italienische Bezeichnung) Partei (deutsche Bezeichnung) Sitze Sitzverteilung
Partito liberale radicale ticinese (PLRT) FDP.Die Liberalen (FDP) 24
2
6
13
17
1
24
5
22
13 17 24 22 
Von 90 Sitzen entfallen auf:
Lega dei Ticinesi (Lega) Liga der Tessiner (Lega) 22
Partito popolare democratico (PPD) Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 17
Partito socialista svizzero (PS) Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 13
I Verdi Ticinesi (VERDI) Grüne Tessin 6
Unione democratica di centro (UDC) Schweizerische Volkspartei (SVP) 3
AreaLiberale (AL) Liberale Gruppe 2
Movimento per il socialismo (MPS) Bewegung für den Sozialismus 1
Partito Comunista (PC) Kommunistische Partei 1
Montagna Viva Lebendige Berggebiete 1

Exekutive – Staatsrat[Bearbeiten]

Ausführendes Organ (Exekutive) ist der Staatsrat (Consiglio di Stato) und somit die Kantonsregierung. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die alle vier Jahre in einem einzigen Wahlkreis vom Volk direkt nach dem Proporzwahlrecht gewählt werden. Aus ihren Reihen wählen die Mitglieder des Staatsrates jeweils für ein Jahr den Präsidenten.

15'000 Stimmberechtigte können verlangen, dass eine Volksabstimmung über die Absetzung des Staatsrats stattfindet. Der Grosse Rat kann selbst ein Mitglied des Staatsrates mit der absoluten Mehrheit seiner Stimmen abberufen.

Mitglieder des Staatsrates des Kantons Tessin (seit 10. April 2011)[12]
Staatsrat Amtsbezeichnung Partei Departement
Manuele Bertoli Presidente del Consiglio di Stato
Präsident des Staatsrates
SP/PS Dipartimento dell’educazione, della cultura e dello sport (DECS)
Departement für Erziehung, Kultur und Sport
Norman Gobbi Vicepresidente del Consiglio di Stato
Vizepräsident des Staatsrates
Lega Dipartimento delle istituzioni (DI)
Departement für Inneres, Justiz und Polizei
Claudio Zali Consigliere di Stato
Staatsrat
Lega Dipartimento del territorio (DT)
Departement für Bau, Umwelt und Verkehr
Laura Sadis Consigliera di Stato
Staatsrätin
FDP/PLR Dipartimento delle finanze e dell’economia (DFE)
Departement für Finanzen und Wirtschaft
Paolo Beltraminelli Consigliere di Stato
Staatsrat
CVP/PPD Dipartimento della sanità e della socialità (DSS)
Departement für Gesundheit und Soziales

Judikative – Rechtsprechung[Bearbeiten]

Die Zivilgerichtsbarkeit wird durch die Friedensrichter (Giudice di Pace; Schlichtungsbehörde), die Pretori (in erster Instanz) und das Appellationsgericht (Tribunale di appello; in zweiter Instanz) ausgeübt, die Strafgerichtsbarkeit durch das Strafgericht (Tribunale penale cantonale) und die Pretura penale (beide in erster Instanz), das Appellationsgericht (Corte di appello e di revisione penale; in zweiter Instanz) und den Jugendrichter. Das Geschworenengericht wurde 2011/2012 nach Inkrafttreten der schweizerischen Strafprozessordnung, die keine Prozesse nach dem Unmittelbarkeitsprinzip mehr vorsieht, in eine aus Strafrichtern und Laien zusammengesetzte und über Akteneinsicht verfügende Kammer des Strafgerichts umgewandelt.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird durch drei besondere Kammern des Appellationsgerichts, die als Verwaltungsgericht (Tribunale cantonale amministrativo), Versicherungsgericht (Tribunale cantonale delle assicurazioni) und als Steuergericht (Camera di diritto tributario) fungieren, sowie durch das Enteignungsgericht (Tribunale delle espropriazioni) ausgeübt.

Die Richter werden mit Ausnahme der vom Volk gewählten Friedensrichter vom Grossen Rat gewählt; ihre Amtszeit beträgt jeweils zehn Jahre. Die Aufsicht über die Richter wird durch den Richterrat (Consiglio della magistratura) ausgeübt, der sich aus vier vom Grossen Rat und drei von den vollamtlichen Richtern gewählten Personen zusammensetzt.

In Bellinzona hat ferner das Bundesstrafgericht (Tribunale penale federale) seinen Sitz.

Gemeinden, Kreise und Bezirke[Bearbeiten]

Die politischen Gemeinden (comuni) sind im Rahmen des kantonalen Staats- und Verwaltungsrechts autonom. Sie erfüllen die allgemeinen öffentlichen Aufgaben auf lokaler Ebene. Die Bürgergemeinden (patriziati) und die römisch-katholischen sowie evangelisch-reformierten Kirchgemeinden sind ebenfalls öffentlich-rechtlich anerkannt und je für Angelegenheiten der Ortsbürger bzw. der Kirchen zuständig.

Die Kreise (circoli) sind heute lediglich noch Friedensrichtersprengel. Im Rahmen der Verwaltung spielen sie keine Rolle mehr und werden dementsprechend in der Kantonsverfassung nicht mehr erwähnt.

Die Bezirke (distretti), die weitgehend mit den verschiedenen Land- und Talschaften des Tessins identisch sind, dienen laut Verfassung zwar der Verwaltungsdezentralisation, spielen aber nur eine ganz marginale Rolle und haben deshalb in erster Linie identitätsstiftende Funktion.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Einkommen und Erwerbssektoren[Bearbeiten]

2011 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner 80'400 Schweizer Franken.[7] 2012 wurden 212'679 Beschäftigte im Kanton Tessin gezählt, wovon 3'397 auf den primären (Urproduktion), 51'394 auf den sekundären (Industrie) und 157'888 auf den tertiären Sektor (Dienstleistung) entfielen. 33'311 Arbeitsstätten wurden 2012 im Kanton gezählt (davon 1'263 im primären, 5'009 im sekundären und 27'039 im tertiären Sektor). Die Arbeitslosenquote bezifferte sich per 30. Juni 2015 auf 3,3 Prozent gegenüber 3,1 Prozent auf eidgenössischer Ebene.[6]

Tourismus[Bearbeiten]

Der Kanton Tessin ist stark vom Tourismus abhängig, 12 Prozent der Beschäftigten (in 183.500 Vollzeitstellen) arbeiten in diesem Sektor und erwirtschafteten im Jahr 2012 2.725 Milliarden Schweizer Franken, was 9,6 Prozent des kantonalen Bruttoinlandsproduktes entspricht (Schweiz: 2,6 Prozent). Viele Besucher, vor allem aus der Deutschschweiz und aus Deutschland, kommen in den südlichsten Kanton der Schweiz, um das mediterrane Klima und das italienische Flair, kombiniert mit schweizerischen Sekundärtugenden, zu geniessen. 2012 kamen 21,3 Millionen Gäste ins Tessin, davon waren 58 Prozent Übernachtungsgäste, 20 Prozent Tagesgäste und 41 Prozent andere Personen (Shopping, Casino, Transit). In Ferienwohnungen, Ferienhäusern und Rustici (Zweitwohnungen) werden beachtliche 36 Prozent der Übernachtungen generiert, was für die lokale Wirtschaft von Bedeutung ist.[13]

Der Lago Maggiore und der Luganersee sowie die Städte Bellinzona, Locarno, Ascona und Lugano zählen zu den wichtigsten touristischen Zentren. Hinzu kommen viele Berge, Täler, Dörfer und Weiler, die meist noch nicht von Touristen überrannt sind und viel von ihrem ursprünglichen Charme mit einer einfachen Bauweise und einer ländlichen, ruhigeren Lebensart erhalten haben.

Am Luganersee liegt überdies die italienische Exklave Campione d’Italia, die für ihr Spielkasino bekannt ist.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Kanton Tessin führte seit seiner Gründung einen «Kampf» gegen die geographische Isolierung vom Rest des Landes und brachte enorme finanzielle Opfer für den Ausbau der Passstrassen; dabei blieb er lange machtlos gegen die witterungsbedingten Schliessungen der Alpenübergänge während der langen Winterzeiten.

