Kanzan Spezialpapiere
| KANZAN Spezialpapiere GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1990 |
| Sitz | Düren |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | Ca. 300[2] |
| Umsatz | 115 Mio. Euro (2024)[2] |
| Branche | Papierhersteller |
| Website | www.kanzan.de |
Die Kanzan Spezialpapiere GmbH (Eigenschreibweise: KANZAN) ist ein Papierhersteller für Thermopapiere, Inkjet-Papiere und weitere Spezialpapiere in Düren, Nordrhein-Westfalen. Mit rund 300 Mitarbeitern produziert das Unternehmen rund 60.000 Tonnen Papier pro Jahr und erzielt einen Jahresumsatz von rund 115 Millionen Euro.[2][3] Das Unternehmen beliefert die weiterverarbeitende Industrie wie beispielsweise Druckereien, Kleinrollenausrüster und Laminathersteller für Selbstklebeetiketten in ganz Europa.
Firmengeschichte
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Im September 1990 wurde das Unternehmen als Gemeinschaftsunternehmen des japanischen Papierherstellers Kanzaki Paper (heute Ōji Seishi Paper) und der deutschen Zanders Feinpapiere AG gegründet. Als dritter Partner beteiligte sich das japanische, weltweit agierende Handelshaus Marubeni. Im Oktober 1991 startete die Produktion im Süden des Dürener Stadtgebietes, als Zanders sein Werk Neumühl in das Gemeinschaftsunternehmen einbrachte und auf Kanzan übertrug. Nach dem Ausscheiden der Zanders Feinpapiere AG im Jahr 2000 wurde Kanzan zunehmend in den Oji-Konzern eingebunden.[2][4]
In den folgenden Jahren modernisierte das Unternehmen zudem die Energieversorgung des Werks Neumühl: 2007 ging ein erdgasbetriebener Mitteldruckkessel in Betrieb, 2010 folgte ein Braunkohlenstaubkessel als neuer Hauptkessel.[5][6] 2022 kündigte Oji eine Erweiterung der Thermopapierproduktion am Standort Düren an. Teilbereiche der neuen Anlagen gingen im Dezember 2023 in Betrieb.[7][8] Im Zuge einer weiteren Modernisierung der Energieversorgung in den 2020er Jahren ist am Standort Düren der Bau eines Biomasseheizwerks[9] geplant, das fossile Brennstoffe ersetzen und zur Reduktion von CO₂-Emissionen beitragen soll. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2027 vorgesehen.[10]
Historie des Werkes Neumühl
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die heutige Neumühl ist die älteste Dürener Papierfabrik und begründet die lange Tradition der Papierherstellung an diesem Standort. Den Grundstein für die damit verbundene wirtschaftliche und industrielle Entwicklung Dürens legte der 1661 in der Nähe von Elberfeld geborene Kaufmann Rütger von Scheven. Auf seinen Handlungsreisen für Leinen, Tuche und Kurzwaren kam er auch durch das Herzogtum Jülich und erkannte die Vorteile der Umgebung für die Papierfabrikation in unmittelbarer Nähe der Rur. Nachdem von Scheven die Dürener Bürgerrechte im Jahre 1694 erworben hatte, erhielt er am 9. Juli 1710 die Konzession, auf dem Dürener Teich eine Papiermühle zu errichten. Bereits kurze Zeit nach der Produktionsaufnahme beschäftigte die nach ihm benannte Schevensmühle 50 Mitarbeiter. Rütger von Schevens curkölnisches Wappen mit seinen Initialen „RVS“ als Wasserzeichen etablierte sich schon damals als Herkunftszeichen und Gütesiegel. Amtlich bestätigt wurde dies bereits am 18. März 1727 durch den Dürener Magistrat, der feststellte, dass „Rütger von Scheven ein Papier erzeuge, wie keines von gleicher Güte anderwärts zu finden sei.“[11]

Nach dem Tode des Gründers im Jahre 1740 übernahm sein Sohn Rütger Lucas von Scheven die Mühle, der die Papierfabrik 1773 seiner Schwester Magdalena übertrug, da er ohne Nachkommen blieb. Diese heiratete Johann Paul Schoeller, der, in Gemünd in der Eifel geboren, bereits 1718 nach Düren gekommen war, womit die Papiertradition der Industriellenfamilie Schoeller begann. Das Werk Neumühl blieb bis 1981 im Besitz verschiedener Mitglieder und Zweige der Schoellers.[12]
Von der Schevensmühle zur Neumühl
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mitte des 19. Jahrhunderts erwarben Benno Schoeller (1828–1908), Eigentümer des Eisenreckhammerwerk Schoellershammer, und sein Bruder Julius (1820–1876) gemeinsam die Schevensmühle und errichteten 1862 eine neue Fabrik mit der damals modernsten Technik: Turbinen ersetzten die alten Wasserräder und es konnte die erste Papiermaschine aufgestellt werden. Fortan wurde dieses Werk Neumühl genannt. Über 50 Jahre gehörten der Schoellershammer und die Neumühl zusammen und firmierten gemeinsam unter dem Namen Heinrich August Schoeller Söhne.[12][13]
