Kanzelbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kanzelbach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Kanzelbach
Namensabschnittsfolge auf dem Hauptstrang:
Röschbach → Altenbach → Kanzelbach → Kandelbach
Der Kanzelbach in der Schriesheimer Altstadt

Der Kanzelbach in der Schriesheimer Altstadt

Daten
Gewässerkennzahl DE: 238994
Lage Baden-Württemberg
Rhein-Neckar-Kreis
Stadt Schriesheim
Stadt Ladenburg
Flusssystem Rhein
Abfluss über Neckar → Rhein → Nordsee
Quelle südöstlich von Schriesheim-Altenbach beim Röschbacherhof
49° 28′ 50″ N, 8° 45′ 3″ O
Quellhöhe ca. 357 m ü. NN[1] Quelle des Röschbachs
Mündung am Südrand von Ladenburg von rechts und Osten in den NeckarKoordinaten: 49° 27′ 54″ N, 8° 36′ 20″ O
49° 27′ 54″ N, 8° 36′ 20″ O
Mündungshöhe 96,5 m ü. NN[2]
Höhenunterschied ca. 260,5 m
Länge 12,9 km[3] Hauptstrang ab Röschbach
Einzugsgebiet 51,451 km²[4]

Der Kanzelbach oder Kandelbach ist ein auf dem Hauptstrang etwa 13 km langer Bach im Rhein-Neckar-Kreis im nordwestlichen Baden-Württemberg, der von Osten kommend in Ladenburg von rechts in den unteren Neckar mündet.

Sein rechter Haupt-Oberlauf heißt erst Röschbach, dann Altenbach. In Ladenburg trägt der Bach den Namen Kandelbach. Am Unterlauf zweigt er links den Losgraben ab, der kurz vor der Mündung wieder zuläuft.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bach entspringt im Vorderen Odenwald etwa 1 km südöstlich von Altenbach auf etwa 357 m ü. NN bei dessen Wohnplatz Röschbach oder Röschbacherhof als Röschbach, fließt zunächst nordwestlich auf die Ortschaft Altenbach zu, wo er schon kurz nach Eintritt in den Siedlungsbereich Altenbach genannt wird, und in welchem er auf Südwestlauf schwenkt. Nach dem unteren Siedlungsrand läuft von rechts der Ursenbach zu und wenig danach von links der Rimbach, der sich im Westlauf vom Rande Wilhelmsfelds nähert. Von diesem Zufluss an heißt der Bach bis auf den Abschnitt durch Schriesheim Kanzelbach und läuft ab nun etwa westlich. Zunächst durchfließt er dabei ein Wasserrückhaltebecken, nach dem der bisher längste Zufluss Katzenbach von links zumündet, dann zieht er am Ort Stamberg vorbei durchs sogenannten Schriesheimer Tal bis zur Stadt Schriesheim selbst, die an der Talmündung in die Oberrheinische Tiefebene liegt.

Der Kanzelbach läuft hier in offenem Bett durch die nördliche Altstadt, passiert dabei die Ruine Strahlenburg auf einem linken Sporn und erreicht nach anschließender Durchquerung der westlichen Stadtteile die A 5. Genau hier zweigt in erst südlicher, über den gesamten Lauf südwestlicher Richtung der Losgraben ab. Der Kanzelbach selbst behält seine Richtung zunächst bis an die Stadtgrenze von Ladenburg bei, wo er dann aber nach Süden abknickt und, dem südlichen Teil der städtischen Weichbildgrenze folgend, erst den Losgraben von links wieder aufnimmt und kurz darauf, nach insgesamt etwa 13 km Laufs und auf 96,5 m ü. NN, bei der Neckarhäuser Fähre in den Neckar mündet. Im Bereich von Ladenburg ändert der Kanzelbach wiederum seinen Namen und wird Kandelbach genannt.

Der Losgraben führt heute im Unterlauf nach der Teilung den größten Teil des Wassers; er nimmt auch kurz vor seiner Rückmündung den langen und einzugsgebietsreichen Rombach auf.

Der alte Name Ilbe des Baches lebt noch im Ortsnamen Ilvesheim.

Bei Schriesheim wurde der Bach im Jahre 2000 teilweise renaturiert, im Bereich der Ladenburger Sportstätten im Jahre 2005, dort im Verbund mit Maßnahmen zum Hochwasserschutz.

Einzugsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanzelbach entwässert 51,5 km² des südwestlichen Vorderen Odenwald, des schmalen Streifens der Bergstraße an dessen Westsaum und der Oberrheinischen Tiefebene westwärts zum Neckar. Sein Einzugsgebiet hat etwa die Kontur eines Dreiecks mit einer Ecke im Nordwesten an der Mündung in Ladenburg (96,5 m ü. NN), einer Nordostecke auf dem Eichelberg und einer Südspitze auf dem Gipfel des Heiligenbergs. Die Wasserscheiden sind in ihren westlichen Teilen in der Oberrheinischen Tiefebene sehr flach und kaum erkennbar, während ihre Anteile im Odenwald als Bergkämme deutlich ausgeprägt sind.

Die nördliche Wasserscheide zieht von der Mündung auf 96,5 m ü. NN ungefähr ostwärts, recht nahe am Kanzelbachlauf, bis an den nördlichen Siedlungsrand Schriesheims, wo das Terrain erst auf etwa 110 m ü. NN liegt; auf der Gegenseite fließt das Wasser nordwärts, anfangs oft ohne oberflächlichen Lauf, auf einer alten Flusstrasse des früher weiter abwärts mündenden Neckars, über die Weschnitz und ihre Nebenläufe in den Rhein ab. Von Schriesheim steigt dann die Scheide in einem kurzen nordöstlich laufenden Abschnitt bis auf den Gipfel der Hohen Waid (455,1 m ü. NN), von hier an wieder östlich über zwei Steinberge und den Höhensattel Ursenbacher Höhe auf den Eichelberg (524,9 m ü. NN) bei Weinheim-Oberflockenbach; auch auf diesem Abschnitt entwässern jenseits die nun zahlreicheren Wasserläufe zur Weschnitz, zuletzt über deren linken Odenwald-Zufluss Grundelbach durchs sogenannte Gorxheimer Tal.