Mit der Eröffnung des Sankt Gotthard-Bahntunnels im Jahr 1882 wurde erstmals eine ganzjährige Verbindung des Kantons mit der restlichen Schweiz geschaffen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten zwei schneefreie Strassenverbindungen, nämlich der am 1. Dezember 1967 eröffnete San-Bernardino-Strassentunnel im Nachbarkanton Graubünden und der am 5. September 1980 dem Verkehr übergebene Gotthard-Strassentunnel.

Momentan ist zudem der 57 km lange Gotthard-Eisenbahn-Basistunnel im Bau, der die Fahrtzeit von Zürich nach Mailand um ca. eine Stunde auf 2 h 40 min verkürzen und damit eine konkurrenzfähige Alternative zum Flugzeug und zum Auto werden soll. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 2016 wird er voraussichtlich der längste Eisenbahntunnel der Welt sein und die mit dem wachsenden Güter- und Personenverkehr überforderten Gotthard-Strassentunnel und Gotthard-Bahntunnel entlasten.

Weinbau[Bearbeiten]

Die Böden und klimatischen Bedingungen sind im Tessin in zwei Teile zu trennen, zwischen denen der Monte Ceneri steht. Nördlich und südlich des über 500 Meter hohen Passes gibt es Unterschiede in den Luftströmungen und den Geländebeschaffenheiten. Im Norden sind die Böden leicht, sandig, und wasserdurchlässig. Im Süden dagegen ist der Boden schwerer und fruchtbarer. Beide enthalten jedoch die für die Mineralienversorgung der Trauben wichtigen kalkhaltigen Sedimente. Das Tessin ist zu Recht eines der bekanntesten und trotz seiner geringen Grösse wichtigen Weinbaugebiete Europas.

In den 1980er-Jahren erlebte der Weinbau im Tessin einen grossen Aufschwung. Zu verdanken ist das vor allem einigen fortschrittlichen Winzern, die für Qualität mit beschränkter Anbaumenge eintraten, und innovative Weinbaumethoden publizierten. Ein kleiner Teil der Anbaufläche wird noch für Amerikaner-Reben genutzt. Aus ihnen werden Traubensaft und Grappa hergestellt.

Bildung und Kultur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Im Kanton Tessin sind neun Schuljahre Pflicht. Diese teilen sich in fünf Jahre scuola elementare (Primarschule) und vier Jahre scuola media (Mittelschule) auf. Hat ein Schüler diese neun Schuljahre absolviert, kann dieser freiwillig das liceo, das dem Gymnasium entspricht, oder ähnliche Schularten besuchen. Ab dem 15. Lebensalter darf eine Person eine Arbeit suchen. Das durchschnittliche Einschulungsalter liegt bei sechs Jahren.

Das Tessin besitzt eine Universität, die allerdings nicht als Volluniversität ausgestaltet ist, mit drei Fakultäten der Kommunikations-, Wirtschaftswissenschaften und der Informatik in Lugano sowie einer Architekturfakultät in Mendrisio. Die Universität der italienischen Schweiz (USI/SUP) hat etwa 3000 Studierende. Ferner werden Fachhochschulstudien an der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) angeboten.

Kultur[Bearbeiten]

Jeweils im August findet das Internationale Filmfestival von Locarno statt, auf dem der «Goldene Leopard» verliehen wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Politische Gemeinden[Bearbeiten]

Bezirke des Kantons Tessin

Die einwohnerstärksten politischen Gemeinden im Kanton Tessin mit über 5'000 Einwohnern per 31. Dezember 2013 lauten wie folgt:[14]

Politische Gemeinde Einwohner
Lugano 62'792
Bellinzona 17'962
Locarno 15'671
Mendrisio 14'789
Giubiasco 8561
Chiasso 8074
Minusio 7251
Losone 6499
Capriasca 6458
Biasca 6164
Massagno 6119
Ascona 5423
Gambarogno 5073

Bezirke[Bearbeiten]

Der Kanton Tessin ist in acht Bezirke (distretti) eingeteilt, diese wiederum in 38 Kreise (circoli):

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Tessin – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tessin

Literatur[Bearbeiten]

  • Carlo Agliati, Rossana Cardani Vergani, Giuseppe Chiesi, Andrea Ghiringhelli, Anastasia Gilardi, Marco Marcacci, Paolo Ostinelli, Nelly Valsangiacomo: Tessin (Kanton) im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Dieter Bachmann, Fotos: Horst Munzig: Tessin: Das Idyll, das sich verkaufte. In: Geo-Magazin. Hamburg 1979,1, S. 106–126. ISSN 0342-8311
  • Giulio Barni, Guglielmo Canevascini: L’industria del granito e lo sviluppo economico del Canton Ticino. 1. Auflage 1913, 2. Auflage hrsg. von Marco Marcacci und Gabriele Rossi. Fondazione Pellegrini-Canevascini, Bellinzona 2009.
  • Raffaello Ceschi (Hrsg.): Storia del Cantone Ticino. 2 Bände, Stato del Cantone Ticino, Bellinzona 1998, 2. Auflage 2000.
  • Raffaello Ceschi: Ottocento ticinese. Armando Dadò Editore, Locarno 1986.
  • Ferdinando Crespi: Ticino irredento. La frontiera contesa. Dalla battaglia culturale dell’«Adula» ai piani d’invasione, Edizioni Franco Angeli. Milano 2004.
  • Marcello Sorce Keller: Canton Ticino: una identità musicale? Cenobio, LII (2003), April–June, S. 171–184; erneut in: Bulletin – Schweizerische Gesellschaft für Musikethnologie und Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz, Oktober 2005, S. 30–37.
  • Giuseppe Rensi: Una Repubblica Italiana: il Cantone Ticino. Hrsg. von Giancarlo Vigorelli. Editore Armando Dadò, Locarno 1994.
  • Giulio Vismara, Paola Vismara e Adriano Cavanna: Ticino medievale. Storia di una terra lombarda. Armando Dadò Editore, Locarno 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstand und -struktur – Ständige Wohnbevölkerung nach Kanton. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 20. Juni 2015.
  2. Ausländerstatistik Ende August 2014 – Statistique des étrangers à fin août 2014. Bundesamt für Migration (BFM), seit 1. Januar 2015: Staatssekretariat für Migration (SEM), S. 5–7, abgerufen am 20. Juni 2015 (XLSX; 166 kB).
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juni 2015. Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 7. Juli 2015, S. 9, abgerufen am 8. Juli 2015 (PDF; 776 kB).
  4. Bevölkerungsstand und -struktur – Ständige Wohnbevölkerung nach Kanton. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 20. Juni 2015.
  5. Ausländerstatistik Ende August 2014 – Statistique des étrangers à fin août 2014. Bundesamt für Migration (BFM), seit 1. Januar 2015: Staatssekretariat für Migration (SEM), S. 5–7, abgerufen am 20. Juni 2015 (XLSX; 166 kB).
  6. a b Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juni 2015. Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 7. Juli 2015, S. 9, abgerufen am 8. Juli 2015 (PDF; 776 kB).
  7. a b c Kennzahlen. Tessin. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 26. Juni 2015.
  8. Zitiert nach: Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessins, Bellinzona 2007, S. 167.
  9. Annuario Statistico Ticinese 2015. Ufficio di statistica del Cantone Ticino (Statistisches Amt des Kantons Tessin), abgerufen am 26. Juni 2015 (PDF; 16,1 MB, italienisch).
  10. Verfassung von Republik und Kanton Tessin. vom 14. Dezember 1997 (Stand am 11. Juli 2006). Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch), abgerufen am 26. Januar 2015 (Übersetzung).
  11. Costituzione della Repubblica e Cantone Ticino (del 14 dicembre 1997). Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 26. Januar 2015 (italienisch).
  12. Il Consiglio di Stato. Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 26. Januar 2015 (italienisch).
  13. Gerhard Lob: Im Tessin werden knapp 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts durch den Tourismus erwirtschaftet. Diese Wertschöpfung liegt über dem Schweizer Mittel, aber unter dem Bündner und Walliser Vergleichswert. Tessiner Zeitung TZ 20. Februar 2015, S. 3
  14. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)

46.2858.786Koordinaten: 46° N, 9° O; CH1903: 703836 / 126845