Das Werk im 20. Jahrhundert
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Im Jahre 1914 wurden die Werke wieder getrennt, als Hugo Albert Schoeller die Neumühl übernahm und unter seinem Namen weiterproduzierte. Das Unternehmen behauptete sich auch in der folgenden Zeit, die durch schwierige politische und wirtschaftliche Umstände gekennzeichnet war: Erster Weltkrieg, Versailler Vertrag, Reparationszahlungen, Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise und schließlich das nationalsozialistische Dritte Reich. Erst am Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Produktion komplett eingestellt werden, als das Werk durch einen Luftangriff der Alliierten am 21. April 1944 getroffen wurde und die Gebäude der Neumühl im Februar 1945, als sich amerikanische Einheiten dem Dürener Raum näherten, mehrfach auf der Hauptkampflinie lag. Nach Zeitzeugenaussagen wurde das Werk sieben Mal im Wechsel von deutschen und alliierten Truppen besetzt und erlitt dabei zusätzlich schwere Schäden.[14][15]

Ein Jahr vor der Währungsreform im Juni 1947 waren die folgenschweren Zerstörungen des Krieges soweit beseitigt, dass die erste Feinpapiermaschine (PM 1) wieder in Betrieb genommen werden konnte. Bis Mitte der 1950er Jahre steigerte sich die Produktion wieder auf das Vorkriegsniveau. Dabei profitierte das Unternehmen vom Wirtschaftsboom der jungen Bundesrepublik und der Wiederaufnahme der Produktion von Fotopapier.[16][17] Nachdem 1967 die Firmen Hugo Albert Schoeller und Felix Schoeller jr. aus Burg Gretesch (Osnabrück) fusionierten, wurde ein umfassendes Investitionsprogramm gestartet, so dass 1970 im Werk Neumühl eine neue und moderne Papiermaschine in Betrieb genommen werden konnte. Zwölf Jahre später, als die Zanders Feinpapiere AG im Jahre 1982 das Werk übernahm, endete die Tradition als Familienunternehmen. Danach lieferte das Unternehmen hauptsächlich Rohpapiere, die in den Werken Reflex und Gohrsmühle gestrichen wurden. Als Zanders 1989 in Bergisch Gladbach den Neubau einer großen Papiermaschine plante, wurde für die Neumühl ein neues unternehmerisches Konzept gesucht, das im September 1990 zur Gründung von Kanzan führte.
Unternehmensstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kanzan Spezialpapiere GmbH mit Sitz in Düren ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Oji Imaging Media Co., Ltd., Tokio/Japan. Kanzan verfügt seinerseits über eine hundertprozentige Tochtergesellschaft, die Kanzan France S.A.R.L. mit Sitz in Périgueux, Frankreich. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro, davon 26 Millionen Euro im Inland und 89 Millionen Euro im Ausland. Zum Stichtag 2024 beschäftigte Kanzan 301 Mitarbeiter. Die Geschäftsführung liegt bei Andreas Euler und Yoshiharu Kawashima.[1]
Produktion und Produkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kanzan verfügt über eine Papiermaschine mit einer Arbeitsbreite von 3,20 m sowie zwei Streichmaschinen mit Arbeitsbreiten von 1,60 m und 3,20 m. Hinzu kommen Umroller und Rollenschneider. Der für die Papierproduktion benötigte Dampf und Strom werden über ein Gaskraftwerk auf dem Werksgelände erzeugt. Die Energieerzeugung erfolgt nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und erreicht einen Nutzungsgrad von über 90 %.[5][6]
Das Produktsortiment von Kanzan umfasst vor allem Spezialpapiere für Thermo- und Inkjetdruck, die an die weiterverarbeitende Industrie geliefert und in unterschiedlichen Anwendungsfeldern wie Logistik, Handel und Verkehr eingesetzt werden. Die Thermopapiere werden unter anderem zu Selbstklebeetiketten, Laminaten, Tickets, Kontoauszügen, Parkscheinen und Quittungen weiterverarbeitet. Die Produkte sind auf unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich Druckqualität, Haltbarkeit und Einsatzbereich ausgerichtet.[18][19] Neben Thermopapieren produziert Kanzan auch Inkjet-Papiere. Diese werden insbesondere für Großdrucke sowie für Selbstklebeetiketten verwendet.[20][21]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Geuenich, Josef: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Hrsg. von der Düren-Jülicher Papierindustrie, Düren 1959.
- Schoeller, Hugo Albert: Mein Papier, du bist ein herrlich Sach. RVS 1710–1960. Jubiläumsschrift 250 Jahre, Düren 1960.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website
- Artikel in der Dürener Zeitung vom 6. Juli 2010
- Artikel in den Aachener Nachrichten vom 5. Juli 2010
- Frieder Schmidt: Schoeller, Heinrich August. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 23. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 366–367 (deutsche-biographie.de).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Impressum. In: kanzan.de. Abgerufen am 12. Mai 2026.
- 1 2 3 4 Kanzan Spezialpapiere GmbH, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 zum 31.12.2024, veröffentlicht im Unternehmensregister am 24. November 2025, abgerufen am 24. März 2026.
- ↑ K-PAC. Die innovative Lösung für die Laserbeschriftung von Verpackungen. In: kanzan.de. Abgerufen am 11. Mai 2026.
- ↑ Zanders verkauft Anteile an der Dürener Kanza. In: gsc-research.de. 14. Juni 2000, abgerufen am 12. Mai 2026.
- 1 2 Masaru Tahara: A Report of an Overseas Japanese Engineer from Kanzan, Germany. In: Japan Tappi Journal. Band 66, Nr. 11, 2012, S. 1254–1257, doi:10.2524/jtappij.66.1254 (jst.go.jp [abgerufen am 12. Mai 2026]).
- 1 2 Neues Kraftwerk der Kanzan Spezialpapiere GmbH. In: Wochenblatt Papierfabrikation. 28. April 2011.
- ↑ Announcement Concerning Thermal Paper Production Expansion in Germany. In: ojiholdings.co.jp. 24. März 2022, abgerufen am 12. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Kanzan invests in colour preparation at Düren plant. In: euwid-paper.com. 14. Februar 2024, abgerufen am 12. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Jörg Abels: Papierfabrik Kanzan setzt Richtung Wasserstoff auf Biomasse. In: aachener-zeitung.de. 12. Februar 2025, abgerufen am 12. Mai 2026.
- ↑ Jörg Abels: Papierfabrik Kanzan setzt Richtung Wasserstoff auf Biomasse. In: Aachener Zeitung. 12. Februar 2025, abgerufen am 12. Mai 2026.
- ↑ Schoeller, Hugo Albert: Mein Papier, du bist ein herrlich Sach. RVS 1710–1960. Jubiläumsschrift 250 Jahre, Düren 1960. S. 3.
- 1 2 Schoeller, Hugo Albert: Mein Papier, du bist ein herrlich Sach. RVS 1710–1960. Jubiläumsschrift 250 Jahre, Düren 1960. S. 4.
- ↑ Geuenich, Josef: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Hrsg. von der Düren-Jülicher Papierindustrie, Düren 1959. S. 499.
- ↑ Schoeller, Hugo Albert: Mein Papier, du bist ein herrlich Sach. RVS 1710–1960. Jubiläumsschrift 250 Jahre, Düren 1960. S. 4–8.
- ↑ Geuenich, Josef: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Hrsg. von der Düren-Jülicher Papierindustrie, Düren 1959. S. 501.
- ↑ Schoeller, Hugo Albert: Mein Papier, du bist ein herrlich Sach. RVS 1710–1960. Jubiläumsschrift 250 Jahre, Düren 1960. S. 8.
- ↑ Geuenich, Josef: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Hrsg. von der Düren-Jülicher Papierindustrie, Düren 1959. S. 502.
- ↑ Thermopapier. In: kanzan.de. Abgerufen am 11. Mai 2026.
- ↑ Paulina Hahn, Moritz Goldbrunner, Simone Posch, Franziska Schindler, Nomi Fritsch, Erik Fett, Daniel Thaler, Anna Lexa, Mirna Bekic: Düren Exkursion 2022. In: Wochenblatt für Papierfabrikation. Band 150, Nr. 150, 29. September 2022, ISSN 0043-7131, S. 34–38, doi:10.51202/0043-7131-2022-9 (inlibra.com [abgerufen am 11. Mai 2026]).
- ↑ Inkjet-Papiere. In: Kanzan. Abgerufen am 11. Mai 2026.
- ↑ Kanzan and GAW start up working stations to curtain coater incl. deaeration. In: paperfirst.info. 15. Februar 2024, abgerufen am 12. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
Koordinaten: 50° 47′ 32,1″ N, 6° 29′ 17,4″ O