Vom Eichelberg zieht die Einzugsgebietsgrenze anschließend in gezacktem Verlauf nach Südwesten, zuerst südwärts durch Wilhelmsfeld auf den Schriesheimer Kopf (529,5 m ü. NN) vor dem Einzugsgebiet der Steinach, dann westwärts oberhalb der Quellen des Steinbachs am anderen Hang über den Dossenheimer Kopf (538,9 m ü. NN) zum Weißen Stein (548,1 m ü. NN), der die höchste Erhebung im Einzugsgebiet ist, und von diesem auch vor noch kleineren Neckarzuflüssen hinab auf den Heidelberger Heiligenberg (439,9 m ü. NN) an der Südspitze.

Auf dem anschließend nordwestlich laufenden Stück des Gesamtwasserscheide steigt diese schnell wieder ab auf die Tiefebene auf etwa 110 m ü. NN und folgt dann lange links dem Rombach. Der aufnehmende Neckar ist hier nirgends auch nur 2 km von der Wasserscheide entfernt.

Der Hauptstrang des Kanzelbaches entspringt im Unterraum Eichelberg-Odenwald des Naturraumes Vorderer Odenwald, durchschneidet bei Schriesheim am Eintritt in die Oberrheinische Tiefebene das schmale Band der Bergstraße und läuft in der anschließenden Tiefebene durch den Unternaturraum Neckarschwemmkegel.

Der östliche Odenwald-Teil des Einzugsgebietes im Odenwald ist im nördlichen Teil ost-westlich von der Achse des Schriesheimers Tals durchzogen, dem zahlreiche tief eingeschnittene Seitentälern zulaufen, sowie weiter im Süden an der Westkante des Mittelgebirges von Kerbtälern durchschnitten, deren Gewässer nach langer Strecke im Vorland meist über den Rombach dem untersten Kanzelbach zulaufen. Der Mittelgebirgsteil ist stark bewaldet und wenig besiedelt. Die einzigen größeren Dörfer sind hier das nur teilweise innerhalb liegende Wilhelmsfeld und der Schriesheimer Ortsteil Altenbach im oberen Tal. Dicht ist dagegen die Besiedlung im Bereich des Mittelgebirgsfußes um die Bergstraße, hier sind von Süd nach Nord der nur teilweise innerhalb liegende Heidelberger Ortsteil Handschuhsheim, Dossenheim und Schriesheim große Bevölkerungsschwerpunkte. Vom ähnlich großen Ladenburg an der Westspitze liegt wieder nur ein Teil innerhalb.

Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bestbach (von rechts in Altenbach)
  • Gembach (von rechts in Altenbach)
  • Kleewiesengraben (von rechts in Altenbach)
  • Ursenbach (von rechts unterhalb Altenbachs)
  • Rimbach alias Rinnbach (von links unterhalb Altenbachs)
  • Katzenbach (von links unterhalb Altenbachs)
  • Pappelbach (von rechts oberhalb Stambergs)
  • Allmesbach alias Allmansbach (von links oberhalb Stambergs)
  • Weittalbach (von rechts unterhalb Stambergs)
  • Geißenbach alias Geisenbach (von links am Altersheim in Schriesheims)
  • Rombach (von links in den Losgraben, kurz vor dem Wiederzusammenfluss)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanzelbach wurde erstmals im Jahre 772 als "Uluina", gesprochen ['ylwiːna], erwähnt. Dieser Name ist wahrscheinlich keltischer Herkunft und bildet die Grundlage des alten Namens Ilbe für den Kanzelbach.

Einst trieb der Bach zwölf Wassermühlen im Schriesheimer Tal und zwei Mühlen (Rautenthaler Mühle und Cronberger Mühle) in der Stadt Ladenburg an.

Am 11. Juni 1859 verwüstete ein Hochwasser des Kanzelbachs mehrere Mühlen und viele Wohnhäuser in Schriesheim. Der Schaden wurde damals auf 100.000 Gulden geschätzt.

Mit dem Bau des Neckar-Kanals in den 1920er Jahren wurde der Bachlauf verkürzt und die Mündung in den Neckar von vormals Ilvesheim nach Ladenburg verlegt. Ende der 1960er Jahre wurde dieser bis dahin durch die Stadt verlaufende Teil des Baches trockengelegt. Der ehemalige Mühlbach wird seitdem um die Ladenburger Südstadt herum bis zum Zusammenfluss mit dem Losgraben geführt.

Im Februar 1972 gab es ein weiteres schweres Hochwasser des Kanzelbachs.

In den 1970er Jahren wurde das Rückhaltebecken östlich von Schriesheim errichtet.

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Höhe nach dem Höhenlinienbild auf dem Hintergrundlayer Topographische Karte des Online-Kartenservers der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). Siehe bei den → Weblinks.
  2. Stauziel des Neckars zwischen der Schwabenheimer und der Feudenheimer Schleuse, in nach blauer Beschriftung auf dem Hintergrundlayer Topographische Karte des Online-Kartenservers der LUBW..
  3. Länge nach dem Layer Gewässernetz (AWGN) des Online-Kartenservers der LUBW.
  4. Einzugsgebiet aufsummiert aus den Teileinzugsgebieten nach dem Layer Basiseinzugsgebiet (AWGN) des Online-Kartenservers der LUBW.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kanzelbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien