Kantonsschule am Burggraben

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Kantonsschule am Burggraben
Fassade des Baus von Felix Wilhelm Kubly
Schulform Kantonsschule
Gründung 1856
Ort St. Gallen
Kanton Kanton St. Gallen
Staat Schweiz
Koordinaten 746505 / 254544Koordinaten: 47° 25′ 31,4″ N, 9° 22′ 49,7″ O; CH1903: 746505 / 254544
Träger Kanton St. Gallen
Schüler etwa 1300
Lehrkräfte etwa 200
Leitung Marc König
Website www.ksbg.ch

Die Kantonsschule am Burggraben, kurz KSBG, ist eine Mittelschule in der Stadt St. Gallen. Die Schule wurde 1856 gegründet und bietet heute die gymnasiale sowie die untergymnasiale Ausbildung an. Die Kantonsschule ist mit ihren 150 Jahren eine der ältesten Kantonsschulen der Schweiz. Bis zur Eröffnung der Kantonsschule Wil im Jahr 2002 war die Schule auch die grösste Mittelschule der Schweiz (mit zeitweise über 1800 Schülern).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Kantonsschule geht auf die Wirren nach dem Zusammenbruch der alten Schulordnung in der Stadt St. Gallen zu Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Mit der Aufhebung der Fürstabtei St. Gallen war die traditionsreiche katholische Klosterschule geschlossen worden und die Schüler konnten zunächst nur noch gegen Schulgeld das städtische (reformierte) Gymnasium besuchen. 1809 war dann ein neues katholisches Gymnasium im Klostergebäude eröffnet worden (heute die Katholische Kantonssekundarschule St. Gallen), die Situation war aber so nicht zufriedenstellend – mit zwei komplett getrennten Schulen mit unabhängiger Obhut und Bildungspolitik. Zunächst war das von der Kantonsverfassung von 1814 allerdings so vorgesehen worden und eine Zusammenlegung war noch nicht konsensfähig, da der konfessionelle Graben, der die Stadt fast 400 Jahre getrennt hatte, noch zu tief war (siehe dazu Geschichte der Stadt St. Gallen).

Erst 50 Jahre später, 1856, konnten sich liberalere Kräfte in der Politik durchsetzen und das Projekt einer konfessionsübergreifenden Schule realisieren. So entstand die sogenannte Vertrags-Kantonsschule im neuen, von Felix Wilhelm Kubly erbauten Schulgebäude am Burggraben. Das Jahr 1856 gilt damit als Gründungsdatum der heutigen Kantonsschule St. Gallen. 1861 wurde die Kantonsverfassung revidiert, womit die Schule unter die Obhut des Kantons gestellt wurde. Bis zu einer neuerlichen Verfassungsänderung 1890 waren die Konfessionsteile nun ihrerseits verpflichtet, dem Kanton für die Schule Beiträge zu entrichten. Das im Stil der Neurenaissance erstellte Gebäude ist innen mit Dekorationsmalereien im pompejanischen Stil verziert.

Im Mai 1865 besuchten 198 Schüler die Kantonsschule, die inzwischen in das eigentliche Gymnasium, eine sogenannte Industrieschule und ein Lehrergymnasium aufgeteilt worden war. Die offizielle Aufnahme der ersten Schülerin ist erst im Jahr 1893 verbürgt, vorher war es Mädchen nur ausnahmsweise gestattet, einzelne Lektionen zu besuchen. Die Schule schloss für das Gymnasium an die Primar- und für die Industrieschule an die zweite Realschule (heute Sekundarschule) an. Letztere sollte die Schüler in 4 Jahren auf den Besuch des Polytechnikums (heute ETH Zürich) vorbereiten. Von 1890 bis 1998 dauerte diese Ausbildung gar viereinhalb Jahre.

In den 1930er Jahren wurden dann die Maturitätstypen eidgenössisch geregelt und die kantonale Lehramtsschule ausgegliedert. In den 50er-Jahren stieg die Anzahl angebotener Ausbildungslehrgänge am Gymnasium auf fünf, auch die Schülerzahl begann stark zu wachsen. Nachdem dem ständigen Wachstum der Schulklassen bisher nur mit der Eröffnung von immer neuen Provisorien an verschiedenen Orten der Stadt begegnet wurde, konnte 1964 endlich ein Anbau an das historische Gebäude der Schule eingeweiht werden.

Nach 1963 setzte eine zunehmende Dezentralisierung der Mittelschulen des Kantons St. Gallen ein. Bis 1975 wurden die Kantonsschulen in Sargans, Wattwil und Heerbrugg eröffnet. Dennoch nahmen die Schülerzahlen immer noch zu, so dass 1994/1995 mit der Kantonsschule am Brühl in der Stadt eine weitere Mittelschule eröffnet werden musste. Dort werden heute Diplomlehrgänge angeboten, in der KSBG ausschliesslich Maturitätslehrgänge als Vorbereitung auf ein Universitätsstudium.

In den Jahren 1969 und 1970 führte eine Liebesbeziehung eines Schülers und einer Schülerin zu einer Affäre, in der die konservative Weltanschauung der Lehrerschaft und der Geist der 68er-Bewegung öffentlich aufeinanderprallten. Die Schulleitung, die in der Beziehung den möglichen Auftakt zu Studentenunruhen wie im Ausland sah, wollte die Verliebten und ihre Unterstützer unter den Schülern von der Schule ausschliessen. Diese gründeten die «Aktion Rotes Herz», die den Konflikt schweizweit bekannt machte. Auf Intervention der kantonalen Erziehungsdirektion hin endete die Affäre bloss mit Verweisen für die beteiligten Schüler.[1] Noch in einer Festschrift des Jahres 2006 rechtfertigte Geschichtslehrer Daniel Baumann das Vorgehen der «verantwortungsbewussten Schulleitung» gegen «lügnerische Agitation».[1]

Ausbildung heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurzeit wird die gymnasiale Ausbildung mit einem Matura-Abschluss angeboten. Neben der normalen, deutschsprachigen Ausbildung kann auch eine zweisprachige in Deutsch und Englisch absolviert werden, wobei die Maturaarbeit in Englisch geschrieben werden muss. Nach der neuen Maturitätsanerkennungsverordnung des Bundes wurde bis 1998 die Struktur der Ausbildungslehrgänge an die neue, vierjährige Studienzeit angepasst. Die Abteilungen der Schule heute heissen:

Die meisten Schüler treten nach zwei- oder dreijährigem Besuch einer städtischen Sekundarschule, der Katholischen Kantonssekundarschule St. Gallen («Flade») oder des Untergymnasiums in die Kantonsschule am Burggraben ein.

Schulgeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler, deren Eltern im Kanton St. Gallen ihren Steuerwohnsitz haben, bezahlen kein Schulgeld. Für die Übrigen beträgt das Schulgeld pro Schuljahr SFr. 17'000.

Die Aufnahmeprüfungsgebühr beträgt einmalig SFr. 200.

Schülerzeitung «Ultimatum»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schülerzeitung «Ultimatum» existiert seit 1988 und feierte 2010 ihre 60. Ausgabe. Mit einer Auflage von 1500 bis zu über 2000 Exemplaren ist sie nicht nur eine sehr alte, sondern war sie über längere Zeit auch die grösste Schülerzeitung der Schweiz. Die Zeitung erscheint dreimal jährlich und ist gratis, da sie durch Sponsorbeiträge und Inserate finanziert wird.

Radio «kantipark.ch»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: kantipark.ch

kantipark.ch Logo

Das Internetradio «kantipark.ch» sendet seit dem 5. Mai 2008 rund um die Uhr ein Programm, das von Schülerinnen und Schülern im Alter von 13 bis 18 Jahren moderiert wird. Damit ist es das erste Schülerradio der Schweiz. Tagsüber wird ausgewählte Musik ausgestrahlt, abends wird unter anderem über Schulereignisse berichtet. Weitere Themen sind beispielsweise recherchierte Musikbeiträge (oft mit lokalen Bands oder auch international bekannten Bands), Berichte von Openairs (vor allem OpenAir St. Gallen) Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern, Sport (insbesondere der FC St. Gallen) oder Rätselsendungen mit unkonventionellen Preisen. Es hat rund 30 aktive und ebenso viele passive Mitglieder bzw. Moderatoren und Redaktoren. Das Radio wird von zwei Kantonsschülern geleitet.

In den Medien machte das Radio bereits mit mehreren «Sendemarathons» auf sich aufmerksam, bei dem während mehreren Tagen (beim Rekord 61 Stunden) ununterbrochen gesendet wurde. Im September 2011 wurde kantipark.ch von o-ton.ch zum Webradio des Jahres gewählt.[2] Finanziell getragen wird das Radio primär vom Ehemaligenverein «O.U.T.». Das Radiostudio befindet sich im Keller der Schule.

Schülerorganisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schülerorganisation der Kantonsschule am Burggraben organisiert regelmässige Anlässe, darunter das jährliche Schulfest (bekannt als «Stägäfäscht»), die Semester-End-Party, den Rosentag am Valentinstag, eine Nikolaus-Aktion und neuerdings einen Winterball. Der Vorstand, bestehend aus sieben Mitgliedern, wird von der Schülerschaft auf eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt.

Weblinks, Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Res Strehle: Schulausschluss wegen Liebe. In: Der Bund, 27. August 2016. 
  2. Webradiotest 2011 von o-ton.ch